04.10.2018 |

Reform der EU-Pestizidzulassung kommt langsam voran

Europäisches Parlament, Foto: https://flic.kr/p/bCXLTT Europäisches Parlament, Foto: https://flic.kr/p/bCXLTT

Das Genehmigungsverfahren für Pestizide in der Europäischen Union muss deutlich transparenter werden. Das fordern die beiden Berichterstatter des zuständigen Sonderausschusses im EU-Parlament. Ihr Bericht enthält eine Reihe konkreter Vorschläge.

So verlangen die beiden Berichterstatter von CDU und Grünen, dass alle Studien von Seiten der Industrie während eines Zulassungsverfahrens öffentlich und in einer benutzerfreundlichen Form zugänglich sein müssen. Außerdem müssten unabhängige wissenschaftliche Studien künftig das gleiche Gewicht erhalten wie Studien, die von der Industrie in Auftrag gegeben worden sind. Die Berichterstatter schlagen auch vor, dass in Zukunft die EU-Kommission bestimmen soll, welcher Mitgliedstaat das Dossier für einen Wirkstoff erarbeitet. Bisher ist es automatisch das Land, in dem die Hersteller ihren Zulassungsantrag eingereicht haben. Bei Wiederzulassungsverfahren – wie bei Glyphosat – dürfe dies nicht mehr wie derzeit der Staat sein, der schon die Erstzulassung betreut habe. Darüber hinaus forderten die beiden EU-Abgeordneten ein wirksameres Monitoring von Substanzen nach ihrer Zulassung.

Das Europäische Parlament hatte nach der Diskussion um die erneute Zulassung von Glyphosat und dem Bekanntwerden der Monsanto Papers im Februar 2018 einen Sonderausschuss eingerichtet, der das EU-Zulassungsverfahren für Pestizide analysieren und Verbesserungen vorschlagen sollte. Er veranstaltete in den vergangenen Monaten mehrere Anhörungen, deren Ergebnisse die beiden Berichterstatter, Nobert Lins von der CDU und Bart Staes von den Grünen, einvernehmlich zusammenfassten. Am 6. Dezember soll der Ausschuss den Bericht beschließen, danach das Plenum des Parlaments.

Die EU-Komission hat bereits im April 2018 einen Vorschlag vorgelegt, mit dem sie die Risikobewertung durch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA in allen Bereichen des Lebensmittelrechts - nicht nur bei der Pestizidzulassung - transparenter machen will. Er sieht ein Unionsregister für alle Studien vor, die Unternehmen für Zulassungen im Lebensmittelbereich einreichen. Die Studien sollen auch veröffentlicht werden, allerdings müssten dabei vertrauliche Informationen und personenbezogene Daten geschützt werden, schreibt die Kommission. Der Vorschlag enthalte viele positive Ansätze, lobt der Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden, einer der Initiatoren der Europäischen Bürgerinitiative Stop Glyphosat. Doch könnten unklare Formulierungen im Gesetzestext zu missverständlichen Interpretationen führen, warnt Burtscher-Schaden: „Der Teufel steckt im Detail.“ Stop Glyphosat hat deshalb an die EU-Mitgliedsstaaten und das Parlament appelliert, die Vorschläge der Kommission nicht zu verwässern, sondern nachzuschärfen.

Eine sinnvolle Regelung aus Sicht der Umweltverbände wäre es, den Verbänden das Recht einzuräumen, Pestizid-Zulassungen der EU-Kommission vor den europäischen Gerichten überprüfen zu lassen. Vergangene Woche hatte das Europäische Gericht in erster Instanz eine Klage des Vereins Mellifera zurückgewiesen, der eine solche Überprüfung der Glyphosatzulassung unter Berufung auf die Konvention von Aarhus und das darin verankerte Klagerecht der Umweltverbände verlangt hatte (Az. T12/17). [lf]

01.10.2018 |

Bericht: Die gentechnische Revolution auf dem Acker bleibt aus

Genkanone Gentechnik Klassisches Mittel der Gentechnik - die Gen-Kanone schießt Metallpartikel, an denen DNA haftet, in die Zelle (Foto: Kristof Vrancken / Z33. flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Die großen Gentechnik-Konzerne setzen nach wie vor auf Pflanzen, denen mit Hilfe der klassischen gentechnischen Verfahren Resistenzen gegen Herbizide und Schadinsekten eingebaut wurden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Gen-ethischen Netzwerkes (GeN).

