04.03.2018 |

Gutachten: auch Gentech-Pflanzen aus neuen Verfahren brauchen Zulassung

Gericht EU Foto: Gerichtshof der Europäischen Union

Der Umweltrechtsexperte Professor Ludwig Krämer ist der Ansicht, dass für die neuen Gentechnik-Verfahren wie CRISPR-Cas das europäische Gentechnikrecht gelten muss. Zu diesem Ergebnis kommt der ehemalige EU-Beamte in einem Gutachten für den gentechnikkritischen Verein Testbiotech, das diese Woche veröffentlicht wurde. Krämer widerspricht damit der Auffassung des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof (EuGH).

In dem Prozess vor dem EuGH geht es vor allem darum, für welche Verfahren der Genveränderung die sogenannte Freisetzungsrichtlinie (2001/18) der EU gilt. Sie regelt, unter welchen Voraussetzungen gentechnisch veränderte Organismen (GVO) angebaut oder auf den Markt gebracht werden dürfen. Der EuGH wird möglicherweise im Frühsommer entscheiden, ob die Freisetzungsrichtlinie auch für neue gentechnische Verfahren wie CRISPR-Cas oder die oligonukleotidgesteuerte Mutagenese gilt. Wenn ja müsste der Anbau entsprechend veränderter Pflanzen in der EU genehmigt und die Produkte gekennzeichnet werden.

Gutachter Krämer bejaht dies. Seiner Ansicht nach sind Züchtungsverfahren nur dann von der Gentechnikregulierung ausgenommen, wenn diese bereits bei Inkrafttreten der EU-Richtlinie „seit langem als sicher“ angesehen wurden. Bei den neuen Gentechnik-Verfahren, bei denen etwa die Gen-Schere CRISPR/Cas zum Einsatz kommt, ist das aber nicht der Fall. Der Generalanwalt beim EuGH, Michal Bobek, hatte dagegen im Januar die Ansicht vertreten, die Ausnahmeregelung für Mutagenese in der Freisetzungsrichtlinie umfasse auch technische Verfahren, die erst entwickelt wurden, nachdem die Freisetzungsrichtlinie 2001 in Kraft getreten war.

Auch das Vorsorgeprinzip interpretieren Krämer und Bobek unterschiedlich. Nach Ansicht Krämers muss der Gesetzgeber mögliche Risiken neuer Gentechnik-Verfahren schon untersuchen, wenn unsicher ist, ob es welche gibt. Krämer begründet dies mit der Entstehungsgeschichte der Freisetzungsrichtlinie. Bobek dagegen verlangt wissenschaftlich begründete Hinweise, dass es Risiken geben könnte.

Falls der europäische Gerichtshof der Meinung des Generalanwaltes folgt, könnten sich in der EU erhebliche Lücken in der Gentechnikregulierung ergeben, befürchtet Testbiotech. In diesem Fall wäre es unerlässlich, dass die Politik aktiv wird, um beispielsweise unkontrollierte Importe oder Freisetzungen zu verhindern, so der Verein. [vef]

26.02.2018 |

Monsanto verklagt Avaaz: Netzwerk soll interne Daten herausgeben

Justiz Gericht Gesetz Schild am Eingang eines Gerichts in Newcastle (Foto: smlp.co.uk / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Das Oberste Gericht des US-Staates New York hat auf Antrag des Chemiekonzerns Monsanto angeordnet, dass das Kampagnen-Netzwerk Avaaz sämtliche internen Daten über seine Glyphosatkampagne dem Konzern übergeben muss. Avaaz hat dagegen Berufung eingelegt und sammelt Spenden, um in den juristischen Kampf gegen Monsanto zu ziehen.

Avaaz ist ein weltweit tätiges Netzwerk von Online-Aktivisten, dem mehr als 46 Millionen Menschen angehören. Sie wenden sich regelmäßig in Petitionen gegen soziale und ökologische Missstände. Avaaz war auch eine der maßgeblichen Organisationen, die dagegen protestierten, dass der Herbizidwirkstoff Glyphosat in der EU wieder zugelassen wird. Das Gericht ordnete an, Avaaz müsse gegenüber dem Konzern sämtliche Aufzeichnungen offenlegen, die auf Monsanto oder Glyphosat Bezug nehmen. Darunter wären laut Avaaz auch die E-Mail-Adressen von mehr als vier Millionen Menschen, die Petitionen zu Glyphosat unterschrieben hätten. Der Konzern begründete sein Anliegen gegenüber dem Gericht damit, dass diese Unterlagen notwendig wären, um sich in einem anderen Verfahren verteidigen zu können. In San Francisco klagen Hunderte Krebsopfer auf Entschädigung, die Monsantos Glyphosat für ihre Krankheit verantwortlich machen. Im Zuge dieses Prozesses hatte Monsanto zahlreiche interne Akten veröffentlichen müssen, die deutlich machten, wie der Konzern Wissenschaftler und Behörden beeinflusste.

