16.09.2019 |

Europäischer Gerichtshof: Mehr Risikoprüfung braucht es nicht

Gentechnik-Soja "Intacta": Beschwerde am EU-Gerichtshof (Foto: CCO, Pixabay) Gentechnik-Soja "Intacta": Beschwerde am EU-Gerichtshof (Foto: CCO, Pixabay)

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat eine Klage gegen die Zulassung einer gentechnisch veränderten Sojabohne von Monsanto abgelehnt. Nach Ansicht des Gerichts wurden die Risiken der Gentechnik-Bohne ausreichend untersucht, bevor die EU-Kommission ihren Import zuließ.

Geklagt hatten Testbiotech, das europäischen Netzwerk kritischer WissenschaftlerInnen (ENSSER) sowie der Verein Sambucus. Sie warfen der EU-Kommission vor, die gesundheitlichen Risiken der gentechnisch veränderten Sojabohne Intacta von Monsanto nicht ausreichend geprüft zu haben. Die Bohne war die erste gegen das Herbizid Glyphosat resistente Sojabohne, die zusätzlich noch ein Insektengift produzierte. Die EU habe mögliche Kombinationswirkungen der in den Pflanzen enthaltenen Herbizide und Insektizide nicht beachtet, lautete der Hauptvorwurf der Kläger.

Die EU-Kommission erlaubte den Import von Intacta 2012. Den Widerspruch der drei Organisationen gegen die Zulassung hatte sie 2013 zurückgewiesen. Die Klage dagegen scheiterte 2016 vor dem Gericht der Europäischen Union. Nun hat mit dem EuGH auch die zweite Instanz die Forderung nach einer besseren Risikoüberprüfung abgelehnt. Seit 2012 hat die EU-Kommission die Einfuhr zahlreicher Soja- und Maispflanzen zugelassen, in denen mehrere gentechnische Veränderungen miteinander kombiniert wurden. Immer wieder wurden dabei Vorwürfe gegen die Gutachten laut, in denen die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA den Gentech-Pflanzen bescheinigte, gesundheitlich unbedenklich zu sein.

Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then bleibt dabei, dass „die EU bisher viel zu nachlässig mit den Zulassungsprüfungen umgegangen ist“. Die gesundheitlichen Risiken des Verzehrs solcher Pflanzen müssten wesentlich genauer untersucht werden. „Wir hoffen, dass die neue EU-Kommission mit der Praxis ihrer Vorgänger brechen wird und dem Schutz von Mensch und Umwelt mehr Gewicht als den Interessen von Konzernen einräumen wird“, sagte Angelika Hilbeck von ENSSER. [lf]

12.09.2019 |

Studie bestätigt EFSA-Gentechnik-Gutachten mangelnde Qualität

EFSA Das Hauptgebäude der EFSA in Parma (Foto: Lucio Rossi / EFSA)

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat bei ihrer Abschätzung der Umweltrisiken der Gentechnik-Maissorte MON 810 wissenschaftlich mangelhaft gearbeitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine tschechische Umweltwissenschaftlerin in ihrer Bewertung, die von der Fachzeitschrift Environmental Sciences Europe veröffentlicht wurde.

Konkret wirft Veronika Chvátalová von der Masaryk Universität in Brünn in ihrer Untersuchung den EFSA-Gutachtern vor, sie hätten relevante Studien übergangen, Informationen einseitig oder falsch zitiert, Unsicherheiten verschwiegen und notwendige weitere Untersuchungen nicht verlangt. Zudem hätten die EFSA-Experten dabei versagt, Studien und ihre Ergebnisse kritisch zu interpretieren.

Ausgesucht für ihre Überprüfung hatte sich Veronika Chvátalová die von der EFSA 2009 veröffentlichte Bewertung der Risiken, die der Gentech-Mais MON 810 für Bienen und Regenwürmer mit sich bringt. Sie analysierte die von den Gentechnik-Experten der EFSA zitierten Studien ebenso wie deren Auswertung und Darstellung in der EFSA-Stellungnahme. So kam die EFSA zu dem Schluss, dass das Risiko negativer Auswirkungen auf Bienen voraussichtlich sehr gering sei. Dabei hätten drei der acht von der EFSA betracheten Studien negative Effekte festgestellt, kritisiert Chvátalová. Deren Autoren hätten diese ausdrücklich erwähnt und weitere Forschungsarbeiten verlangt. Die meisten Studien stammten übrigens von öffentlichen Institutionen und waren mit öffentlichen Geldern gefördert worden. Nur an einigen Übersichtsarbeiten waren Monsanto-Mitarbeiter beteiligt. In der EFSA-Stellungnahme sei dieser Interessenskonflikt bei der Darstellung der Arbeiten nicht erwähnt worden, stellte die Umweltexpertin fest. Ihr Fazit: Die Art und Weise, in der die Gentechnik-Experten des EFSA GMO-Panels wissenschaftliche Informationen benutzt hätten, sei besorgniserregend und das Gegenteil der versprochenen qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Beratung.