GeN-Mitarbeiter Christof Potthof hat für diesen Bericht die Entwicklungs-Pipelines der wichtigsten Agrar-Konzerne auf Pflanzen untersucht, die mit klassischen Gentechnik-Verfahren hergestellt wurden. Dabei hat er einen klaren Trend festgestellt: „Die Konzerne kombinieren verschiedene mit klassischen gentechnischen Methoden übertragene Eigenschaften in einer Pflanze.“ Dieses Stapeln von Genen – auf englisch stacked events – diene vor allem dazu, Pflanzen mit Toleranzen gegen mehrere Herbizide auszurüsten, schreibt Potthof: „In der Entwicklung sind gentechnisch veränderte Pflanzen, die das Ausbringen von bis zu fünf verschiedener solcher Mittel vertragen sollen.“ Der Grund dafür: Immer mehr Beikräuter wurden ebenfalls unempfindlich gegen einzelne Herbizide wie Glyphosat und können nur noch mit Herbizidcocktails vom Acker gespritzt werden. Schadinsekten haben Resistenzen gegen die von Gentech-Pflanzen produzierten Bt-Toxine entwickelt. Auch hier kombinieren die Konzerne Gene, damit ihre Pflanzen verschiedene Bt-Toxine produzieren und nicht nur eines. Aus der Sicht der Hersteller hätten diese Kombinationen einen weiteren Vorteil, schreibt Potthof: „Weiterer wesentlicher Anreiz für die Entwicklung und bevorzugte Vermarktung von Stacked Events ist, dass sie es den Konzernen ermöglichen, deutlich höhere Preise für das Saatgut zu verlangen.“

Ein Kapitel des Berichts befasst sich mit dürre-toleranten Gentech-Pflanzen, die allerdings in der Praxis kaum eine Rolle spielen: „Die einzige gentechnisch veränderte Pflanze mit einer Trocken-Toleranz, die sich weltweit im kommerziellen Anbau befindet, ist der Event MON87460“, schreibt Potthof. Ob diese Mais-Linie von Monsanto tatsächlich Vorteile im Anbau bringe, sei jedoch umstritten. Die Fachpublikationen zeigten kein klares Bild. Offensichtlich ist, dass die anderen Konzerne in diesem Bereich wenig Fortschritte vermelden konnten. „Wiederholt zeigt sich, dass die gentechnischen Versuche, Trocken-Toleranz in Pflanzen zu übertragen, äußerst begrenzten Erfolg hatten“, heißt es im Bericht. Vermarktet würden hingegen von Pioneer und Syngenta trocken-tolerante Mais-Sorten aus konventioneller Züchtung. Bei Soja und Zuckerrohr gibt es laut Bericht trocken-tolerante gv-Sorten, die jedoch bisher nicht kommerziell vermarktet werden.

Der Bericht listet auch andere Getreide- und Gemüsearten auf, bei denen in einzelnen Ländern der Anbau gentechnisch veränderter Sorten zugelassen ist, von der Kartoffel bis zum Speisekürbis. In den meisten Fällen werden die Zulassungen jedoch nicht oder nur in kleinem Umfang für den Anbau genutzt.

Die Tatsache, dass sich die Gentechnik-Diskussion derzeit vor allem um die mit neuen Gentechnik-Verfahren veränderten Pflanzen drehe, dürfe über eines nicht hinwegtäuschen, schreibt Potthof als Fazit: „Die allermeisten gentechnisch veränderten Pflanzen, die in den nächsten Jahren weltweit auf den Markt kommen werden, sind mit Methoden der klassischen Gentechnik verändert worden.“ [lf]

27.09.2018 |

Neue Studie: Glyphosat schädigt Bienen

Biene Ob Honig- oder Wildbienen: Sie sind wichtige Bestäuber (Foto: CC0)

Der Herbizidwirkstoff Glyphosat ändert die Darmflora von Bienen und macht die Tiere anfälliger für Infektionen. Das haben Wissenschaftler der Universität von Texas herausgefunden. Bisher galt Glyphosat als ungefährlich für Bienen. Jetzt müsse das Herbizid erst recht vom Acker, fordert eine Petition auf change.org.

Die texanischen Forscher entnahmen einem Bienenvolk Arbeiterinnnen und fütterten sie fünf Tage lang mit glyphosathaltigem Zuckersirup. Dabei entsprachen die Konzentrationen des Wirkstoffs mit fünf und zehn Milligramm je Liter solchen, die in der Umwelt vorkommen und denen Bienen beim Sammeln ausgesetzt seien, schrieben die Forscher. Auch die erlaubten Glyphosathöchstmengen für Getreide in Futter- und Lebensmitteln liegen übrigens in dieser Größenordnung. Die Wissenschaftler beobachteten, dass sich durch die Glyphosataufnahme die Zusammensetzung der Darmflora bei den Bienen deutlich änderte und ein als besonders nützlich angesehenes Bakterium drastisch reduziert wurde. Sie infizierten die Bienen mit einem in Bienenstöcken weit verbreiteten Krankheitserreger und stellten fest, dass die Glyphosat-Bienen viermal häufiger an der Infektion starben als unbehandelte Bienen. Auch den Wirkmechanismus konnten sie erklären. Glyphosat blockiert in Pflanzen ein Enzym namens EPSPS, das für die Synthese bestimmter Aminosäuren benötigt wird. Dadurch welken die Pflanzen und sterben ab. Auch einige Darmbakterienarten brauchen dieses Enzym in ihrem Stoffwechsel und reagieren deshalb empfindlich auf Glyphosat.

