30.07.2019 |

Bayer verkauft weniger Gentechnik-Saatgut

Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Die Bayertochter Monsanto hat im 1. Halbjahr 2019 deutlich weniger gentechnisch verändertes (gv) Soja- und Maissaatgut verkauft als in der ersten Hälfte 2018. Das ergibt sich aus dem Halbjahresbericht des Bayerkonzerns, der heute vorgelegt wurde. Auch Pflanzengifte des Konzerns wie das glyphosathaltige Roundup fanden weniger Abnehmer. Bayer führt das vor allem aufs Wetter und auf Handelskonflikte zurück.
Die Umsatzerlöse bei gv-Saatgut für Soja gingen demnach währungsbereinigt um 25 Prozent, bei Mais um drei Prozent zurück. Dabei wird so gerechnet, als habe Monsanto schon ab 1.1.2018 zu Bayer gehört und die an den Konkurrenten BASF abzugebenden Geschäftsbereiche bereits nicht mehr. Tatsächlich hat der Leverkusener Chemiekonzern den amerikanischen Saatguthersteller erst am 7. Juni 2018 für 63 Milliarden US-Dollar erworben und durfte ihn ab September ins Unternehmen integrieren. Heute ist der neue Großkonzern an der Börse weniger wert, als Bayer damals für Monsanto bezahlt hat. Dementsprechend bezweifeln seither immer mehr Aktionäre, dass sich das Geschäft gelohnt hat.
Neben steigenden Prozessrisiken und massivem Reputationsverlust für Bayer bricht nun auch noch der Absatz auf Monsantos Stammmarkt Amerika ein: Wegen extremer Wetterbedingungen in den USA, wo Überschwemmungen und starke Regenfälle im Mittleren Westen die Aussaat verzögerten, sei weniger Ackerfläche bestellt und dementsprechend weniger Mais- und Sojasaatgut gekauft worden, heißt es im Wirtschaftsbericht. Damit versprühten die Bauern auch weniger Pflanzengifte wie Monsantos glyphosathaltiges Roundup. Die Folge: Bayer konnte fünf Prozent weniger Herbizide verkaufen.
Beim gv-Mais seien zudem die Lizenzeinnahmen in Brasilien zurückgegangen. Beim Sojasaatgut haben sich laut Lagebericht die Handelskonflikte in den USA sowie ein erhöhter Wettbewerbsdruck negativ auf den Absatz ausgewirkt. Lediglich gentechnisch verändertes Baumwollsaatgut konnten Bayer/Monsanto in den USA im Halbjahresvergleich besser verkaufen als 2018. Insgesamt ging der Umsatz von Bayers Agrarsparte gegenüber dem 1. Halbjahr 2018 um fünf Prozent zurück, im Vergleich zum Vorquartal waren es sogar zehn Prozent.
Zudem belasten Zigtausende von Prozessen, die gegen Bayer in den USA laufen, den Konzern finanziell. Allein im Agrarbereich stieg die Zahl der Klagen wegen Gesundheitsschäden durch den Unkrautvernichter Glyphosat inzwischen auf 18.400 (Stand 11.7.19). Auch in Kanada und Europa sind Gerichtsverfahren um das Totalherbizid anhängig. Und die drei bisher erstinstanzlich entschiedenen Prozesse in den USA hat Bayer alle verloren. Zwar reduzierten Richter jeweils aus Gründen der Verhältnismäßigkeit den von den Geschworenen zugesprochenen Strafschadenersatz. Aus den dem Rentnerehepaar Pilliod zugesprochenen zwei Milliarden US-Dollar wurden daher jetzt knapp 90 Millionen. Doch in allen Fällen machten die Gerichte Bayer für die Krebserkrankungen der Betroffenen verantwortlich. Um die Verfahren abzukürzen, hatte ein Richter den Konzern daher zu Vergleichsverhandlungen verdonnert. Auch wenn Bayer Glyphosat für sicher halte, werde man sich konstruktiv in diesen Mediationsprozess einbringen, heißt es im Wirtschaftsbericht. Wie Finanzen.net berichtet, könnte ein Vergleich nach Schätzung von Bankanalysten 15 bis 20 Milliarden Euro kosten.
Zugleich versprach der Konzern, fünf Milliarden Euro zu investieren, um nach Alternativen zu Glyphosat zu suchen. Bereits im Juni hatte Bayer angekündigt, sich höhere Maßstäbe für Transparenz, Nachhaltigkeit und den Umgang mit allen Interessengruppen zu setzen. Vorausgegangen war heftige Kritik an mehreren Lobbyaktivitäten Monsantos, die noch in die Zeit vor der Übernahme fielen. Als Kampf gegen das giftige amerikanische Erbe ist auch die Ankündigung zu verstehen, die Umweltbilanz der landwirtschaftlichen Produkte deutlich zu verbessern. Bis 2030 wolle man die Auswirkungen auf die Umwelt um 30 Prozent verringern. Durch die umweltfeindlichen Produktionsbedingungen bei Monsanto hatte sich Bayers Ökobilanz in diesem Jahr massiv verschlechtert. [vef]

