27.03.2020 |

Neue gentechnisch veränderte Sorten lassen sich nachweisen

Labor Genomsquenzierung Genomsequenzierung (Foto: Lawrence Berkeley Nat"l Lab - Roy Kaltschmidt, DNA sample picotiter plate preparation, bit.ly/24QkbyR, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0, flickr)

Es ist eine Standardbehauptung von Gentechnikern und Behörden: Mit neuen gentechnischen Verfahren eingebrachte Änderungen bei Pflanzen lassen sich nicht von natürlichen Mutationen unterscheiden. „Stimmt nicht“, sagt der französische Biochemiker Eric Meunier. Er beschreibt biochemische Methoden, mit denen sich einzelne Sorten akkurat unterscheiden lassen. Entwickelt haben diese Methoden Pflanzenzüchter, um ihre Sortenrechte zu verteidigen.

Denn wenn Züchter eine neue Sorte entwickeln, wollen sie über Lizenzgebühren für das Saatgut daran verdienen. Das ermöglichen ihnen Sortenschutzgesetze, die den Züchtern entsprechende Rechte einräumen. Um diese im Streitfall auch durchsetzen zu können, muss ein Züchter nachweisen, dass es sich bei einer Pflanze um „seine“ Sorte mit ihren klar definierten Merkmalen handelt. Das gilt für konventionelle Sorten ebenso wie für Sorten, bei denen mit Gen-Scheren wie Crispr/Cas ins Erbgut eingegriffen wurde.

Weltweit kümmert sich der internationale Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) darum, dass die Rechte der Züchter gewahrt werden. Die UPOV hat im November 2019 eine Anleitung vorgestellt, wie sich mit Hilfe biochemischer und molekularer Marker eine Pflanzensorte sicher identifiziern lässt. Dieses Dokument stellt Eric Meunier auf der französischen Webseite Inf’OGM vor.
Diese molekularen Marker sind genetische Sequenzen, die charakteristisch für eine Sorte seien, schreibt Meunier. Mit ihrer Hilfe könne man „eine Pflanzensorte genau beschreiben, identifizieren, unterscheiden und zurückverfolgen“. Würden meherer Marker kombiniert, lasse sich ein „genetischen Fingerabdrucks jeder Sorte, eine Art Strichcode erstellen“. Die Arbeit bestehe darin, eine Liste der für diese Sorte charakteristischen Marker zu erstellen und ein Testverfahren zu entwickeln, dass diese Marker nachweist.
Meunier berichtet, dass chinesische Forscher auf einer UPOV-Tagung ein solches Testkit für Maissorten vorgestellt hätten. Der Chip ermögliche „die Identifizierung der kombinierten Marker von 400 chinesischen und ausländischen Mais-Inzuchtlinien.“ Auf der gleichen Tagung habe die Internationale Vereinigung für Saatgutprüfung, der auch die Prüflabore der großen Saatgutkonzerne angehören, ein Protokoll für die Sortenidentifizierung mit Hilfe von Erbgutanalysen vorgestellt.

Bei einem Eingriff mit Gen-Scheren, so argumentiert Meunier, entstehen immer auch unerwünschte Änderungen im Erbgut, die sich bei dessen genauer Analyse finden und als Marker nutzen lassen, um diese Sorte von behaupteten natürlichen Mutationen sicher unterscheiden zu können. „Dieser Nachweis ist technisch machbar, sofern der politische Wille vorhanden ist und die notwendigen finanziellen Mittel zur Durchführung zur Verfügung gestellt werden“, schreibt Meunier. [lf]

24.03.2020 |

USA: Dicamba-Zulassung kommt auf den Prüfstand

Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; http://bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/) Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Die Zulassung der aktuellen Dicamba-Herbizide von Bayer, BASF und Corteva durch die US-Umweltbehörde EPA wird intern überprüft. Als Termin dafür ist zwar erst der Herbst 2021 vorgesehen. Doch allein die Ankündigung lässt den Druck auf den leichtflüchtigen Wirkstoff Dicamba weiter wachsen. Denn auch ein Gericht überprüft die EPA-Entscheidung.

In den USA gibt es für die Behörden des Bundes eine Generalinspektion, das Office of the Inspector General (OIG). Deren Aufgabe ist es, die Arbeit der Behörden zu begutachten. Die für die Umweltbehörde EPA zuständige Abteilung des OIG hat ihren Inspektionsplan vorgelegt und darin die Dicamba-Inspektion angekündigt. Diese soll feststellen, ob die EPA sich bei der Zulassung an die Anforderungen des Bundes und die Grundsätze der Wissenschaftlichkeit gehalten hat.