Die Studie belege, dass die Anwendung von Glyphosat zum weltweiten Rückgang von Honig- und Wildbienen beitragen könnte, schrieb die Universität von Texas in einer Mitteilung. Darin forderten die Forscher strengere Vorgaben für die Anwendung von Glyphosat: „Bisher gingen die Richtlinien davon aus, dass das Herbizid Bienen nicht schadet. Unsere Arbeit hat gezeigt, dass das nicht stimmt.“ Da Hummeln ein vergleichbares Verdauungssystem haben wie Bienen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Glyphosat auch ihre Gesundheit beeinträchtigt. Bereits im Juli erschien eine chinesische Studie, die zeigte, das Bienenlarven langsamer wuchsen und häufiger starben, wenn sie mit dem Futter Glyphosat erhielten. Schon länger bekannt ist, dass Glyphosat den Orientierungssinn von Bienen beeinträchtigt. Gegenüber der britischen Zeitung The Guardian sagte der Glyphosathersteller Bayer/Monsanto, Behauptungen, wonach Glyphosat Bienen schädige, seien falsch.

Die grünen Europaabgeordneten Sven Giegold und Martin Häusling nahmen die Studie zum Anlass, auf der Plattform change.org eine Petition zu starten. Sie wendet sich an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und fordert von ihr „den Totalausstieg aus Glyphosat bis spätestens 2020.“ Sofortmaßnahmen wie ein Verbot, Glyphosat vor der Ernte einzusetzen, sollen bis dahin die Bienen schützen. [lf]

26.09.2018 |

Gene Drive löscht im Laborversuch Moskito-Population aus

Moskito Mücke Anopheles Auch bei Anopheles-Mücken wurden Gene Drives gentechnisch eingebaut (Foto: James Gathany - CDC phil.cdc.gov/PHIL_Images/09262002/00008/A.gambiae.1354.p_lores.jpg)

UPDATE +++ Einem Wissenschaftler-Team des Londoner Imperial College ist es erstmals gelungen, einen im Käfig gehaltenen Moskitobestand mithilfe gentechnischer Veränderungen und einem Gene Drive als Beschleuniger auszurotten. Das zeigt, wie effektiv und gefährlich diese neue Technik ist, die in Westafrika angewandt werden soll.

Gene Drives sind Manipulationen am Erbgut, durch die eine bestimmte, vorher gentechnisch eingebaute Eigenschaft, in Pflanzen oder Tieren dominant vererbt wird und sich dadurch besonders schnell in einer Population ausbreitet. Sie werden bisher nur im Labor erprobt, insbesondere bei Stechmücken, die gefährliche Krankheiten übertragen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Bestände mit der Zeit eine gewisse Resistenz entwickeln und die – für sie meist tödliche gentechnische Veränderung – umgehen.

Den Londoner Wissenschaftlern ist es nun gelungen, diese Resistenzentwicklung zu vermeiden. Dazu änderten sie einen kleinen Abschnitt des Gens, das bei den Mücken regelt, welches Geschlecht aus dem Ei schlüpft. Dort bauten sie eine Erbinformation ein, die die Weibchen steril macht und verknüpften sie mit einem Gene Drive. Innerhalb von sieben bis elf Generationen ging die Zahl der von den Weibchen gelegten Eier gegen Null und der Bestand erlosch. Dass die Tiere keine Resistenz entwickelten, erklärten die Forscher mit der Natur des Gens, in das sie Sterilität und Gene Drive einbauten. Es handelt sich dabei um ein Gen, dessen DNA-Sequenz im Laufe der Evolution stabil blieb, also gut vor Mutationen geschützt war. Dadurch gibt es im Erbgut der Tiere keine ähnlich gebauten Kopien, die seine Funktion übernehmen und damit den Gene Drive aushebeln könnten. Sie würden nicht behaupten, dass das ausgewählte Gen resistenzsicher sei, schreiben die Forscher. Auf jeden Fall sei es ein klarer Vorteil, bei der Installation von Gene Drives auf solche stark geschützten Gene zu setzen.