29.07.2019 |

Fast 150 Anmeldungen für Bürgerkonferenz zur „Biotechnik“

DNA Genom DNA-Modell der Ausstellung "Genome: The Secret of How Life Works" im Jahr 2012 (Foto: George Bush Presidential Library and Museum / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

UPDATE +++ Für eine Verbraucherkonferenz über neue gentechnische Verfahren, die am 10. August in Berlin starten wird, haben sich 148 Personen registrieren lassen. Das schrieb das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dem Infodienst Gentechnik auf Anfrage. 20 von ihnen sollen über drei Wochenenden eine schriftliche Stellungnahme zu diesen Verfahren verfassen.
Wie das BfR mitteilte, sollen diese 20 Personen so heterogen wie möglich aus den 148 Anmeldungen ausgewählt werden. Kriterien seien soziodemografische Eigenschaften wie Alter, Geschlecht oder berufliche Tätigkeit. Mit der Teilnahme sollte jedoch kein berufliches Interesse verbunden sein, schreibt die Behörde. Haben sich mehrere Menschen mit ähnlichen Eigenschaften angemeldet, entscheide das Los. Ziel der Verbrauchertreffen nach dem Vorbild dänischer Konsensus-Konferenzen sei es, Bürgerinnen und Bürger an der Debatte zu einem verbraucherrelevanten und öffentlich kontrovers diskutierten Thema zu beteiligen. Die erarbeitete Stellungnahme soll bei einer dreitägigen Abschlusskonferenz vom 28. bis 30. September an Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft übergeben werden.
Politiker und Verbandsvertreter, nach deren Ansicht neue gentechnische Verfahren wie Crispr-Cas auch in Zukunft nach Gentechnikrecht reguliert bleiben müssen, sehen die Veranstaltung aus verschiedenen Gründen kritisch. „Nachdem die Bürger draußen im Lande seit Jahrzehnten in allen Umfragen mit stabilen 75%-Mehrheiten gegen die Gentechnik im Essen votieren, will das Ministerium sich jetzt sein eigenes ‚Bürgervotum‘ erschaffen, das den Politikern ein ‚passenderes‘ Bild der Bürgermeinung spiegeln und dann ersatzweise die politischen Entscheidungen pro Gentechnik legitimieren soll“, befürchtet der Pflanzenzüchter Hans-Joachim Bannier. Das BfR ist der Bundesagrarministerin unterstellt, die keinen Hehl daraus macht, dass sie neue Technologien wie Crispr-Cas trotz anderslautender Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs im Juli 2018 nicht wie Gentechnik regulieren möchte.
BfR-Präsident Andreas Hensel dagegen verweist auf die Unabhängigkeit seines Instituts. Wie seine Pressestelle mitteilte, sei eine wertneutrale Gestaltung ein Grundprinzip jeder Verbraucherkonferenz. Deshalb habe seine Behörde die Gestaltung des Treffens auch an einen externen Dienstleister vergeben und werde sich aus Moderation, Diskussion und Verfassen des Votums heraushalten. Bei den Informationsmaterialien zum Thema „Genome Editing“ habe das BfR eine Vorauswahl getroffen. Der Dienstleister, der langjährige Erfahrung mit Diskussionsforen zur Biowissenschaften mitbringe, habe die Materialien dann selektiert und didaktisch priorisiert. Schließlich sei ein wissenschaftlicher Beirat für dieses Vorhaben eingerichtet worden, der diese Materialien nochmals im Hinblick auf eine ausgewogene Risiko-Nutzen-Darstellung und darauf überprüfe, ob die Erläuterungen und Bilder wissenschaftlich korrekt sind. Dieser Beirat setze sich aus Expertinnen und Experten aus der Technologiefolgenabschätzung, Gesellschaftsforschung und dem Risikomanagement zusammen.
Bleibt die Frage nach der Auswahl der Expertinnen und Experten, unter denen die Teilnehmenden für die Befragung bei der Abschlusskonferenz am 28. September auswählen können. Man habe 70 Experten angeschrieben und eingeladen, schreibt das BfR. Sie seien nicht danach ausgewählt worden, ob sie Befürworter oder Kritiker der Gentechnik sind, sondern aufgrund ihrer Fachkenntnis. Ende vergangener Woche hatten 30 davon ihren ehrenamtlichen Einsatz zugesagt. Die Teilnehmenden dagegen bekommen für die drei Wochenenden eine Aufwandsentschädigung von 500 Euro.
Am Geld hatte sich Ende vergangener Woche noch ein heftiger Streit zwischen BfR-Präsident Hensel und dem grünen Europa-Abgeordneten Martin Häusling entzündet. Per Twitter hatte Häusling gefragt, wie die Konferenz finanziert werden soll: „Aus der Staatskasse oder von Bayer?“ In einem offenen Antwortbrief an Häusling schrieb Hensel erbost, sein Institut habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass es aus Gründen der Unabhängigkeit keine Mittel der Industrie einwerbe. Er warf dem Abgeordneten vor, mit seiner Polemik dem Anliegen der Bürgerbeteiligung zu schaden. Dieses Anliegen stellte Häusling dann seinerseits in Frage: In einem Interview mit dem Tagesspiegel hatte Hensel sich kürzlich bereits dazu geäußert, worin er die Vorteile von „Genome Editing“ sieht, und für eine produktbezogene Risikobewertung plädiert. „Ich nenne das Voreingenommenheit – statt Offenheit oder Unabhängigkeit“, kritisierte Häusling. [vef]

