05.04.2017 |

EU-Kommission: ChemChina darf Syngenta kaufen

ChemChina-Syngenta: marriage made in hell (Foto: Friends of the Earth Europe/Lode Saidane, http://bit.ly/2nJZ0AR, http://bit.ly/1hYHpKw) ChemChina-Syngenta: marriage made in hell (Foto: Friends of the Earth Europe/Lode Saidane,-+-http://bit.ly/2nJZ0AR, bit.ly/1hYHpKw)

Der staatseigene chinesische Chemiegigant ChemChina darf den Schweizer Saatgut- und Pestizidkonzern Syngenta übernehmen. Europäische wie amerikanische Wettbewerbshüter hätten dem 43 Milliarden Dollar-Geschäft zugestimmt, teilten die Unternehmen und die Europäische Kommission heute mit. Beide Firmen gehen davon aus, dass die Hochzeit bis Juli über die Bühne gehen wird.
Damit hat die Europäische Kommission innerhalb von acht Tagen bereits die zweite Übernahme in der Agrochemie genehmigt. Erst vergangene Woche hatte sie den US-amerikanischen Chemiekonzernen Dow und DuPont die Fusion unter Auflagen erlaubt. Auch diesmal ist der Kauf an Bedingungen geknüpft: ChemChina muss wesentliche Teile des europäischen Pestizid- und Wachstumsreglergeschäfts seines Tochterunternehmens Adama veräußern, des weltweit größten Herstellers generischer Spritzmittel. Auf allen Märkten mit problematischen Überschneidungen werde ChemChina entweder die Produktsparte von Adama oder die betreffende Sparte von Syngenta verkaufen, so die EU-Kommission.
Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager ist zufrieden: "ChemChina hat umfangreiche Abhilfemaßnahmen angeboten, mit denen unsere Wettbewerbsbedenken ganz ausgeräumt werden.“ Die Untersuchung der Kommission hatte ergeben, dass die beteiligten Unternehmen bei mehreren Pflanzenschutzmitteln und bestimmten Wachstumsreglern gemeinsam hohe Marktanteile erreicht hätten und dass auf diesen Märkten nur wenige Wettbewerber verblieben wären.
In der Nacht auf Mittwoch hatte die US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) der Übernahme bereits unter Auflagen zugestimmt. Die beteiligten Unternehmen versicherten in ihrer Presseinformation, Wahlfreiheit und Innovation für Landwirte in Europa und weltweit würden sichergestellt.
„Erlaubt man einer kleinen Zahl von Großkonzernen, die Lebensmittelversorgung der Welt zu übernehmen, schadet das Bauern, Verbrauchern und der Umwelt“, kritisierte dagegen Adrian Bebb von Friends of the Earth Europe. Er forderte die Verantwortlichen erneut auf, die dritte geplante Übernahme von Monsanto durch den deutschen Chemiekonzern Bayer abzulehnen. Es wird erwartet, dass Bayer den Übernahmeantrag in den nächsten Wochen bei der Europäischen Kommission einreichen wird. Kommen alle Transaktionen zustande, teilen sich zusammen mit BASF vier Riesen den Markt weltweit auf, so das Handelsblatt.
Auch der agrar- und umweltpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament, Martin Häusling, findet das bedenklich: „Die Fusion ist eine schlechte Nachricht für Landwirte und die Umwelt und Ernährungssicherheit in einem Bereich, in dem es bereits eine hohe Konzentration von Marktmacht gibt. Die EU-Kommission muss in jedem Fall die Fusion zwischen Bayer und Monsanto verhindern, um weitere Konzentration zu vermeiden.“ [vef]

04.04.2017 |

Deutsches Maissaatgut ist gentechnikfrei

Mais Mais (Foto: JimmyMac210 / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Routinemäßig überprüfen die zuständigen Behörden der Bundesländer das Saatgut auf gentechnische Verunreinigungen (GVO), bevor es ausgesät wird. So schickten sie von Oktober 2016 bis März 2017 insgesamt 490 Proben Maissaatgut in ihre Labore. Zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren waren alle Proben frei von GVO. Das zeigen die von der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Gentechnik veröffentlichten Zahlen.

2011 waren noch sieben Prozent der amtlich kontrollierten Maisproben verunreinigt. In den folgenden Jahren sank die Quote stetig. Im Analysejahr 2016, also von 01.10.2015 bis 30.09.2016, fanden sich noch in drei von 520 Proben GVO-Spuren, das waren 0,6 Prozent. Jetzt waren alle Proben gentechnikfrei. „Die Ergebnisse der amtlichen Kontrollen zeigen, dass es möglich ist, Saatgut gentechnikfrei zu halten und die Nulltoleranz erfolgreich umzusetzen“, sagte Alexander Hissting, Geschäftsführer des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG). Die Saatgutreinheit sei die Basis für eine verlässliche ‚Ohne Gentechnik‘-Produktion von Lebensmitteln.

