20.04.2018 |

Grüne debattieren über Gentechnik und den Tod

DNA Genom DNA-Modell der Ausstellung "Genome: The Secret of How Life Works" im Jahr 2012 (Foto: George Bush Presidential Library and Museum / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Der Bundesvorstand der Grünen hat eine innerparteiliche Debatte um neuartige gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas eröffnet. Bis 2022 will die Partei ein neues Grundsatzprogramm erarbeiten. Manche Medien mutmaßen, die Grünen wollten ihre strikte Ablehnung der Agro-Gentechnik aufgeben.
Ausgangspunkt ist ein „Impulspapier des Bundesvorstandes zum Startkonvent für die Grundsatzprogrammdebatte von Bündnis 90/Die Grünen“. Darin steht, Biotechnologie, Nanotechnologie oder Gentechnik könnten „Krankheiten ausrotten oder heilen, sie können Leben verlängern – theoretisch sogar den Tod überflüssig machen.“ Zwar hätten sich die Grünen gegen Genveränderungen bei Lebensmitteln ausgesprochen, „sollten aber noch einmal hinterfragen, ob bestimmte neue Technologien nicht helfen könnten, die Versorgung mit Nahrungsmitteln auch dort zu garantieren, wo der Klimawandel für immer weniger Regen oder für versalzenen Boden sorgt.“ Dazu müssten allerdings „die in marktschädlichen Oligopolen organisierten Konzerne“ so reguliert werden, „dass sie in neuer Form am Ende der Allgemeinheit, also zum Beispiel auch den Kleinbauern des Südens dienen.“
Er habe sich erst einmal verwundert die Augen gerieben, schrieb der grüne Europaparlamentarier Martin Häusling: „Aber eine Grundsatzdiskussion muss auch Grundsätze in Frage stellen.“ Er wolle diese Debatte nutzen, „um neu und erneut die Argumente zu überprüfen und vorzustellen, die auch heute noch gegen den Einsatz gentechnischer Veränderungen an Organismen im landwirtschaftlichen Bereich sprechen.“ In einem Positionspapier hat Häusling die Argumente zusammengefasst, vom Risiko der mit Gen-Scheren wie CRISPR/Cas erzeugten Organismen über die Erfolge herkömmlicher Züchtung bis hin zu den Chancen, mit agrarökologischen Methoden die Ernährung nachhaltig zu sichern. Der Tenor: Es gibt keine guten Gründe, von der bisherigen klaren Ablehnung der Agro-Gentechnik abzuweichen.
Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik und Bioökonomie der grünen Bundestagsfraktion, hat zwei Statements veröffentlicht, in denen er eine Bilanz der bisherigen Agro-Gentechnik zieht. Die Agrarkonzerne könnten „auch nach Jahrzehnten keine nachhaltigen Erfolge vorweisen, sie haben keines ihrer Versprechen über höhere Erträge, trockenheits- oder salzresistente Pflanzen halten können“, schrieb Ebner und forderte die Bundesregierung auf klarzustellen, „dass neue Gentechnik wie CRISPR/Cas genauso Gentechnik ist wie ‚herkömmliche’ Gentechnik und genauso geregelt, geprüft und gekennzeichnet wird.“ Auf das eine Woche vorher veröffentlichte Impulspapier ging Ebner dabei nicht ein.

Die Tageszeitung taz kommentierte, dass die grüne Parteispitze „Gentechnik zum Allheilmittel“ erhebe. Sie wolle mit dem neuen Grundsatzprogramm „störenden Ballast“ für künftige Koalitionen abräumen. Da stünden die ablehnenden Positionen der Partei zur Gentechnik ganz oben auf der Liste. „Die grüne Parteispitze fällt den Umweltorganisationen damit in den Rücken“, kommentierte die taz.
Der Spiegel nutzte den Vorstoß dazu, die bisherige Haltung der Grünen zu Glyphosat und Gentechnik als unwissenschaftlich zu geißeln und das Hohe Lied der Agro-Gentechnik zu singen. Gerade die Partei des Umweltschutzes müsste sich darum kümmern, „Gentechnikansätze zum Nutzen von Mensch und Umwelt zu fördern, statt sie aus Prinzip zu verteufeln“, schrieb der Spiegel.
Die Zeit vermisst bei den Grünen „den ökologischen Wumms“. Das strategische Problem der Partei sei nicht die Gentechnik, sondern die wachsende Kluft „zwischen dem, was ökologisch getan werden müsste, und dem, was ökologisch getan wird“ sowie „die Kluft zwischen dem, was Politik, Medien und Bevölkerung sich einreden, und dem, was in der real existierenden Natur geschieht“. [lf]

18.04.2018 |

EU-Zulassungsverfahren für Pestizide soll transparenter werden

Eine europäische Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (http://bit.ly/2qxs1RO) Eine europäische Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (http://bit.ly/2qxs1RO)

Die EU-Kommission hat einen Verordnungsvorschlag vorgelegt, der die Transparenz bei der EU-Risikobewertung von Pestiziden, gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und Lebensmittelzusätzen verbessern soll. Sie reagierte damit auf eine Forderung der Europäischen Bürgerinitiative Stop Glyphosat, die im vergangenen Jahr von mehr als 1,3 Millionen EU-Bürgern unterstützt worden war.