Avaaz Vize-Chefin Emma Ruby-Sachs wertete das Vorgehen des Konzerns als Reaktion darauf, dass Avaaz dessen Pläne in Europa und Argentinien durchkreuzt habe. Monsanto sei bekannt dafür, massiv gegen Kritiker vorzugehen. „Aber dieses Mal haben sie sich eine Bewegung mit fast 50 Millionen Menschen ausgesucht, die nicht klein beigeben werden.“ Doch alleine der juristische Kampf gegen den Konzern wird Avaaz Zeit und Geld kosten, die nicht mehr für Kampagnenarbeit genutzt werden können. Der jährliche Etat des Netzwerks liegt bei etwa 14 Millionen Euro.

„Sollte Monsanto mit seiner Forderung gegen den vergleichsweise kleinen Verband Avaaz durchkommen, könnte das weitreichende Folgen auch für andere Organisationen haben, die sich mit Konzernen anlegen“, schreibt die taz. Auch von Greenpeace und anderen Umweltorganisationen könnte Monsanto dann interne Informationen verlangen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, was Monsanto mit solchen Informationen alles anstellen könnte. Allein die Pflicht, die Daten zu liefern, würde die Arbeit der betroffenenen Organisationen monatelang blockieren. „Tausende Personalstunden und Hunderttausende Dollar“ würde es kosten, die verlangten Dokumente zusammenzustellen, sagte Avaaz der britischen Zeitung The Guardian. Und wer würde noch bei einer Organisation unterschreiben oder sich engagieren, wenn er befürchten müsste, dass die Daten an die bekämpften Konzerne gingen? „Unsere Mitglieder schreiben uns, dass sie davor Angst haben“, sagte Emma Ruby-Sachs dem Guardian: „Es hängt jetzt eine bedrohlich dunkle Wolke über unserer Organisation.“

Avaaz hat einen Spendenaufruf gestartet, um die Kosten des Verfahrens tragen zu können. Und die Organisatoren machen sich und ihren Mitgliedern Mut gegen die „starken Geschütze“, die der „50 Milliarden Dollar schwere Megakonzern“ da auffährt: „Die Avaaz-Gemeinschaft vereint die Kraft von Millionen von Menschen und unsere Mitglieder haben einfach keine Angst.“ [lf]

22.02.2018 |

EU-Aus für Glufosinat bis 2019?

Pestizid Pestizide Acker Spritzmittel Traktor Gift Glyphosat: vom Acker auf den Teller (Foto: Dieter Schütz / pixelio)