Die Umweltbehörde hatte 2016 die Herbizide XtendiMax (Bayer), Engenia (BASF) and FeXapan (Corteva) zugelassen. Sie alle enthielten den in den 60-er Jahren entwickelten Wirkstoff Dicamba und werden seither zusammen mit gentechnisch veränderten, Dicamba-resistenten Baumwoll- und Sojapflanzen von Monsanto verkauft. Damals war längst bekannt, dass der leichtflüchtige Wirkstoff beim Ausbringen vom Wind abgetragen werden und benachbarte Pflanzungen beeinträchtigen kann. Die Hersteller gaben an, das Problem durch neue Rezepturen im Griff zu haben. EPA akzeptierte diese Erklärungen und gab die Pestizide frei. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die neuen Pestizidformulierungen ebenso wie alte Dicamba-Pestizide vom Winde verweht werden und die Nachbarn ohne Dicamba-resistente Pflanzen schädigen. EPA verschärfte daraufhin 2018 die Anwendungsbestimmungen, doch auch das nutzte wenig. Inzwischen haben zahlreiche Farmer Bayer und BASF wegen Dicamba-Schäden verklagt. In einem ersten Verfahren wurden die beiden Konzerne zu 265 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt. In diesem Prozess belegten Dokumente, dass die Hersteller Abdriftprobleme von vorneherein einkalkuliert hatten.

Am 21. April verhandelt ein Berufungsgericht des Bundes über die Klage mehrerer Farmer und Umweltgruppen gegen die Zulasssung von XtendiMax durch das EPA. Diese machen geltend, dass EPA bei der Zulassung Bundesvorgaben missachtet habe. Die Behörde selbst kündigte an, im Herbst über gegebenenfalls notwendige weitere Auflagen entscheiden zu wollen. Doch nach wie vor sehe sie in der Abdrift kein grundlegendes Problem, schreibt das Midwest Center for Investigative Reporting. Anders beurteilen das mehrere Universitätsprofessoren. Deren Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Herbizide in der Lage seien, sich nach der Anwendung stunden- und sogar tagelang zu verflüchtigen und vom Zielort zu entfernen, schreibt das Magazin Progressive Farmer.

Die Untersuchung des OIG bezieht sich auch auf einen Paragraphen (Section 24(c)) des bundesweiten Pestizidgesetzes. Dieser erlaubt es den Einzelstaaten, in bestimmten Fällen den Einsatz von Pestiziden trotz EPA-Zulassung zu beschränken. Bei Dicamba nutzen mehrere US-Staaten mit Verweis auf die Abdriftschäden diese Möglichkeit und haben den Dicamba-Einsatz stark reglementiert oder gar verboten. Das EPA sieht darin einen Missbrauch dieses Paragraphen und plant seither, dessen Anwendung einzuschränken. Hier erwarten die Pestizidregulierer in den US-Staaten Rückendeckung durch das OIG. [lf]

20.03.2020 |

Bt-Baumwolle in Indien schmeckt den Insekten weiterhin

Baumwolle Indien Foto: Jeremy Evans Thomas / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0-+-

Was hat der jahrelange Anbau gentechnisch veränderten Bt-Baumwolle in Indien gebracht? Mehr Kunstdünger, mehr Insektizide und keine besseren Ernten: Das ist die Antwort zweier Experten, die diese Entwicklung über fast 20 Jahre hinweg begleiteten.

Im Jahr 2002 brachte Mahyco, das indische Joint-Venture des Gentechnik-Konzerns Monsanto, seine gentechnisch veränderte Bt-Baumwolle auf den indischen Markt. Sie sollte mit ihren selbst produzierten Toxinen den Baumwollkapselbohrer abtöten und so die Erträge steigern und gleichzeitig den Verbrauch an Insektiziden verringern. Doch die Ernten seien die letzten 13 Jahre nicht gestiegen und Indiens Kleinbauern würden weit mehr Geld für Baumwoll-Insektizide ausgeben als je zuvor. Zu diesem Ergebnis kamen der Anthropologe Glenn Davis Stone von der Washington University und K.R. Kranthi, langjähriger Direktor des indischen Baumwoll-Instituts. In ihrer im Fachmagazin Nature Plants erschienenen Arbeit beschreiben sie den Ablauf so:

Nach der Markteinführung im Jahr 2002 stiegen die Erträge zwei Jahre lang tatsächlich stark an; allerdings auch die Mengen an Kunstdünger und neu entwickelten Insektiziden, die eingesetzt wurden. Der Anbau von Bt-Baumwolle sei noch zu gering gewesen, um diesen Effekt zu erklären, schreiben Stone und Kranthi. Erst als ab 2005 auf einem Großteil der Felder Bt-Baumwolle wuchs, sanken die Ausgaben für Insektizide kurzzeitig. Doch die neuen Baumwollpflanzen erwiesen sich als besonders anfällig gegen saugende Schädlinge wie Läuse. Die Kleinbauern geben deshalb für deren Bekämpfung heute mehr als dreimal so viel aus wie vor 15 Jahren. Hinzu kam, dass der Kapselbohrer gegen das Bt-Toxin der gentechnisch veränderten Baumwolle resistent wurde und seither auch für dessen Bekämpfung wieder mehr Insektizide eingesetzt werden.

„Jetzt geben die Bauern in Indien mehr für Saatgut, mehr für Dünger und mehr für Insektizide aus“, erklärte Stone. „Unsere Schlussfolgerung ist, dass die Hauptauswirkung der Bt-Baumwolle auf die Bauern darin besteht, dass sie die Landwirtschaft kapitalintensiver macht - und nicht in einem dauerhaften agronomischen Nutzen“.

Wie andere Studien zeigen, macht gerade der erhöhte Kapitalbedarf die meist armen und verschuldeten Kleinbauern extrem anfällig, zumal in Gebieten, wo die Felder nicht bewässert werden, sondern auf den immer unzuverlässiger werdenden Monsunregen angewiesen sind. Colin Todhunter stellt im Online-Magazin Counterpunch einige dieser Arbeiten vor und kommt zu dem Ergebnis, dass Bt-Baumwolle von Anfang an das Ziel hatte, die Profitinteressen der Konzerne im ländlichen Raum Indiens durchzusetzen und die Landwirte abhängig zu machen. „In dieser Hinsicht war die Bt-Baumwolle ein herausragender Erfolg“, schreibt er. [lf]

17.03.2020 |

Traditionelle Züchter präsentieren pilzresistente Banane

Banane Oft mit Pestiziden: Bananen (Foto: CCO, stux, Pixabay)

Die Pilzkrankheit Sigatoka schädigt die Bananenproduktion für den Weltmarkt. Seit Jahren versprechen Gentechnologen, pilzresistente Sorten zu züchten. Jetzt kommt in Frankreich eine Sigatoka-resistente Sorte auf den Markt. Doch die Banane Pointe d’Or wurde herkömmlich gezüchtet, ganz ohne Gentechnik und geeignet für den Bio-Anbau.

Für den Bananenexport in die Industrieländer bauen Landwirte vor allem die Sorte Cavendish an. Sie liefert gute Erträge, ist aber anfällig für Pilzkrankheiten und wird deswegen intensiv mit Pestizden besprüht. Eine der Pilzkrankheiten heißt Black Sigatoka und befällt die Blätter der Bananenstaude. Bereits 2003 schwärmte der US-Lobbyverband BIO von gentechnisch veränderten Bananen, die gegen Sigatoka resistent wären und bald auf den Markt kämen. Es gibt sie bis heute nicht.

Was es in diesem Frühjahr in den Bio-Regalen der französischen Supermarktkette Carrefour geben wird, ist Pointe d’Or; eine knallgelbe Banane von den französischen Inseln Guadeloupe und Martinique. Gezüchtet haben sie Experten des französischen Forschungsinstituts CIRAD zusammen mit den Anbauern auf den Inseln. Dabei haben sie nicht nur nach neuen Sorten gesucht, sondern auch das Anbausystem nach agrarökologischen Gesichtspunkten umgestaltet. Die neuen Bananen wachsen jetzt in Mischkulturen, unter Schattenbäumen und ohne Pestizide. In dieser Saison waren es 35 Hektar und die Ernte von rund 1000 Tonnen dürfte schnell verkauft sein. Für Frédéric Salmon, einen der CIRAD-Züchter, ist das nur der Anfang: „Mit ihrer natürlichen Resistenz ebnet Pointe d’Or den Weg für den Anbau von Bio-Bananen in Französisch-Westindien.“