Die Molekularbiologin Ricarda Steinbrecher von der Organisation EcoNexus weist in einem Kommentar auf die Risiken einer solchen Strategie hin. Das verwendete geschützte Gen komme in allen 16 Arten von Anopheles-Mücken vor. Es sei bekannt, dass zwischen den verschiedenen Arten ein Erbgutaustausch stattfinde, schreibt Steinbrecher und schließt daraus, dass ein in geschützten Genen versteckter Gene Drive sich über mehrere Arten ausbreiten und sie ausrotten kann: „Diese neue Strategie fügt einem bereits als Hochrisikotechnologie eingeschätzten Verfahren eine Extraportion Risiken und Bedenken hinzu.“

Dabei ist die Gefahr groß, dass diese Gene Drive Moskitos in den nächsten Jahren unter unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen tatsächlich freigesetzt werden – in Burkina Faso. Denn die Forschungen des Imperial College werden maßgeblich von der Gates Stiftung finanziert und sind in deren Projekt Target Malaria eingebunden, das in den afrikanischen Staaten Mali, Uganda und Burkina Faso mit Hilfe der Gentechnik die Malaria bekämpfen will. In diesem Sommer hat die Regierung von Burkina Faso dem Projekt die Freisetzung von Stechmücken erlaubt. Den Anfang sollen Mücken machen, die gentechnisch so verändert wurden, dass die Männchen steril sind – noch ohne Gene Drive. Dieses Experiment sei eigens dazu gedacht, Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen, berichtete die Media-Plattform Telesur: „Sollte das Vertrauens-Experiment erfolgreich sein, könnten sie spezielle Gene Drive Moskitos freisetzen, hoffen die Wissenschaftler aus Burkina Faso, zusammen mit den Teams aus Mali und Uganda.“ [lf]

UPDATE mit Infos über den möglichen Einsatz dieser Mücken in Burkina Faso

24.09.2018 |

Tierversuche: Bt-Toxine schädigen Magenschleimhaut

Mais Mais (Foto: Ozzy Delaney, corn / flickr, bit.ly/28LWvcy, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Bt-Toxine, die von gentechnisch veränderten Pflanzen produziert werden, verändern bei Ratten und Mäusen die Schleimhaut im Verdauungstrakt. Sie können möglicherweise auch zu Krebs führen, ergaben zwei Studien aus Australien und Mexiko. Nur für ein Fünftel von 47 relevanten Gentech-Pflanzen mit Glyphosatresistenz und Bt-Toxinen liegen demnach Fütterungsstudien vor.

Australische Wissenschaftler hatten Ratten sechs Monate lang mit einem Stacked-Trait-Mais gefüttert, also einer Sorte, die das Erbgut von drei gentechnisch veränderten Maislinien enthält: MON810, MON863 und NK603. Dadurch ist der Mais resistent gegen Glyphosat und produziert gleichzeitig die Bt-Toxine Cry1Ab und Cry3Bb1 zur Abwehr von Schädlingen. Die Forscher verglichen die Mägen der Tiere mit denen einer Kontrollgruppe, die gentechnikfreien Mais erhalten hatte. Der Gentech-Mais hatte bei den Tieren die Magenschleimhaut verändert. Sie war durchlässiger geworden und wies krankhafte Veränderungen auf. Diese könnten unter Umständen auch zu Krebs führen, schrieben die Wissenschaftler. Insgesamt glichen die beobachteten Veränderungen denen einer Magenentzündung, die durch Chemikalien wie Aspirin hervorgerufen werde. Weitere Studien seien notwendig, um das gesundheitliche Risiko zu untersuchen, das sich daraus ergebe. „Unsere Ergebnisse stützen andere Forschungsarbeiten, wonach die Bt-Proteine, die von gentechnisch verändertem Mais produziert werden, nicht so sicher sind wie ursprünglich angenommen“, lautete das Fazit der australischen Wissenschaftler.
Sie verwiesen auf eine Studie an Schweinen von 2013, bei denen die verfütterten gentechnisch veränderten Sojabohnen und Maiskörner ebenfalls zu Magenentzündungen geführt hatten. Kritisch merkten die Forscher an, dass nur für ein Fünftel von 47 relevanten Gentech-Pflanzen mit Glyphosatresistenz und Bt-Toxinen überhaupt Fütterungstudien mit Ratten vorlägen. Die meisten davon seien von geringer Qualität.
Eine aktuelle Studie mexikanischer Wissenschaftler befasste sich speziell mit dem von Gentech-Pflanzen hergestellten Bt-Toxin Cry1Ac. Sie untersuchten die Auswirkungen des Insektengiftes auf den Verdauungstrakt von Mäusen und stellten dabei fest, dass Cry1Ac allergen wirken kann – von der Nahrungsmittelallergie bis hin zum anaphylaktischen Schock. Außerdem veränderte das Toxin die Darmschleimhaut der Tiere. Diese sogenannte lymphatische Hyperplasie des Darms wird mit entzündlichen Darmerkrankungen und Darmkrebs in Verbindung gebracht. [lf]

20.09.2018 |

Glyphosateinsatz in Deutschland hat 2017 zugenommen

Campact übergibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (re.) 450.000 Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (https://bit.ly/2k4ovMU; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/) Campact übergibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (re.) 450.000 Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (https://bit.ly/2k4ovMU; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Deutschlands Landwirte haben 2017 rund 4.700 Tonnen Glyphosat auf ihre Äcker ausgebracht. Das waren 900 Tonnen mehr als 2016, geht aus einem Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor.