UPDATE +++ Nachdem der Wirkstoff Glyphosat in der Europäischen Union erneut bis 2022 zugelassen wurde, müssen jetzt EU-weit etwa 600 bis 700 glyphosathaltige Unkrautvernichter neu genehmigt werden. Das schätzt die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat nach einem Bericht von topagrar online. Unterdessen läuft die EU-Zulassung für das Herbizid Glufosinat zum 31. Juli wohl endgültig aus.
Wie dem offiziellen EU-Register zu entnehmen ist, hat der Hersteller Bayer seinen Antrag an die EU-Kommission, Glufosinat über den 31.7.2018 hinaus zuzulassen, am 20.12.2017 zurückgezogen. Das war genau fünf Tage, nachdem die EU-Kommission Glyphosat für weitere fünf Jahre grünes Licht gegeben hatte. Damit dürfen in der EU nach Artikel 32 der Verordnung 1107/2009 spätestens ab dem 1.8.2019 keine Spritzmittel mehr eingesetzt werden, die Glufosinat enthalten. Solche Spritzmittel, die aktuell in 20 EU-Ländern zugelassen sind, wurden stets als möglicher Ersatz für den Fall gehandelt, dass Glyphosat nicht weiter erlaubt wird. In Deutschland sind schon jetzt keine Pflanzengifte mehr zugelassen, die Glufosinat enthalten.
Ein Sprecher des Bayer-Konzerns begründete die Entscheidung, den bereits im Jahr 2014 gestellten Antrag auf erneute Zulassung seines Wirkstoffs Glufosinat-Ammonium zurückzuziehen, mit „anhaltenden regulatorischen Unwägbarkeiten innerhalb der EU“. Hintergrund ist vermutlich die europaweite Diskussion um die Risiken von Pestiziden. Außerdem hatte die französische Umweltbehörde Anses dem Bayer-Konzern nach einem Bericht des Handelsblatts im Oktober 2017 überraschend die Zulassung für den glufosinat-basierten Unkrautvernichter Basta F1 entzogen. Ob Spitzmittel national eingesetzt werden dürfen, entscheiden in der EU die Mitgliedsstaaten selbst.
Auf die Frage, was es für den geplanten Verkauf des weltweiten Glufosinat-Ammonium-Geschäfts an BASF bedeutet, dass Bayer den Zulassungsantrag in der EU zurückgezogen hat, antwortete der Sprecher: „Die Entscheidung steht in keinem Zusammenhang mit der Vereinbarung mit BASF über den geplanten Verkauf von bestimmten Bereichen des Crop-Science-Geschäfts.“ Bayer will das Glufosinat-Ammonium-Geschäft nebst passendem gentechnisch verändertem Saatgut (LibertyLink) für mehr als sechs Milliarden Euro an den Konkurrenten BASF verkaufen, sobald sie den US-Saatgutgiganten Monsanto übernehmen dürfen. Dass BASF in diesem Fall selbst bei der EU-Kommission beantragen wird, Glufosinat weiter zuzulassen, halten Experten für unwahrscheinlich, da das Totalherbizid als fortpflanzungsschädigend eingestuft ist. Und sogenannte reprotoxische Wirkstoffe können laut Verordnung nicht genehmigt werden.
Was man bei Glufosinat in Deutschland schon geschafft hat, steht bei Glyphosat noch bevor. Beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beantragten bis Fristende am 16. März acht Hersteller, 24 glyphosathaltige Spritzmittel in der BRD neu zuzulassen. Weitere zwölf Herbizide, die über 2018 hinaus zugelassen sind, werden von Amts wegen überprüft, teilte das BVL auf Anfrage mit. Dabei müssen bereits die neuen Zulassungsbedingungen, also Risiken für Landwirbeltiere, Nichtziel-Pflanzen und Biodiversität, beachtet werden.
Und während die Hersteller nach eigenen Angaben bereits am nächsten Verlängerungsantrag für Glyphosat in der EU arbeiten, hat die Politik den Ausstieg ins Auge gefasst. „So schnell wie möglich“ sollen solche Spritzmittel vom deutschen Markt verschwinden, heißt es im neuen Koalitionsvertrag. Die Grünen wollen heute im Bundestag schon mal darüber diskutieren, wie das am besten gehen könnte. In ihrem Antrag fordern sie, den Pestizideinsatz in Deutschland in den nächsten vier Jahren um 40 Prozent zu senken. Außerdem soll es mehr Flächen geben, auf denen Pestizide gar nicht eingesetzt werden dürfen, um Menschen und Umwelt zu schützen. Der Pestizideinsatz, seine Folgen und Alternativen sollen besser erforscht werden.
Schließlich soll das Zulassungsverfahren für Pflanzengifte auf EU-Ebene nach dem Willen der Grünen transparenter werden und gesundheitliche wie ökonomische Risiken stärker einbeziehen. Das EU-Parlament hat zu diesem Zweck einen Sonderausschuss beschlossen, der im März seine Arbeit aufnehmen wird. Neun Monate lang wollen die 30 Ausschussmitglieder vor allem die sogenannten „Monsanto Papers“ und das EU-Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel unter die Lupe nehmen. Dabei soll auch die Rolle der EU-Kommission untersucht werden. Unerwartete Vorschusslorbeeren verteilte das Bundesinstitut für Risikobewertung: „Der neue Sonderausschuss verstärkt den Eindruck, dass beim Thema Pestizid-Genehmigung das EU-Parlament ein wirksamer politischer Impulsgeber werden kann.“ Die Parlamentarier hatten 2017 einen Glyphosat-Ausstieg bis zum Jahr 2022 empfohlen. [vef]

Am 22.3. ergänzt: Angaben des BVL zu Glyphosat-Spritzmittelanträgen in der BRD

20.02.2018 |

USA: Neue Gentechnikverfahren kommen ohne Tests auf den Acker

Labor DNA Forschung Ein DNA-Forschungslabor des US-Energieministeriums (Foto: Lawrence Berkeley Nat"l Lab - Roy Kaltschmidt, DNA Analyzers at the Joint Genome Institute, bit.ly/1tvPZ15, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

In den USA dürfen immer mehr Pflanzen, die mit Genome Editing manipuliert wurden, ohne Zulassung als gentechnisch veränderter Organismus (GVO) vermarktet werden. Der Entwickler einer Pflanze muss lediglich der zuständigen Behörde APHIS im US-Landwirtschaftsministerium darlegen, mit welchem Verfahren er welche Änderungen im Erbgut hervorgerufen hat.

59 solcher Anfragen sind inzwischen bei der Behörde eingegangen. Die meisten Anfragen der vergangenen zwei, drei Jahre betrafen Pflanzen, die mit Genome Editing verändert wurden, also neuen Methoden der Genveränderung wie Crispr/Cas. APHIS entscheidet nach Aktenlage binnen Wochen darüber, ob die Pflanze eine Zulassung braucht oder nicht. In den wenigsten Fällen bestand die Behörde auf einer Zulassung nach dem US-Gentechnikrecht.