Und sie macht den Züchtern von CIRAD Mut für die nächste Aufgabe. Ein Bodenpilz mit dem Kürzel TR4 hat sich über Asien und Teile Afrikas bis nach Mittelamerika ausgebreitet und bedroht nun die dortigen Anbauer Sie liefern 80 Prozent der Bananen für den Weltmarkt. Die von ihnen verwendete Sorte Cavendish ist anfällig für den Pilz und chemische Mittel können sie nicht schützen. Es gibt Wissenschaftler, die mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas versuchen, die Cavendish-Banane resistent gegen TR4 zu machen. Sie hoffen, 2023 erste Bananen auf den Markt zu bringen. Die Experten von CIRAD hingegen wollen weg von der Cavendish-Monotonie. Der einzige Weg sei es, die genetische Vielfalt der angebauten Bananen zu erhöhen und zugleich die Anbausysteme zu ändern, schreiben sie. Um diesen Weg zu gehen, will CIRAD eine internationale Allianz aus Bananenforschern, Züchtern und Anbauern gründen. Eine gentechnikfreie Allianz, denn „gentechnisch veränderte Sorten werden auf vielen Märkten nicht akzeptiert“ und neue gentechnische Verfahren würden zumindest in Europa als Gentechnik angesehen. [lf]

13.03.2020 |

Weizen: Ein Gentechnik-Oldie drängt auf den Markt

Weizen Mähdrescher Ernte Foto: tpmartins / flickr; Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0

Das argentinische Gentechnik-Unternehmen Bioceres will in Argentinien eine Zulassung für seinen gentechnisch veränderten HB4-Weizen bekommen. Die Pflanze soll Hitze und Salz besser aushalten als herkömmlicher Weizen. Es wäre die weltweit erste Zulassung für den kommerziellen Anbau eines gv-Weizens. Doch so schnell wird sie wohl nicht kommen.

Hinter dem Kürzel HB4 versteckt sich ein Produkt der alten Gentechnik. Bioceres hatte ein Gen aus der Sonnenblume identifiziert, das die Pflanze gut mt Trockenheit und salzigen Böden zurechtkommen lässt. Dieses Gen baute das Unternehmen in Soja, Weizen, Luzerne, Mais und Zuckerrohr ein. Für die HB4-Sojabohne hat Argentinien einen ersten Anbau schon vor einigen Jahren genehmigt. Jetzt drängt das Unternehmen auf die Zulassung des Weizens. Der wurde bisher nur in Feldversuchen angebaut, in Argentinien, aber auch in Spanien. In den Versuchen soll er nach Firmenangaben bei Trockenheit höhere Erträge geliefert haben als Vergleichssorten. An der HB4-Technologie arbeitet Bioceres bereits seit zwei Jahrzehnten. Schon 2013 gründeten die Argentinier zusammen mit dem französischen Pflanzenzüchter Florimond Desprez ein Unternehmen namens Trigall Genetics, um den Weizen auf den Markt zu bringen. Damals wurde 2016 als Start für den Anbau genannt.

Für die HB4-Sojabohne seien „in Argentinien, Brasilien und seit 2019 auch in den USA und Paraguay die mehrstufigen Zulassungsprozesse abgeschlossen und ein Anbau in absehbarer Zeit zu erwarten“, schreibt das Gentechnik-Portal Transgen. Doch noch fehle die Importzulassung von China, dem bei weitem wichtigsten Abnehmer für Sojabohnen aus Nord- und Südamerika. Für die EU, die ebenfalls große Mengen gv-Soja aus Südamerika importiert, hat Bioceres gar keinen Zulassungsantrag für den Import als Lebens- und Futtermittel gestellt. Würden künftig Spuren von nicht zugelassener HB4-Soja in Lieferungen aus Amerika entdeckt, müssten diese zurückgeschickt werden. Verständlich, dass sich Anbauer da zurückhalten.

Auch bei gv-Weizen ist die Skepsis groß. Alle Versuche selbst großer Konzerne wie Monsanto, gv-Weizen auf den Markt zu drücken, scheiterten bisher. Die Furcht der Anbauer, ihren Weizen auf dem Weltmarkt nicht verkaufen zu können, war zu groß. Das gilt auch für Argentinien, wie ein Bericht der dortigen Zeischrift Clarin zeigt. Sie schreibt, dass sich Regierung, Weizenmühlen und –händler sowie Bioceres darauf verständigt hätten, den Markt zu sondieren und mit den wichtigsten Weizenanbauländern und den Abnehmern von argentinischem Weizen Gespräche zu führen. Immerhin trug diese Nachricht mit dazu bei, dass Bioceres weitere 42 Millionen US-Dollar von Investoren mobilisieren konnte, um seine HB4-Träume weiter zu verfolgen. [lf]

10.03.2020 |

Gentech-Kartoffeln für ostafrikanische Kleinbauern?