Das BVL veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht über den Absatz von Pestiziden in Deutschland. Demnach haben die Hersteller von Spritzmitteln 2017 insgesamt 277 verschiedene Wirkstoffe in einer Gesamtmenge von 34.583 Tonnen verkauft. Das waren 2.300 Tonnen oder sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Fast die Hälfte dieser Menge entfiel auf Herbizide, gut 13.000 Tonnen waren Fungizide gegen Pilzkrankheiten. Die Insektizide spielten mengenmäßig mit 857 Tonnen keine große Rolle, allerdings wirken sie bereits in weitaus kleineren Mengen als die anderen Spritzgifte. Der Anstieg verteilte sich gleichmäßig auf alle drei Pestizid-Kategorien.

Die Statistik des BVL gibt die Menge an verkauften Organophosphor-Herbiziden mit 4.694 Tonnen an. Hinter dieser Gruppenbezeichnung verbirgt sich fast ausschließlich Glyphosat. Lediglich 39 Tonnen des Herbizids wurden an „nicht berufliche Verwender“ abgegeben, also an Privatleute, die damit ihre Gärten oder Terrassen unkrautfrei spritzten. Inzwischen können Privatleute die Spritzmittel nur noch online bestellen, da alle Baumärkte glyphosathaltige Mittel ausgelistet haben. „Es gibt in Baumärkten keine Glyphosat-Produkte mehr“, sagte Peter Wüst, Geschäftsführer des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten gegenüber der WirtschaftsWoche. Zu den „beruflichen Verwendern“ gehört die Deutsche Bahn, die laut WirtschaftsWoche 2017 68 Tonnen Glyphosat versprühte, um ihre Gleise unkrautfrei zu halten.

Der allergrößte Teil des Glyphosats landet jedoch auf deutschen Äckern. Um ihn zu verringern und den Glyphosatausstieg voranzubringen, hatte sich die Bundesregierung im Januar 2018 auf eine Ackerbaustrategie verständigt. Im Koalitionsvertrag vom März 2018 heißt es dazu: „Wir werden mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden. Dazu werden wir gemeinsam mit der Landwirtschaft Alternativen im Rahmen einer Ackerbaustrategie entwickeln und u. a. umwelt- und naturverträgliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln regeln.“ Im Entwurf für den Bundeshaushalt für 2019 sind dafür fünf Millionen Euro eingeplant.
In einem Verordnungsentwurf hat das Agrarministerium jetzt festgelegt, wie künftig weniger Glyphosat verbraucht werden soll. Verboten werden soll der Einsatz des Mittels lediglich für Hobby-Gärtner sowie in Parks, Sportstätten und Naturschutzgebieten. Auf landwirtschaftlichen Flächen wolle Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Anwendung an „strikte Auflagen“ binden, heißt es in der 100 Tage Bilanz der Ministerin. Der Entwurf befindet sich laut BMEL inzwischen in der Ressortabstimmung, veröffentlicht wurde er noch nicht.
Unterdessen hat der Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft im Mai 2018 eine eigene Ackerbaustratagie vorgelegt. Darin heißt es, der Einsatz von Glyphosat sei „im Rahmen der konservierenden Bodenbearbeitung zur pfluglosen Beseitigung von Unkräutern, Ausfallgetreide und -raps sowie Zwischenfrüchten unverzichtbar.“

„Dass der Glyphosat-Absatz in Deutschland im letzten Jahr wieder deutlich zugenommen hat, zeigt deutlich, dass sich hier von alleine gar nichts löst“, kommentierte Harald Ebner, Gentechnik-Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, die Zahlen. Nach wie vor sei Glyphosat „die Nummer eins unter den Ackergiften in Deutschland.“ [lf]

17.09.2018 |

Abgabe auf Gentechnik für unabhängige Risikoforschung?

Testbiotech - Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie Testbiotech - Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie

Mit einer staatlichen Abgabe auf Produkte der Gentechnik könnte eine vorsorgeorientierte und industrieunabhängige Risikoforschung finanziert werden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Rechtsgutachten, das das gentechnikkritische Institut Testbiotech veröffentlicht hat.