Ausgangspunkt war der Streit um die Risikobewertung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat, bei der sich die EU-Lebensmittelbehörde EFSA auf nichtöffentliche Studien des Herstellers Monsanto gestützt hatte. Hinzu kamen Enthüllungen, die zeigten, dass Arbeiten angeblich neutraler Wissenschaftler von Monsanto finanziert worden waren. Die Bürgerinitiative hatte daraufhin verlangt, dass die wissenschaftliche Bewertung von Pestiziden durch die Regulierungsbehörden der EU „allein auf der Grundlage veröffentlichter Studien erfolgt, die von den zuständigen Behörden und nicht von der Pestizidindustrie in Auftrag gegeben wurden“. Ähnlich hatte das EU-Parlament in einer im Oktober 2017 verabschiedeten Resolution argumentiert: „Das Zulassungsverfahren der EU, einschließlich der wissenschaftlichen Bewertung von Stoffen, sollte sich nur auf veröffentlichte, von Fachleuten geprüfte und unabhängige Studien stützen, die von den zuständigen Behörden in Auftrag gegeben wurden.“

In ihrem Verordnungsvorschlag stellt die Kommission klar, dass die für eine Zulassung notwendigen Studien weiterhin von den Herstellern erstellt werden. Künftig sollen jedoch sämtliche Studien in einem EU-Register veröffentlicht werden. Allerdings dürfen die Hersteller dabei weiterhin Daten, die sie als Geschäftsgeheimnisse definieren, zurückhalten. Die EFSA erhält die Möglichkeit, bei heftigen Kontroversen zusätzliche Studie in Auftrag zu geben, die aus dem EU-Haushalt finanziert werden. Zudem müssen bei Industriestudien künftig interessierte Nichtregierungsorganisationen konsultiert werden. Diese Regelungen sollen nicht nur für Pestizide, sondern auch für andere Risikobewertungen in der Lebensmittelkette gelten, etwa für GVO, Zusatzstoffe, Enzyme oder Verpackungsmaterialien.

„Der Protest von mehr als einer Million europäischer Bürger über die Europäische Bürgerinitiative ‚Stop Glyphosate‘ scheint sich jetzt auszuzahlen“, kommentierte der grüne EU-Parlamentarier Martin Häusling die Vorlage der Kommission. Martin Pigeon, Campaigner für Lebensmittelpolitik bei Corporate Europe Observatory sprach von ersten wichtigen Schritten, wies auf dem Portal Euractiv aber auf einen großen Haken der Regelung hin: „Jeder, der die Daten zitieren und verwenden will, muss die Erlaubnis des Unternehmens einholen, das der EFSA diese Daten zur Verfügung gestellt hat.“ Greenpeace-Sprecher Mark Breddy kritisierte, dass nach wie vor die Hersteller von Pestiziden die Prüfung ihrer eigenen Produkte kontrollieren: „Dies sollte in der Regel Aufgabe der EU sein – nicht nur in kontroversen Fällen.“ Zahlen dafür sollen laut Breddy die Unternehmen, die ihre Produkte zulassen wollen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritiserte dass die von der EU-Kommission erwogenen Korrekturen insgesamt zu kurz greifen. „Da wird eine Riesenchance vertan“, sagte der Geschäftsführer von Foodwatch International, Thilo Bode.

Die Kommission will ihren Vorschlag nun mit dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten diskutieren und bis Mitte 2019 verabschieden. Parallel dazu arbeitet im Parlament ein Sonderausschuss die Erfahrungen mit der Risikobewertung des Herbizids Glyphosat auf. Dabei nehmen 30 Abgeordnete das Zulassungsverfahren für Pestizide, potenzielle Mängel bei der wissenschaftlichen Bewertung und mögliche Interessenskonflikte unter die Lupe. Sie sollen in neun Monaten einen Abschlussbericht mit Tatsachenfeststellungen und Empfehlungen vorlegen, die sicher auch die Haltung des Parlaments zu dem Vorschlag der Kommission beeinflussen werden. [lf]

17.04.2018 |

GroKo will weniger Glyphosat auf deutschen Äckern

Glyphosat Glyphosat auf EU-Äckern noch bis 2022? (Foto: Chafer Machinery/Flickr.com)