Afrika Kleinbäuerin in Afrika (Foto: skeeze / Pixabay, CC0, creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0)

In Irland und den Niederlanden entwickelte gentechnisch veränderte Kartoffeln sollen in Ruanda und Uganda kommerziell angebaut werden. Dagegen wehren sich lokale Umweltgruppen zusammen mit dem Afrikanischen Zentrum für Biodiversität. Unterstützung kommt von Kleinbauernorganisationen aus den Anden, der Heimat der Kartoffel.

In die gentechnisch veränderten Kartoffeln wurde Erbgut aus südamerikanischen Wildkartoffeln eingebaut, das sie resistent gegen die Krautfäule, eine Pilzerkrankung, machen soll. Die Gentechniker sprechen dabei von Cis-Genese, weil im Gegensatz zur Trans-Genese kein artfremdes Erbgut eingebaut wurde, sondern arteigenes. Doch die gentechnischen Methoden für den Einbau und die daraus resultierenden Risiken sind die gleichen wie bei der Trans-Genese. Deshalb gilt im EU-Gentechnikrecht auch die Cis-Genese als zu regulierende Gentechnik.
Bei den gv-Kartoffeln für Ostafrika kamen keine neuen gentechnischen Verfahren zum Einsatz. Es handelt sich um alte Gentechnik und um gv-Knollen, die schon vor Jahren entwickelt wurden. Doch die Kartoffelbauern in Europa oder den USA, die ebenfalls unter Krautfäule leiden, waren daran nicht interessiert. Denn längst gibt es auch konventionell gezüchtete Sorten, die mit der Pilzerkrankung gut zurecht kommen.

Deshalb würden nun Finanziers aus Großbritannien und den USA unter dem Deckmäntelchen der Entwicklungshilfe versuchen, ihre gentechnisch veränderten Knollen in Afrika zu vertreiben, schreibt das Afrikanischen Zentrum für Biodiversität (ACB). Konkret nennt das ACB den britischen Milliardär und Biotech-Investor Lord Sainsbury, Bill Gates und den US-Kartoffelkonzern JR Simplot. Unterstützt würden sie vom Internationalen Kartoffelzentrum CIP in Peru und der Hilfsorganisation US Aid. Das Ziel sei es, in Afrika den Weg auch für andere gentechnisch veränderte Pflanzen zu bereiten. Simplot habe sich, so schreibt ACB, Patente an einem der in die gv-Kartoffeln eingeschleusten Resistenzgene gesichert. Ein anderes sei vom Sainsbury Laboratory identifiziert worden, weshalb das Labor des Milliardärs dafür Lizenzgebühren verlange.

Doch die verwendeten Resistenzgene sind keine Entdeckung westlicher Laboratorien und Konzerne, sondern stammen von Wildkartoffeln aus den Anden, der Heimat der Kartoffeln. Diese Wildkartoffeln waren vor Jahren gesammelt und in eine Genbank eingelagert worden, aus der sich die Labore bedienten. Sich deren Resistenzgene als geistiges Eigentum zu sichern, sei Biopiraterie, argumentiert die Asociación ANDES, die Kleinbauern in den Anden vertritt. Diese haben sich in Peru mit ihren afrikanischen Kollegen getroffen, um gemeinsam gegen die gv-Kartoffeln vorzugehen. Die Andenbauern haben sich das in Peru ansässige Kartoffelzentrum CIP vorgenommen. „Gv-Kartoffeln sind in Peru verboten, warum also versucht CIP eine Kartoffel in Afrika zu erproben, die in seinem Heimatland illegal wäre“, fragt sich Alejandro Argumedo von der Swift Foundation, die das Anden- Afrika-Treffen organisiert hatte. „Die indigenen Völker der Anden haben die Kartoffel domestiziert und bewahren ihre Vielfalt auf ihren Feldern.“ Das CIP sollte sich deshalb um gute Beziehungen zu den Indigenen bemühen anstatt deren Rechte zu untergraben, sagt Argumedo. [lf]