Update: ausführliche Stellungnahme des BfR; Streit mit Häusling

22.07.2019 |

Schweiz: Feldversuch mit Gentech-Gerste ab 2020

Forscherinnen spannen Schutznetze über die "Protected Site" in der Schweiz. Foto: Agroscope Forscherinnen spannen Schutznetze über die "Protected Site" in der Schweiz. Foto: Agroscope

Vom kommenden Frühjahr an soll auf einer Schweizer Freilandfläche versuchsweise gentechnisch veränderte Gerste angebaut werden. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt hat die Versuche der Universität Zürich (UZH) im Juni bis maximal 2023 bewilligt. Die Schweizer Allianz Gentechfrei kritisiert, dass die teuren Tests mit Braugerste für die Schweiz keinen wirtschaftlichen Nutzen haben.

Die Wissenschaftler der Uni Zürich haben der Gerste ein Weizen-Gen eingebaut, das sie gegen bestimmte Pilzkrankheiten resistent machen soll. Laborversuche mit dem neuen Resistenzgen Lr34 seien nach Angaben der Wissenschaftler um Prof. Beat Keller bereits erfolgreich gewesen. Nun wollen die Forscher auf der besonders geschützten Anbaufläche (protected site) der staatlichen Forschungsanstalt Agroscope in Zürich-Reckenholz bis zu fünf Anbauperioden lang testen, ob die transgene Gerste auch im Freiland nicht von Pilzen befallen wird. Ähnliche Versuche hat die UZH auch mit Mais beantragt.

Um zu verhindern, dass die transgene Gerste sich mit verwandten Pflanzen in der Umgebung kreuzt, oder dass ihre Gerstenkörner in die Umwelt gelangen, muss die UZH eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen ergreifen: So darf etwa im Umkreis von 50 bis 60 Meter um den umzäunten Acker keine konventionelle Gerste oder Pflanzen angebaut werden, mit denen sich die transgene Gerste mischen könnte. Außerdem muss um die Gentech-Gerste herum ein zweieinhalb Meter breiter Schutzstreifen mit konventionellen Pflanzen angelegt werden. Während die Gerstensamen keimen und wenn sie reif sind, muss ein Vogelnetz oder Vlies über dem Versuchsfeld verhindern, dass Vögel Samen verschleppen können. Und schließlich müssen die Forscher einen Streifen von 12 Metern um das Feld regelmäßig nach Gerstenpflanzen und ihren wilden Verwandten absuchen, um ein Auskreuzen der transgenen Pflanzen zu vermeiden.

Der Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) gehen diese Auflagen nicht weit genug. In einer 20seitigen Stellungnahme an das Bundesamt für Umwelt fordert sie wie andernorts einen Isolationsabstand von 200 Metern. Ob das Gen wirklich seinen Zweck erfüllt, die Gerste partiell pilzresistent zu machen, erscheint der Allianz zweifelhaft. Die SAG warnt außerdem, dass noch nicht bekannt ist, welche unbeabsichtigten Nebenwirkungen das artfremde Gen auf die übrigen Eigenschaften der Gerste hat. Sie erwartet von den Versuchen auch deshalb wenig landwirtschaftlichen Nutzen, da in der Schweiz Braugerste wirtschaftlich kaum eine Rolle spiele und es bereits konventionelle pilzresistente Sorten gebe. Vielmehr scheine es um den privaten Nutzen für das Forscherteam zu gehen, das gemeinsam mit einer australischen Firma ein Patent auf das Weizengen Lr34 besitze. Damit stelle sich allerdings die Frage, ob der Staat dafür eine Versuchsanlage mit insgesamt 750.000 Schweizer Franken pro Jahr finanzieren muss. Zumal Gentechnikanbau in der Bevölkerung weitgehend abgelehnt wird.

Auf den drei Hektar der „protected site“ wird nach Angaben von Agroscope derzeit außerdem mit Weizen experimentiert, dem ein Gerstengen zu mehr Ertrag verhelfen soll. Ferner mit gentechnisch veränderten Kartoffeln und Apfelbäumen. Den kommerzielle Anbau von Gentech-Pflanzen hat die Schweiz bis 2021 ausgesetzt. Wie es danach weiter gehen wird, ist offen. In Deutschland gibt es seit 2013 keine Freilandversuche mit Gentech-Pflanzen mehr. Der landwirtschaftliche Anbau solcher Pflanzen ist verboten. [vef]

