18.04.2019

Europa: Ist Crispr-Cas nach der Wahl keine Gentechnik mehr?

EU Parlament Abstimmung

Angesichts sinkender Erträge bei der Weizenernte will Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) künftig stärker auf gentechnisch veränderte Pflanzen setzen. Sie nennt sie allerdings nicht so. Wenn das Erbgut von Pflanzen mit der Crispr-Technologie verändert werde, sei das eine „neue Züchtungsmethode“, sagte sie heute in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe.
Die grüne Gentechnik – also ihr Einsatz in der Landwirtschaft – werde in Deutschland nicht akzeptiert, konstatierte die Ministerin. „Das muss man hinnehmen.“ Mit dem Crispr-Verfahren, auf das sie große Hoffnungen setze, könne man das Erbgut von Pflanzen aber gezielter und schneller positiv beeinflussen, als das durch klassische Züchtung gehe, behauptete die Ministerin. Die Interviewer wunderten sich: „Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stuft auch das als Gentechnik ein“, hielten sie der Ministerin entgegen. Darauf Klöckner: „Damit müssen wir umgehen.“
Damit umschreibt sie, was sie von dem Urteil der obersten europäischen Richter hält: nichts. Bereits im September 2018 hatte sie es als „sachlich falsch“ bezeichnet, die Crispr-Technologie mit der Gentechnik „in einen Topf zu werfen“, wie es der EuGH im Juli getan hatte. Schon damals sprach sie davon, dass Gesetze geändert werden könnten, und wollte die Diskussion auf europäischer Ebene vorantreiben. Dass sie das jetzt kurz vor der Europawahl tut, ist vermutlich kein Zufall. Wobei sich die CDU in ihrem EU-Wahlprogramm nicht zum Thema Gentechnik positioniert. Klöckner bläst damit aber ins gleiche Horn wie der sozialdemokratische EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. Er hatte Ende März gesagt, die „neuen Pflanzenzüchtungstechniken“ brauchten eine neue EU-Gesetzgebung, welche die neuesten Technologien berücksichtige. Gegenüber dem Nachrichtenportal Euractiv ergänzte Andriukaitis, dass sie von der neuen Europäischen Kommission nach den EU-Wahlen im Mai geregelt werden sollten.
Auch der stellvertretende Vorsitzende des Agraraussschusses im Europäischen Parlament erwartet in der nächsten Legislaturperiode eine solche Diskussion. „Das nächste Parlament wird bald feststellen, dass nach dem Urteil des EuGH eine erneute Gesetzgebung zu diesem Thema erforderlich sein wird“, prognostizierte Paolo De Castro, der nicht mehr kandidieren will. Der genetische Schutz von Pflanzen werde in der Landwirtschaft der Zukunft immer wichtiger werden – wichtiger als die Chemie, so der Sozialdemokrat gegenüber Euractiv.
Wie Ministerin Klöckner ist er der Ansicht, dass neue Technologien wie Crispr-Cas dazu beitragen könnten, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. So könnten auch die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft eingedämmt und damit der Klimawandel verlangsamt werden. Umweltschützer in Parteien und Verbänden glauben das nicht. „Julia Klöckner, wie immer in holder Eintracht mit dem Bauernverband, verbreitet nun auch die Nebelkerze der Gentech-Industrie, dass Crispr-Pflanzen die Landwirtschaft klimafreundlicher machen“, twitterte der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling. Er hält das für „Unsinn“ und verweist auf eine Studie im Auftrag der Grünen zum „Mythos der klimasmarten Landwirtschaft“, die im Oktober 2018 vorgestellt wurde. Wie der Informationsdienst Gentechnik berichtete, weisen auch andere Forschende immer wieder darauf hin, dass Gentechnikbefürworter seit 30 Jahren versprechen, klimaangepasste Pflanzen zu entwickeln. Bis heute stammen diese jedoch fast ausschließlich aus konventioneller Zucht. [vef] [+] mehr...

16.04.2019

Ohne Gentechnik: oranger Mais mit Betacarotin

Mais

Konventionellen Züchtern ist es gelungen, Maissorten zu entwickeln, die mehr Betacarotin enthalten. Damit lasse sich nach Einschätzung der Wissenschaftler Mangelernährung in Entwicklungsländern schnell und wirkungsvoll bekämpfen. [+] mehr...