Dessen Autorin, die Berliner Rechtsanwältin Cornelia Ziehm, geht davon aus, dass das Grundgesetz den Staat dazu verpflichtet, eine vorsorgeorientierte, nicht interessengeleitete Risikoforschung zu etablieren. Nur so könne der Staat seine Schutzpflichten gegenüber der Bevölkerung und der Umwelt wahrnehmen. In der Realität ist es jedoch meist so, dass die staatlichen Behörden die Risiken der Gen- und Biotechnologie überwiegend auf Grundlage von Forschungsergebnissen der Industrie bewerten. Da die Hersteller aber ein wirtschaftliches Interesse an der Zulassung ihrer Produkte hätten, ergebe sich ein Interessenkonflikt, argumentiert Ziehm. Staatliche Institutionen würden nur in begrenztem Umfang Risikoforschung betreiben. Zudem sei „teils eine mehr oder weniger große ‚Nähe’ von Mitarbeitern der staatlichen Forschungs- bzw. Bewertungseinrichtungen zur Gen- und Biotechnologieindustrie festzustellen.“ Die universitäre Forschung werde zunehmend durch Drittmittel bestimmt und sei stärker an Innovation und Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet, als an einer systematischen Überprüfung von Risiken für Mensch und Umwelt.

Um eine unabhängige, vorsorgeorientierte Risikoforschung zu gewährleisten, seien entsprechende Finanzmittel notwendig. Um diese unabhängig von jährlichen Haushaltsdebatten zur Verfügung stellen zu können, empfiehlt Ziehm eine staatliche Abgabe. Sie sollte auf „das Herstellen und Inverkehrbringen von Stoffen und Produkten der Gen- und Biotechnologie“ erhoben werden. Ausführlich begründet sie die rechtliche Zulässigkeit einer solchen Abgabe. Dabei verweist sie darauf, dass bereits in der EU-Freisetzungsrichtlinie von 2001 eine unabhängige Risikoforschung verlangt und die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, die dafür notwendigen Mittel bereitzustellen. Für eine Abgabe spricht laut Ziehm auch das Verursacherprinzip. Es verpflichte den Verursacher nicht nur zum Ausgleich entstandener Schäden, sondern auch dazu, die Kosten für die Vermeidung und Verringerung von Schäden zu tragen. Gerade das sei Sinn und Zweck einer vorsorgeorientierten Risikoforschung. Als Beispiel verweist Ziehm auf das Atomrecht, wo die Forschung zur sicheren Endlagerung radioaktiver Abfälle von den Verursachern dieser Abfälle finanziert werden muss. Auch die Tätigkeit von Aufsichtsbehörden könne in risikobehafteten Bereichen durch eine Abgabe sichergestellt oder unterstützt werden, schreibt Ziehm und nennt als Beispiel die Finanzdienstleistungsbranche. Sie bezahlt durch eine Umlage die Arbeit der Aufsichtsbehörde BaFin. „Es ist nicht ersichtlich, warum diese Erwägungen nicht gleichermaßen für die Branche der Gen- und Biotechnologie gelten sollen“, argumentiert Ziehm.

Für die Mittelvergabe schlägt sie einen Fonds vor, in dessen Beirat Umwelt- und Verbraucherschutzverbände mitwirken könnten. Für Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech, ist diese Einbindung der Zivilgesellschaft unverzichtbar: „Wir haben in den letzten zehn Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Risiken der Gentechnik nur dann genauer untersucht werden, wenn die Zivilgesellschaft sich einmischt.“ [lf]

13.09.2018 |

USA: Patentstreit um Gentechnik-Schere CRISPR entschieden

Gen-Schere Vorsicht mit der Gen-Schere! - Plakat auf der Wir haben es satt!-Demo 2018 (Foto: Jörg Farys / BUND, CC BY-NC 2.0)

Der juristische Streit um die Patentrechte an der Gentechnik-Schere CRISPR/Cas ist zumindest in den USA beigelegt. Die vom Broad Institut in Cambridge, Massachusetts, und von der kalifornischen University of Berkeley formulierten Schutzrechte können nebeneinander bestehen bleiben.

Beide Forscherteams, Berkeley und Massachusetts, beanspruchen für sich, sie hätten die CRISPR/Cas9-Technik entwickelt. Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna entdeckten den grundlegenden Mechanismus der Gentechnik-Schere und zeigten 2012, wie sich damit das Erbgut von Bakterien verändern ließ. Die Arbeitsgruppe um Feng Zhang aus Massachusetts zeigte ein Jahr später, wie sich die Methode bei Pflanzen, Tieren und Menschen anwenden lässt. Beide Forscherteams sicherten sich ihre Entdeckungen mit Patenten ab und streiten seither in den USA und Europa über deren Gültigkeit.

Das Bundesberufungsgericht in den USA bestätigte nun eine Entscheidung der US-Patentbehörde. Diese war der Meinung, dass die Forscher aus Massachusetts die CRISPR-Technologie so grundlegend erweitert hätten, dass dies eigene Patente rechtfertige und keine Verletzung des grundlegenden Patents von Charpentier und Doudna darstelle. Gegen die Entscheidung des Bundesberufungsgerichts könnte die University of Berkeley noch vor dem höchten US-Gericht, dem Supreme Court, klagen. Doch halten es US-Medien für unwahrscheinlich, dass dieser die Klage zulässt. Beide Parteien haben ihre Patente auch beim Europäischen Patentamt EPA angemeldet und bekriegen sich auch dort. Hier würden die Patente bisher zu Gunsten der Berkeley University und der beiden Entdeckerinnen ausgelegt, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Die Zeit hingegen sieht hier „Team Massachusetts“ vorne.