05.03.2020 |

Risikoabschätzung: Wenn Gentech-Pflanzen sich vom Acker machen

Raps Schweiz Basel Greenpeace machte 2012 auf Gentechnik-Raps am Rheinhafen in Basel aufmerksam (Foto: Patrik Tschudin / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Gentechnisch veränderte Pflanzen können ihr Erbgut an verwandte Wildpflanzen weitergeben oder selbst auswildern. Welche Risiken das mit sich bringt, wird allerdings bei der Zulassung dieser Pflanzen nur unzureichend untersucht. Auf diese Lücke hat das industrieunabhängige Forschungsprojekt Rages hingewiesen und fordert Konsequenzen: Was entkommen kann, darf nicht freigesetzt werden.

Im Rahmen von Rages hat das Institut Testbiotech zusammen mit weiteren Wissenschaftlern die Risikoabschätzung für gentechnisch veränderte Pflanzen durch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA unter die Lupe genommen. Parallel dazu trugen die Wissenschaftler systematisch die Studien zusammen, die sich mit den ungewollten Nachkommen gentechnisch veränderter Pflanzen in freier Wildbahn beschäftigten. Dabei zeigte sich, dass bei diesen Nachkommen auch unerwartete Effekte auftraten, die bei den ursprünglichen Gentech-Pflanzen nicht beobachtet worden waren. Beschrieben wurden unter anderem eine größere Anzahl von Samen oder Pollen, erhöhte Stressresistenz und andere biologische Veränderungen. Als Ursachen dieser Effekte wurden Umwelteinflüsse oder Interaktionen im Erbgut der Nachkommen benannt. Mögliche Risiken seien eine verstärkte Ausbreitung der neuen Pflanzen, die zur Destabilisierung von Ökosystemen führen könnte, heißt es in einem Aufsatz, den die Rages-Wissenschaftler in der Fachtzeitschrift Environmental Sciences Europe veröffentlicht haben.

„Das Risiko betrifft unter anderem gentechnisch veränderte Pflanzen wie Raps in den USA, Kanada und Australien, Leindotter in den USA, Reis in asiatischen Ländern oder auch Kuhbohnen in Afrika”, sagt Christoph Then von Testbiotech, einer der Verfasser der Publikation: Auch die EU könne davon betroffen sein, wenn etwa keimfähige, gentechnisch veränderte Rapskörner beim Transport in die Umwelt gelangten. „Die daraus entstehenden Pflanzen können in der Umwelt überleben und sich unkontrolliert ausbreiten“, warnt Then. Beispiele dafür gab es bereits in Deutschland, der Schweiz und Japan. Noch gravierender sei das Risiko bei der gezielten Freisetzung gentechnisch veränderter Insekten und bei neuen Anwendungen wie Gene Drives, die die Verbreitung künstlich im Labor erzeugter Eigenschaften noch beschleunigen.

Vor diesem Hintergrund schlagen die Rages-Autoren vor, ein neues Ausschlusskriterium einzuführen: "Kann eine unkontrollierte Ausbreitung von Gentechnik-Organismen nicht verhindert werden, darf deren Freisetzung nicht genehmigt werden." Dies müsse auch für Importe keimfähiger Gentech-Saaten gelten, bei denen eine Kontamination der Umwelt nicht ausgeschlossen werden könne. Denn das Risiko negativer Folgen für die Umwelt sei zu groß. [lf]

02.03.2020 |

TTIP 2.0: EU-Kommission will Gentechnik-Zulassungen beschleunigen

TTIP wird von der Öffentlichkeit als undemokratische Bedrohung empfunden. Foto: Christian Mang / Campact TTIP wird von der Öffentlichkeit als undemokratische Bedrohung empfunden. Foto: Christian Mang / Campact

Die EU-Kommission will neue gentechnisch veränderte Pflanzen künftig schneller zulassen. So soll es in einem Handelsabkommen stehen, das die EU und die USA in Kürze unterzeichnen wollen. Die Kommission will damit US-Präsident Trump beruhigen und verhindern, dass es zu Strafzöllen auf europäische Autos kommt. Das meldete das Magazin Politico.

Bereits Anfang 2019 hatten die EU-Mitgliedstaaten der Kommission das Mandat gegeben, mit den USA über zwei Handelsabkommen zu verhandeln. Das eine soll den Abbau von Zöllen auf Industrieprodukte regeln, das andere Fragen der Zusammenarbeit bei Produktzulassungen. Die Verhandlungen fanden, wie schon beim gescheiterten Handelsabkommen TTIP hinter verschlossenen Türen statt. Zu hören war, dass die USA Druck machten, auch Agrarstandards in die Gespräche einzubeziehen.

