21.02.2017

EU-Staaten gegen Patente auf konventionelle Züchtung

Brokkoli Patent Patente EPA

Die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten wollen gemeinsam gegen Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Zucht vorgehen. Das beschlossen sie gestern im Europäischen Rat für Wettbewerbsfähigkeit, wie das Bündnis „Keine Patente auf Saatgut!“ mitteilte. Die EU-Staaten wollen jetzt gemeinsam dafür sorgen, dass das Europäische Patentamt (EPA) die bestehenden Verbote schärfer auslegt und seine bisherige Praxis, Patente zu erteilen, ändert. Damit unterstützen die Regierungen entsprechende Positionen des Europäischen Parlamentes und der EU-Kommission.
Das EPA hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere erteilt, darunter auf Brokkoli und Tomaten. Zuletzt hatte das EPA für die Brauereikonzerne Carlsberg & Heineken sogar Braugerste und das aus dieser Gerste hergestellte Bier patentiert. Nach Auffassung der EU-Kommission dürfen jedoch nur Gentechnik-Verfahren patentiert werden, bei denen zusätzliche Gene ins Erbgut eingebaut werden. Der Brauereikonzern Carlsberg verwies darauf, dass vor allem das Brauverfahren patentiert wurde, damit sich die Entwicklungskosten amortisierten.
Die aktuellen Beschlüsse des Rates folgen auf jahrelange Proteste der Zivilgesellschaft gegen Patente auf Pflanzen und Tiere. Hunderte von Organisationen hatten dabei Millionen von Unterschriften gesammelt. Das Bündnis “Keine Patente auf Saatgut!“ warnte, die Konzerne wollten so ihre Marktmacht weiter ausbauen - zum Schaden von Landwirten, anderen Brauereien, Züchtern und Verbrauchern. [vef] [+] mehr...

08.02.2017

Hobby-Gentechnik mit Bio-Baukästen strafbar

Test Glasses, Foto: Renate Dodell (http://bit.ly/2kmbNYE, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/)

Während sich die deutsche Politik noch streitet, ob neuartige Technologien wie CRISPR-Cas9 überhaupt Gentechnik sind, bereitet der amerikanische Markt bereits Kinder und Jugendliche auf deren Einsatz vor: Über das Internet vertreiben US-Firmen Gentechnik-Experimentierkästen für junge Hobby-Biologen, mit denen Gene von Bakterien verändert werden können. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnt: Das kann strafbar sein.
„Durch Genome-Editing-Verfahren wie etwa CRISPR-Cas ist es einfach und preiswert möglich, das Erbgut von lebenden Organismen gezielt zu verändern“, so das BVL in einer Fachmeldung. Daher könne mithilfe dieser Biologiebaukästen zu Hause und ohne zusätzliche Geräte das Erbgut von Organismen wie etwa E. coli-Darmbakterien verändert werden.
Laut einem Bericht des MDR enthalten die Baukästen unter anderem einen Brutkasten, ein beheiztes Wasserbad und eine Bakterien-Kultur. Diese Bakterien können im Experiment genetisch so verändert werden, dass sie gegen Antibiotika resistent sind oder unter UV-Licht leuchten. „Derartige Experimente im heimischen Hobbykeller mögen lehrreich und spannend sein“, schreibt das BVL. Nach deutschem Gentechnikrecht sind sie jedoch nicht zulässig.
Gentechnische Experimente dürften laut BVL nur in „gentechnischen Anlagen“ durchgeführt werden, also in geeigneten, behördlich überwachten Laboren unter Aufsicht eines sachkundigen Projektleiters. Anderenfalls drohe eine Geldbuße bis zu 50.000 €. Werden bei den Experimenten gentechnisch veränderte Organismen wie Bakterien freigesetzt, kann das mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden. [vef] [+] mehr...