Bei den Rechtsstreitigkeiten geht es um viel Geld, denn die Patente regeln, wer für den Einsatz von CRISPR/Cas9 bei Pflanzen, Tieren und Menschen Lizenzgebühren kassieren darf. Allerdings könnte die schnelle Entwicklung der CRISPR-Technologie dazu führen, dass die strittigen Patente bald überholt sind. Denn inzwischen hätten zahlreiche Forscher das Enzym Cas9 durch andere Konstrukte ersetzt - und sich diese Weiterentwicklungen patentieren lassen, schreibt das Magazin Wired. Die wachsende Vielfalt unterschiedlichster CRISPR-Anwendungen werde langfristig dazu führen, dass einzelne Verfahrenspatente in diesem Bereich immer weniger wert würden. [lf]

11.09.2018 |

Gentechnik: 30 Jahre leere Versprechen?

Dr. Angelika Hilbeck Foto: privat Dr. Angelika Hilbeck Foto: privat

Höhere Erträge, bessere Nährwerte, klimaangepasste Sorten: Was für die neuentwickelten gentechnischen Verfahren prophezeit wird, hatte die Agrarindustrie schon vor 30 Jahren für die „alte“ Gentechnik versprochen. „Warum haben sie nicht geliefert?“, fragte die Biologin Angelika Hilbeck bei einer Podiumsdiskussion am Vorabend der 9. Konferenz der gentechnikfreien Regionen vergangene Woche in Berlin.

Gerade jüngst hatte Bundesagrarministerin Julia Klöckner darauf hingewiesen, dass neuen Technologien wie CRISPR/Cas & Co. trockenheitsresistente Pflanzen entwickelt werden könnten. „Es gibt einen trockenheitstoleranten Mais; der wurde aber konventionell gezüchtet“, konterte Hilbeck, die Vorsitzende des einladenden Wissenschaftlernetzwerks ENSSER (European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility) ist. Dass gentechnisch veränderte Pflanzen höhere Erträge bringen würden, sei durch Studien widerlegt worden. Und am sogenannten „goldenen“ Reis, der mit selbst gebildetem Vitamin A mangelernährte Menschen in Entwicklungsländern angeblich vor dem Erblinden schützen soll, wird bis heute geforscht. Die „alte“ Gentechnik habe in den 30 Jahren, in denen mit ihr gearbeitet wird, keines ihrer Versprechen gehalten, kritisierte die Wissenschaftlerin der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Stattdessen führte die Agrarindustrie bei gentechnisch verändertem Saatgut meist nur zwei Eigenschaften ein: Herbizid-Resistenzen gegen die von ihr hergestellten Spritzmittel und Insektizide, die Pflanzen selbst produzieren können.

Bei CRISPR/Cas laute das Motto jetzt: neue Genschere, alte Versprechen. Und während in der Pflanze nur noch winzige Basen verändert werden (sogenannten Punktmutationen), werden die Verheißungen immer größer. Es werde Zeit, Wissenschaft von Science Fiction zu unterscheiden, forderte Hilbeck. Leben sei kein Baukasten, wie das wissenschaftlich-technische Konzept der Gentechnik schlicht annimmt: Aus Genen des Erbgutes werden demnach Proteine gebildet, die einem Organismus dann bestimmte Eigenschaften geben. Diese Sichtweise ignoriere jedoch den Einfluss der Umwelt auf das Erbgut. Die Gentechnik-Industrie bezeichne ihn als „Rauschen“. Dieses „Rauschen“ wird wissenschaftlich im Forschungsfeld der Epigenetik untersucht. Es beeinflusst die Ausprägung genetischer Merkmale wesentlich.
Epigenetische Merkmale seien nicht in der DNA kodiert, sondern würden der Erbinformation als kleine biochemische Moleküle angeheftet, erklärte Hilbeck. Sie verändern die DNA-Sequenz nicht, werden aber dennoch an die nächste Generation weitergegeben. Erst im Jahr 2001 entdeckte die Wissenschaft verwundert, dass der Mensch nur etwa 20.000 protein-kodierende Gene hat - weit weniger als die meisten Pflanzen. Jede Zelle trägt in ihrem Zellkern dieselben DNA-Informationen. Die Epigenetik reguliert, in welcher Zelle welche Gene abgelesen werden und welche nicht, und bewirkt so beispielsweise die Entwicklung verschiedener Zellarten wie Hautzellen, Leberzellen etc.
Diese Zusammenhänge werden in der Debatte um die Gentechnik oft vernachlässigt. Die Annahme, dass ausschließlich Gene die Eigenschaften eines Lebewesens bestimmen, ist nach Ansicht Hilbecks aber falsch. Und noch ein Faktor dürfe nicht vernachlässigt werden: die regulatorischen Ribonukleinsäuren (RNAs). Diese besonderen Formen der RNA regulieren unter anderem das An- und Abschalten von Genen und haben einen Einfluss, wie und wann bestimmte Gene ausgeprägt werden.

