11.04.2018 |

Genome Editing: Warum US-Schweinezüchter die Kartoffelbranche beneiden

Schwein Foto: pixelio.de / Karin Wobig

Dass viele gen-editierte Pflanzen, wie etwa ein mehltauresistenter Weizen, in den USA keine Zulassung brauchen, hatte der Infodienst kürzlich schon berichtet. Jetzt hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) klargestellt, unter welchen Voraussetzungen die mit neuen gentechnischen Methoden wie Crispr-Cas bearbeiteten Pflanzen nicht nach Gentechnikrecht zugelassen werden müssen.

Die USDA habe nicht vor, Pflanzen zu regulieren, die auch durch herkömmliche Züchtung entstanden sein könnten, heißt es in der Mitteilung von Ende März. Voraussetzung sei, dass mit den neuen Methoden in der Pflanze entweder nur Gene zerstört oder ein einzelnes Basenpaar ausgetauscht werde. Die neuen Gene müssen von einer verwandten Pflanze stammen, mit der man sie auch kreuzen könnte. Oder es kann sich um die nächste Generation einer Pflanze handeln, die die genetische Veränderung der Mutterpflanze nicht mehr enthält.

Die USDA lobte die gewaltigen Möglichkeiten des Genome Editing, für Bauern und Verbraucher gleichermaßen, mit dem sich Pflanzen gegen Dürre und Krankheiten schützen, ihr Nährwert erhöhen oder Allergene beseitigen ließen. Die amerikanischen Tierzüchter erstarren da vor Neid. Denn wie der Technology Review berichtet, werden gentechnische Veränderungen an Tieren von der US-Lebensmittelbehörde FDA geprüft. Sie behandelt solche Geneditierungen wie Medikamente, da sie das Ziel haben, die Struktur oder Funktion eines Tieres zu beeinflussen. Das bedeutet erhebliche Sicherheitstests für die Züchter. Warum sollen gentechnisch veränderte Kartoffeln lascher überwacht werden, als Gentech-Schweine ohne Ringelschwanz, fragt die Branche empört.

Entsprechend eifrig bearbeiten ihre Lobbyisten die US-Regierung. Sie wollen erreichen, dass die USDA neben den Pflanzen auch für Gentech-Tiere zuständig ist. Und offenbar stoßen sie auf offene Ohren. Denn wie der Technology Review berichtet, bezeichnete US-Präsident Trump die Regulierungsbehörden im Januar in Tennessee als "unbarmherzige Gegner" der Bauern. Seine Regierung werde versuchen, die Anforderungen so zurechtzustutzen, dass moderne Biotechnologie nicht mehr blockiert werde und die Farmer innovativ sein und wachsen könnten. [vef]

05.04.2018 |

Neue Studien zeigen: Glyphosat ist weiterhin gefährlich

Auswirkungen von Glyphosat 13,4 Millionen Menschen sind in Argentinien unmittelbar von den Folgen des Glyphosat-Einsatzes betroffen-+-Bild: Pablo E. Piovano

Mehrere aktuelle Studien zeigen, dass das Herbizid Glyphosat Umwelt und Gesundheit negativ beeinflusst. Sie liefern neue Argumente dafür, den Wirkstoff in Deutschland Ende 2021 endgültig zu verbieten, wie dies Bundesumweltministerin Svenja Schulze forderte.

Wissenschaftler der Universität des US-Staates Indiana haben 71 Schwangere untersucht und bei 93 Prozent von ihnen Glyphosat im Urin nachgewiesen. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen Glyphosatbelastung und einer verkürzten Schwangerschaftsdauer. Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass eine verkürzte Schwangerschaft für das Neugeborene lebenslange negative Auswirkungen haben könnte. Sie mahnten weitere Studien mit mehr Schwangeren an, um zu erkennen, ob die Glyphosatbelastung noch andere Risiken für die Ungeborenen mit sich bringt.

Ebenfalls aus den USA kam die Nachricht, dass die Population des Monarch-Falters weiter abnimmt. Das Center für Biological Diversity (CBD) hatte in den Überwinterungsquartieren des Falters in Mexiko den Bestand überprüft. Waren es vor 20 Jahren noch eine Milliarde Falter, so sind jetzt noch 93 Millionen übrig. Um auf Dauer überleben zu können, müsste die Population 225 Millionen Tiere betragen, schrieb das CBD. Als Grund für die rapide Abnahme nennen die Artenforscher den Einsatz von Herbiziden, insbesondere von Glyphosat. Die Spritzgifte lassen die Wirtsblume des Falters, die Seidenpflanze, absterben.

Argentinische Wissenschaftler haben gezeigt, dass Glyphosat und sein Abbauprodukt AMPA vom Winde verweht werden können. Dazu sammelten sie den Staub, den der Wind von abgeernteten, offen daliegenden Feldern wehte. Der bis zu einer Höhe von eineinhalb Meter aufgewirbelte Staub enthielt 247 Mikrogramm je Kilogramm (µg/kg) an Glyphosat und fast ebensoviel AMPA. Das sei 60 mal mehr Glyphosat als im Boden selbst, heißt es in der Studie. Daraus folge, dass der Erosionsstaub sich möglicherweise negativ auf das Ökosystem und die menschliche Gesundheit auswirke.