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will die Anwendung des Unkrautvernichters Glyphosat in der Landwirtschaft stark einschränken. Das Totalherbizid solle auf deutschen Äckern nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt werden, heißt es in einer geplanten Verordnung, die Klöckner heute in Berlin vorstellte. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprach von einem ersten Schritt zum gemeinsamen Ziel, den Einsatz von Glyphosat grundsätzlich zu beenden.
Nach den Plänen der Agrarministerin dürfen Landwirte Spritzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat künftig nur noch einsetzen, wenn es Hecken oder Blühstreifen an den Äckern gibt. Das Pflanzengift dürfe nur dann versprüht werden, wenn es absolut notwendig sei, wie bei erosionsgefährdeten Böden nach der Ernte. Auch hartnäckige Unkräuter wie Distel und Quecken dürfen Landwirte damit bekämpfen, so lange noch keine Alternative erforscht ist. Sollte in nassen Jahren der Verlust der gesamten Ernte drohen, soll eine Vorerntebehandlung mit Glyphosat erlaubt sein.
In öffentlichen Parks und Sportanlagen will Ministerin Klöckner glyphosathaltige Spitzmittel ganz verbieten. In privaten Gärten dürfen sie nur Gärtner mit einem Sachkundenachweis versprühen und auch nur dann, wenn es keine Alternative gibt. Den Mindestabstand von Gewässern will Klöckner bundeseinheitlich regeln, die ausnahmsweise Anwendung in Naturschutzgebieten abschaffen. Wie im Koalitionsvertrag vereinbart verfolge sie das Ziel, den Einsatz solcher Spritzmittel „so schnell wie möglich im europarechtlichen Rahmen zu beenden“, sagte die Agrarministerin.
Ob das Europarecht es den Mitgliedsländern erlaubt, Glyphosat komplett zu verbieten, ist umstritten. Als die EU-Kommission den Wirkstoff im Dezember 2017 erneut für fünf Jahre zuließ, hatte Gesundheitskommissar Andriukaitis argumentiert, die Mitgliedsländer könnten ja die entsprechenden Spritzmittel national beschränken. Gegen die Entscheidung des österreichischen Bundeslandes Kärnten, Glyphosat komplett zu verbieten, hatte die EU-Kommission im März allerdings "ernsthafte Bedenken" geäußert, berichtete kurier.at. Die EU-Mitgliedsstaaten müssten das für jedes Spritzmittel individuell entscheiden, so die EU-Kommission.
Wie der Infodienst Gentechnik berichtete, prüft das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aktuell, ob es 36 glyphosathaltige Spritzmittel in der Bundesrepublik neu zulässt. Das BVL ist eine Behörde des Agrarministeriums. „Hier kann und muss die Agrarministerin jetzt handeln!“, fordert der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner.
Ein Sprecher der Bundesumweltministerin hat inzwischen ebenfalls europarechtliche Bedenken gegen ein Komplettverbot von Glyphosat eingeräumt. Das Statement von Svenja Schulze (SPD) lautete heute so: „Ich will, dass Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff spätestens zum Ende der Legislaturperiode keine Rolle mehr spielen.“ Die Vorschläge der Agrarministerin seien „ein erster Schritt“. „Für unser gemeinsames Ziel, den Einsatz von Glyphosat grundsätzlich zu beenden, werden weitere Schritte folgen müssen“, sagte Schulze.
Für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sind Klöckners Pläne ebenfalls „ein erster Schritt in die richtige Richtung“. Die Expertin für Biodiversität, Silvia Bender, forderte darüber hinaus, die Vorerntebehandlung mit Glyphosat unverzüglich zu verbieten, da diese zu besonders hohen Rückstandsbelastungen führe. Um die biologische Vielfalt zu erhalten, müsse Glyphosat innerhalb von drei Jahren von deutschen Äckern verbannt werden, so Bender. [vef]

12.04.2018 |

Baysanto: USA und Russland wohl einverstanden

Werner Baumann (links), Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG, und Hugh Grant, Chairman und Chief Executive Officer von Monsanto (Foto: Bayer) Werner Baumann (links), Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG, und Hugh Grant, Chairman und Chief Executive Officer von Monsanto (Foto: Bayer)