Das Magazin Politico schrieb, die USA wollten, dass in der EU Genehmigungen für neue gentechnisch veränderte Organismen (GVO) innerhalb von zwei Jahren erteilt werden. Dies hätte auch China im jüngsten Handelsabkommen mit den USA zugesagt. Als Quelle berief sich Politico dabei auf EU-Beamte und Diplomaten. Ihnen zufolge sollen allerdings nicht rechtliche Regeln geändert, sondern die Zulassungsverfahren bei der EU-Lebensmittelbehörde EFSA beschleunigt und diese mit mehr Ressourcen ausgestattet werden. Dies könnte aber auch bedeuten, dass weniger Daten verlangt würden, heißt es bei Politico. Das Magazin zitierte auch Marco Contiero, Direktor für Landwirtschaftspolitik bei Greenpeace. Er befürchtet, dass die EU-Kommission die deutsche Autoindustrie mit einer „Turbo-GVO-Zulassung“ verteidigen wolle und das dann als Green Deal verkaufe. „Diese Kommission scheint sich genau wie die letzte zu verhalten. Das sind beängstigende Neuigkeiten“, sagte Contiero dem Magazin.

Über 100 Nichtregierungs-Organisationen aus ganz Europa haben an die EU-Parlamentarier und die Mitgliedsstaaten appelliert, kein TTIP 2.0 durch die Hintertür zuzulassen. Sie befürchten, dass nicht nur die Gentechnik-Zulassung, sondern auch andere Regularien zur Disposition stehen. Es sei aus den bisherigen Gesprächen deutlich geworden, „dass die Kommission bereit ist, den Forderungen Trumps nach einer Senkung des EU-Lebensmittelsicherheitsniveaus zum Nachteil der öffentlichen Gesundheit, des Tierschutzes und der Umwelt nachzukommen sowie die EU-Verpflichtungen in Bezug auf den Klimawandel abzuschwächen“, heißt es in dem Appell. [lf]

28.02.2020 |

Bayer: Der Aufsichtsratschef geht vorzeitig

Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Werner Wenning, Ex-Vorstand des Chemiekonzerns Bayer und seit 2012 dessen Aufsichtsratsvorsitzender, hat überraschend sein Amt niedergelegt. Damit verliert Bayer-Vorstand Wolfgang Baumann seine wichtigste Stütze. Gleichzeitig wächst der Druck auf ihn, bis zur Hauptversammlung im April die inzwischen 48.600 Glyphosatklagen beizulegen. Sonst könnten Baumann womöglich die guten Zahlen, die er für 2019 vorlegte, nicht mehr helfen.

Offiziell begründete Werner Wenning seinen Rücktritt damit, dass er sich bereits im vergangenen Jahr aus Altersgründen zurückziehen wollte, aber vom Aufsichtsrat im Hinblick auf die damalige Lage der Gesellschaft gebeten worden sei, weiter zur Verfügung zu stehen. Nun sei Bayer „strategisch und operativ auf einem sehr guten Weg“, sagte Wenning. „Im Hinblick auf die Handhabung der rechtlichen Themen in den USA haben wir zudem Fortschritte gemacht und setzen dies fort“. Deshalb sei jetzt ein guter Zeitpunkt, das Amt abzugeben. Nachfolgen soll ihm auf der Hauptversammlung Ende April der frühere Europa-Chef des Beratungsunternehmens PwC, Norbert Winkeljohann, der dem Aufsichtsrat seit 2018 angehört. Ursprünglich war Wenning bis 2022 gewählt worden.

Handelsblatt und Manager-Magazin wiesen darauf hin, dass durch den Rückzug Wennings Vorstandschef Werner Baumann seinen wichtigsten Fürsprecher im Konzern verliere. Wenning und Baumann hatten gemeinsam die umstrittene Übernahme von Monsanto durchgesetzt. Auf der Hauptversammlung 2019 hatte die Mehrheit der Aktionäre Baumann wegen der mit Monsanto eingekauften Probleme die Entlastung verweigert. Der Aktionär zitierte einen Analysten, der Rücktritt könnte ein Zeichen sein, dass Wenning für das schlechte Abschneiden auf der Hauptversammlung 2019 die Verantwortung übernehme, um so Druck von Baumann zu nehmen. Dessen Zukunft „könne nun stark von der Kursentwicklung der Aktie nach einem Glyphosat-Vergleich abhängen“, schreibt der Aktionär. Der Vergleich werde noch vor der Hauptversammlung erwartet. Das Handelsblatt zitierte einen Aktionärsvertreter mit den Worten: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Wenning geht, ohne dass die Rechtslasten für Bayer im Fall Glyphosat geregelt sind“.