Andere argentinische Forscher haben die Kaulquappen von Fröschen gängigen Umweltkonzentrationen an Glyphosat ausgesetzt und dabei unterm Mikroskop Leberveränderungen nachgewiesen. Dabei war die gebrauchsfertige gylyphosathaltige Pestizidmischung Roundup noch schädlicher als reines Glyphosat. Brasilianische Forscher hatten die Fischart Astyanax lacustris in Wasser mit Spuren eines glyphosathaltigen Herbizids schwimmen lassen. Bei einer Konzentration von 50 Mikrogramm je Liter waren die Spermien der Fische bewegungsunfähig, bei 300 Mikrogramm starben die Samenzellen ab.

All diese Studien müssen berücksichtigt werden, wenn in den kommenden Monaten in Deutschland glyphosathaltige Herbizide neu zugelassen werden. Denn dabei sollen die Behörden die Risiken für Nichtziel-Pflanzen und die Biodiversität besonders beachten. Bis Fristende am 16. März hatten acht Hersteller beantragt, 24 glyphosathaltige Spritzmittel in der Bundesrepublik neu zuzulassen. Weitere zwölf Herbizide, die über 2018 hinaus zugelassen sind, würden von Amts wegen überprüft, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Anfrage mit.

Ginge es nach der neuen Bundesumweltministerin Svenja Schulze, würden die Zulassungen nur noch befristet bis Ende 2021 erteilt. Danach will die SPD-Politikerin das Herbizid in Deutschland endgültig verbieten, teilte sie der BILD-Zeitung mit. Bedeckt hält sich dagegen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner von der CDU. Sie sagte der Rheinischen Post lediglich, Naturschutz und Landwirtschaft seien keine Gegensätze und gehörten zusammen: „Und deshalb will ich mit der Kollegin Schulze auch ein gutes Einvernehmen finden.“ [lf]

29.03.2018 |

Petition in der Schweiz: Gentechnikgesetz muss Genome Editing regeln

Schweiz Gentechnikfrei Foto: Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG)

Die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) und die Kleinbauernvereinigung haben eine Petition an die Schweizer Regierung, den Bundesrat, und das Parlament gestartet. Sie fordern darin, neue Gentechnik-Verfahren dem Gentechnikgesetz zu unterstellen.
In der Schweiz gilt noch bis Ende 2021 ein Moratorium für den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Doch der Import gentechnisch veränderter Futtermittel ist ebenso zulässig wie der Anbau zu Forschungszwecken. Deshalb stellt sich auch hier die Frage, wie mit Organismen umgegangen werden soll, die mit Hilfe von Genome Editing Verfahren verändert wurden.

Eine klare Antwort darauf gibt SAG-Präsidentin Martina Munz: „Wo Gentechnik drinsteckt, muss auch Gentechnik draufstehen! Produkte der neuen Gentechnik-Verfahren müssen vor ihrer Freisetzung auf ihre Sicherheit überprüft werden.“ Ohne Einstufung als Gentechnik würde keine Risikobewertung und keine Kennzeichnung verlangt. Weder in der Produktion, noch beim Einkauf gebe es dann noch Transparenz.

Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, hat die SAG zusammen mit der Schweizer Kleinbauernvereinigung die Petition ‚Neue Gentechnik-Verfahren dem Gentechnikgesetz unterstellen!’ gestartet. Sie verlangt von Bundesrat und Parlament, die neuen Verfahren unter das Gentechnikgesetz zu stellen und so dem Vorsorgeprinzip Rechnung zu tragen. Bis in den Spätherbst hinein wollen die Organisatoren online und analog Unterschriften sammeln. Eingebettet ist die Petition in die Kampagne ‚Keine Gentechnik durch die Hintertür’, mit der die Öffentlichkeit über neue gentechnische Verfahren und ihre möglichen Folgen aufgeklärt werden soll.

Die Politik in der Schweiz hält sich bisher bedeckt. Nach Angaben von Paul Scherer, dem Geschäftsführer der SAG, arbeiten die Bundesämter für Umwelt und Landwirtschaft derzeit an einem Grundlagenpapier zu diesem Thema, das voraussichtlich im Frühsommer dem Bundesrat vorgelegt wird. Auf dessen Basis werde dann die Regierung eine Gesetzesvorlage erarbeiten. Beeinflusst werde der Terminplan von den anstehenden Entscheidungen in der EU, sagt Scherer: „Die Schweizer Politiker warten ab, wie der Europäische Gerichtshof entscheiden und was die EU-Kommission daraufhin unternehmen wird. Vorher will sich niemand festlegen.“ Scherer rechnet damit, dass die politische Debatte im Herbst richtig losgehen wird. Ihr Ausgang ist offen. Zwar lehnt der größte Teil der Bevölkerung Gentechnik in Lebensmitteln weiterhin ab. Doch der Bundesrat hatte schon 2015 eine kontrollierte Einführung von Gentech-Pflanzen ab 2021 vorgeschlagen. Den Vorstoß blockte das Parlament damals ebenso ab wie ein dauerhaftes Anbauverbot. Der Kompromiss war die Verlängerung des Moratoriums bis 2021. Danach werden die Gentechnik-Karten in der Schweiz neu gemischt. [lf]