Auch in der anschließenden Diskussion in den Räumen der GLS-Treuhand wurde die vereinfachte, dogmatische Sicht der Biologie beim Thema Gentechnik kritisiert und ihre Grenzen aufgezeigt. So wurde die Frage aufgeworfen, ob man mit dieser Sichtweise die Risiken der neuen Techniken wirklich umfassend analysieren kann. Eine ausführliche Risikobewertung von Organismen, die mit neuen Gentechnikverfahren verändert wurden, ist nach Ansicht der brasilianischen Pflanzengenetikerin Sarah Agapito-Tenfen aber enorm wichtig. Daher dürfe bei allen Diskussionen nicht vergessen werden, so der neuseeländische Molekularbiologe Jack Heinemann, die Methoden zur Sicherheitsüberprüfung weiter zu entwickeln. Denn die Sicherheit der Umwelt und des Menschen sollte an erster Stelle stehen. [kk/vef]

Mitveranstalter waren die Zukunftsstiftung Landwirtschaft und die Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VdW).

07.09.2018 |

Europäische Regionen fordern internationales Gentechnikregister

GMO free regions network Das Europäische Netzwerk gentechnikfreier Regionen setzt sich für mehr Entscheidungsspielräume der Länder und Regionen ein (Foto: European GMO-Free Regions Network)

Damit keine gentechnisch veränderten Pflanzen oder Tiere unerkannt nach Europa importiert werden können, müssen diese eindeutig gekennzeichnet werden, fordert das europäische Netzwerk gentechnikfreier Regionen. Das gelte besonders für Organismen, die mit Genome Editing verändert wurden, heißt es in einer Deklaration, die heute in Berlin beschlossen wurde. Denn diese Technologien werden außerhalb Europas vielerorts nicht als Gentechnik eingestuft.
Anders als die deutsche Agrarministerin bekennt sich das Netzwerk, in dem die Regionalregierungen aus 64 europäischen Regionen vertreten sind, klar zur jüngsten Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). „Das ist für uns ein wichtiger Meilenstein, mit dem klargestellt wird, dass auch die mit den neuen Gentechnikverfahren erzeugten Lebens- und Futtermittel einer umfassenden Risikobewertung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung unterliegen müssen“, sagte die hessische Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser, seit 2017 Präsidentin des Netzwerks. Der EuGH hatte Technologien des Genome Editing wie CRISPR/Cas oder ODM, die Gene nur minimal verändern, im Juli rechtlich als Gentechnik eingestuft. Das bedeutet unter anderem, dass sie in Europa gekennzeichnet werden müssen.
Um sicherzustellen, dass solche gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auch außerhalb Europas erkennbar sind, fordert das europäische Netzwerk ein öffentliches internationales Register aller weltweit freigesetzten GVO. Das bestehende Register des Biosafety Clearinghouse aus dem Cartagena Protokoll für die biologische Sicherheit sei ein geeigneter Rahmen für diese Aufgabe, heißt es in der Erklärung.
„Größte Vorbehalte“ haben die Mitglieder des Netzwerks gegenüber sogenannten „Gene drives“. Hier werden die Gene etwa eines Insekts so manipuliert, dass die Veränderung sich in einer Art Vererbungsturbo in kürzester Zeit in einer ganzen Population ausbreitet. Die Regionalregierungen fordern „alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Freisetzung von Gene drives in unsere Umwelt zu verhindern“. „Hier müssen Regelungen auch auf internationaler Ebene getroffen werden, da 'Gene drives' vor Ländergrenzen nicht Halt machen und die Auswirkungen auf Ökosysteme gravierend ausfallen können“, erläuterte Staatssekretärin Tappeser. Es sind also sowohl die Europäische Union als auch die internationale Staatengemeinschaft gefordert, ein Moratorium für Gene drives zu beschließen.
Schließlich sprechen sich die Regionalregierungen und internationalen Verbände, die bei der 9. Konferenz gentechnikfreier Regionen in Berlin ebenfalls anwesend waren, dafür aus, dass die genetische Vielfalt der Pflanzen und Tiere als eines der wertvollsten öffentlichen Güter der Menschheit erhalten und zugänglich bleibt. Dafür müsse der Staat verstärkt in landwirtschaftliche Forschung und Entwicklung investieren und so dazu beitragen, die agrarpolitischen Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. [vef]

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