Chvátalová stellt ihre Ergebnisse in Zusammenhang mit zahlreichen anderen Arbeiten, die sich kritisch mit dem wissenschaftlichen Qualität von EFSA-Stellungnahmen auseinandergesetzt haben. Insgesamt zeigten die gesammelten wissenschaftlichen Belege, dass man sich auf die Glaubwürdigkeit der EFSA bei der wissenschaftlichen Bewertung von Gentech-Pflanzen nicht mehr verlassen könne, lautet ihr Ergebnis. Die EFSA hat zu den Vorwürfen öffentlich nicht Stellung bezogen. Eine Anfrage des Infodienstes blieb bisher ohne Antwort. [lf]

09.09.2019 |

Bayers Anwälte sagen: Monsanto-Listen waren nicht illegal

Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Die von Bayer beauftragte Anwaltskanzlei Sidley Austin LLP habe in den Stakeholder-Listen von Monsanto keine Hinweise auf illegales Verhalten gefunden, erklärte der Konzern. Unklar ist, ob den Anwälten alle Listen vorlagen.

Im Mai 2019 berichteten französische Medien darüber, dass die Bayer-Tochter Monsanto in den Jahren 2016 und 2017 von der Agentur FleishmanHillard Listen mit Hunderten Wissenschaftlern und Politikern, Verbraucherschützern und Journalisten hatte erstellen lassen. Sie sollen neben deren Einstellung zu Glyphosat auch private Informationen enthalten haben. Laut Sidley Austin umfassten die Listen 1.475 Personen aus zehn Ländern sowie von EU-Institutionen.

„Wir haben keine Beweise gefunden, die die Behauptungen der französischen Medien unterstützen, dass die Stakeholder-Listen illegal waren“, heißt es in dem Bericht der Anwälte. Auch habe es keine Hinweise auf eine eine illegale Überwachung von Personen gegeben. Die Inhalte der Listen würden hauptsächlich aus öffentlich zugänglichen Informationen wie Presseartikeln oder Social-Media-Accounts stammen. Auch habe man keine Nachweise für die Vorwürfe gefunden, dass in den Listen Hobbys, Freizeitaktivitäten oder andere persönliche Interessen dokumentiert worden seien. Die Kanzlei schrieb, sie habe zwischen dem 31. Mai und dem 9. August 2019 alle Personen auf den Listen schriftlich informiert und ihnen angeboten, die zu ihrer Person gespeicherten Daten zuzusenden. Dieses Angebot hätten bisher 250 Personen in Anspruch genommen. „Auf Basis des Berichts sieht Bayer keine Verstöße von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegen damals geltendes Recht“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns.

Offen bleibt, ob der Kanzlei tatsächlich alle einschlägigen Unterlagen vorlagen. So schreibt Bayer, dass FleishmanHillard dem Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) eine anonymisierte Liste mit deutschen Journalisten zur Verfügung gestellt habe. „Eine solche Liste konnte die von Bayer beauftragte Anwaltskanzlei in den Systemen von Monsanto nicht finden.“ Der DRPR sah in der überprüften Liste „kein Fehlverhalten im Hinblick auf die gültigen Kodizes oder Richtlinien.“ Die taz berichtete, französische Journalisten hätten mit Hilfe der Datenschutzgesetze ihres Landes direkt bei FleishmanHillard Auskunft über die unter ihrem Namen angelegten Dateien verlangt. Sie hätten eine fast achtzig Seiten lange Dokumentation erhalten. Die taz zitierte den früheren französischen EU-Abgeordnete José Bové mit den Worten, er wäre nicht erstaunt zu erfahren, dass noch weitere Listen existieren. Die Kanzlei habe sich nur zu dem Material geäußert, das ihr vorgelegt worden sei. [lf]

06.09.2019 |

Bundesregierung verschiebt Glyphosatausstieg auf Ende 2023

Campact übergibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (re.) 450.000 Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (https://bit.ly/2k4ovMU; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/) Campact übergibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (re.) 450.000 Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (https://bit.ly/2k4ovMU; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Die Bundesregierung hat ein Aktionsprogramm Insektenschutz beschlossen. Es sieht vor, die Anwendung glyphosathaltiger Pestizide bis 31. Dezember 2023 verbindlich zu beenden. Umweltverbände kritisieren den späten Ausstiegstermin, Grüne warnen vor einem möglichen „Kuhhandel“.