27.03.2018 |

Mexiko: Gentech-Mais in den Tortillas

Mais Mexiko Vielfalt Mais ist wichtiges Grundnahrungsmittel in Mexiko (Foto: © Curt Carnemark / World Bank, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Industriell gefertigte Tortillas in Mexiko sind häufig mit gentechnisch verändertem Mais verunreinigt und mit Glyphosat belastet. Das stellten mexikanische Wissenschaftler in einer Studie fest, auf die die Entwicklungsorganisation GRAIN aufmerksam gemacht hat. Der Gentech-Mais fand sich auch in Exportprodukten.

Mexiko ist die Heimat der Maispflanze und ihre Körner sind dort das wichtigste Grundnahrungmittel. Ein halbes Kilogramm Maismehl isst der durchschnittliche Mexikaner jeden Tag, in Form von Tortilla-Fladen, Snacks oder anderen Gerichten auf Mais-Basis. Der Anbau von gentechisch verändertem (gv)-Mais ist in Mexiko verboten, doch aus den USA darf gv-Mais eingeführt werden, als Futtermittel und für die Lebensmittelindustrie.

Das Forscherteam um Elena Álvarez Buylla von der mexikanischen Universität UNAM hatte 367 mais-basierte Lebensmittel, hauptsächlich aus dem Hochland um Mexico City, eingekauft und analysiert. In 82 Prozent der Proben fanden sie gentechnisch veränderten Mais, besonders häufig in Tortillas. Selbst die Hälfte der als gentechnikfrei ausgelobten Produkte war belastet. Bei 107 Proben bestimmten die Forscher die Menge an gv-Mais. In 46 Fällen waren es mehr als fünf Prozent. Der gv-Mais könne aus den USA importiert worden sein, heißt es in der Studie. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass das heimische Saatgut bereit mit gv-Mais verunreinigt sei. Der Vorschlag der Wissenschaftler: „Die derzeit gültigen Biosicherheitsrichtlinien sollten gründlich überarbeitet werden.“
In einem Drittel der Lebensmittel mit gv-Mais konnte das Labor zudem Rückstände von Glyphosat nachweisen. Die Forscher bemängelten, dass es in Mexiko bisher keine gesetzlichen Grenzwerte für Glyphosatrückstände gebe.

GRAIN weist in der Analyse der Studie auf einen besonderen Aspekt hin: Die Tortillas, die in bäuerlichen Gemeinden aus dem Mehl regionaler Sorten von weißem Mais hergestellt worden waren, wiesen kaum Verunreinigungen auf. Betroffen waren fast ausschließlich industriell gefertigte Tortillas und Fertiggerichte sowie das Mehl aus großen Mühlen. Laut Grain ist Mexiko einer der weltweit größten Hersteller verarbeiteter Lebensmittel. Industriell gefertigte Tortillas werden über Ketten kleiner Supermärkte bis in die Dörfer vertrieben und verdrängen dort die handwerklichen Hersteller, heißt es in der Analyse. Ein Teil der Lebensmittel wird exportiert – nicht nur in die USA, sondern auch nach Europa. Die UNAM-Wissenschaftler hatten deshalb auch einige Proben mexikanischer Lebensmittel in Frankreich, Spanien und Deutschland gekauft. Die drei deutschen Proben waren gentechnikfrei, in einer spanischen und drei französischen Proben fand das Labor gentechnisch veränderte Organismen. [lf]

21.03.2018 |

EU-Kommission: Bayer darf Monsanto unter Auflagen kaufen

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)  EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)