Das US-Unternehmen Calyxt will noch in diesem Jahr eine Sojabohne auf den Markt bringen, deren Fett mehr Ölsäure enthält. Das Unternehmen entwickelt auch Mehltau-resistenten Weizen, verschiedene Kartoffeln sowie Luzerne, die APHIS ebenfalls von der Zulassung freigestellt hat. Freigaben für editierte gv-Pflanzen erhielten auch andere Unternehmen: Der Agrarkonzern DuPont für einen Mais mit veränderter Stärkzusammensetzung, das Unternehmen Yield10 Bioscience für veränderte Leindotter-Sorten, die höhere Erträge liefern sollen. Langsam wachsende Gräser, trockentolerante Sojabohnen oder Zuchtpilze, die beim Anschneiden nicht braun werden, sind weitere unregulierte Pflanzen, die in naher Zukunft auf den Markt kommen sollen.

„CRISPR-editierte Pflanzen erreichen in Rekordzeit den Markt“, schrieb im Januar die Fachzeitschrift Nature Biotechnology und zitierte den Geschäftsführer von Yield10: „Wäre unser Leindotter als gentechnisch verändert eingestuft worden, hätte das Zulassungsverfahren mindestens sechs Jahre gedauert und 30 bis 50 Millionen Dollar gekostet.“ So hätte sein Unternehmen nur zwei Jahre gebraucht, um die Anfrage vorzubereiten und bereits nach zwei Monaten hätte das Ministerium geantwortet. Der Nachteil aus Sicht der Verbraucher: All diese gen-editierten Pflanzen wurden nicht auf mögliche gesundheitliche Folgen überprüft. Die Verbraucher können ihnen auch nicht ausweichen, da sie nicht gekennzeichnet werden müssen und es keine geeigneten Nachweismöglichkeiten gibt.

„Die USA verdrängen die Risiken der Gentechnik weitgehend. Das erinnert an den Umgang der derzeitigen US-Regierung mit dem Klimawandel“, kommentiert Christoph Then von Testbiotech die Entwicklung. Betroffen davon können mittelfristig auch Verbraucher in der EU sein, wenn gen-editierte Pflanzen unerkannterweise in die EU importiert werden. „Die EU muss jetzt klarmachen, dass sie auf Nachweisverfahren und Risikoprüfung besteht, egal ob es sich um neue oder alte Gentechnik handelt“, fordert deshalb Christoph Then. Gentechnik-Befürworter hingegen versuchen, auch in der EU ähnlich lasche Zulassungsregeln wie in den USA zu erreichen – und malen Schreckgespenste von Handelskriegen an die Wand, sollte die EU das Genome Editing dem Gentechnikrecht unterstellen: „Die einzige Lösung wäre, den Agrarhandel mit den USA in bestimmten Sektoren vollständig einzustellen“, schreibt die Pro-Gentechnik-Plattform Transgen. [lf]

15.02.2018 |

Glyphosat-Alternative aus der Distel?

Disteln Silybum. Foto: Olds Wolfram (http://bit.ly/2syinU7; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/) Disteln Silybum. Foto: Olds Wolfram (http://bit.ly/2syinU7; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Ein Unkraut, das Unkräuter vernichtet? Eine italienische Chemikerin weckt Hoffnung, dass die Distel zur Alternative für Glyphosat werden könnte. Catia Bastioli ist es gelungen, aus der Säure der stacheligen Pflanze ein Herbizid zu gewinnen.
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, war es eher Zufall: Bastioli, deren Firma Novamont für Biokunststoffe bekannt ist, hatte aus Disteln Öl hergestellt. Dabei fiel Pelargonsäure an, die in Deutschland bereits in Unkrautvernichtungsmitteln für den Gartengebrauch enthalten ist. Die Säure trägt den Namen der Pelargonie, landläufig auch Geranie genannt, weil sie in ihren Blättern enthalten ist. Die sardische Firma Matrica, an der Novamont zu 50 Prozent beteiligt ist, entwickelte daraus ein Herbizid für den großflächigen Freilandeinsatz.
Ganz begeistert hatte Bastioli der „Süddeutschen“ offenbar von den Vorteilen der Disteln berichtet. Sie sind mehrjährig, genügsam, schützen mit ihren tiefen Wurzeln vor Bodenerosion und benötigen kein Wasser. Deshalb bot es sich an, sie auf den kargen Böden Sardiniens in großem Stil anzubauen. Matrica kooperiert dabei mit dem örtlichen Bauernverband, um Anbau- und Erntemethoden der Distel zu verbessern. „Das fördert die Aufgeschlossenheit für Innovationen", zitiert die Zeitung die preisgekrönte Forscherin.
Zusammen mit einem führenden Unternehmen der petrochemischen Industrie hat sie im Norden Sardiniens eine stillgelegte Erdölraffinerie zur Produktionsanlage für Biorohstoffe umgerüstet. Die Produkte der Firma Matrica werden bei der Herstellung von Bioplastik, Bio-Schmierstoffen, Kosmetik und Reinigungsmitteln verwendet. In der Anlage könnten laut Bericht jetzt jährlich 30 000 Tonnen des neuen Bio-Herbizids produziert werden. Für den Einsatz auf Kartoffel-Äckern, im Wein- und Obstanbau und auf öffentlichen Grünflächen in Frankreich, Italien und Österreich soll es bereits zugelassen sein.
Die Pelargonsäure, die auch aus Raps gewonnen werden kann, wirkt auf die Blätter einer Pflanze. Die Fettsäure zerstört die Zellstruktur der benetzten Pflanzenteile. So welken sie innerhalb weniger Stunden. Bastioli weist daraufhin, dass man damit auch Hartweizen-Pflanzen kurz vor der Ernte gut trocknen kann. Im Pasta-Land Italien ein entscheidender Vorteil. Glyphosat darf dort zu diesem Zweck nämlich nicht verwendet werden. [vef]

