07.12.2016

Gutachten: Anbauanträge für Gentechmais fehlerhaft

Mais

Die in der Europäischen Union (EU) eingereichten Anträge auf Anbau von gentechnisch verändertem Mais sollen in zentralen Punkten fehlerhaft sein. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Umweltrechtsexperten Professor Ludwig Krämer, welches das Institut Testbiotech heute veröffentlichte. Nach Ansicht des Rechtswissenschaftlers müssen die Anträge zurückgewiesen und die bereits bestehende Zulassung für Mais MON 810 widerrufen werden. Die Hersteller hätten die Verbreitung der Maisurform Teosinte und damit die Risiken einer unkontrollierten Ausbreitung der manipulierten Mais-Gene unterschätzt.
Betroffen seien laut Testbiotech die Konzerne Monsanto, Pioneer/DuPont und Syngenta. Sie stellen drei Varianten von Gentechnik-Mais her, die Insektengifte produzieren (MON810, Bt 11 und Mais 1507), sowie einen Mais, der gegenüber Herbiziden resistent gemacht wurde (GA21). Da Teosinte sich mit Mais kreuzen kann, können so die in den Mais eingebauten Gen-Konstrukte übertragen werden.
Das hätte laut Gutachten ein zentrales Element der Risikobewertung der EU sein müssen, da eine unkontrollierte Ausbreitung der Gen-Konstrukte Landwirten und Umwelt erheblich schaden könne. Doch in den vor mehreren Jahren eingereichten Anträgen der Firmen werde ein Gen-Austausch zwischen Mais und anderen Pflanzenarten ausdrücklich ausgeschlossen. Die EU-Kommission und die Vertreter der Mitgliedsstaaten wollen am 9. Dezember über drei der Anträge beraten. Eine Abstimmung ist für den 17. Januar 2017 angesetzt. [vef] [+] mehr...

06.12.2016

Schweiz: Nationalrat stimmt für Gentech-Moratorium bis 2021

Sitzung des schweizerischen Nationalrats (Foto: Parlamentsdienste 3003 Bern)

Der Schweizer Nationalrat hat heute dafür gestimmt, das Moratorium für den Anbau von Gentech-Pflanzen um weitere vier Jahre zu verlängern. Die große Kammer des schweizerischen Parlaments folgt damit der Regierung, die das 2017 endende Verbot bis 2021 fortsetzen will. Damit das rechtskräftig wird, muss noch der Ständerat zustimmen.
Nach einem Bericht auf der Parlamentswebseite fiel der Beschluss des Nationalrats heute nach intensiver Diskussion mit 98 zu 89 Stimmen. Die Befürworter eines unbefristeten Moratoriums blieben in der Minderheit. Für die Zeit ab 2022 soll ein Gesetz den kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO) regeln. Die Schweizer Regierung, der Bundesrat, wollte bereits jetzt festlegen, dass dieser Anbau ab 2022 in speziell geschaffenen Gebieten zugelassen werden solle. Isolationsabstände oder Maßnahmen zur Beschränkung des Pollenflugs sollten dafür sorgen, dass GVO sich nicht mit gentechnikfreien Pflanzen vermischten oder kreuzten. Dieses Konzept der Koexistenz hat die Parlamentarier aber offenbar nicht überzeugt: Sie erteilten ihm mit 142 zu 47 Stimmen eine deutliche Absage, schreibt die schweizerische Nachrichtenagentur sda.
Zu Forschungszwecken dürfen GVO in der Schweiz bereits jetzt ausnahmsweise angebaut werden. Den Vorschlag, Forschern die Möglichkeit von Rahmenbewilligungen bei Reihenversuchen einzuräumen, lehnte der Nationalrat jedoch ab. Die Vorlage geht nun an die zweite Kammer des Parlaments, den Ständerat. In der Vergangenheit hatte das Parlament das Moratorium für den kommerziellen Anbau von Gentech-Pflanzen bereits zweimal verlängert. [vef] [+] mehr...

05.12.2016

Hendricks: Gene-Drive zu riskant

DNA Gene

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks spricht sich gegen die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) aus, die mit einem „Gene-Drive“ ausgestattet sind. „Gene-Drives“ sind Manipulationen am Erbgut, durch die sich eine bestimmte Eigenschaft besonders schnell in einer Population ausbreitet. „Eine Freisetzung von Organismen, bei denen ,Gene-Drive‘ verwendet wird, halte ich aus ökologischer Sicht zurzeit für nicht vertretbar,“ so die Ministerin in einem Brief an mehrere Verbände und Initiativen. Diese hatten die Ministerin im Blick auf die aktuelle 13. Biodiversitätskonferenz in Mexiko aufgefordert sich zu positionieren.
„Ich teile Ihre Bedenken, dass ,Gene-Drive‘ erhebliche Auswirkungen auf die Ökosysteme haben kann und dass daher insbesondere Vorsicht bei der Forschung und Risikobewertung walten sollte“, schrieb die Ministerin Ende November. Die Bundesregierung sei sich einig, dass solche Organismen, bei denen meist neuartige Techniken wie CRISPR-Cas9 zum Einsatz kommen, als GVO im Sinne des Gentechnikgesetzes eingestuft werden müssten. Das zuständige Bundesamt für Naturschutz würde im Falle einer Risikobewertung „dem Vorsorgeprinzip in hohem Maße Rechnung tragen“. Aktuell liege dazu in Europa allerdings kein Antrag vor.
Die Bundesumweltministerin versicherte, ihr Ministerium werde die laufenden Prozesse zur Verbesserung der Risikobewertung von „Gene Drive“ unterstützen. Sie werde sich innerhalb der Bundesregierung dafür einsetzen, dass keine entsprechenden GVO freigesetzt würden, solange keine ausreichend hohe Sicherheit gewährleistet sei.
Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, begrüßte das Statement und forderte die Bundesregierung auf, sich für ein „Gene-Drive“-Moratorium auf der Vertragsstaatenkonferenz in Mexiko stark zu machen, die gestern begonnen hat. Noch bis 17. Dezember wird dort über die biologische Vielfalt auf unserem Planeten diskutiert werden. [vef] [+] mehr...

Regionale Nachrichten

22.08.2016

Bayern: bald Hälfte der Milch gentechnikfrei?

Milch Lidl

Knapp 2,66 Millionen Tonnen Milch ohne Gentechnik wurden 2015 bei den bayerischen Molkereien angeliefert. Davon waren 429.000 Tonnen Biomilch, die generell gentechnikfrei produziert wird. Das ermittelte das bayerische Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte (IEM). Damit wurde 2015 ein Drittel der insgesamt 8,67 Millionen Tonnen bayerischer Milch mit gentechnikfreiem Futter produziert. Das IEM schätzt, dass es 2017 schon die Hälfte sein könnte. [+] mehr...

Aktionen

Kein Freifahrtschein für neue Gentechnik-Verfahren!

Foto: Infodienst
Foto: Infodienst

Gentechnik ist out. Deshalb versuchen einige Firmen jetzt, die Manipulation von Erbgut einfach anders zu bezeichnen. Und die Bundesregierung macht mit: sie stufte einen mit neuen Gentech-Methoden hergestellten Raps (herbizid-resistent) als „nicht als Gentechnik im Sinne des Gentechnikgesetzes“ ein. Damit könnte die Pflanze ohne Kennzeichnung und Sicherheitsmaßnahmen auf den Acker. 27 Verbände wollen das verhindern. Machen Sie mit!

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