16.07.2019 |

Glyphosat-Urteil: Bayer bleibt für Krebserkrankung verantwortlich

Justiz Gericht Gesetz Schild am Eingang eines Gerichts in Newcastle (Foto: smlp.co.uk / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Ein US-Richter in Kalifornien hat ein Juryurteil vom März bestätigt: Der Chemiekonzern Bayer ist für die Krebserkrankung eines US-Rentners verantwortlich. Der Bundesrichter reduzierte den Schadenersatz für Edwin Hardemann, der jahrelang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat gearbeitet hatte, gestern allerdings von 80 auf 25 Millionen Dollar. Die deutsche Bundesregierung erwartet, dass die Glyphosatzulassung in Europa Ende 2022 auslaufen wird.
Für die mehr als 13000 klagenden Glyphosat-Geschädigten in den USA lässt dieses Urteil aus zwei Gründen hoffen: Zum einen bestätigt zum zweiten Mal ein Berufsrichter die Einschätzung einer Geschworenen-Jury, dass Glyphosat die Krebserkrankung eines Nutzers verursacht hat. Der persönliche Schadenersatz für Hardeman bleibt daher auch bei fünf Millionen Dollar. Zum anderen hält der Richter das Verhalten der Bayer-Tochter Monsanto für „verwerflich“, weil sie die Gesundheitsrisiken ihres Unkrautvernichters verschleierte, statt sie aufzuklären und zu vermeiden. Deshalb verurteilte er das Unternehmen erneut zu einem sogenannten Strafschadenersatz, den es im deutschen Recht nicht gibt.
Dass dieser Strafschadenersatz mit 20 Millionen Dollar deutlich niedriger ausfällt als im März (damals waren es 75 Millionen), hat verfassungsrechtliche Gründe: Wie US-Gerichte entschieden, muss der Strafschadenersatz in einem angemessenen Verhältnis zum eigentlichen Schadenersatz stehen. Sie haben festgelegt, dass er maximal neunmal so hoch sein darf wie der Schadenersatz. Der kalifornische Richter Vince Chhabria hat ihn bei Edwin Hardeman auf das Vierfache des persönlichen Schadenersatzes reduziert, da ihm Beweise dafür fehlten, dass ein bekanntes oder offensichtliches Gesundheitsrisiko vertuscht werden sollte.
Der Bayer-Konzern hat trotzdem bereits angekündigt, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Parallel läuft allerdings bereits ein Mediationsverfahren mit dem angesehenen US-Anwalt Kenneth Feinberg, zu dem Chhabria die Parteien verpflichtet hat. Der Richter, bei dem sich Hunderte von Glyphosat-Klagen gegen den Konzern stapeln, will die Verfahren abkürzen und die Beteiligten zu einer außergerichtlichen Einigung bewegen. Denn der Weg durch die Instanzen würde Jahre dauern. Und auch Bayers Aktionäre erhöhen offenbar inzwischen den Druck auf das Management, die Klageflut mit einem Vergleich einzudämmen.
In Deutschland scheint sich unterdessen eine gemeinsame Position in der großen Koalition zum Glyphosatausstieg abzuzeichnen. Wie der Tagesspiegel berichtet, seien das in der Frage seit Jahren zerstrittene Agrar- und das Umweltministerium „nah“ an einer Einigung auf einen Ausstiegsplan - auch was Auflagen für glyphosathaltige Spritzmittel angeht. Agrarministerin Julia Klöckner geht danach davon aus, dass es unter den europäischen Mitgliedsstaaten keine Mehrheit mehr für eine Verlängerung geben wird, wenn die Zulassung für das Totalherbizid im Dezember 2022 endet. Auch in Deutschland solle das umstrittene Unkrautgift danach nicht mehr versprüht werden, so Klöckner. [vef]

11.07.2019 |

Artenschutz oder Einfallstor: Die USA diskutieren über eine Gentech-Kastanie

Eukalyptus Bäume Baum Brasilien Noch ohne Gentechnik: Eukalyptusbäume in Brasilien (Foto: Ricardo Mendonça Ferreira / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0)-+-

Ein Pilz hat die amerikanische Kastanie nahezu ausgerottet. Nun sollen gentechnisch veränderte und dadurch resistente Kastanien die Art wiederbeleben. Doch der Widerstand gegen eine Freisetzung wächst.

Für die indigenen Völker Amerikas und die weißen Siedler war die amerikanische Kastanie überlebenswichtig. Die riesigen Bäume lieferten essbare Früchte und wertvolles Bauholz. Dadurch entstand eine tiefe Bindung der Menschen zu diesem Baum, der inzwischen fast ausgestorben ist. Denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann ein vermutlich aus Japan eingeschleppter Pilz die Bäume zu befallen und zerstörte die riesigen Bestände. Versuche, auf traditionelle Weise resistente Kastanien zu züchten, brachten keinen Erfolg. Nun soll es die Gentechnik richten.

