16.07.2019

Glyphosat-Urteil: Bayer bleibt für Krebserkrankung verantwortlich

Justiz Gericht Gesetz

Ein US-Richter in Kalifornien hat ein Juryurteil vom März bestätigt: Der Chemiekonzern Bayer ist für die Krebserkrankung eines US-Rentners verantwortlich. Der Bundesrichter reduzierte den Schadenersatz für Edwin Hardemann, der jahrelang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat gearbeitet hatte, gestern allerdings von 80 auf 25 Millionen Dollar. Die deutsche Bundesregierung erwartet, dass die Glyphosatzulassung in Europa Ende 2022 auslaufen wird.
Für die mehr als 13000 klagenden Glyphosat-Geschädigten in den USA lässt dieses Urteil aus zwei Gründen hoffen: Zum einen bestätigt zum zweiten Mal ein Berufsrichter die Einschätzung einer Geschworenen-Jury, dass Glyphosat die Krebserkrankung eines Nutzers verursacht hat. Der persönliche Schadenersatz für Hardeman bleibt daher auch bei fünf Millionen Dollar. Zum anderen hält der Richter das Verhalten der Bayer-Tochter Monsanto für „verwerflich“, weil sie die Gesundheitsrisiken ihres Unkrautvernichters verschleierte, statt sie aufzuklären und zu vermeiden. Deshalb verurteilte er das Unternehmen erneut zu einem sogenannten Strafschadenersatz, den es im deutschen Recht nicht gibt.
Dass dieser Strafschadenersatz mit 20 Millionen Dollar deutlich niedriger ausfällt als im März (damals waren es 75 Millionen), hat verfassungsrechtliche Gründe: Wie US-Gerichte entschieden, muss der Strafschadenersatz in einem angemessenen Verhältnis zum eigentlichen Schadenersatz stehen. Sie haben festgelegt, dass er maximal neunmal so hoch sein darf wie der Schadenersatz. Der kalifornische Richter Vince Chhabria hat ihn bei Edwin Hardeman auf das Vierfache des persönlichen Schadenersatzes reduziert, da ihm Beweise dafür fehlten, dass ein bekanntes oder offensichtliches Gesundheitsrisiko vertuscht werden sollte.
Der Bayer-Konzern hat trotzdem bereits angekündigt, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Parallel läuft allerdings bereits ein Mediationsverfahren mit dem angesehenen US-Anwalt Kenneth Feinberg, zu dem Chhabria die Parteien verpflichtet hat. Der Richter, bei dem sich Hunderte von Glyphosat-Klagen gegen den Konzern stapeln, will die Verfahren abkürzen und die Beteiligten zu einer außergerichtlichen Einigung bewegen. Denn der Weg durch die Instanzen würde Jahre dauern. Und auch Bayers Aktionäre erhöhen offenbar inzwischen den Druck auf das Management, die Klageflut mit einem Vergleich einzudämmen.
In Deutschland scheint sich unterdessen eine gemeinsame Position in der großen Koalition zum Glyphosatausstieg abzuzeichnen. Wie der Tagesspiegel berichtet, seien das in der Frage seit Jahren zerstrittene Agrar- und das Umweltministerium „nah“ an einer Einigung auf einen Ausstiegsplan - auch was Auflagen für glyphosathaltige Spritzmittel angeht. Agrarministerin Julia Klöckner geht danach davon aus, dass es unter den europäischen Mitgliedsstaaten keine Mehrheit mehr für eine Verlängerung geben wird, wenn die Zulassung für das Totalherbizid im Dezember 2022 endet. Auch in Deutschland solle das umstrittene Unkrautgift danach nicht mehr versprüht werden, so Klöckner. [vef] [+] mehr...

11.07.2019

Artenschutz oder Einfallstor: Die USA diskutieren über eine Gentech-Kastanie

Eukalyptus Bäume Baum Brasilien

Ein Pilz hat die amerikanische Kastanie nahezu ausgerottet. Nun sollen gentechnisch veränderte und dadurch resistente Kastanien die Art wiederbeleben. Doch der Widerstand gegen eine Freisetzung wächst. [+] mehr...