01.02.2017

Neue Kampagne: Der Gentechnik Grenzen setzen

Vorsicht Gentechnik: Olivenfliege

Unter dem Titel „Der Gentechnik Grenzen setzen“ hat das Münchner Institut Testbiotech eine Kampagne gestartet, die der Diskussion über Folgen und Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen und Tiere bis zur Bundestagswahl im September neue Impulse verleihen soll. In den kommenden Monaten wird dabei eine Auswahl von Gentechnik-Organismen vorgestellt, die wir in loser Folge auch hier im Informationsdienst Gentechnik präsentieren werden.
Bei den ersten Beispielen handelt es sich um gentechnisch veränderte Äpfel, Fische und Insekten der US-Firma Intrexon. „Die Gentechnik-Debatte wird stark von den Interessen der Industrie bestimmt“, kritisiert Christoph Then für Testbiotech. „Ihr Einfluss auf Forschung, Politik, Behörden und die Medien hat in den letzten Jahren sogar noch weiter zugenommen. Mit unserer Aktion wollen wir eine informierte und kritische Auseinandersetzung ermöglichen.“ Außerdem gibt es Mitmachaktionen, die dazu beitragen sollen, im Jahr der Bundestagswahl von den Parteien und ihren Kandidaten politische Verantwortung einzufordern.
Beispiel 1: Fliegen mit tödlichem Erbgut
Olivenfliegen, Fruchtfliegen und Kohlmotten verursachen Schäden in der Landwirtschaft. Um dem entgegenzuwirken, will die Firma Oxitec gentechnisch veränderte Männchen dieser Arten freisetzen, die sich in den natürlichen Populationen paaren sollen. Ihr Erbgut ist für die weiblichen Nachkommen tödlich. Die männlichen Nachkommen überleben und verbreiten das Erbgut immer weiter. Im Ergebnis sollen so die natürlichen Populationen reduziert und vielleicht sogar ausgerottet werden. Laut Testbiotech gibt es Pläne, gentechnisch veränderte Frucht- und Olivenfliegen in Europa zu Versuchszwecken unter Netzen fliegen zu lassen.
Was ist problematisch?
• Durch die Fliegen der Firma Oxitec kann es zu einer erheblichen Reduktion der betroffenen Arten kommen. Dies kann die biologische Vielfalt beeinträchtigen und sich negativ auf die Stabilität der Ökosysteme auswirken.
• Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die künstlichen Gene dauerhaft in den natürlichen Populationen überdauern werden. Die Oxitec-Insekten sind mit synthetischer DNA ausgestattet: Dabei werden Gene von Meeresorganismen, Insekten, Bakterien und Viren miteinander kombiniert. Wie die Tiere und deren künstliches Erbgut sich über längere Zeiträume und unter wechselnden Umweltbedingungen verhalten, lässt sich nicht vorhersagen.
• Niemand kann kontrollieren, wie sich die Insekten ausbreiten werden. Sie können beispielsweise die Grenzen von Staaten überqueren, die keine Gentechnik-Organismen freisetzen wollen. Betroffen wäre auch die ökologische Landwirtschaft.
• Sollten ungewollte Nebeneffekte auftreten, können die manipulierten Fliegen nicht wieder aus der Umwelt entfernt werden.
• Die weiblichen Larven der Insekten würden in den befallenen Früchten sterben. So würden wir Menschen sie samt ihrem künstlichen Erbgut verspeisen.
Die Firma Oxitec, die gentechnisch veränderte Insekten produziert, hat ihren Sitz in England und wurde vom US-Unternehmen Intrexon aufgekauft. Die Firma Intrexon wurde vom Milliardär Randal J. Kirk gegründet und hat Patente angemeldet, in denen unter anderem genmanipulierte Mäuse, Ratten, Katzen, Hunde, Rinder, Schweine, Pferde, Schafe und Schimpansen als Erfindung beansprucht werden. Intrexon produziert auch Gentechnik-Äpfel, Gentechnik-Lachs sowie geklonte Bullen. Ferner kooperiert sie mit der FuturaGene Group bei der Entwicklung von Gentechnik-Bäumen. Zu den Vorständen von Intrexon gehört Robert B. Shapiro, der ehemalige Geschäftsführer von Monsanto. Das Unternehmen verspricht seinen Investoren eine aggressive Markteinführung der gentechnisch veränderten Organismen. [+] mehr...

Regionale Nachrichten

22.08.2016

Bayern: bald Hälfte der Milch gentechnikfrei?

Milch Lidl

Knapp 2,66 Millionen Tonnen Milch ohne Gentechnik wurden 2015 bei den bayerischen Molkereien angeliefert. Davon waren 429.000 Tonnen Biomilch, die generell gentechnikfrei produziert wird. Das ermittelte das bayerische Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte (IEM). Damit wurde 2015 ein Drittel der insgesamt 8,67 Millionen Tonnen bayerischer Milch mit gentechnikfreiem Futter produziert. Das IEM schätzt, dass es 2017 schon die Hälfte sein könnte. [+] mehr...

Aktionen

Kein Freifahrtschein für neue Gentechnik-Verfahren!

Foto: Infodienst
Foto: Infodienst

Gentechnik ist out. Deshalb versuchen einige Firmen jetzt, die Manipulation von Erbgut einfach anders zu bezeichnen. Und die Bundesregierung macht mit: sie stufte einen mit neuen Gentech-Methoden hergestellten Raps (herbizid-resistent) als „nicht als Gentechnik im Sinne des Gentechnikgesetzes“ ein. Damit könnte die Pflanze ohne Kennzeichnung und Sicherheitsmaßnahmen auf den Acker. 27 Verbände wollen das verhindern. Machen Sie mit!

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Filme und Videos

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