Wissenschaftler der Universität von New York haben Weizen-Erbgut in die Kastanie eingeschleust. Sie soll damit ein Enzym produzieren, das die Wirkungskette des Pilzes unterbricht und ihn dadurch unschädlich macht. Die Forscher haben bei den US-Behörden die Erlaubnis beantragt, die gentechnisch veränderte (gv) Kastanie in die Wälder der Ostküste zu pflanzen - mit dem Ziel, eine aussterbende Art zu retten. Den Widerstand dagegen führt die Campaign to STOP GE Trees an.

Die Gegner der Freisetzung argumentieren mit deren völlig unbekannten ökologischen Auswirkungen. Die Pollen von Gentech-Bäumen könnten über Hunderte Kilometer verbreitet werden. Zudem sei das hochkomplexe Ökosystem Wald weitgehend unerforscht, ebenso die Auswirkungen von Gen-Manipulationen auf das Wurzelwerk der Bäume und die zugehörigen Pilze und Bodenbakterien. Die US-Behörden hätten nicht einmal ein Regelwerk, um diese Risiken von Gentech-Bäumen überhaupt zu erfassen, schreibt die Campaign.
Sie sieht in der geplanten Kastanien-Freisetzung vor allem eine PR-Aktion, um die öffentliche Meinung gegenüber Gentech-Bäumen positiv zu beeinflussen. Aus diesem Grund hätten Monsanto und ArborGen die Forschungen unterstützt. ArborGen entwickelt selbst gentechnisch veränderte Bäume und drängt auf deren Zulassung. Die Freisetzung der Gentech-Kastanie wäre ein Einfallstor für weitere Gentech-Bäume wie gv-Eukalyptus oder gv-Pappeln, die vor allem für die industrielle Forstwirtschaft gedacht seien, schreibt die Campaign. Widerstand kommt auch von den indigenen Völker im Osten der Vereinigten Staaten. Sie lehnen gentechnische Eingriffe in die Natur aus spirituellen Gründen ab und befürchten, dass sich die Gentech-Kastanie auch in ihren Wäldern ausbreiten könnte. [lf]

09.07.2019 |

USA: Gentech-Weizen verärgert Landwirte

Weizen Foto: Alexander Schimmeck / flickr, -+-Weizen - Wheat, bit.ly/2acvv7R, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0

Auf einem unbepflanzten Feld im US-Bundesstaat Washington ist gentechnisch veränderter (gv) Weizen MON 71800 gefunden worden. Wie die amerikanische Kontrollbehörde für Tier- und Pflanzengesundheit (APHIS) im Juni mitteilte, ist der Weizen gegen das Pflanzengift Glyphosat resistent. Er soll nicht in die Lebensmittelkette gelangt sein.
Entdeckt wird solcher gv-Weizen meist, wenn eine Ackerfläche mit einem glyphosathaltigen Unkrautvernichter freigemacht werden soll und einige Ähren das überleben. Da in den USA schon öfter nicht zugelassener gv-Weizen aufgetaucht ist, haben die US-Behörden 2016 strengere Regeln für Freilandversuche erlassen. So müssen Forscher sich solche Versuche seither genehmigen lassen. Mithilfe von Auflagen will APHIS das Risiko minimieren, dass der gv-Weizen sich außerhalb der Versuchsfelder ansiedelt oder nach dem Ende der Versuche dort weiterwächst. APHIS wies daraufhin, dass es in den USA derzeit nicht erlaubt ist, gv-Weizen kommerziell anzubauen oder zu verarbeiten.
Wie eine Sprecherin des Chemiekonzens Bayer der Nachrichtenagentur Reuters sagte, habe sich an dem aktuellen Fundort früher eine Versuchsfläche ihres Tochterunternehmens Monsanto befunden. Der amerikanische Saatgutgigant war 2018 von Bayer aufgekauft worden. Monsanto hatte in den 1990er und 2000er Jahren dort glyphosatresistenten Weizen entwickelt, den es zusammen mit seinem glyphosathaltigen Spritzmittel Round up verkaufen wollte. Im Jahr 2004 stellte Monsanto die Versuche jedoch ein, da amerikanische Landwirte befürchteten, gv-Weizen in Übersee nicht verkaufen zu können. Offenbar zu recht. Wie die Webseite „Farm and Dairy“ (deutsch: Bauernhof und Milchwirtschaft) berichtete, hatten Länder wie Japan und Korea seit 2013 sämtliche amerikanische Weizenlieferungen auf zwei gentechnisch veränderte Weizensorten hin untersucht. Einige asiatische Länder verboten den Import von US-Weizen zeitweise komplett.
Die Landwirte seien frustriert, dass jetzt schon wieder gv-Weizen gefunden wurde, teilte der Verband der amerikanischen Weizenhändler (USW) mit: „Sie fühlen sich hilflos, weil sie nicht wissen, wie sie das Problem lösen sollen.“ Als die Behörde des Landwirtschaftsministeriums USDA den Fund bekannt gab, sei noch nicht einmal klar gewesen, um welche gv-Weizensorte es sich handele, kritisierte der Verband. Da könne doch keiner abschätzen, wie die Importländer reagierten. Bereits 2018 war in Alberta, Canada, 2016 im US-Bundesstaat Washington, 2014 in Montana und 2013 in Oregon nicht zugelassener gv-Weizen gefunden worden. [vef]

03.07.2019 |

Glyphosat-Klagen: Bayer steuert in Richtung Vergleich

Gericht Justiz Foto: Morgan4uall / pixabay, CC0 Public Domain

Der Bayer-Aufsichtsrat hat das Thema Glyphosat-Klagen an sich gezogen und will den bisherigen harten Kurs des Vorstands ändern. Auch im zweiten Berufungsverfahren zeichnet sich ab, dass der Richter den von der Jury verhängten Schadenersatz reduzieren wird. Doch es wird bei einer empfindlichen Strafe für die Bayer-Tochter Monsanto bleiben.