Die Europäische Kommission erlaubt dem Chemiekonzern Bayer, den amerikanischen Saatgutgiganten Monsanto zu übernehmen. Das teilte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel mit. Bedingung ist, dass Bayer Geschäftsanteile im Wert von mehr als sechs Milliarden Euro an den Konkurrenten BASF verkauft. Dieser Deal muss von der Kommission noch abschließend geprüft werden.
„Das Ergebnis dieser Untersuchung ist gegenwärtig noch nicht absehbar“, heißt es in der EU-Mitteilung. Die Kommission habe dazu weitere Informationen angefordert. „Bayer kann die Übernahme von Monsanto erst dann vollziehen, wenn die Kommission die endgültige Veräußerung des gesamten Pakets an BASF förmlich geprüft und genehmigt hat.“ Gelingt die mit 62,5 Milliarden US-Dollar größte Übernahme der Nachkriegsgeschichte, ist Bayer der größte Saatgut- und Spritzmittelkonzern der Welt.
EU-Kommissarin Vestager will sicherstellen, „dass auf den Märkten für Saatgut, Pflanzenschutzmittel und digitale Landwirtschaft auch nach dem Zusammenschluss wirksamer Produkt- und Innovationswettbewerb herrscht“. Daher musste Bayer sich verpflichten, nahezu sein ganzes weltweites Geschäft mit Saatgut für Feldkulturen wie Raps, Baumwolle und Soja sowie mit Spritzmitteln (Glufosinat-Ammonium) zu verkaufen. Als Erwerber ist Konkurrent BASF vorgesehen, teilte Bayer mit.
Außerdem muss Bayer BASF eine Lizenz für seine Produkte der digitalen Landwirtschaft erteilen. Sie errechnen mittels enormer Datenmengen zum Beispiel, wann, wie und wo auf einem Acker gedüngt werden muss. Und schließlich stehen mehrere Forschungsprojekte auf Bayers Verkaufsliste. Drei davon sollen Konkurrenzprodukte für den weltweit meistverwendeten Herbizidwirkstoff Glyphosat von Marktführer Monsanto entwickeln. Damit könnte BASF, das derzeit keine Totalherbizide vertreibt, künftig Wettbewerbsdruck auf den neuen Großkonzern ausüben, erklärte Vestager. Mit dem Gesamtpaket seien sämtliche wettbewerbsrechtlichen Bedenken ausgeräumt. Die EU-Kommissarin verwies darauf, dass dadurch nach dem Zusammenschluss weiterhin sechs globale Akteure Saatgut für großflächigen Anbau anbieten und vier mit agronomischen Merkmalen im Wettbewerb stehen werden.
Die Kommission habe in dem Verfahren sehr eng mit einer Reihe von Wettbewerbsbehörden – dem US-Justizministerium, aber auch den Kartellbehörden Australiens, Brasiliens, Kanadas, Chinas, Indiens und Südafrikas – zusammengearbeitet. Die Bedingungen, die diese an die Übernahme stellen, gingen in die gleiche Richtung, sagte Vestager. Erst vor wenigen Tagen hatte China seine Zustimmung zu dem Deal erteilt. In den USA hat zwar ein Investitionsausschuss (CFIUS) keine Sicherheitsbedenken. Den Wettbewerbshütern im Justizministerium scheinen die Zugeständnisse Bayers nach Medienberichten aber noch nicht zu reichen. Spekuliert wird auch über den Einfluss von US-Präsident Trumps protektionistischer Wirtschaftspolitik. Nach eigenen Angaben liegt Bayer inzwischen „deutlich mehr als die Hälfte“ der weltweit erforderlichen 30 behördlichen Freigaben vor. Der Konzern rechnet damit, Monsanto im zweiten Quartal 2018 übernehmen zu können.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die als Drittpartei am Verfahren beteiligt war, bezeichnete die Entscheidung der Kommission als „konzerngeleitet“. Sie bedeute weniger Wettbewerb und mehr Abhängigkeiten für die Bauern. Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der AbL, kritisierte das Verfahren als „nicht transparent und undemokratisch“. Er forderte die neue Bundesregierung auf, einen staatlichen Saatgutfonds einzurichten, um die Züchtung von samenfestem, nachbaufähigen, gentechnikfreien Saatgut zu fördern.
Den grünen Abgeordneten im Europaparlament, Martin Häusling, hat die Genehmigung erschreckt. „Was das für Folgen hat, zeigen steigende Gesundheitsbelastungen von Landwirten und der dramatische weltweite Rückgang der Artenvielfalt gleichermaßen“, mahnte Häusling. Er verwies darauf, dass sogar Finanzinvestoren vor einem immensen „Reputationsrisiko“ für Bayer warnten. Sein Parteikollege Sven Giegold sprach von einer „giftigen Entscheidung für die europäische Demokratie“ und warnte vor „gefährlicher Machtkonzentration“. Daran änderten die Auflagen der Kommission wenig. Und der Präsident des Naturschutzbund Deutschland, Olaf Tschimpke, ergänzte: „Die Entscheidung steht im Gegensatz zu den Forderungen von Umweltschützern und Verbrauchern auf der ganzen Welt, die sich eine umweltverträglichere, gift- und gentechnikfreie Landwirtschaft wünschen.“ [vef]