12.02.2018 |

Ärger für Monsanto: Konzerne kämpfen um den US-Markt für Gentech-Soja

Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; http://bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/) Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Der Markt für gentechnisch verändertes (GVO) Sojasaatgut in den USA gerät in Bewegung. Die bisherige Vormachtstellung von Monsanto ist gefährdet. Um seine Position zu verteidigen, hat der Konzern auf das Herbizid Dicamba gesetzt – und sich damit zusätzlichen Ärger eingehandelt.

Die US-Farmer geben jedes Jahr mehrere Milliarden Euro für GVO-Sojasaatgut und die dazu passenden Herbizide aus. Fast 20 Jahre hinweg war dieser Markt fest in den Händen Monsantos. Doch nun sei eine „Schlacht der Bohnen“ ausgebrochen, titelte die Nachrichtenagentur Reuters. Der Grund dafür: Weil die meisten Soja-Farmer Monsantos RoundupReady-Soja mit ihrer Resistenz gegen das Herbizid Glyphosat angebaut hatten, wurde das Unkraut ebenfalls gegen Glyphosat resistent. Deshalb entwickelten neben Monsanto auch andere Konzerne Sojabohnen, die zusätzlich zu Glyphosat auch gegen andere Pestizide resistent sind.

Die Bohne Enlist E3 von Dow Dupont verträgt Duschen von Glyphosat, Glufosinat und 2-4-D. 2,4-D soll Geburtsschäden und Erbgutveränderungen verursachen sowie hormonell wirksam sein. 2015 haben es die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. BASF setzt auf die LibertyLink-Linien, die sie von Bayer übernehmen, wenn der Monsanto-Deal perfekt ist. Sie sind gegen Glufosinat resistent. Der von Bayer entwickelte Wirkstoff ist giftig und kann menschliche Embryos schädigen. In der Europäischen Union ist er nur noch bis 31. Juli 2018 zugelassen. Im Rest der Welt darf Glufosinat auch darüberhinaus noch versprüht werden.

Monsantos neue Bohnen sind resistent gegen Dicamba. Der 1967 erstmals zugelassene Wirkstoff wird in Studien mit erhöhten Krebsraten unter Landwirten und Geburtsschäden bei ihren Söhnen in Verbindung gebracht. Außerdem ist Dicamba sehr leicht flüchtig und kann kilometerweit verfrachtet werden. Genau das passierte im vergangenen Jahr, als US-Landwirte erstmals in großem Stil Monsantos Dicamba-resistente Xtend-Sojabohnen anbauten. Das Spritzmittel waberte über die Felder der Nachbarn und schädigte deren Pflanzen, auf insgesamt 1,5 Millionen Hektar. In einem großen Prozess gegen Monsanto und andere Dicamba-Hersteller verlangen betroffenen Landwirte Schadensersatz. Der US-Bundesstaat Arkansas hat den Einsatz von Dicamba in diesem Jahr bereits verboten, andere Bundesstaaten überlegen noch, meldete das Agrarnetzwerk Harvest Public Media. Die US-Umweltbehörde EPA verpflichtete alle Landwirte, die Dicamba einsetzen wollen, zu einer Fortbildung – die von Monsanto kostenlos angeboten wird.

Laut Reuters ist unklar, welches Soja-Saatgut US-Landwirte in diesem Jahr ausbringen werden. Die Nachrichtenagentur zitiert Saatguthändler, die sich vorsichtshalber mit verschiedenen Bohnen eindecken sowie Landwirte, die auf Monsantos Dicamba-Bohnen setzen – damit ihre Ernte in diesem Jahr keinen Schaden leidet. [lf]

08.02.2018 |

Schweinepest soll Genome Editing zu mehr Akzeptanz verhelfen

Schwein Foto: pixelio.de / Karin Wobig

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) nähert sich Deutschland und macht den hiesigen Schweinemästern Angst. Durch Genome Editing resistent gemachte Schweine könnten der Viruserkrankung den Schrecken nehmen, argumentieren Gentechnik-Befürworter. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die angebliche Lösung keine ist.

Die Schweinepest ist zwar für Menschen ungefährlich, für Schweine jedoch endet sie tödlich. Weil es keine Impfung und keine Medizin dagegen gibt, muss bei einem befallenen Schwein vorsorglich der ganze Bestand getötet werden. Gleichzeitig treten strenge Seuchenregelungen in Kraft, die die Vermarktung von Schweinefleisch massiv behindern. In den letzten zehn Jahren hat sich die ASP über Russland und das Baltikum bis nach Tschechien und Polen ausgebreitet. Das Friedrich-Löffler-Institut des Bundes schätzt das Risiko, dass der Erreger auch in Deutschland auftaucht, als hoch ein.