Bei Saatgut gilt in Deutschland eine strikte Nulltoleranz. Weisen die Behörden Spuren einer GVO-Verunreinigung nach, darf das Saatgut nicht vermarktet werden. Das gilt unabhängig von der Höhe des festgestellten GVO-Anteils. Wurde das Saatgut bereits ausgebracht, müssen die Behörden anordnen, die Felder unterzupflügen. Um solche Eingriffe zu vermeiden wird das Saatgut rechtzeitig vor der Aussaat beprobt. Bei Raps zeigt sich die positive Wirkung der Nulltoleranzpolitik schon länger. Hier wurden die Behörden zuletzt 2012 fündig. Seither ließen sich im deutschen Rapssaatgut keine GVO mehr nachweisen.

Auch bei Sojabohnen kommen GVO-Funde nur noch vereinzelt vor. Allerdings schicken, anders als bei Mais und Winterraps, nur wenige Bundesländer Sojasaatgut-Proben ins Labor. In diesem Winter waren es insgesamt 21 Proben aus Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Zu wenig, findet VLOG-Geschäftsführer Hissting: „Das wird der steigenden Bedeutung des regionalen Sojaanbaus nicht gerecht. Hier wäre eine Ausweitung der Kontrollen wünschenswert.“

30.03.2017 |

Neue Belege: So beeinflusst die Industrie Behördenbewertungen

Geld Dollar Briefbörse Foto: Penny Mathews / stock.xchng

Die europäische Chemikalien-Agentur ECHA hat ihre umstrittene Bewertung des Herbizids Glyphosat vorab von einem Lobbyverband der Hersteller kommentieren lassen. Das berichteten die Süddeutsche Zeitung und das ARD-Magazin Fakt. Dass dieser Vorgang kein Einzelfall ist, belegt der Report „Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft“. Er stellt dar, wie die Glyphosathersteller, vor allem Monsanto, seit Jahren versuchen, gezielt Behördenentscheidungen zu beeinflussen – insbesondere durch gekaufte Studien.

Im Falle der ECHA-Bewertung wurde die industrielle Einflußnahme bekannt, weil der Toxikologe Peter Clausing für das Pestizid Aktions-Netzwerk als Beobachter an der entscheidenden Sitzung des ECHA-Ausschusses für Risikobewertung teilnahm. „Ich hab meinen Augen nicht getraut, als ich sah, dass die Industrie Kommentare zu dem Entwurf des Bewertungsberichts eingestellt hat“, sagte er dem ARD-Magazin Fakt. Denn das Prozedere der ECHA sieht vor, dass die Öffentlichkeit und interessierte Verbände zu Beginn eines Bewertungsverfahrens Stellungnahmen abgeben können, die dann auch veröffentlicht werden. Diese Möglichkeit nutzten mehrere Umweltorganisationen. Doch die öffentliche Konsultation endete im Falle der Glyphosatbewertung bereits im Juli 2016, bevor der Ausschuss seine Bewertung begann. Die Möglichkeit, den Entwurf des Bewertungsberichts zu kommentieren hatte nur der Industrieverband Glyphosat Task Force. Entgegen ihren Regeln veröffentlichte die ECHA den Kommentar des Lobbyverbandes nicht. „Die Industrie hat versucht, auf die Bewertung der Behörde Einfluss zu nehmen“, kommentierte Peter Clausing den Vorgang in der Süddeutschen Zeitung.

Dass dies kein Einzelfall ist, zeigen die von einem Gericht im US-Bundesstaat Kalifornien freigegebenen Monsanto-Akten. Darin wird deutlich, dass der für die Krebsbewertung von Glyphosat zuständige Mitarbeiter der US-Umweltbehörde EPA auf der Seite Monsantos stand. Zudem zeigten interne Mails, dass Monsanto Wissenschaftler anheuerte, um vorgefertigte Texte als eigene Studien auszugeben und zu publizieren. Diese Studien sollten dazu dienen, die Einstufung von Glyphosat als möglicherweise krebserregend durch die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation zu widerlegen. Einer der in den Mails genannten Wissenschaftler ist der deutsche Toxikologe Helmut Greim. Er bestätigte gegenüber Fakt, dass er für zwei Studien, die unter seinem Namen erschienen, Geld von Monsanto erhalten habe. In einem Fall sei auch ein Manuskript von Monsanto geliefert worden. Das habe er allerdings aufwändig überarbeiten müssen, weil es für eine Veröffentlichung ungeeignet gewesen sei. Der 82-jährige Greim gilt als einer der einflussreichsten Toxikologen Deutschlands. Er war Vorsitzender in mehreren Expertengremien, die auf Bundes- oder EU-Ebene Empfehlungen für Grenzwerte abgeben. In einigen arbeitet er bis heute noch mit.