Ende 2023 sei der „europarechtlich frühestmögliche Zeitpunkt“, begründete Bundesumweltministerin Svenja Schulze den Termin. Sie wies darauf hin, dass der Einsatz von Glyphosat schon vorher deutlich eingeschränkt werde. Das Aktionsprogramm nennt dazu „Anwendungsverbote im Haus- und Kleingartenbereich und für Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, sowie ein Verbot der Anwendung vor der Ernte und deutliche Beschränkungen der Anwendung vor der Aussaat und nach der Ernte“. Allerdings ist für die dafür notwendige Verordnung im Aktionsprogramm kein fester Termine vorgesehen. Verbieten will die Bundesregierung ab 2021 die Anwendung von Glyphosat und anderen Pestiziden „mit besonderer Relevanz für Insekten in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen“. Vom Tisch ist die zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium umstrittene Auflage, dass Landwirte Ausgleichsflächen bereitstellen müssen, wenn sie Pestizide einsetzen, die die Artenvielfalt gefährden. Im Aktionsprogramm ist nur noch unverbindlich von einem „Refugialflächenansatz“ die Rede, der negative Auswirkungen bestimmter Pestizide auf die Biodiversität kompensieren soll.

Als „unkonkret, unambitioniert und unzureichend“ kritisierte Olaf Bandt, Geschäftsführer für Politik und Kommunikation beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das Aktionsprogramm. Der späte Glyphosat-Ausstieg sei „ein Rückschlag für den Insektenschutz“. Die Bundesregierung sei vor der Agrar-Lobby eingeknickt, kritisierte die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG). Der Ausstieg sei eine Mogelpackung, da die Bundesregierung einfach abwarte, bis die EU-Zulassung auslaufe. CBG-Vorstand Axel Köhler-Schnura verwies auf die EU-Bestimmung, wonach das Verbot einer Agro-Chemikalie möglich sei, wenn es neue Erkenntnisse über deren Gefährlichkeit gebe. Österreich sei diesen Weg gegangen und habe als erster EU-Staat Glyphosat verboten.

Der Industrieverband Agrar, der Bauernverband und Bayer als Hersteller kritisierten, dass die Bundesregierung mit ihrem Ausstiegstermin einer möglichen neuen Glyphosat-Zulassung auf EU-Ebene eine Absage erteile. Gleichzeitig erklärte Bayer, ein Verbot akzeptieren zu wollen. „Man respektiere, dass es in einigen europäischen Ländern den Wunsch der Politik gebe, den Einsatz von Glyphosat zu reduzieren“, zitierte der Tagesspiegel Bayer Agrarvorstand Liam Condon. Gleichzeitig will der Konzern die Wiederzulassung von Glyphosat nach 2022 vorantreiben. Der Tagesspiegel interpretierte Condons Äußerungen so: „Wenn sich nach dem Jahr 2022 einzelne EU-Länder für ein Glyphosat-Aus entscheiden, wird Bayer das akzeptieren und nicht dagegen vorgehen.“ Harald Ebner, Gentechnik-Sprecher der Bundestagsgrünen, warnte vor einem „Kuhhandel wie bei der Gentechnik.“ Um den EU-Staaten 2022 eine weitere Zulassung abzuhandeln, wolle Bayer es einzelnen Staaten „gönnerhaft freistellen, dafür national die Verwendung aus sogenannten ‚politischen Gründen’ einschränken zu dürfen“. Das sei „ganz und gar widersinnig“, Glyphosat müsse aus Gründen des Gesundheits- und Umweltschutzes vom Markt. [lf]

05.09.2019 |

Neue Studie: Glyphosat geht an die Nieren

Auswirkungen von Glyphosat 13,4 Millionen Menschen sind in Argentinien unmittelbar von den Folgen des Glyphosat-Einsatzes betroffen-+-Bild: Pablo E. Piovano

Die Herbizide Glyphosat und Paraquat können bei Landarbeitern dauerhaft die Nieren schädigen. Das zeigt eine internationale Studie, auf die das entwicklungspolitische Inkota-Netzwerk hinweist. Das Netzwerk fordert deshalb, Glyphosat auch in den Ländern des Südens zu verbieten.

Landarbeiter auf zentralamerikanischen Zuckerrohrfeldern leiden auffällig oft an chronischer Niereninsuffizienz, einer Krankheit, die bei mangelnder medizinischer Versorgung zu einem tödlichen Nierenversagen führt. „Neue wissenschaftliche Untersuchungen eines internationalen Forschungsteams aus El Salvador, Belgien, Kuba und Sri Lanka belegen nun, dass die eingesetzten Herbizide Paraquat und Glyphosat maßgeblich für die Erkrankungen verantwortlich sind“, schreibt Inkota. Die Wirkstoffe würden zu krankhaften Veränderungen im Zellstoffwechsel führen, so dass die Schadstoffe von den Nieren nicht mehr ausgeschieden werden könnten. Die Studie sei von dem belgischen Nierenheilkundler und Toxikologen Marc De Broe im Juni dieses Jahres beim Jahreskongress der Europäischen Nierengesellschaft (European Renal Association) vorgestellt worden und soll voraussichtlich im September veröffentlicht werden.