Der Bayer-Aufsichtsrat hat beschlossen, zu den Glyphosat-Klagen einen achtköpfigen Ausschuss zu gründen. Dieser solle das Thema intensiv begleiten, den Vorstand dazu beraten und Vorschläge zur Prozessstrategie machen, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Zudem hat der Aufsichtsrat den in Produkthaftungsklagen erfahreren US-Anwalt John H. Beisner engagiert, „um den Aufsichtsrat zum Rechtskomplex Glyphosat kontinuierlich zu beraten – auch zu Fragen der Prozesstaktik und zur Mediation. Seine Ernennung solle die Beratung des Vorstands „um eine frische und unabhängige Sichtweise ergänzen.“

Bisher war Bayer in drei als wegweisend geltenden Fällen von den Jurys zu immer höheren Schadenersatzzahlungen verurteilt worden. In allen drei Fällen war der Konzern in Berufung gegangen. Im ersten Fall hatte die Richterin daraufhin die Strafe verringert, gab aber insgesamt der Jury recht. Nun muss die nächsthöhere Instanz entscheiden.
US-Bundesrichter Vince Chhabria hatte den zweiten Glyphosatprozess geleitet. Dessen Jury hatte im März entschieden, dass das Pestizid Roundup die Krebserkrankung des Rentners Edwin Hardeman verursacht habe. Es verurteilte die Bayer-Tochter Monsanto zu einem Schadenersatz von 80 Millionen US-Dollar, das sind rund 71 Millionen Euro. Der Fall gilt als wegweisend für 760 weitere Klagen die bei Richter Chhabria vorliegen. Insgesamt haben bisher über 13.400 Menschen in den USA Klage gegen Glyphosat eingereicht.

In der mündlichen Verhandlung zur Bayer-Berufung kündigte Richter Chhabria an, dass er den Schadensersatz auf 50 Millionen Dollar oder weniger senken wolle. Er begründete dies mit einer Besonderheit des US-amerikanischen Rechts. Dieses kennt neben dem Schadenersatz für den Kläger einen Schadenersatz für sträfliches Verhalten des Beklagten. Die Jury sprach Hardemann fünf Millionen Dollar persönlichen Schadenersatz für die Krebserkrankung zu sowie eine Strafzahlung über 75 Millionen Dollar. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten darf das Verhältnis von Schadenersatz zu Strafzahlung jedoch nur eins zu vier betragen und in begründeten Ausnahmefällen maximal eins zu neun, also im Falle Hardemann höchstens fünf Millionen plus 45 Millionen Dollar.

Chhabria erklärte nach Angaben der Agentur Reuters auch, er überlege, den persönlichen Schadenersatz zu senken, da Hardeman seine Krebserkrankung besiegt habe. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Monsanto bestraft werden müsse. Es habe genug Belege dafür gegeben, dass sich das Unternehmen um die mögliche Krebsgefahr von Roundup nicht geschert habe, zitierte ihn der Courthouse News Service aus der Verhandlung. Stattdessen sei das Unternehmen gegen Menschen vorgegangen, die auf die Krebsgefahr hingewiesen hätten. Chhabria ging in der Verhandlung davon aus, dass auch der hohe Schadenersatz von zwei Milliarden Dollar im dritten Glyphosatprozess noch deutlich reduziert werde.

Der Richter drängte schon kurz nach dem Jury-Urteil im März die Prozessparteien zu Vergleichsverhandlungen und ordnete Mitte April eine Mediation an. Da sich die Prozessparteien nicht auf einen Vermittler einigen konnten, ernannte er den US-Anwalt Ken Feinberg zum Mediator, einen ausgewiesenen Experten für solche Fälle. Der Bayer-Aufsichtsrat begrüßte nun sowohl die Mediation als auch die Ernennung Feinbergs und versprach, sich konstruktiv in den Mediationsprozess einzubringen. [lf]

02.07.2019 |

Österreich beschließt komplettes Glyphosatverbot

Greenpeace-Aktivisten demonstrieren vor der Wiener Hofburg für ein Glyphosat-Verbot © Greenpeace/Astrid Schwab Greenpeace-Aktivisten demonstrieren vor der Wiener Hofburg für ein Glyphosat-Verbot © Greenpeace/Astrid Schwab