Afrikanische Warzenschweine sind, anders als die hiesigen Wildschweine, gegenüber der ASP resistent. Sie tragen zwar das Virus in sich, werden davon aber nicht krank. Verantwortlich dafür soll die Ausprägung eines bestimmten Gens sein, das Reaktionen des Immunsystems von Schweinen steuert. Wissenschaftler des schottischen Roslin Institute haben bereits 2015 dieses sogenannte RELA-Gen bei Hausschweinen mit Methoden des Genome Editing so umgeändert, dass es dem RELA-Gen des Warzenschweins entspricht. Laut einem Bericht des Deutschlandfunks verfügt das Institut derzeit über zehn Gentech-Schweine im Alter von zwei Monaten, die gegen ASP resistent sein sollen. Um zu überprüfen, ob dies tatsächlich zutrifft, wollen die Roslin-Wisenschaftler diese Tiere im Sommer mit dem ASP-Erreger infizieren. Auch wenn der Versuch erfolgreich sein sollte, dürfte die weitere Entwicklung dieser Gentech-Schweine noch Jahre dauern. Danach müssten sie in der EU erst noch nach Gentechnikrecht zugelassen werden. Schon zeitlich liegt diese Lösung also noch in weiter Ferne.

Auf ein grundlegendes Problem dieser Gentech-Resistenz hat das Institut Testbiotech bereits vor zwei Jahren in einer Studie für die Grünen im Bundestag hingewiesen: Sollten sich die resistenten Tiere mit dem Virus infizieren, würden die Mäster das nicht bemerken, weil die Tiere ja nicht krank werden. Unerkannt könnten sie das Virus an andere Schweine weitergeben. „In der Folge könnte sich die Seuche wesentlich schneller ausbreiten und dann Betriebe mit gentechnikfreier Produktion besonders betreffen“, heißt es in der Studie. Und weiter: „Somit könnte der Einsatz gentechnisch veränderter Tiere zur einzigen Option für Schweinehalter werden. Gentechnikfreie Schweinehaltung müsste dann möglicherweise sogar verboten werden.“ Zudem bestehe die Gefahr, dass die Viren sich an die genetische Veränderung anpassen und damit die Resistenz durchbrechen. [lf]

07.02.2018 |

Große Koalition für Vorsicht bei CRISPR-Cas

Aktion des Naturschutzbund Deutschland zu den GroKo-Verhandlungen. Foto: NABU/Volker Gehrmann  Aktion des Naturschutzbund Deutschland zu den GroKo-Verhandlungen. Foto: NABU/Volker Gehrmann

UPDATE +++ Eine mögliche große Koalition will den Gentechnik-Anbau bundesweit einheitlich verbieten. Das steht im Koalitionsvertrag, den CDU, CSU und SPD heute beschlossen haben. Die „neuen molekularbiologischen Züchtungstechnologien“ wie CRISPR-Cas sollen so geregelt werden, dass das Vorsorgeprinzip und die Wahlfreiheit der Verbraucher gewährleistet werden. Ob die SPD tatsächlich in die Koalition eintritt, werden bis 2. März ihre Mitglieder entscheiden. Bei der CDU wird sich am 26. Februar ein Parteitag mit der Frage befassen.
„Wir halten an der Saatgutreinheit fest“, heißt es im Koalitionsvertrag weiter. Gemeint ist, dass das Saatgut, das in Deutschland ausgebracht wird, frei von gentechnisch veränderten Bestandteilen sein soll. Und: „Patente auf Pflanzen und Tiere lehnen wir ab. Ebenso das Klonen von Tieren zur Lebensmittelerzeugung.“
Bis Mitte der Legislaturperiode will die Koalition eine Ackerbaustrategie vorlegen. Darin will sie unter anderem festlegen, wie Pflanzengifte umwelt- und naturverträglich angewendet werden sollen. „Wir werden mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden“, so der Plan. „Wir werden die Forschung verstärken, um die Bandbreite innovativer und vorhandener Pflanzenschutzmittel – auch im ökologischen Landbau – zu erweitern.“
Die europäischen und nationalen Zulassungsverfahren für Pestizide sollen transparenter werden. Und schließlich soll ein Innovationsprogramm für digital-mechanische Methoden - etwa zur Unkrautbekämpfung und Bodenlockerung - dazu beitragen, den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzengiften wirksam zu reduzieren. Ziel all dieser Bemühungen ist es, vor allem Insekten und Bienen besser zu schützen, um die biologische Vielfalt zu erhalten.
Da das Agrarministerium der CDU zugeschlagen wurde, wird der aktuelle Ressortchef Christian Schmidt (CSU) der neuen Regierung wohl nicht mehr angehören. Als künftige Ministerin ist nach Medienberichten die rheinland-pfälzische CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner im Gespräch. Ihr Sprecher bezeichnete das am Nachmittag allerdings als Spekulation. Auch die Kanzlerin betonte, zunächst müssten die Parteigremien entscheiden. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) könnte ihr Ressort dem Vernehmen nach behalten. Ob sie sich bei den Themen Gentechnik und Pestizide mit dem CDU-Agrarressort so streiten wird wie in der CSU-geführten Vergangenheit, muss sich zeigen.
„Union und SPD haben den alarmierenden Zustand unserer Natur offensichtlich erkannt,“ lobte der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbund Deutschland, Leif Miller. „Die versprochenen Schutzmaßnahmen geben Anlass zur Hoffnung. Der Glyphosat-Ausstieg droht allerdings auf die lange Bank geschoben zu werden, weil ein konkretes Datum fehlt.“ Kritisch sieht der Nabu-Chef, dass Pestizide nach den Koalitionsplänen künftig sogar noch schneller zugelassen werden sollen - ohne ihre Auswirkungen auf die Artenvielfalt ausreichend zu prüfen. Auch der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft forderte, nicht nur Glyphosat zu verbieten, sondern generell weniger Pestizide einzusetzen. [vef]