Auf zentralamerikanischen Zuckerrohrfeldern wird neben Glyphosat das in der EU seit 2007 verbotene Herbizid Paraquat eingesetzt. Von ihm ist bekannt, dass es giftig ist und die Nieren schädigt. Bei Glyphosat hingegen stand eine nierenschädigende Wirkung bisher nicht im Focus. Das änderte sich in den letzten Jahren, als sich das Nierenversagen auch bei Landarbeitern auf Reisfeldern in Sri Lanka ausbreitete. Dort wird kein Paraquat eingesetzt, sondern vor allem Glyphosat. Das Forschungsteam konnte zeigen, dass sich die krankhaften Veränderungen der Nieren bei den Landarbeitern in El Salvador und Sri Lanka glichen. Sie schlossen daraus, dass auch die Nierenversagen in Sri Lanka von einem Herbizid verursacht wurden – in diesem Fall von Glyphosat. Bisher haben die Glyphosathersteller einen solchen Zusammenhang zurückgewiesen und für die Nierenversagen der Landarbeiter andere Ursachen ins Feld geführt, von einer möglichen Schwermetallbelastung bis hin zu einer Dehydrierung durch die Arbeit in der Hitze. Dem widersprechen Wissenschaftler mehrerer US-Universitäten. Sie begründen in einer aktuellen Arbeit die Hypothese, dass Glyphosat einen wichtigen Faktor bei diesen Nierenerkrankungen darstellt.

Inkota-Landwirtschaftsexpertin Lena Michelsen forderte die Politik zum Handeln auf: „Die Bundesregierung muss endlich dafür sorgen, dass europäische Konzerne wie Bayer oder Syngenta in Zukunft keine giftigen Pestizide mehr in Ländern des globalen Südens vermarkten dürfen.“ Die deutsche Landwirtschaftsministerin solle bei der Glyphosat-Neubewertung in der Europäischen Union auf ein Verbot drängen, „anstatt weiter auf ihren Kuschelkurs mit der Agrarindustrie zu setzen“, sagte Michelsen. [lf]

03.09.2019 |

Der weltweite Anbau von Gentech-Pflanzen wächst kaum noch

Soja Schrot Export Import Brasilien Brasilianisches Soja für Tierfutter; Foto: Roosewelt Pinheiro/Abr [http://bit.ly/1UNaYle, creativecommons.org/licenses/by/3.0/br/deed.en], via Wikimedia Commons

2018 wurden auf 191,7 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Damit wuchs die Fläche um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das teilte der Internationale Service für die Nutzung von Gentechnik in der Landwirtschaft (ISAAA) mit.

ISAAA ist die einzige Organisation, die einen jährlichen weltweiten Überblick über den Stand der Agro-Gentechnik liefert. Sie wird von Gentechnik-Konzernen finanziert und propagiert den Anbau gentechnisch veränderter (gv) Pflanzen. Selbst ihre Zahlen zeigen, dass die Anbaufläche für gentechnisch veränderte Pflanzen kaum noch wächst und sich weiterhin auf wenige Pflanzen und Länder beschränkt: 99 Prozent der Anbaufläche entfallen auf Sojabohnen, Mais, Baumwolle und Raps. Doch auch hier gibt es noch gentechnikfreie Alternativen. Bezogen auf die von der Welternährungsorganisation FAO veröffentlichten weltweiten Anbauflächen betrage der Gentech-Anteil bei Soja 78 Prozent, bei Baumwolle 76 Prozent, bei Mais 30 und bei Raps 29 Prozent, schreibt die ISAAA.
Neun von zehn gv-Pflanzen wachsen in nur fünf Ländern: USA, Brasilien, Argentinien, Kanada und Indien. Insgesamt bauten 2018 Landwirte in 26 Staaten weltweit gv-Pflanzen an, darunter auch die EU-Staaten Spanien und Portugal, in denen der Gentech-Mais MON 810 kultiviert wird. Die ISAAA führt auch Bangla Desh auf, wo auf 575 Hektar gv-Auberginen angebaut wurden. Ebenfalls zu den 26 Staaten zählen das afrikanische Swasiland, wo 2018 auf 250 Hektar Gentech-Baumwolle wuchs sowie Indonesien, wo versuchsweise gv-Zuckerrohr angebaut wurde.
Verglichen mit 2016 zeigt sich, dass in mehreren Staaten wie Australien, Pakistan und den Philippinen die Anbauflächen leicht zurückgingen. In den USA wurde 2018 deutlich weniger Gentech-Mais angebaut als zwei Jahre zuvor, während Soja und Baumwolle zulegten.
Deutlich gewachsen ist die Anbaufläche für gv-Soja in den letzten beiden Jahren in Brasilien. Dort brennen seit Monaten Wälder im Amazonasgebiet. An über 37.000 Stellen sei Feuer gelegt worden, schreibt die Hilfsorganisation Misereor. „Dahinter stehen vor allem Landwirte, die mehr Acker- und Weideland wollen, um Soja, Mais und Rindfleisch zu erzeugen.“ Laut ISAAA hat die EU 2018 rund 30 Millionen Tonnen Soja aus Brasilien, Argentinien und den USA als Viehfutter importiert. [lf]