Österreich will den Unkrautvernichter Glyphosat als erstes europäisches Land komplett verbieten. Wie der österreichische Nationalrat heute entschied, soll das Verbot vom kommenden Jahr an gelten. Die Europäische Kommission könnte sich allerdings quer stellen, weil das Totalherbizid in der Europäischen Union (EU) noch bis 2022 zugelassen ist.
Laut Nachrichtenagentur APA kann die EU-Kommission dem nationalen Alleingang innerhalb von drei Monaten widersprechen. Wie der österreichische Europarechtler Walter Obwexer im Auftrag des Agrarministeriums ausführte, könne Glyphosat in einem EU-Mitgliedsstaat vor 2022 nur unter engen juristischen Voraussetzungen verboten werden: Entweder müsse es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Risiken geben, die bei der EU-weiten Zulassung 2017 nicht bekannt waren. Oder Österreich müsste sich auf landesspezifische Probleme für Umwelt oder Gesundheit berufen können, heißt es in einer Machbarkeitsstudie der Universität für Bodenkultur in Wien, die gestern vorgelegt wurde. Ein Glyphosatverbot im österreichischen Bundesland Kärnten hatte die EU-Kommission im Frühjahr 2018 zunichte gemacht.
„Die wissenschaftlichen Beweise für eine krebserregende Wirkung des Pflanzengifts mehren sich“, hielt dem SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner entgegen, deren Fraktion den Antrag in den Nationalrat eingebracht hatte. Hier Konzerninteressen nachzugeben, sei absolut unverantwortlich. „Die Gesundheit der Menschen, der Schutz unserer Kinder, muss immer Vorrang haben“, so Rendi-Wagner. Bei freiwilligen Tests waren in Österreich bei 30 Prozent der Personen Glyphosatrückstände im Harn nachgewiesen worden.
Nachdem der „größtmögliche Schutz der heimischen Konsumentinnen und Konsumenten“ am Ende auch für die FPÖ den Ausschlag gegeben hatte, stimmten heute alle Fraktionen mit Ausnahme der ÖVP dafür, das Totalherbizid in der Landwirtschaft, auf öffentlichen Flächen sowie im Privatgebrauch komplett zu verbieten. Politiker und Umweltverbände werteten die Entscheidung unisono als „historischen Erfolg“. „Das Totalverbot von Glyphosat kommt nun“, gab sich der Agrarsprecher der SPÖ, Erwin Preiner, optimistisch. Er will sich bei den Verhandlungen über eine gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP 2020) für eine Pestizidreduktionsstrategie einsetzen.
Die österreichische Umweltbewegung Global 2000, die bereits seit Jahren gegen das Pflanzengift kämpft, zeigte sich erleichtert über die Abstimmung: „Die gestern aus dem Hut gezauberte Machbarkeitsstudie war ein leicht durchschaubares Ablenkungsmanöver“, so Helmut Burtscher-Schaden, Biochemiker bei GLOBAL 2000 und Autor des Buches „Akte Glyphosat“. Global 2000 wirft der österreichischen Regierung vor, das bereits Anfang 2018 in Auftrag gegebene Gutachten absichtlich erst so kurz vor der Abstimmung im Nationalrat veröffentlicht zu haben. Die Einschätzung, ob das Glyphosatverbot europarechtlich machbar ist, liege dem Ministerium bereits seit Ende 2018 vor. Jetzt habe keiner mehr eine Chance gehabt, die 275 Seiten umfassende Studie vor der Abstimmung auszuwerten.
Greenpeace Österreich betonte, die EU-Kommission habe in der Vergangenheit mehrfach zugesichert, dass nationale Verbote von glyphosathaltigen Pestiziden rechtlich möglich seien. „Jetzt muss die Europäische Kommission ihr Versprechen einlösen und dem Verbot zustimmen”, forderte Glyphosat-Experte Sebastian Theissing-Matei. Das Münchner Umweltinstitut verwies auf das Beispiel Frankreichs, wo zahlreiche Insektengifte verboten wurden, die in der EU zugelassen sind. Agrarreferent Karl Bär forderte die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf, wie ihre österreichischen Genossinnen ebenfalls einen Gesetzentwurf für ein Glyphosatverbot in den Bundestag einzubringen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vergangene Woche im Bundestag angekündigt, die Bundesregierung werde bis spätestens September über einen Glyphosat-Verzicht entscheiden. Es sei bereits im Koalitionsvertrag festgelegt, dass man eine Strategie zum schnellen Ausstieg wolle, sagte Merkel. „Wir werden dahin kommen, dass es eines Tages keinen Glyphosat-Einsatz mehr gibt.“ [vef]

27.06.2019 |

Russland setzt auf Genome Editing

Moskau Regierung Gentechnik Russland hatte 2012 den Import und die Verarbeitung von Gentechnik-Mais des Monsanto-Konzerns wegen Gesundheitsbedenken ausgesetzt (Foto: Julie Mineeva (Julmin))

Russland will mit einem staatlich unterstützten Forschungsprogramm neue gentechnische Verfahren fördern und damit hergestellte Produkte vereinfacht zulassen. Bisher hat das Land den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verboten.