09.07.2019

USA: Gentech-Weizen verärgert Landwirte

Weizen

Auf einem unbepflanzten Feld im US-Bundesstaat Washington ist gentechnisch veränderter (gv) Weizen MON 71800 gefunden worden. Wie die amerikanische Kontrollbehörde für Tier- und Pflanzengesundheit (APHIS) im Juni mitteilte, ist der Weizen gegen das Pflanzengift Glyphosat resistent. Er soll nicht in die Lebensmittelkette gelangt sein.
Entdeckt wird solcher gv-Weizen meist, wenn eine Ackerfläche mit einem glyphosathaltigen Unkrautvernichter freigemacht werden soll und einige Ähren das überleben. Da in den USA schon öfter nicht zugelassener gv-Weizen aufgetaucht ist, haben die US-Behörden 2016 strengere Regeln für Freilandversuche erlassen. So müssen Forscher sich solche Versuche seither genehmigen lassen. Mithilfe von Auflagen will APHIS das Risiko minimieren, dass der gv-Weizen sich außerhalb der Versuchsfelder ansiedelt oder nach dem Ende der Versuche dort weiterwächst. APHIS wies daraufhin, dass es in den USA derzeit nicht erlaubt ist, gv-Weizen kommerziell anzubauen oder zu verarbeiten.
Wie eine Sprecherin des Chemiekonzens Bayer der Nachrichtenagentur Reuters sagte, habe sich an dem aktuellen Fundort früher eine Versuchsfläche ihres Tochterunternehmens Monsanto befunden. Der amerikanische Saatgutgigant war 2018 von Bayer aufgekauft worden. Monsanto hatte in den 1990er und 2000er Jahren dort glyphosatresistenten Weizen entwickelt, den es zusammen mit seinem glyphosathaltigen Spritzmittel Round up verkaufen wollte. Im Jahr 2004 stellte Monsanto die Versuche jedoch ein, da amerikanische Landwirte befürchteten, gv-Weizen in Übersee nicht verkaufen zu können. Offenbar zu recht. Wie die Webseite „Farm and Dairy“ (deutsch: Bauernhof und Milchwirtschaft) berichtete, hatten Länder wie Japan und Korea seit 2013 sämtliche amerikanische Weizenlieferungen auf zwei gentechnisch veränderte Weizensorten hin untersucht. Einige asiatische Länder verboten den Import von US-Weizen zeitweise komplett.
Die Landwirte seien frustriert, dass jetzt schon wieder gv-Weizen gefunden wurde, teilte der Verband der amerikanischen Weizenhändler (USW) mit: „Sie fühlen sich hilflos, weil sie nicht wissen, wie sie das Problem lösen sollen.“ Als die Behörde des Landwirtschaftsministeriums USDA den Fund bekannt gab, sei noch nicht einmal klar gewesen, um welche gv-Weizensorte es sich handele, kritisierte der Verband. Da könne doch keiner abschätzen, wie die Importländer reagierten. Bereits 2018 war in Alberta, Canada, 2016 im US-Bundesstaat Washington, 2014 in Montana und 2013 in Oregon nicht zugelassener gv-Weizen gefunden worden. [vef] [+] mehr...

Regionale Nachrichten

21.03.2018

Baden-Württemberg: Ohne Gentechnik gegen die Tigermücke

Dengue Fieber Mücke

Seit einigen Jahren breitet sich die Asiatische Tigermücke in Baden-Württemberg aus. Das Bundesland will die dauerhafte Ansiedlung verhindern und dazu sterile Mückenmännchen aussetzen. Das funktioniert auch ohne Gentechnik. [+] mehr...

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Kein Freifahrtschein für neue Gentechnik-Verfahren!

Foto: Infodienst
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Gentechnik ist out. Deshalb versuchen einige Firmen jetzt, die Manipulation von Erbgut einfach anders zu bezeichnen. Und die Bundesregierung macht mit: sie stufte einen mit neuen Gentech-Methoden hergestellten Raps (herbizid-resistent) als „nicht als Gentechnik im Sinne des Gentechnikgesetzes“ ein. Damit könnte die Pflanze ohne Kennzeichnung und Sicherheitsmaßnahmen auf den Acker. 27 Verbände wollen das verhindern. Machen Sie mit!

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