30.08.2019 |

Studie: Gentechnik-Pflanzen eher Zeitbombe als Chance

DNA Genom DNA-Modell der Ausstellung "Genome: The Secret of How Life Works" im Jahr 2012 (Foto: George Bush Presidential Library and Museum / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Gentechnik-Pflanzen als Allheilmittel gegen Hunger und Dürre? Wenig geeignet und sehr riskant, sagt eine neue Studie im Auftrag der Grünen-Fraktion im Europaparlament über neue gentechnische Methoden in der Landwirtschaft. Von einer „üblen Täuschung der Verbraucherinnen und Verbraucher“ spricht gar der Bund für Umwelt- und Naturschutz, BUND.

Der Milchbauer und Grünen-Abgeordnete Martin Häusling ist Co-Autor und Herausgeber der im Juli veröffentlichten Studie „Zukunft oder Zeitbombe? Designerpflanzen als Allheilmittel sind nicht die Lösung!“. Sie besteht aus drei Teilen. Den Hauptteil, die kritische Darstellung der neuen Technologien der Gen-Manipulation, hat Heike Moldenhauer vom Verband Lebensmittel ohne Gentechnik beigesteuert. Die Anwältin Katrin Brockmann bespricht die Rechtslage in der Europäischen Union und in den USA für Produkte aus diesen neuen Technologien. Zum Abschluss beschreibt der Apfelzüchter und -forscher Hans-Joachim Bannier jahrzehntelange Fehlentwicklungen in der globalen Apfelzüchtung, die er auf das agrarindustrielle Denken und eine falsche Perspektive auf die Pflanzengenetik zurückführt.

Heike Moldenhauer erklärt zunächst die Grundprinzipien der neueren Gentechnik, von denen CRISPR/Cas wohl die bekannteste ist. „Die Auswirkungen der mit Neuer Gentechnik herbei geführten DNA-Veränderungen lassen sich – angesichts der Komplexität des Genoms und seiner Wechselwirkungen mit anderen Elementen der Zelle und mit der Umwelt – nicht voraussagen“, warnt die VLOG-Expertin. Die Sicherheit der so produzierten Organismen sei „nicht durch systematische Studien belegt“, Erfahrungen gebe es kaum. Denn bislang werden nur eine Raps- und eine Sojasorte in Nordamerika angebaut und vermarktet, die mit einem neuen gentechnischen Verfahren verändert wurden.

Systematisch widerlegt Moldenhauer dann die (teils altbekannten) Versprechungen, mit der neuen Gentechnik könne der Hunger eingedämmt, dem Klimawandel getrotzt und kleine Unternehmen sowie Kleinbauern gefördert werden. Die Nachteile und Risiken der neuen Technologien sind jedoch – ebenso wie das Veränderungspotenzial - deutlich größer als bei der alten Gentechnik. Auch das Anwendungsspektrum ist nun deutlich größer als früher: Die Neue Gentechnik „zielt nicht nur auf Nutzpflanzen, sondern ebenso auf Nutztiere und auf Insekten, Wildtiere, Bäume und Gräser“. Mit den sogenannten „Gene Drives“ sollen ganze Populationen manipuliert werden können, auch wildlebende, mit der Möglichkeit zur Ausrottung. Was solche Eingriffe in die Ökosysteme jeweils bewirken können, „lässt sich nicht annähernd prognostizieren“, schreibt Moldenhauer. Die Politikanalystin weist darauf hin, dass die alten Gentechnik-Patente derzeit ablaufen und die Konzerne sich nun neue Verfahren patentieren lassen, um weiter Kasse zu machen. Sie sieht in dem neuen Ausmaß der technischen Eingriffsmöglichkeiten auch einen Angriff auf den weltweiten und zahlenmäßig durchaus bedeutenden informellen Saatgutsektor, der unabhängig von Agrarkonzernen ist.

Die Anwältin Brockmann hält im Anschluss fest, dass die neuen Technologien unter die EU-Gentechnikrichtlinie fallen: Damit veränderte Organismen müssen also eine Risikobewertung durchlaufen, Nachweisverfahren offenlegen und zudem rückverfolgbar sein. Dass solche Pflanzen in den USA schon angebaut werden, rechtfertige keinen Vertrauensvorschuss, denn die dortige Risikobewertung weise Lücken auf, so Brockmann. Nicht überprüft würden dort „ungewollte Veränderungen des Stoffwechsels der Pflanzen, Interaktionen zwischen Genom und Umwelt und Effekte auf der Ebene der nächsten Generation“.