12.04.2019

US-Gericht: Bayer soll mit Glyphosat-Klägern Vergleich schließen

Justiz Gericht Gesetz

Im Rechtsstreit um Gesundheitsschäden durch den Unkrautvernichter Glyphosat wies ein amerikanisches Bundesgericht die Parteien einer Sammelklage an, sich um einen außergerichtlichen Vergleich zu bemühen. Nach Medienberichten will der Chemiekonzern Bayer sich dem Wunsch fügen, einen Mediationsversuch zu starten. Unterdessen hat ein französisches Gericht in letzter Instanz anerkannt, dass Monsantos Herbizid Lasso bei einem Landwirt Nervenschäden verursacht hat.
Der kalifornische Richter führt ein Sammelverfahren, das nach Angaben der Organisation „U.S. Right to Know“ inzwischen rund 800 Klagen bündelt. In einem ersten Musterprozess hatte die Geschworenenjury dem krebskranken Rentner Ed Hardemann Ende März 80 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen. Sollten sich sämtliche Prozessparteien jetzt nicht auf einen Mediator einigen, werde er selbst einen beauftragen, schrieb Richter Vince Chhabria gestern in seiner Anweisung. Den für 20. Mai geplanten Start eines weiteren Prozesses sagte er ab. Sein Ziel ist offenbar, die Gerichtsverfahren schnell abzuschließen, statt sie durch alle Instanzen laufen zu lassen.
Wie die Rheinische Post berichtet, wolle Bayer die richterliche Anweisung „selbstverständlich“ befolgen. Bayers Bedenken liefert die Zeitung gleich mit: Das Verfahren befinde sich noch in einer frühen Phase und es gebe erst zwei Urteile (ehrenamtlicher) Jurys. In beiden Fällen hat der Konzern Berufung eingelegt und hofft auf die Entscheidung von Berufsrichtern in der nächsten Instanz. „Daher werden wir uns auch weiterhin darauf konzentrieren, unsere glyphosatbasierten Herbizide vor Gericht zu verteidigen“, zitiert das Blatt einen Unternehmenssprecher. Bereits im Oktober 2018 hatte ein kalifornisches Gericht Bayer verpflichtet, dem krebskranken Hausmeister Dewayne Johnson 78 Millionen Dollar Schadenersatz zu zahlen. Er hatte wie Hardemann vor seine Erkrankung jahrelang mit Glyphosat gearbeitet.
Analyst Daniel Wendorff von der Commerzbank bezweifelt angesichts der Klageflut, dass Bayer sich schon jetzt auf einen Vergleich einlassen werde, berichtet das Handelsblatt. Denn so könnte ein Präzedenzfall geschaffen werden. Sein Kollege Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan gehe davon aus, dass die Zahl der Klagen von zuletzt 11.200 noch auf mindestens 15.000 steigen werde, so das Blatt weiter. Das könnte Bayer insgesamt fünf Milliarden Euro Schadenersatz kosten. Diese Summe sei für den Bayer-Vorstand noch kein Problem, meint Markus Manns, Portfolio-Manager bei Union Investment. „Muss Bayer am Ende aber mehr als zehn Milliarden Dollar zahlen, hat der Vorstand die Risiken von Monsanto klar unterschätzt", sagte Manns kürzlich der Rheinischen Post. Bis zur Bayer-Hauptversammlung am 26. April dürfte das noch nicht entschieden sein. Klar ist jedoch bereits, dass bei Bayer allein in Deutschland 4500 Stellen abgebaut werden sollen.
In Frankreich hat Bayer gestern einen Prozess um Gesundheitsschäden durch ein anderes Monsanto-Produkt, den Unkrautvernichter Lasso, verloren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters entschied ein Berufungsgericht in Lyon, dass Lasso bleibende Nervenschäden bei einem Bauern verursachte, der das Produkt im Jahr 2004 versehentlich eingeatmet hatte. Monsanto habe nicht ausreichend vor dieser Gefahr gewarnt. Die Höhe der Entschädigung legte das Berufungsgericht noch nicht fest. Es verwies dafür an ein anderes Gericht in Lyon. Der Kläger fordert mehr als eine Million Euro Schadenersatz. Das Pflanzengift mit dem Wirkstoff Monochlorbenzol ist in Frankreich seit 2007 verboten. [vef] [+] mehr...

Regionale Nachrichten

21.03.2018

Baden-Württemberg: Ohne Gentechnik gegen die Tigermücke

Dengue Fieber Mücke

Seit einigen Jahren breitet sich die Asiatische Tigermücke in Baden-Württemberg aus. Das Bundesland will die dauerhafte Ansiedlung verhindern und dazu sterile Mückenmännchen aussetzen. Das funktioniert auch ohne Gentechnik. [+] mehr...

Aktionen

Kein Freifahrtschein für neue Gentechnik-Verfahren!

Foto: Infodienst
Foto: Infodienst

Gentechnik ist out. Deshalb versuchen einige Firmen jetzt, die Manipulation von Erbgut einfach anders zu bezeichnen. Und die Bundesregierung macht mit: sie stufte einen mit neuen Gentech-Methoden hergestellten Raps (herbizid-resistent) als „nicht als Gentechnik im Sinne des Gentechnikgesetzes“ ein. Damit könnte die Pflanze ohne Kennzeichnung und Sicherheitsmaßnahmen auf den Acker. 27 Verbände wollen das verhindern. Machen Sie mit!

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Filme und Videos

Auf unserer Schulseite schule-und-gentechnik.de finden Sie Filme und Videos zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft

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