05.02.2018 |

Baysanto: Erst die Hälfte der Behörden hat zugestimmt

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)  EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)

Die Bayer AG hat der Europäischen Kommission vergangenen Freitag „umfangreiche Zusagen“ unterbreitet, damit sie dem Erwerb des amerikanischen Saatgutriesen Monsanto zustimmt. „Wir sind zuversichtlich, damit die Bedenken der Europäischen Kommission vollständig ausräumen zu können“, schrieb ein Bayer-Sprecher dem Infodienst Gentechnik. Die Kommission hat ihre Entscheidung, ob sie die Übernahme wettbewerbsrechtlich genehmigt, unterdessen auf 5. April verschoben.
Anfang Januar hatte die New York Post berichtet, der Pharma- und Chemiekonzern Bayer mit Sitz in Leverkusen habe begonnen, US-amerikanische Unternehmensteile zu veräußern. So werde ein Hersteller von Saatgut für Gemüse sowie ein Agrar-Softwarespezialist zum Kauf angeboten. Schon im Oktober 2017 hatte Bayer mit BASF vereinbart, große Teile des Geschäfts mit Feldfrucht-Saatgut wie Raps, Soja und Baumwolle an den Konkurrenten abzugeben.
Zu diesem Paket gehört auch die LibertyLink-Technologie, mit der Pflanzen gegen das Herbizid Glufosinat resistent gemacht werden können, sowie das passenden Spritzmittel Liberty. Der Kaufpreis dafür beträgt – inklusive der dazugehörigen Forschungseinrichtungen - 5,9 Milliarden Euro. Der Jahresumsatz dieses Geschäfts lag nach Angaben Bayers 2016 bei 1,3 Milliarden Euro. Im Vertrag mit Monsanto wurde laut Handelsblatt vereinbart, im Zuge der Übernahme Geschäftsbereiche mit einem Umsatz von bis zu 1,6 Milliarden Euro zu veräußern.
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verlangt diese Verkäufe, um sicherzustellen, dass es auf den Märkten von Saatgut und Spritzmitteln weiter Wettbewerb geben wird, auch wenn die Bayer AG nach der Übernahme von Monsanto der weltgrößte Anbieter sein wird. Vestagers Ziel ist, dass Landwirte beim Kauf von Saatgut und Unkrautvernichtern die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern behalten und die Preise bezahlbar bleiben. Deshalb muss Bayer etwa die Sparte Liberty abgeben, wenn es mit Monsanto das Geschäft mit dem weltweit meistverbreiteten, glyphosathaltigen Unkrautvernichter RoundUp nebst passendem Saatgut erwerben will. Ob sich dieser Erwerb angesichts von Klagewellen und RoundUp-resistenten Unkräutern am Ende wirklich auszahlt, wird sich erst noch zeigen müssen.
Aber es gibt noch einen Bereich, der Bayer Geld in die Kassen schwemmen könnte: Systeme zur Digitalisierung der Landwirtschaft. Monsanto hat schon fortschrittliche Apps entwickelt, die steuern, wann, wo und in welcher Menge Wasser und Pestizide auf die Felder gebracht werden. Doch auch damit ließe sich eine Monopolstellung zementieren. Dann nämlich, wenn die Apps nur mit den konzerneigenen Produkten funktionieren. Viel Arbeit für die Wettbewerbshüter, die zum Entsetzen von Bayer-Chef Werner Baumann bereits vier Millionen Seiten Unterlagen zum Prüfen angefordert haben.
Von weltweit etwa 30 Behörden, welche die Übernahme genehmigen müssen, hat das nach Angaben des Bayer-Sprechers erst die Hälfte getan. Die wichtigen Kartellwächter in Europa, den USA und Brasilien prüfen noch. In den USA soll es nach Informationen der New York Post schon positive Signale aus dem zuständigen Department of Justice geben. Die brasilianische Behörde hat die Frist laut Handelsblatt von ursprünglich 20. Dezember auf 20. März verlängert. Auch in Europa wurde die Prüffrist von Ende 2017 jetzt schon viermal verlängert.
Dem Kaufpreis hat die Verzögerung gut getan: Da Monsanto offenbar Schulden abgebaut hat, ist er laut Handelsblatt von 66 auf 63,5 Milliarden US-Dollar gesunken. Trotzdem birgt der Zeitfaktor auch ein Risiko: Gibt es bis Mitte Juni noch kein Signal der Behörden, könnte Monsanto nach dem Bericht aus dem Fusionsprojekt aussteigen. Und dann müsste Bayer laut Vertrag zwei Milliarden Ausfallprämie an die Amerikaner zahlen. [vef]