Apfelexperte Hans-Joachim Bannier moniert in der Studie, dass bei der Apfelzüchtung in der Vergangenheit natürliche Widerstandsfähigkeit und Krankheitsresistenzen geringgeschätzt worden seien und vielmehr auf Geschmack, Optik und Lagereigenschaften gesetzt wurde. Die „hochgezüchteten, aber schwachen Pflanzen“, die laut Bannier seit langem den globalen Apfelmarkt dominieren, sollen mit Chemikalien und der Einfügung eines bestimmten Resistenzgens vor Krankheiten geschützt werden. Doch das klappe nun nicht mehr – obwohl „der konventionelle Erwerbsobstbau heute vollständig am Tropf der Chemieindustrie hängt und ein Obstbau ohne Fungizid-Einsatz den heutigen Obstbauern als weltfremde Spinnerei erscheint“. Der Schorfpilz hat anscheinend gelernt, mit dem einzelnen Resistenzgen, das den quasi wehrlosen Äpfeln implantiert wurde, umzugehen. „Bei vielen Züchtungssorten ist die anfängliche Resistenz inzwischen in vielen Gegenden Deutschlands auf ganzer Linie zusammengebrochen“, hält der Apfelzüchter fest. Alte, eher in Vergessenheit geratene Sorten hätten hingegen „polygen verankerte Resistenzen“, die also nicht nur von einem Gen abhängig sind.

Wirkliche Innovation wäre es, wenn die Risikobewertung neuer Produkte und Verfahren wie der neuen Gentechnik dem Vorsorgeprinzip folge und nicht dem Wunsch der Konzerne nach Deregulierung, kommentierte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Innovative Lösungen sind nur dann zukunftsfähig, wenn sie auch für Umwelt und Natur verträglich sind, und das Gesamtsystem in den Blick nehmen.“ Es sei eine Täuschung der Verbraucher, wenn Befürworter die neuen Techniken als präziser und damit harmloser darstellen, kritisierte Weiger. Einerseits beschränkten sich die neuen Gentechniken nicht ansatzweise auf kleine Änderungen, andererseits sei bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen, welche Auswirkungen auch noch so kleine Veränderungen des Genoms auf den Organismus haben. [rhu/vef]

20.08.2019 |

EU-Kommission lässt zehn Gentech-Pflanzen zu

Mais  Foto: CCO Mais Foto: CCO

Die scheidende Europäische Kommission hat sieben neue Ackerpflanzen als Lebens- und Futtermittel genehmigt, die teils mehrfach gentechnisch verändert (gv) wurden, darunter allein fünf Maissorten. Bei zwei Gentech-Pflanzen verlängerte sie die Zulassung. Mehr als 40 Verbände hatten die Kommission Ende Mai aufgefordert, die GVO nicht vor dem Ende ihrer Amtszeit noch schnell durchzuwinken, sondern ihre Risiken sorgfältig zu prüfen.
Wie die EU-Kommission Ende Juli mitteilte, dürfen neben dem Mais eine neue Sojalinie und eine gv-Baumwolle für zehn Jahre als Lebens- oder Futtermittel in die Europäische Union (EU) importiert werden. Sie alle sind gegen Herbizide resistent oder produzieren Insektengifte. Das gleiche gilt für einen Ölraps und eine Maislinie, deren Zulassung verlängert wurde. Die zehnte im Bunde ist eine gentechnisch veränderte Nelke, die als Schnittblume auf den Markt kommen soll. Der Anbau all dieser Pflanzen ist in der EU verboten.
In ihrer Medieninformation wies die Kommission darauf hin, dass die Pflanzen ein umfangreiches Zulassungsverfahren durchlaufen haben und von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA geprüft wurden. Die EU-Mitgliedsstaaten hatten auch in den zuständigen Ausschüssen über die Zulassungen beraten, hatten aber keine qualifizierte Mehrheit dafür oder dagegen gefunden. Deshalb musste die EU-Kommission am Ende die Entscheidung selbst treffen. Die importierten gv-Pflanzen müssen gekennzeichnet werden und rückverfolgbar sein.
Gentechnikkritische Organisationen warnten, dass damit jetzt unkalkulierbare Gefahren für die menschliche Gesundheit drohen. Denn es sei nicht ausreichend untersucht worden, was im Körper passiert, wenn Produkte aus diesen Pflanzen verzehrt werden. So wies Testbiotech darauf hin, dass die Sojabohnen der Firma Bayer/Monsanto (MON87751), die Insektengifte produzieren, im Verdacht stehen, Allergien auszulösen oder sie zu verstärken. Der Verein warnt ferner vor dem Mais MON87411, der eine sogenannte doppelsträngige RNA (dsRNA) produziert. Diese Moleküle können in Genregulation und Zellstoffwechsel eingreifen und Insekten töten, wenn sie von den Pflanzen fressen. Wie die Moleküle auf Mensch und Umwelt wirken, sei derzeit nicht abschätzbar, so Testbiotech.
Die Initiative „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ (CBG) bezweifelte, dass es die EU-Kommission interessiert hat, ob die Insektengifte dieser Maislinien Bienen, Schmetterlinge oder andere Tiere gefährden. Sie vermisste ferner Untersuchungen dazu, ob die Gentech-Pflanzen unter Stress-Bedingungen wie extremen Wetter-Lagen mehr Gift-Stoffe als sonst absondern. „Die EU hat ihre Pflichten gegenüber Mensch, Tier und Umwelt sträflich vernachlässigt“, kritisierte CBG-Vorstandsmitglied Axel Köhler-Schnura.
Der Geschäftsführer von Testbiotech, Christoph Then, appellierte an die Präsidentin der künftigen EU-Kommission, Ursula von der Leyen, den Schutz von Umwelt und Gesundheit wichtiger zu nehmen als die Interessen großer Konzerne und der US-Wirtschaft. Zugleich befürchtet er allerdings, dass der noch amtierende Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis vor dem Ende seiner Amtszeit Ende Oktober weitere neue Gentech-Pflanzen zulassen könnte. Sogar für den Anbau von gv-Mais in der EU laufen demnach bereits Anträge. [vef]