20.03.2018 |

Maisstreit: Syngenta muss US-Landwirte mit 1,5 Milliarden Dollar entschädigen

Mais Maisernte USA Maisernte - über 90 Prozent der Mais-Flächen sind in den USA mit Gentechnik bebaut (Foto: United Soybean Board / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Fünf Monate wurde über Details verhandelt, jetzt ist der Vergleich fix: Der Schweizer Konzern Syngenta zahlt in den USA 1,51 Milliarden US-Dollar in einen Fonds. Daraus sollen ab 2019 mehrere Zehntausend US-Landwirte, Getreidehändler und Ethanolhersteller entschädigt werden, die durch die verfrühte Markteinführung der gentechnisch veränderten Maissorte Viptera Umsatzeinbußen erlitten.
Syngenta hatte die Maissorte 2011 auf den Markt gebracht und damals angekündigt, eine Importgenehmigung durch China stehe unmittelbar bevor. Erlaubt hatte China den Import allerdings erst Ende 2014. US-Landwirte, die Viptera anbauten, sahen sich dadurch um den Wachstumsmarkt China gebracht und klagten den Schaden ein. Betroffen waren auch Mais-Bauern, die andere Sorten anbauten. Denn China wies 2013 insgesamt 1,45 Millionen Tonnen US-Mais zurück, weil er mit Viptera verunreinigt war. In der Folge brachen auf dem gesamten Maismarkt die Preise drastisch ein, wofür die US-Landwirte ebenfalls Syngenta verantwortlich machten.
Der von den Rechtsanwälten der Landwirte jetzt veröffentlichte Vergleich muss noch von einem Richter bestätigt werden. Syngenta will damit sämtliche Ansprüche US-amerikanischer Landwirte befriedigen, die sich ursprünglich auf mehr als vier Milliarden Euro summiert haben sollen. Auch mit dem Agrarhändler ADM hat sich Syngenta Medienberichten zufolge inzwischen auf einen Vergleich verständigt. Eine Summe wurde nicht genannt. Offen ist noch eine Klage des Agrarhändlers Cargill, die im kommenden September verhandelt werden soll.
Der Viptera-Vergleich hat dazu geführt, dass Syngenta im Jahr 2017 kaum etwas verdient hat. Der Jahresabschluss weist einen Gewinn von gerade einmal 54 Millionen US-Dollar aus, weil der Konzern 1,55 Milliarden Dollar für den Vergleich zurücklegen musste. Die Folgen der chinesischen Importverzögerung bekommt damit passenderweise auch der chinesische Staatskonzern Chemchina zu spüren, der Syngenta 2017 erworben hat. [lf/vef]

14.03.2018 |

Gericht: EU-Kommission muss Soja-Zulassung überprüfen

Soja Schrot Öl Sojabohnen, -Schrot und -Öl. Hier auf dem Foto aus den USA, also zu 90% Gentechnik (Foto: United Soybean Board / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Im April 2015 hat die Europäische Kommission drei gentechnisch veränderte Sojabohnen als Lebens- und Futtermittel in der EU zugelassen. Jetzt muss sie diese Entscheidung auf Antrag des gentechnikkritischen Vereins Testbiotech nochmal überprüfen. Dazu wurde sie heute vom Gericht der Europäischen Union in Luxemburg verpflichtet. Nach dem Urteil können Verbände eine solche Überprüfung auch dann beantragen, wenn es um Risiken für die Gesundheit geht.
Das hatte die EU-Kommission zunächst bestritten. Die sogenannte Aarhus-Verordnung ermögliche es Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zwar, sich an Entscheidungsverfahren in Umweltangelegenheiten zu beteiligen. Das umfasse jedoch keine Einwände gegen gentechnisch veränderte Pflanzen (GVO), die die menschliche Gesundheit beträfen, argumentierte die EU-Kommission. Daher hatte sie den Einspruch von Testbiotech abgelehnt. Daraufhin zog die NGO vor Gericht.
Die Richter erklärten die Ablehnung der EU-Kommission heute für nichtig. Sie argumentierten, gentechnisch veränderte Pflanzen gehörten zur natürlichen Umwelt, da sie auf dem Feld wachsen. Deshalb fielen Vorschriften, welche die Risiken von GVO für Mensch und Umwelt regelten, ebenfalls in den Umweltbereich. Das gelte auch dann, wenn die GVO nicht innerhalb der EU angebaut würden.
Testbiotech wendet sich gegen die Zulassung von Sojabohnen der Firmen Pioneer und Monsanto, bei denen die Zusammensetzung der Ölsäuren gentechnisch verändert wurde. Nach Ansicht des Vereins wurden ihre Gesundheitsrisiken nicht ausreichend untersucht. „Die jetzige Entscheidung stellt einen Etappensieg dar, der das Vorsorgeprinzip in der EU stärkt“, sagt Christoph Then von Testbiotech.
Testbiotech hat am EU-Gericht zwei weitere Klagen gegen Importzulassungen von Gentechnik-Soja eingereicht. In einem Fall wurden Sojabohnen von dem US-Konzern Monsanto gentechnisch so verändert, dass sie Insektengifte produzieren. Hier besteht unter anderem die Gefahr, dass die Insektengifte allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe von Sojabohnen verstärken (C-82/17 P). Im anderen Fall wurden Sojabohnen von der Firma Bayer gegen die Anwendung von gleich mehreren Herbiziden resistent gemacht. Die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken wurden aber nicht überprüft, kritisiert Testbiotech (T-173/17). Mit den Urteilen wird im Lauf des Jahres gerechnet. [vef]