Doch nun wolle die russische Regierung 1,5 Milliarden Euro in die Anwendung neuer gentechnischer Verfahren wie CRISPR/Cas investieren, berichtete die Zeitschrift Nature. Ziel des Programms sei es, bis 2020 zehn Arten von gen-editierten Pflanzen und Tieren zu entwickeln – und weitere 20 bis 2027.
Im Mittelpunkt des Programms stehen Gerste, Weizen, Zuckerrüben und Kartoffeln. Laut Nature gibt es dazu an mehreren russischen Forschungsinstituten bereits Projekte. Sie zielen darauf ab, Kartoffel und Zuckerrüben resistenter gegen Krankheitserreger zu machen. Bei Weizen und Gerste sollen Verarbeitungseigenschaften verbessert und der Nährwert erhöht werden. Der Artikel zitiert auch mehrere, teils anonyme Stimmen, die bezweifeln, ob das Programm angesichts der schlechten Arbeitsbedingungen in der russischen Gentechnik-Forschung und der überbordenden Bürokratie tatsächlich die gewünschten Erfolge bringen wird.

Russland hatte 2016 nach einem mehrjährigen Anbau-Moratorium ein Gesetz erlassen, das den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) verbietet. Es beschreibt GVO als Veränderung, die nicht durch natürliche Prozesse erreicht werden kann. Laut Nature definiert das Dekret, mit dem das Forschungsprogramm etabliert wurde, Genome Editing Verfahren wie CRISPR/Cas als vergleichbar mit konventioneller Züchtung. Dabei entspreche die Wortwahl derjenigen des US-Landwirtschaftsministeriums, wonach genom-editierte Pflanzen, die theoretisch auch mit konventioneller Züchtung hergestelllt werden könnten, nicht reguliert werden sollen. [lf]

24.06.2019 |

Gentech-Pilz produziert tödliches Spinnengift

Moskito Mücke Insekten Malaria Anopheles gambiae (Foto: James D. Gathany - The Public Health Image Library , ID#444, bit.ly/25WV6oo, public domain)

US-Forscher haben einen Pilz gentechnisch so verändert, dass er ein Spinnengift produziert und damit Malaria-Moskitos ausrottet. Doch das Gift ist auch für den Menschen tödlich.

Die australische Trichternetzspinne gehört zu den giftigsten Spinnen der Welt. Ihr Biss kann für einen Menschen tödlich sein - falls er nicht schnell genug das Gegenmittel gespritzt bekommt. Forscher der Universität von Maryland haben das Erbgut eines Pilz der Gattung Metarhizium pingshaense so verändert, dass er das Gift der Spinne produziert. Der Pilz befällt natürlicherweise Moskitos und tötet sie langsam. Durch die gentechnische Veränderung produziert er das Spinnengift, sobald er sich in der Blutbahn des Insekts befindet und tötet es damit sofort. Die US-Wissenschaftler erprobten die Wirkung in Burkina Faso in Westafrika zusammen mit heimischen Wissenschaftlern. Sie bauten dazu unter einem überdimensionalen moskitodichten Netz ein kleines Dorf nach, mit Moskitos, aber ohne Menschen. Sie imprägnierten Baumwolltücher, auf denen Moskitos gerne rasten, mit dem Gentech-Pilz. Nach 45 Tagen lebten von 1500 Moskitos und ihrem Nachwuchs noch 13 Tiere.
Die Forscher berichteten, sie hätten den gentechnisch veränderten (gv) Pilz in Maryland and Burkina Faso an anderen Insekten getestet. Diese habe er nicht geschädigt. Studienleiter Brian Lovett sagte gegenüber dem Magazin Atlas Obscura, es werde mindestens noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis der Pilz in der Malariabekämpfung eingesetzt werden könne. Als nächste sei es notwendig, mit Regulatoren und den Menschen vor Ort zu reden, um die Erlaubnis für Freilandversuche zu erhalten.
André Leu, der frühere Präsident des weltweiten Bio-Dachverbands IFOAM, sieht den Versuch kritisch. Einmal ausgebracht könne der gv-Pilz nicht mehr rückgeholt werden. Zwar sei der Pilz überlicherweise harmlos für Menschen. Doch was passiere, wenn die Spinnengift-Gene durch horizontalen Gentransfer auf andere Arten übertragen würden, fragt sich Leu? Auch gebe es keine Garantie dafür, dass sich der Pilz nicht weiterentwickle und dann auch Menschen angreife. [lf]

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Ein Schüler hält ein Schild mit der Aufschrift Schüler. Hier gibt es Informationen, ein Quiz, Videos und mehr zum Thema Gentechnik für Schülerinnen und Schüler.

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Postkarten zum Thema Gentechnik. Ein Mädchen nascht von einer Torte und sagt Gutes Essen braucht keine Gentechnik.
Ein Landwirt hält Maiskolben im Arm und sagt Gen-Mais schmeckt mir nicht.

Hier bekommen Sie kostenloses Infomaterial zum Thema: Flyer, Postkarten, Newsletter, Newsticker...
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