08.08.2019 |

Boris Johnson will Gentechnikrecht liberalisieren

Boris Johnson, Foto: gov.uk, https://bit.ly/2ZMCL04, http://www.nationalarchives.gov.uk/doc/open-government-licence/version/3/ Boris Johnson, Foto: gov.uk, https://bit.ly/2ZMCL04, www.nationalarchives.gov.uk/doc/open-government-licence/version/3/

Der neue Premierminister Boris Johnson will nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) das britische Gentechnikrecht liberalisieren. Das sagte Johnson in seinen ersten Reden nach seiner Amtseinführung Ende Juli. Doch ob aus der Ankündigung Realität wird, erscheint fraglich.
„Lasst uns jetzt beginnen, den außergewöhnlichen Sektor der Biowissenschaften des Vereinigten Königreiches von Regeln gegen Genveränderung zu befreien“, propagierte Johnson direkt nach seiner Ernennung vor seinem Amtssitz in 10, Downing Street. „Und lasst uns die krankheitsresistenten Feldfrüchte entwickeln, die die Welt ernähren werden.“ Zuvor hatte der EU-Gegner auf die enorme Stärke von britischer Wirtschaft und Lebenswissenschaften verwiesen. Er rief dazu auf, nicht auf die Risiken, sondern auf die Chancen des für den 31. Oktober geplanten Brexit zu schauen. In seiner ersten Rede vor dem Unterhaus wiederholte er tags drauf diese Forderungen.
Den Verband der britischen Bioindustrie macht das zuversichtlich, dass sein Sektor für den neuen Premier hohe Priorität habe. Man hoffe, dass er „mutige Maßnahmen“ wie Steuererleichterungen und Forschungsinvestitionen ergreifen werde, um die entsprechenden Unternehmen zu fördern, hieß es in einer Analyse. Wenn er denn neben der Herausforderung des Brexit dazu komme. Dabei setzt die „Wissenschaftsgemeinschaft“ ihre Hoffnung vor allem auf Jo Johnson, Boris jüngeren Bruder, den der Premier in gleich zwei Ministerien als Staatssekretär installiert hat: im Wirtschafts- und im Bildungsministerium. Welche Aufgaben der 47jährige, der sich als Staatssekretär der Regierung Cameron in der Wissenschaft beliebt gemacht hatte, nun genau übernehmen soll, ist laut Kabinettswebseite noch offen. Dass Jo Johnson in dieser Legislaturperiode sogar an den Kabinettsitzungen teilnehmen wird, lässt Verbandslobbyist Turner hoffen, dass er „eine stärkere Stimme der Gemeinschaft im Herzen der Regierung“ sein wird.
Was die Gentechnik in der Landwirtschaft angeht, könnte diese Hoffnung jedoch trügen. Denn selbst wenn Großbritannien die EU im Herbst ohne Vertrag verlassen wird, gelten die entsprechenden Gesetze in Großbritannien weiter. Darauf hatte der Infodienst bereits 2018 hingewiesen und jüngst nun erneut das britische Magazin Verdict. Die Folge: „Aktuelle Beschränkungen für genmanipulierte Pflanzen werden fortbestehen, bis in Großbritannien ein neues Gesetz verabschiedet wird, was aber wahrscheinlich keine hohe Priorität haben wird“, so die Einschätzung der Verdict-Herausgeberin. Und sollte Boris Johnson eines Tages die Regeln zu Risikobewertung, Kennzeichnung und Nachverfolgbarkeit von gentechnisch veränderten Organismen niederreißen wollen, erscheint fraglich, ob seine Ein-Stimmen-Mehrheit dann (noch) steht.
Die gentechnikkritische Organisation GMWatch sieht sich in ihren Befürchtungen bestätigt, Großbritannien könnte nach dem EU-Austritt offener für genmanipulierte Pflanzen und Lebensmittel sein. Doch Johnson täusche sich: Mithilfe von Gentechnik seien bislang keine krankheitsresistenten Feldfrüchte für den kommerziellen Anbau entwickelt worden, so GMWatch. Konventionell gezüchtet wurden sie dagegen schon. Und der Gentechnik, im Verbund mit industrieller Landwirtschaft, werde es niemals gelingen, die Welt zu ernähren. Stattdessen könne Boris Johnson leicht menschliche Gesundheit und Umwelt massiv schädigen, wenn er Gentechnik im Essen und auf den Feldern erlaube. [vef/rh]