14.03.2018 |

Brasilianische Behörde kann Gene Drives ohne Zulassungsverfahren freigeben

Moskito Mücke Anopheles Auch bei Anopheles-Mücken wurden Gene Drives gentechnisch eingebaut (Foto: James Gathany - CDC phil.cdc.gov/PHIL_Images/09262002/00008/A.gambiae.1354.p_lores.jpg)

Die brasilianische Biosicherheitskommission CTNBio kann den Einsatz von Gene Drives in freier Natur zulassen, wenn sie es möchte. Sie hat Mitte Januar eine Bekanntmachung veröffentlicht und sich darin selbst ermächtigt, neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas und Gene Drives von den Regelungen des brasilianischen Gentechnikrechts auszunehmen. Dagegen protestieren Bauern- und Umweltorganisationen.

Gene Drives sind Manipulationen am Erbgut, durch die eine bestimmte, vorher gentechnisch eingebaute Eigenschaft, in Pflanzen oder Tieren dominant vererbt wird und sich dadurch besonders schnell in einer Population ausbreitet. Sie werden bisher nur im Labor erprobt, insbesondere bei Stechmücken, die gefährliche Krankheiten übertragen. CTN Bio hatte bereits 2014 die kommerzielle Freisetzung von gentechnisch veränderten (gv) Moskitos erlaubt, um natürliche Bestände zu dezimieren, deren Tiere Dengue-Fieber übertragen. Mit einem eingebauten Gene Drive, so hofft wohl die Kommision, könnten die gv-Moskitos effektiver wirken.

In Brasilien haben Bauern- und Umweltorganisationen gegen das Vorgehen von CTNBio protestiert. Ihrer Meinung nach begünstigt die Kommission mit der Bekanntmachung internationale Konzerne, die ihre neuen gentechnisch veränderten Pflanzen dadurch ohne Regulierung und Zulassung auf den Markt bringen könnten. Die Organisationen warnen in einer gemeinamen Resolution auch vor den ökologischen Risiken, die mit einer Freisetzung von Organismen mit Gene Drive verbunden seien. João Pedro Stédile von der Landlosenbewegung MST bezeichnet die Entscheidung von CTNBio als illegal. Sie würde die Freisetzung neuen gentechnisch veränderten Saatguts und lebender Organismen erlauben, ohne die geringste Risikoabschätzung und Kontrolle. „Wir werden diesem Anschlag nicht tatenlos zusehen, sondern gegen diese Bekanntmachung kämpfen“ sagte João Pedro Stédile der kanadischen Umweltorganisation ETC Group. Diese zitierte auch einen früheren Mitarbeiter des brasilianischen Ministeriums für ländliche Entwicklung, der das Vorgehen der Kommission kritisiert. CTNBio habe nicht die Autorität und auch kein Mandat dafür. Deren Entscheidung habe massive Auswirkungen auf Landwirte, Verbraucher und Brasiliens Artenvielfalt. „Aber sie wurde getroffen, ohne die Zivilgesellschaft und die Betroffenen anzuhören.“

Über Gene Drives in der Umwelt und ihre Risiken diskutieren auch die Vertragsstaaten der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD). Die ETC Group zitierte dazu Marciano Toledo vom brasilianischen Kleinbauernverband MTA. Er wertete das Vorgehen von CTNBio als Versuch, diese Diskussion zu beeinflussen und ein Moratorium für Gene Drives zu verhindern, das zahlreiche Umwelt- und Bauernorganisationen fordern. [lf]