Fast 20 der rund 30 relevanten Kartellbehörden hat Bayer inzwischen im Boot. Und die Einkaufsliste des Chemiekonzerns BASF wird immer länger. Nach dem Willen der US-Wettbewerbshüter soll BASF nun noch das Geschäft mit der digitalen Landwirtschaft von Bayer erwerben, damit die Leverkusener den amerikanischen Saatgutgiganten Monsanto übernehmen dürfen.
Nach Medienberichten vom Mittwoch werde das US-Justizministerium damit wohl grünes Licht geben für die größte Firmenübernahme der Nachkriegsgeschichte. Ein Bayer-Sprecher bestätigte das Verkaufsangebot an BASF, äußerte sich aber nicht zum Stand des Genehmigungsverfahrens in den USA. Der EU-Wettbewerbskommissarin hatte es für ihre Zustimmung im März noch ausgereicht, dass BASF nur eine Lizenz für Bayers Digital-Farming bekommt. Nach dem Willen der US-Behörden soll Bayer nun umgekehrt Lizenznehmer bei ihrem Käufer BASF werden.
Mit den agrarspezifischen IT-Plattformen, die Bayer und Monsanto beide entwickeln, können Landwirte ihre kompletten Betriebe digital steuern. Anhand riesiger Datenmengen zu Rahmenbedingungen wie Wetter oder Bodenbeschaffenheit werden Bedarf und Einsatz von Wasser, Saatgut, Dünger und Spritzmitteln berechnet und umgesetzt. So können die Konzerne ihr IT-Angebot direkt auf ihr Warenangebot abstimmen – von gentechnisch verändertem Saatgut bis zum Pestizid. Es entsteht eine computergestützte Rundumversorgung mit der Gefahr maximaler Abhängigkeit der Landwirte vom jeweiligen Konzern. Künftig werden dann wohl Bayer mit der Monsanto-Plattform und BASF mit der ehemaligen Bayer-Plattform auf IT-Kundenfang gehen.
Schließlich hat sich die Einkaufsliste von BASF um eine Reihe von Mitteln zur Saatgutbehandlung verlängert, teilte Bayer mit. Dafür steht NemaStrike, ein Bodeninsektizid von Monsanto, dessen Verkauf die EU gefordert hatte, nicht mehr auf der Liste. Auf Wunsch der EU enthält sie aber bereits Bayers Raps-, Soja- und Baumwollsaatgut, das Gemüsegeschäft sowie das weltweite Geschäft mit dem Unkrautvernichter Glufosinat-Ammonium. Der Preis für den Großeinkauf von BASF wurde bislang auf mehr als sechs Milliarden Euro beziffert. Was durch die US-Bedingungen noch hinzukommen wird, ist nicht bekannt.
Diese Verkaufsliste an BASF wird aktuell von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager noch abschließend geprüft. Ende kommender Woche will sie das Ergebnis verkünden. Wie proplanta.de berichtete, soll auch Russland der Megafusion in Kürze zustimmen. Bayer hat weiterhin das Ziel, Monsanto noch in diesem Quartal für mehr als 49 Milliarden Euro zu übernehmen und damit zum weltweit größten Anbieter für Saatgut und Pestizide aufzusteigen. Die Börse hat schon begonnen zu feiern. [vef]

11.04.2018 |

Genome Editing: Warum US-Schweinezüchter die Kartoffelbranche beneiden

Schwein Foto: pixelio.de / Karin Wobig

Dass viele gen-editierte Pflanzen, wie etwa ein mehltauresistenter Weizen, in den USA keine Zulassung brauchen, hatte der Infodienst kürzlich schon berichtet. Jetzt hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) klargestellt, unter welchen Voraussetzungen die mit neuen gentechnischen Methoden wie Crispr-Cas bearbeiteten Pflanzen nicht nach Gentechnikrecht zugelassen werden müssen.

Die USDA habe nicht vor, Pflanzen zu regulieren, die auch durch herkömmliche Züchtung entstanden sein könnten, heißt es in der Mitteilung von Ende März. Voraussetzung sei, dass mit den neuen Methoden in der Pflanze entweder nur Gene zerstört oder ein einzelnes Basenpaar ausgetauscht werde. Die neuen Gene müssen von einer verwandten Pflanze stammen, mit der man sie auch kreuzen könnte. Oder es kann sich um die nächste Generation einer Pflanze handeln, die die genetische Veränderung der Mutterpflanze nicht mehr enthält.

Die USDA lobte die gewaltigen Möglichkeiten des Genome Editing, für Bauern und Verbraucher gleichermaßen, mit dem sich Pflanzen gegen Dürre und Krankheiten schützen, ihr Nährwert erhöhen oder Allergene beseitigen ließen. Die amerikanischen Tierzüchter erstarren da vor Neid. Denn wie der Technology Review berichtet, werden gentechnische Veränderungen an Tieren von der US-Lebensmittelbehörde FDA geprüft. Sie behandelt solche Geneditierungen wie Medikamente, da sie das Ziel haben, die Struktur oder Funktion eines Tieres zu beeinflussen. Das bedeutet erhebliche Sicherheitstests für die Züchter. Warum sollen gentechnisch veränderte Kartoffeln lascher überwacht werden, als Gentech-Schweine ohne Ringelschwanz, fragt die Branche empört.