06.08.2019 |

Lebensmittel ohne Gentechnik: zehn Milliarden Euro im zehnten Jahr

VLOG-Grafik: Lebensmittel ohne „Ohne GenTechnik“ in Zahlen (31.3.2019) VLOG-Grafik: Lebensmittel ohne „Ohne GenTechnik“ in Zahlen - Anzahl der Produkte und Umsätze (31.3.2019)

Der Einfluss der Verbraucher ist deutlich: 69 Prozent der Deutschen wollen Lebensmittel kaufen, die ohne Gentechnik hergestellt sind. 14.000 Produkte tragen heute - zehn Jahre nach seiner Einführung – das Ohne-Gentechnik-Siegel. Und der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) schätzt, dass die Kunden 2019 erstmals mehr als zehn Milliarden Euro für solche Produkte ausgeben werden.

„Der Markt für Lebensmittel ohne Gentechnik wächst seit Jahren und ist inzwischen fast so groß wie der Markt für Bio-Lebensmittel“, kommentiert VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting die Zahlen. „Beide Erfolgsgeschichten zeigen deutlich, dass die Menschen in Deutschland zunehmend auf mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelerzeugung achten.“ „Das ‚Ohne GenTechnik‘-Siegel gibt den Verbrauchern Macht – Macht mit jedem Einkauf zu entscheiden, ob der Anbau gentechnisch unveränderter Pflanzen gefördert wird oder nicht“, ergänzt Anne Markwardt von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Denn nur anhand des Siegels können die Kunden erkennen, ob die Tiere, deren Produkte sie im Supermarkt kaufen, mit gentechnisch veränderten Pflanzen wie Mais oder Soja gefüttert wurden.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey unter 2500 Personen, die der VLOG heute vorstellte, begrüßen 82 Prozent der Deutschen diese Transparenz. Und zwei Drittel greifen demnach zu Lebensmitteln ohne Gentechnik. Nach Angaben des VLOG setzte das verarbeitende Gewerbe damit 2018 fast 7,7 Milliarden Euro um. Mit 5400 gekennzeichneten Milchprodukten wurden gut fünf Milliarden Euro umgesetzt, mit 4100 Geflügelfleischwaren 1,41 Milliarden und mit fast 2.200 Eiererzeugnissen ohne Gentechnik 900 Millionen Euro. Diese Angaben beruhen auf Auskünften der Lizenznehmer des Ohne Gentechnik-Siegels und beziehen sich auf die Umsätze der Hersteller. Auf dieser Basis hat der VLOG die Ausgaben der Endverbraucher für Lebensmittel mit Ohne Gentechnik-Siegel geschätzt (Herstellerumsätze plus Marge des Lebensmitteleinzelhandels plus Umsatzsteuer). So errechnete er für 2018 einen Betrag von 9,8 Milliarden Euro. Aufgrund der Prognosen der Lizenznehmer erwartet der Verband, dass sich der Ohne Gentechnik-Umsatz 2019 um elf Prozent auf mindestens 10,9 Milliarden Euro erhöhen wird.

„Die Politik hat die Pflicht, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Lebensmittelwirtschaft weiterhin solche boomenden Märkte bedienen kann“, fordert denn auch VLOG-Vorstandsmitglied Christoph Zimmer. Die Europäische Union wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) müssten das Votum der Verbraucher ernst nehmen, dürften sich nicht länger vor den Karren der Gentechnik-Lobbyisten spannen lassen. „Auch Produkte der Neuen Gentechnik müssen nach Gentechnikrecht geprüft und gekennzeichnet werden“, fordert der Geschäftsführer des Ecoland-Anbauverbandes. „Das hohe Gut des Vorsorgeprinzips muss erhalten bleiben.“ Agrarministerin Klöckner möchte neue Technologien wie Crispr-Cas gerne aus dem Gentechnikrecht herausnehmen. Ihr Bundesinstitut für Risikobewertung veranstaltet von Sonnabend an eine Konferenz, an deren Ende ein Votum von 39 „sachgerecht informierten“ Verbrauchern zu diesem Thema stehen soll. Auch die neue Europäische Kommission wird sich wohl zeitnah mit den neuen gentechnischen Verfahren befassen. Bereits vor der Europawahl hatten sich viele Mitgliedsstaaten dafür ausgesprochen, hier zeitnah eine gemeinsame Regelung zu finden. Der Europäische Gerichtshof hatte im Juli 2018 entschieden, dass neue Verfahren wie Crispr-Cas unter Gentechnikrecht fallen. [vef]

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