08.03.2018 |

Wenn Gentech-Futter verlorengeht: Behörde kritisiert Überwachungslücke

Raps Schweiz Basel Greenpeace machte 2012 auf Gentechnik-Raps am Rheinhafen in Basel aufmerksam (Foto: Patrik Tschudin / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Handelsübliches Vogelfutter kann mit keimfähigem, gentechnisch verändertem (gv) Raps verunreinigt sein. Fallen die Körner auf die Erde, können daraus Rapspflanzen wachsen. Das hat das Bundesamt für Umwelt in der Schweiz nachgewiesen und die gefundenen gv-Pflanzen beseitigt. Obwohl vom Gesetz vorgeschrieben, gibt es ein ähnlich effektives Monitoring in Deutschland nicht. Dabei hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Pläne dafür längst in der Schublade.
EU-weit dürfen zwar mehrere gv-Rapssorten als Lebens- und Futtermittel importiert werden, gepflanzt werden dürfen sie aber nicht. Auch gentechnikfreie Rapslieferungen können mit gv-Raps verunreinigt sein. Rapssamen sind sehr klein und bleiben lange keimfähig. Die Gefahr, dass gv-Rapssamen beim Transport verloren gehen ist groß. Ebenso groß ist das Risiko, dass aus verlorenen Samen gv-Pflanzen wachsen und ihre Eigenschaften an wildwachsenden Raps oder die verwandten Rübsen weitergeben. In Japan wurden bereits 2005 am Rande der großen Seehäfen und der wichtigsten Transportrouten gv-Rapspflanzen nachgewiesen. Erste Funde in der Schweiz folgten 2008, woraufhin die Eidgenossen ein amtliches Monitoring etablierten. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) untersucht seither regelmäßig, ob sich Gentech-Raps in der Umgebung von Silos, Ölmühlen, Rangierbahnhöfen, Umschlagplätzen und entlang von Eisenbahnlinien ausbreitet. Allein 2015 kontrollierte das Amt 3918 Pflanzen an 57 Standorten und fand 15 genmanipulierte Rapspflanzen, die vernichtet wurden.
In diesem Winter untersuchte das BAFU 30 Proben handelsüblichen Vogelfutters. In 24 davon fand das Labor transgene Rapssamen, in elf sogar mehrere Sorten. Die Verunreinigungen hätten mehrheitlich bei höchstens 0,5 Prozent gelegen, die transgenen Raps-Linien seien in der Europäischen Union als Tierfutter zugelassen, schrieb die Behörde. Parallel dazu ließ sie untersuchen, ob sich die gentechnisch veränderten Rapssamen aus Vogelfuttermischungen in der Natur ausbreiten können. Dafür wurden noch einmal 37 Vogelfuttermischungen untersucht, von denen acht gentechnisch veränderte Rapssamen enthielten. Von diesen waren 0,4 bis 21 Prozent keimfähig. Daraufhin suchte das BAFU in der Umgebung von 41 Vogelfütterungsstellen nach gentechnisch veränderten Rapspflanzen und wurde an zwei Standorten fündig. „Diese Untersuchungen bestätigen somit das Risiko eines Eintrags von gentechnisch veränderten Rapssamen aus Vogelfuttermischungen in die Umwelt“, schrieb das BAFU und kündigte an, künftig Vogelfutter aus dem Handel regelmäßig kontrollieren zu wollen. Auf Anfrage teilte die Behörde mit, man gehe davon aus, dass auch in Deutschland solches oder ähnliches Vogelfutter vertrieben werde. Die Importeure seien wahrscheinlich teilweise dieselben.
Ein vergleichbares Monitoring wie in der Schweiz existiert in Deutschland nicht. Dabei schreibt das EU-Gentechnikrecht vor, dass der Import und die Verarbeitung von gv-Pflanzen von einem Monitoring der Umweltwirkungen begleitet werden müssen. In Deutschland beschränkt sich das darauf, dass die Gentechnik-Konzerne für ihr jeweiliges Saatgut einen jährlichen Bericht abliefern, den das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht. Diese Berichte zeigen, dass weder die Saatgutkonzerne noch die Verarbeiter des Rapses, die sie für ihre Berichte befragen, aktiv nach entkommenem gv-Raps in der Nähe von Transportwegen oder Verarbeitungsanlagen suchen. Denn das zuständige BVL hat es nie verlangt. „Eine routinemäßige Beobachtung der Umweltwirkungen von gv-Raps, wie es die Gesetzgebung vorsieht, findet derzeit nicht statt“, heißt es auf der Webseite des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die Behörde wurde deshalb aktiv und legte 2016 ein Konzept für ein Monitoring von gv-Raps vor. Bei der Erprobung des Konzepts zogen die beteiligten Wissenschaftler 136 Proben in der Umgebung von Transportwegen und Verarbeitungsanlagen entlang der Rheinschiene. „Die meisten Rapsvorkommen wurden an öffentlich zugängigen Straßenrändern und an Gleiskörpern gesichtet und beprobt. Betriebsgelände wurden von der Untersuchung ausgenommen“, heißt es im Bericht. Als transgen erwies sich eine Probe aus dem Neusser Rheinhafen. Umgesetzt wurde das 2016 vorgestellte Konzept bisher noch nicht. Das BfN halte die bisher praktizierten Monitoring-Maßnahmen bei gentechnisch veränderten Organismen, die in die Europäische Union importiert und dort verarbeitet werden, für nicht ausreichend, sagt Beate Jessel, die Präsidentin des BfN, und fügt hinzu: „Das hohe Verwilderungspotenzial von Raps und wiederholte Funde von transgenem Raps entlang von Transportwegen im europäischen und außereuropäischen Ausland erfordern erhöhte Aufmerksamkeit.“ [lf]

06.03.2018 |

Baysanto: EU-Bürger dagegen, Kommission dafür?

Baysanto-Protest Nicht nur Bauern stellen sich gegen die Monsanto-Übernahme durch Bayer. Unterstützung bekommen sie nun auch von den TeilnehmerInnen des deutschen Kirchentags.