Entsprechend eifrig bearbeiten ihre Lobbyisten die US-Regierung. Sie wollen erreichen, dass die USDA neben den Pflanzen auch für Gentech-Tiere zuständig ist. Und offenbar stoßen sie auf offene Ohren. Denn wie der Technology Review berichtet, bezeichnete US-Präsident Trump die Regulierungsbehörden im Januar in Tennessee als "unbarmherzige Gegner" der Bauern. Seine Regierung werde versuchen, die Anforderungen so zurechtzustutzen, dass moderne Biotechnologie nicht mehr blockiert werde und die Farmer innovativ sein und wachsen könnten. [vef]

05.04.2018 |

Neue Studien zeigen: Glyphosat ist weiterhin gefährlich

Auswirkungen von Glyphosat 13,4 Millionen Menschen sind in Argentinien unmittelbar von den Folgen des Glyphosat-Einsatzes betroffen-+-Bild: Pablo E. Piovano

Mehrere aktuelle Studien zeigen, dass das Herbizid Glyphosat Umwelt und Gesundheit negativ beeinflusst. Sie liefern neue Argumente dafür, den Wirkstoff in Deutschland Ende 2021 endgültig zu verbieten, wie dies Bundesumweltministerin Svenja Schulze forderte.

Wissenschaftler der Universität des US-Staates Indiana haben 71 Schwangere untersucht und bei 93 Prozent von ihnen Glyphosat im Urin nachgewiesen. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen Glyphosatbelastung und einer verkürzten Schwangerschaftsdauer. Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass eine verkürzte Schwangerschaft für das Neugeborene lebenslange negative Auswirkungen haben könnte. Sie mahnten weitere Studien mit mehr Schwangeren an, um zu erkennen, ob die Glyphosatbelastung noch andere Risiken für die Ungeborenen mit sich bringt.

Ebenfalls aus den USA kam die Nachricht, dass die Population des Monarch-Falters weiter abnimmt. Das Center für Biological Diversity (CBD) hatte in den Überwinterungsquartieren des Falters in Mexiko den Bestand überprüft. Waren es vor 20 Jahren noch eine Milliarde Falter, so sind jetzt noch 93 Millionen übrig. Um auf Dauer überleben zu können, müsste die Population 225 Millionen Tiere betragen, schrieb das CBD. Als Grund für die rapide Abnahme nennen die Artenforscher den Einsatz von Herbiziden, insbesondere von Glyphosat. Die Spritzgifte lassen die Wirtsblume des Falters, die Seidenpflanze, absterben.

Argentinische Wissenschaftler haben gezeigt, dass Glyphosat und sein Abbauprodukt AMPA vom Winde verweht werden können. Dazu sammelten sie den Staub, den der Wind von abgeernteten, offen daliegenden Feldern wehte. Der bis zu einer Höhe von eineinhalb Meter aufgewirbelte Staub enthielt 247 Mikrogramm je Kilogramm (µg/kg) an Glyphosat und fast ebensoviel AMPA. Das sei 60 mal mehr Glyphosat als im Boden selbst, heißt es in der Studie. Daraus folge, dass der Erosionsstaub sich möglicherweise negativ auf das Ökosystem und die menschliche Gesundheit auswirke.

Andere argentinische Forscher haben die Kaulquappen von Fröschen gängigen Umweltkonzentrationen an Glyphosat ausgesetzt und dabei unterm Mikroskop Leberveränderungen nachgewiesen. Dabei war die gebrauchsfertige gylyphosathaltige Pestizidmischung Roundup noch schädlicher als reines Glyphosat. Brasilianische Forscher hatten die Fischart Astyanax lacustris in Wasser mit Spuren eines glyphosathaltigen Herbizids schwimmen lassen. Bei einer Konzentration von 50 Mikrogramm je Liter waren die Spermien der Fische bewegungsunfähig, bei 300 Mikrogramm starben die Samenzellen ab.

All diese Studien müssen berücksichtigt werden, wenn in den kommenden Monaten in Deutschland glyphosathaltige Herbizide neu zugelassen werden. Denn dabei sollen die Behörden die Risiken für Nichtziel-Pflanzen und die Biodiversität besonders beachten. Bis Fristende am 16. März hatten acht Hersteller beantragt, 24 glyphosathaltige Spritzmittel in der Bundesrepublik neu zuzulassen. Weitere zwölf Herbizide, die über 2018 hinaus zugelassen sind, würden von Amts wegen überprüft, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Anfrage mit.

Ginge es nach der neuen Bundesumweltministerin Svenja Schulze, würden die Zulassungen nur noch befristet bis Ende 2021 erteilt. Danach will die SPD-Politikerin das Herbizid in Deutschland endgültig verbieten, teilte sie der BILD-Zeitung mit. Bedeckt hält sich dagegen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner von der CDU. Sie sagte der Rheinischen Post lediglich, Naturschutz und Landwirtschaft seien keine Gegensätze und gehörten zusammen: „Und deshalb will ich mit der Kollegin Schulze auch ein gutes Einvernehmen finden.“ [lf]

29.03.2018 |

Petition in der Schweiz: Gentechnikgesetz muss Genome Editing regeln

Schweiz Gentechnikfrei Foto: Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG)

Die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) und die Kleinbauernvereinigung haben eine Petition an die Schweizer Regierung, den Bundesrat, und das Parlament gestartet. Sie fordern darin, neue Gentechnik-Verfahren dem Gentechnikgesetz zu unterstellen.
In der Schweiz gilt noch bis Ende 2021 ein Moratorium für den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Doch der Import gentechnisch veränderter Futtermittel ist ebenso zulässig wie der Anbau zu Forschungszwecken. Deshalb stellt sich auch hier die Frage, wie mit Organismen umgegangen werden soll, die mit Hilfe von Genome Editing Verfahren verändert wurden.