Die Zahl der Klagen in den USA hat sich inzwischen laut Bayer auf 48.600 erhöht, im Oktober vergangenen Jahres waren es 42.700. In Kanada liegen derzeit elf Klagen vor. Aus dem Geschäftsbericht ergibt sich, dass Ende 2019 für Rechtsstreitigkeiten 1,2 Milliarden Euro zurückgestellt waren, wobei Glyphosat nur eines von sechs Bayer-Produkten ist, bei denen Anwender Schadenersatz geltend machen. In den derzeitigen Aktienkurs von Bayer ist aus Sicht von Analysten eine Vergleichssumme in Höhe von acht bis zwölf Milliarden Euro bereits eingepreist. Für 2019 meldete der Konzern ein Umsatzplus von 3,5 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro und ein Ergebnis nach Steuern von 4,55 Milliarden Euro, das ist mehr als doppelt soviel wie 2018. Ob dieses Ergebnis ausreicht, um Vorstandschef Baumann im Amt zu halten, wird sich Ende April auf der Hauptversammlung zeigen – und danach. Denn Baumanns derzeitiger Vertrag endet im April 2021 und müsste in diesem Jahr verlängert werden. [lf]

24.02.2020 |

Crispr/Cas: Unerwünschte Doppelgänger im Erbgut

DNA Gene Foto: Duncan Hull / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0-+-

Beim Einbau von Erbgutschnipsel mit der Genschere Crispr/Cas9 in Mäusen entdeckten Wissenschaftler der Universität Münster einen neuen unerwünschten Nebeneffekt. Der vorgesehene neue DNA-Abschnitt war nicht einfach, sondern mehrfach hintereinander eingebaut worden. Die übliche Analysemethode hatte diesen Effekt übersehen.

Gegenüber dem Magazin The Scientist stellten die Wissenschaftler fest, dass ihre Ergebnisse für gentechnische Veränderungen in allen Lebensformen, von Pflanzen bis zu menschlichen Zellen, von Bedeutung sein könnten. Solche Duplikationen könnten zu gefährlichen Mutationen führen oder missgebildete Proteine zur Folge haben. Es sei beunruhigend, schreiben die Münsteraner Forscher in ihrer Arbeit, „dass die üblicherweise angewandte PCR-Analyse in den meisten Fällen nicht in der Lage war, diese mehrfachen Integrationsereignisse zu identifizieren“. Dies führe zu einer fälschlich behaupteten hohen Rate von präzise editierten Genen. Deshalb sollten Kollegen, die mit Crispr DNA-Sequenzen ins Erbgut einbauen, mit genaueren Methoden untersuchen, ob die Genome tatsächlich korrekt verändert worden seien.

The Scientist zitierte Katharina Boroviak, eine britische Gentechnikerin, die sich von dem Fund der Münsteraner Kollegen wenig überrascht zeigte. Sie habe solche Duplikate selbst schon beobachtet. Die meisten erfahrenen Forscher auf diesem Gebiet seien sich wahrscheinlich dieses Effekts bewusst. Die Publikation sei wichtig, damit auch kleinere Labore auf das Problem aufmerksam würden. „Alle reden immer wieder davon, wie großartig Crispr ist und wie wunderbar und so einfach. Aber wenn man sich in die Details vertieft, zeigt sich, was tatsächlich schief läuft und wie oft es tatsächlich schief läuft - öfter als man denkt“, sagte Boroviak.
Der britische Molekularbiologe Ed Bolt bezeichnete die Ergebnisse der Münsteraner gegenüber The Scientist als eine „weitere, warnende Geschichte“, Sie unterstreiche die Notwendigkeit, die DNA-Reparaturprozesse besser zu verstehen. Oberflächlich betrachtet sei Crispr/Cas9 ein einfaches Genom-Editierwerkzeug. Doch um zu funktionieren, sei es auf die DNA-Reparatur angewiesen, ein Prozess, der „schrecklich komplex“ sei und den die Wissenschaft noch nicht gut verstehe. [lf]

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