Die Mehrheit der Menschen in der EU lehnt eine Fusion der beiden Saatgut- und Pestizidkonzerne Bayer und Monsanto ab. Das ergab eine Umfrage des Instituts YouGov für den Umweltverband Friends of the Earth Europe (FoE) in mehreren EU-Staaten. Von den 2040 befragten Deutschen hatten 53 Prozent „große“ bis „sehr schwerwiegende Bedenken“, gegen den Zusammenschluss.

Die Mehrheit der Befragten befürchte negative Auswirkungen auf die Umwelt, die Saatgutwahl und die Menge von chemischen Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln in der Landwirtschaft, sagte Silvia Bender, Abteilungsleiterin Biodiversität beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): "Die Umfrageergebnisse bestätigen uns in unserer Forderung an die EU-Kommission, die Übernahme zu stoppen."

Auch in den anderen untersuchten EU-Staaten Frankreich, Spanien, Dänemark und Großbritannien war die Ablehnung der Fusion groß. Insgesamt äußerten 47 Prozent der Befragten starke Bedenken, während nur elf Prozent in dem Zusammenschluss ein positives Potential sahen. Der geplante Zusammenschluss habe „sehr wenig öffentliche Unterstützung“ fasste FoE-Campaigner Adrian Bebb die Ergebnisse zusammen.

Bis 5. April will die EU-Kommission mitteilen, ob sie der Übernahme von Monsanto durch Bayer zustimmt. Zuletzt meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider, dass die Kommission kurz davor stehe, gegen Auflagen grünes Licht zu geben. Bereits im Oktober 2017 hatte Bayer erklärt, für 5,9 Milliarden Euro Teile des Geschäfts mit Saatgut und dem Herbizid Liberty (Wirkstoff Glufosinat) an den Mitbewerber BASF zu verkaufen. Nun soll Bayer nach Angaben des Handelsblatts den Behörden auch den Verkauf seines restlichen Saatgutgeschäfts angeboten haben. „Zudem habe der Konzern signalisiert, Konkurrenten Zugang zur IT-Plattform für die digitale Landwirtschaft zu geben, über die Landwirte ihre Produktion steuern können“, schreibt das Handelsblatt mit Verweis auf „Industriekreise“. Die Zeitung spekuliert, dass sich die US-Kartellbehörden bereits mit den europäischen Kollegen abgesprochen haben und die Fusion ebenso freigeben könnten.

„Die geplanten Abspaltungen und Zugeständnisse von Bayer reichen nicht aus, um einen wirksamen Wettbewerb sicher zu stellen“, kommentiert Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) diese Informationen. Nach der Fusion würde Bayer-Monsanto 31 Prozent des Saatgutmarktes und 27 Prozent des Pestizidmarktes beherrschen sowie ein Viertel der in diesem Bereich erteilten Patente besitzen. Diese Marktbeherrschung hätte fatale Auswirkungen auf den Preis-, Produkt-, Innovations- und Forschungswettbewerb und auf die Sortenauswahl und Vielfalt, schreibt die AbL.

Besondere Sorge bereitet dem Verband, dass Bayer-Monsanto auch die Digitalisierung der Landwirtschaft dominieren würde. Beide Konzerne hätten in den letzten Jahren erheblich in den Kauf von Dienstleistern, Roboterentwicklung, Analytik- und Optimierungstools investiert und seien Partnerschaften mit großen Landmaschinenhändlern eingegangen. „Bayer-Monsanto würde aufgrund ihres erheblichen Technologie- und Investitionsvorsprungs die Digitalisierung der Landwirtschaft beherrschen“, warnt Schulz. Die AbL ruft deshalb die EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager auf, die Fusion zu stoppen: „Zeigen Sie Mut und setzen Sie sich für einen echten und fairen Wettbewerb ein – statt für die Gewinn-Interessen der Konzerne.“ [lf]

Gehe zu Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 ...

*** Unterstützen Sie unsere Arbeit ***

Alle Informationen auf dieser Seite sind für Sie kostenlos, kosten aber trotzdem etwas. Unterstützen Sie den Infodienst - damit es auch weiterhin kritische Informationen zum Thema Gentechnik für alle gibt!
 Spenden-Infos hier

Newsletter bestellen

Schule und Gentechnik

Unterrichtsportal zum Thema Agro-Gentechnik: Einführung, Arbeitsblätter, Videos und mehr...

Eine Lehrerin hält ein Schild mit der Aufschrift Lehrer. Hier gibt es Informationen und Material zur Gentechnik für den Unterricht.
Ein Schüler hält ein Schild mit der Aufschrift Schüler. Hier gibt es Informationen, ein Quiz, Videos und mehr zum Thema Gentechnik für Schülerinnen und Schüler.

Infodienst-Material

Postkarten zum Thema Gentechnik. Ein Mädchen nascht von einer Torte und sagt Gutes Essen braucht keine Gentechnik.
Ein Landwirt hält Maiskolben im Arm und sagt Gen-Mais schmeckt mir nicht.

Hier bekommen Sie kostenloses Infomaterial zum Thema: Flyer, Postkarten, Newsletter, Newsticker...
 Bestellung

Nachrichten