Eine klare Antwort darauf gibt SAG-Präsidentin Martina Munz: „Wo Gentechnik drinsteckt, muss auch Gentechnik draufstehen! Produkte der neuen Gentechnik-Verfahren müssen vor ihrer Freisetzung auf ihre Sicherheit überprüft werden.“ Ohne Einstufung als Gentechnik würde keine Risikobewertung und keine Kennzeichnung verlangt. Weder in der Produktion, noch beim Einkauf gebe es dann noch Transparenz.

Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, hat die SAG zusammen mit der Schweizer Kleinbauernvereinigung die Petition ‚Neue Gentechnik-Verfahren dem Gentechnikgesetz unterstellen!’ gestartet. Sie verlangt von Bundesrat und Parlament, die neuen Verfahren unter das Gentechnikgesetz zu stellen und so dem Vorsorgeprinzip Rechnung zu tragen. Bis in den Spätherbst hinein wollen die Organisatoren online und analog Unterschriften sammeln. Eingebettet ist die Petition in die Kampagne ‚Keine Gentechnik durch die Hintertür’, mit der die Öffentlichkeit über neue gentechnische Verfahren und ihre möglichen Folgen aufgeklärt werden soll.

Die Politik in der Schweiz hält sich bisher bedeckt. Nach Angaben von Paul Scherer, dem Geschäftsführer der SAG, arbeiten die Bundesämter für Umwelt und Landwirtschaft derzeit an einem Grundlagenpapier zu diesem Thema, das voraussichtlich im Frühsommer dem Bundesrat vorgelegt wird. Auf dessen Basis werde dann die Regierung eine Gesetzesvorlage erarbeiten. Beeinflusst werde der Terminplan von den anstehenden Entscheidungen in der EU, sagt Scherer: „Die Schweizer Politiker warten ab, wie der Europäische Gerichtshof entscheiden und was die EU-Kommission daraufhin unternehmen wird. Vorher will sich niemand festlegen.“ Scherer rechnet damit, dass die politische Debatte im Herbst richtig losgehen wird. Ihr Ausgang ist offen. Zwar lehnt der größte Teil der Bevölkerung Gentechnik in Lebensmitteln weiterhin ab. Doch der Bundesrat hatte schon 2015 eine kontrollierte Einführung von Gentech-Pflanzen ab 2021 vorgeschlagen. Den Vorstoß blockte das Parlament damals ebenso ab wie ein dauerhaftes Anbauverbot. Der Kompromiss war die Verlängerung des Moratoriums bis 2021. Danach werden die Gentechnik-Karten in der Schweiz neu gemischt. [lf]

27.03.2018 |

Mexiko: Gentech-Mais in den Tortillas

Mais Mexiko Vielfalt Mais ist wichtiges Grundnahrungsmittel in Mexiko (Foto: © Curt Carnemark / World Bank, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Industriell gefertigte Tortillas in Mexiko sind häufig mit gentechnisch verändertem Mais verunreinigt und mit Glyphosat belastet. Das stellten mexikanische Wissenschaftler in einer Studie fest, auf die die Entwicklungsorganisation GRAIN aufmerksam gemacht hat. Der Gentech-Mais fand sich auch in Exportprodukten.

Mexiko ist die Heimat der Maispflanze und ihre Körner sind dort das wichtigste Grundnahrungmittel. Ein halbes Kilogramm Maismehl isst der durchschnittliche Mexikaner jeden Tag, in Form von Tortilla-Fladen, Snacks oder anderen Gerichten auf Mais-Basis. Der Anbau von gentechisch verändertem (gv)-Mais ist in Mexiko verboten, doch aus den USA darf gv-Mais eingeführt werden, als Futtermittel und für die Lebensmittelindustrie.

Das Forscherteam um Elena Álvarez Buylla von der mexikanischen Universität UNAM hatte 367 mais-basierte Lebensmittel, hauptsächlich aus dem Hochland um Mexico City, eingekauft und analysiert. In 82 Prozent der Proben fanden sie gentechnisch veränderten Mais, besonders häufig in Tortillas. Selbst die Hälfte der als gentechnikfrei ausgelobten Produkte war belastet. Bei 107 Proben bestimmten die Forscher die Menge an gv-Mais. In 46 Fällen waren es mehr als fünf Prozent. Der gv-Mais könne aus den USA importiert worden sein, heißt es in der Studie. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass das heimische Saatgut bereit mit gv-Mais verunreinigt sei. Der Vorschlag der Wissenschaftler: „Die derzeit gültigen Biosicherheitsrichtlinien sollten gründlich überarbeitet werden.“
In einem Drittel der Lebensmittel mit gv-Mais konnte das Labor zudem Rückstände von Glyphosat nachweisen. Die Forscher bemängelten, dass es in Mexiko bisher keine gesetzlichen Grenzwerte für Glyphosatrückstände gebe.