31.01.2018 |

Naturschutzamt: schnelles Aus für Glyphosat in Deutschland

Feld Die GAP muss Biodiversität fördern (Foto: CC0, KRiemer)

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat sich in die politische Diskussion um glyphosathaltige Spritzmittel eingeschaltet und empfiehlt, ihre Anwendung in Deutschland so schnell wie möglich zu beenden. Wenn Behörden über die Zulassung von Pflanzengiften entschieden, müssten sie auch die negativen Wirkungen auf die biologische Vielfalt berücksichtigen, heißt es in einem Positionspapier. Auch im Gentechnikrecht sollten die zur Gentech-Pflanze passenden Pestizide stets mitgeprüft werden.
Zu den „Mindestanforderungen“ des nationalen Naturschutzes zähle auch, die Kombinationswirkung verschiedener Wirk- und Zusatzstoffe in den Spritzmitteln zu prüfen, so das BfN. Bis zu ihrem endgültigen Verbot sollte der Einsatz glyphosathaltiger Pflanzengifte maximal beschränkt und Auflagen erteilt werden. So sollten Betriebe nur Glyphosat versprühen dürfen, wenn sie zugleich eine ökologische Ausgleichsfläche ohne Herbizideinsatz bereitstellten, fordert die Behörde. In Natur- und Wasserschutzgebieten müsse der Einsatz des Totalherbizids schnellstmöglich verboten werden. Außerdem regt das BfN eine Abgabe auf Spritzmittel an.
Wissenschaftliche Studien belegten, dass glyphosathaltige Pflanzengifte den Insektenschwund in Deutschland weiter verstärken können, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. „Deshalb ist es unumgänglich, die biologische Vielfalt insbesondere in der Agrarlandschaft deutlich besser als bislang vor solchen Auswirkungen zu schützen“, so die Behördenleiterin.
Die giftigen Spritzmittel bedrohten unmittelbar vor allem Ackerwildkrautarten und Amphibien, heißt es in der Presseinformation. Gravierender seien jedoch ihre indirekten Auswirkungen auf die Nahrungskette: Gibt es keine Blumen und Gräser mehr an den Ackerflächen, finden blütenbesuchende und auf Wildkräuter spezialisierte Insekten keine Nahrung mehr. Verändern sich die Nahrungs- oder Lebensraumbedingungen von Insekten und Regenwürmern, finden Vögel und Kleinsäuger nicht mehr genug zu fressen. Solche Nahrungsnetzeffekte zeigen laut BfN auch Studien in Nord- und Südamerika, wo Pflanzen, die mittels Gentechnik gegen Glyphosat resistent gemacht wurden, großflächig angebaut werden. Dementsprechend üppig werden dort dann auch glyphosathaltige Pflanzengifte versprüht.
Nachdem die EU-Kommission im Dezember den Einsatz des Wirkstoffs Glyphosat in Europa für weitere fünf Jahre erlaubt hatte, müssen nun die zuständigen nationalen Behörden darüber entscheiden, welche Spritzmittel auf Glyphosatbasis weiter erlaubt werden sollen. Zuständig ist das Bundesamt für Lebensmittel- und Verbraucherschutz, das dem Agrarminister (derzeit CSU) untersteht. Es muss allerdings Einvernehmen mit dem Umweltbundesamt erzielen, das wie das BfN zum Geschäftsbereich der Bundesumweltministerin (derzeit SPD) gehört. Um die Streitigkeiten der Vergangenheit zu vermeiden, muss sich nun die künftige Regierungskoalition auf eine gemeinsame Linie verständigen. Auch der Bundesrat wird sich am Freitag mit einem Antrag aus Bremen und Thüringen befassen, den Glyphosateinsatz in Deutschland zu reduzieren. [vef]

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Postkarten zum Thema Gentechnik. Ein Mädchen nascht von einer Torte und sagt Gutes Essen braucht keine Gentechnik.
Ein Landwirt hält Maiskolben im Arm und sagt Gen-Mais schmeckt mir nicht.

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