GRAIN weist in der Analyse der Studie auf einen besonderen Aspekt hin: Die Tortillas, die in bäuerlichen Gemeinden aus dem Mehl regionaler Sorten von weißem Mais hergestellt worden waren, wiesen kaum Verunreinigungen auf. Betroffen waren fast ausschließlich industriell gefertigte Tortillas und Fertiggerichte sowie das Mehl aus großen Mühlen. Laut Grain ist Mexiko einer der weltweit größten Hersteller verarbeiteter Lebensmittel. Industriell gefertigte Tortillas werden über Ketten kleiner Supermärkte bis in die Dörfer vertrieben und verdrängen dort die handwerklichen Hersteller, heißt es in der Analyse. Ein Teil der Lebensmittel wird exportiert – nicht nur in die USA, sondern auch nach Europa. Die UNAM-Wissenschaftler hatten deshalb auch einige Proben mexikanischer Lebensmittel in Frankreich, Spanien und Deutschland gekauft. Die drei deutschen Proben waren gentechnikfrei, in einer spanischen und drei französischen Proben fand das Labor gentechnisch veränderte Organismen. [lf]

21.03.2018 |

EU-Kommission: Bayer darf Monsanto unter Auflagen kaufen

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)  EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)

Die Europäische Kommission erlaubt dem Chemiekonzern Bayer, den amerikanischen Saatgutgiganten Monsanto zu übernehmen. Das teilte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel mit. Bedingung ist, dass Bayer Geschäftsanteile im Wert von mehr als sechs Milliarden Euro an den Konkurrenten BASF verkauft. Dieser Deal muss von der Kommission noch abschließend geprüft werden.
„Das Ergebnis dieser Untersuchung ist gegenwärtig noch nicht absehbar“, heißt es in der EU-Mitteilung. Die Kommission habe dazu weitere Informationen angefordert. „Bayer kann die Übernahme von Monsanto erst dann vollziehen, wenn die Kommission die endgültige Veräußerung des gesamten Pakets an BASF förmlich geprüft und genehmigt hat.“ Gelingt die mit 62,5 Milliarden US-Dollar größte Übernahme der Nachkriegsgeschichte, ist Bayer der größte Saatgut- und Spritzmittelkonzern der Welt.
EU-Kommissarin Vestager will sicherstellen, „dass auf den Märkten für Saatgut, Pflanzenschutzmittel und digitale Landwirtschaft auch nach dem Zusammenschluss wirksamer Produkt- und Innovationswettbewerb herrscht“. Daher musste Bayer sich verpflichten, nahezu sein ganzes weltweites Geschäft mit Saatgut für Feldkulturen wie Raps, Baumwolle und Soja sowie mit Spritzmitteln (Glufosinat-Ammonium) zu verkaufen. Als Erwerber ist Konkurrent BASF vorgesehen, teilte Bayer mit.
Außerdem muss Bayer BASF eine Lizenz für seine Produkte der digitalen Landwirtschaft erteilen. Sie errechnen mittels enormer Datenmengen zum Beispiel, wann, wie und wo auf einem Acker gedüngt werden muss. Und schließlich stehen mehrere Forschungsprojekte auf Bayers Verkaufsliste. Drei davon sollen Konkurrenzprodukte für den weltweit meistverwendeten Herbizidwirkstoff Glyphosat von Marktführer Monsanto entwickeln. Damit könnte BASF, das derzeit keine Totalherbizide vertreibt, künftig Wettbewerbsdruck auf den neuen Großkonzern ausüben, erklärte Vestager. Mit dem Gesamtpaket seien sämtliche wettbewerbsrechtlichen Bedenken ausgeräumt. Die EU-Kommissarin verwies darauf, dass dadurch nach dem Zusammenschluss weiterhin sechs globale Akteure Saatgut für großflächigen Anbau anbieten und vier mit agronomischen Merkmalen im Wettbewerb stehen werden.
Die Kommission habe in dem Verfahren sehr eng mit einer Reihe von Wettbewerbsbehörden – dem US-Justizministerium, aber auch den Kartellbehörden Australiens, Brasiliens, Kanadas, Chinas, Indiens und Südafrikas – zusammengearbeitet. Die Bedingungen, die diese an die Übernahme stellen, gingen in die gleiche Richtung, sagte Vestager. Erst vor wenigen Tagen hatte China seine Zustimmung zu dem Deal erteilt. In den USA hat zwar ein Investitionsausschuss (CFIUS) keine Sicherheitsbedenken. Den Wettbewerbshütern im Justizministerium scheinen die Zugeständnisse Bayers nach Medienberichten aber noch nicht zu reichen. Spekuliert wird auch über den Einfluss von US-Präsident Trumps protektionistischer Wirtschaftspolitik. Nach eigenen Angaben liegt Bayer inzwischen „deutlich mehr als die Hälfte“ der weltweit erforderlichen 30 behördlichen Freigaben vor. Der Konzern rechnet damit, Monsanto im zweiten Quartal 2018 übernehmen zu können.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die als Drittpartei am Verfahren beteiligt war, bezeichnete die Entscheidung der Kommission als „konzerngeleitet“. Sie bedeute weniger Wettbewerb und mehr Abhängigkeiten für die Bauern. Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der AbL, kritisierte das Verfahren als „nicht transparent und undemokratisch“. Er forderte die neue Bundesregierung auf, einen staatlichen Saatgutfonds einzurichten, um die Züchtung von samenfestem, nachbaufähigen, gentechnikfreien Saatgut zu fördern.
Den grünen Abgeordneten im Europaparlament, Martin Häusling, hat die Genehmigung erschreckt. „Was das für Folgen hat, zeigen steigende Gesundheitsbelastungen von Landwirten und der dramatische weltweite Rückgang der Artenvielfalt gleichermaßen“, mahnte Häusling. Er verwies darauf, dass sogar Finanzinvestoren vor einem immensen „Reputationsrisiko“ für Bayer warnten. Sein Parteikollege Sven Giegold sprach von einer „giftigen Entscheidung für die europäische Demokratie“ und warnte vor „gefährlicher Machtkonzentration“. Daran änderten die Auflagen der Kommission wenig. Und der Präsident des Naturschutzbund Deutschland, Olaf Tschimpke, ergänzte: „Die Entscheidung steht im Gegensatz zu den Forderungen von Umweltschützern und Verbrauchern auf der ganzen Welt, die sich eine umweltverträglichere, gift- und gentechnikfreie Landwirtschaft wünschen.“ [vef]

20.03.2018 |

Maisstreit: Syngenta muss US-Landwirte mit 1,5 Milliarden Dollar entschädigen

Mais Maisernte USA Maisernte - über 90 Prozent der Mais-Flächen sind in den USA mit Gentechnik bebaut (Foto: United Soybean Board / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Fünf Monate wurde über Details verhandelt, jetzt ist der Vergleich fix: Der Schweizer Konzern Syngenta zahlt in den USA 1,51 Milliarden US-Dollar in einen Fonds. Daraus sollen ab 2019 mehrere Zehntausend US-Landwirte, Getreidehändler und Ethanolhersteller entschädigt werden, die durch die verfrühte Markteinführung der gentechnisch veränderten Maissorte Viptera Umsatzeinbußen erlitten.
Syngenta hatte die Maissorte 2011 auf den Markt gebracht und damals angekündigt, eine Importgenehmigung durch China stehe unmittelbar bevor. Erlaubt hatte China den Import allerdings erst Ende 2014. US-Landwirte, die Viptera anbauten, sahen sich dadurch um den Wachstumsmarkt China gebracht und klagten den Schaden ein. Betroffen waren auch Mais-Bauern, die andere Sorten anbauten. Denn China wies 2013 insgesamt 1,45 Millionen Tonnen US-Mais zurück, weil er mit Viptera verunreinigt war. In der Folge brachen auf dem gesamten Maismarkt die Preise drastisch ein, wofür die US-Landwirte ebenfalls Syngenta verantwortlich machten.
Der von den Rechtsanwälten der Landwirte jetzt veröffentlichte Vergleich muss noch von einem Richter bestätigt werden. Syngenta will damit sämtliche Ansprüche US-amerikanischer Landwirte befriedigen, die sich ursprünglich auf mehr als vier Milliarden Euro summiert haben sollen. Auch mit dem Agrarhändler ADM hat sich Syngenta Medienberichten zufolge inzwischen auf einen Vergleich verständigt. Eine Summe wurde nicht genannt. Offen ist noch eine Klage des Agrarhändlers Cargill, die im kommenden September verhandelt werden soll.
Der Viptera-Vergleich hat dazu geführt, dass Syngenta im Jahr 2017 kaum etwas verdient hat. Der Jahresabschluss weist einen Gewinn von gerade einmal 54 Millionen US-Dollar aus, weil der Konzern 1,55 Milliarden Dollar für den Vergleich zurücklegen musste. Die Folgen der chinesischen Importverzögerung bekommt damit passenderweise auch der chinesische Staatskonzern Chemchina zu spüren, der Syngenta 2017 erworben hat. [lf/vef]

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