Mit diesen Auftragsstudien und anderen Vorgängen rund um die Neubewertung von Glyphosat befasst sich der Report „Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft“. Veröffentlicht hat ihn die österreichische Umweltorganisation Global 2000, unterstützt von zahlreichen anderen Organsisationen, darunter der Umweltverband BUND, das Umweltinstitut München, Campact und das Pestizid-Aktions-Netzwerk. Der Report beleuchtet auch, wie 2016 eine Serie von Übersichtsarbeiten für eine renommierte Fachzeitschrift entstand, deren Autoren übereinstimmend Glyphosat von jedem Krebsverdacht freisprachen. Monsanto hatte dafür eine Agentur zwischengeschaltet, die ein Expertenpanel zusammenstellte. In internen Monsanto-Mails, die der Report dokumentiert, ist von möglichen Kosten bis zu 250.000 US-Dollar und mehr die Rede. Auch über mögliche Mitglieder für das Panel wird darin diskutiert. Wie das als unabhängig bezeichnete Expertengremium schließlich besetzt war, beschreibt der Report so: „Zwölf der 16 Mitglieder des Gremiums waren bereits als Berater für Monsanto tätig oder bei dem Unternehmen angestellt. Viele der Autoren pflegen oder pflegten Verbindungen zum industrienahen “International Life Sciences Institute“ (ILSI), einer Organisation, die unter anderem von Unternehmen finanziert wird, die Glyphosatprodukte herstellen und/oder vermarkten, einschließlich Monsanto, Dow und BASF.“ [lf]

28.03.2017 |

EU-Kommission billigt Fusion von Dow und DuPont

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)  EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)

Die Europäische Kommission hat den US-amerikanischen Chemiekonzernen Dow und DuPont erlaubt sich zusammenzuschließen. Voraussetzung sei, dass DuPont große Teile seiner Pestizidsparte verkaufe, teilte die EU-Kommission gestern mit. Zugleich forderten fast 200 gemeinnützige Organisationen die Kommission auf, die Großfusionen in der Agrarchemie zu stoppen.
Nach Ansicht von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sichert der aktuelle Beschluss den Wettbewerb auf dem Pestizidmarkt. Indem DuPont sich verpflichte, fast seine gesamte globale Forschungs- und Entwicklungssparte zu veräußern, könne der Käufer auch bei den Produktinnovationen zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber für den neuen Großkonzern werden, so die EU-Kommission. Dow muss sich von zwei Fabriken für petrochemische Produkte trennen.
„Der Wettbewerb muss in dieser Branche funktionieren, damit sich die Unternehmen veranlasst sehen, Produkte zu entwickeln, die Gesundheit und Umwelt möglichst wenig belasten“, erklärte Vestager. „Wir nehmen das sehr ernst, weil es hier buchstäblich um das tägliche Brot geht.“
Nach Angaben des Handelsblatts wäre die 130 Milliarden Dollar schwere Fusion von Dow und Dupont bisher die größte aller Zeiten in der Chemiebranche. Daneben hat der staatseigene chinesische Agrochemiekonzern ChemChina bei der EU-Kommission beantragt, der Übernahme des Schweizer Saatgut- und Pestizidkonzerns Syngenta zuzustimmen. Der Antrag des deutschen Chemiekonzerns Bayer, den US-Saatgutgiganten Monsanto zu übernehmen, liege noch nicht vor, so die Kommission. Jeder Antrag werde gemäß der aktuellen Marktlage entschieden.
Unterdessen haben fast 200 Umwelt-, Agrar- und Entwicklungs-Organisationen die EU-Kommission in einem offenen Brief aufgefordert, die geplanten Großfusionen zu verhindern. Die Zusammenschlüsse der sechs Agrarkonzerne würden zu einer inakzeptablen Oligopolstellung führen, in der nur drei Konzerne rund 70 Prozent des weltweiten Pestizidmarktes und mehr als 60 Prozent des kommerziellen Saatguts kontrollierten, heißt es in dem Text. „Die Fusionen würden die durch die industrielle Landwirtschaft verursachten Probleme weiter verschärfen – mit negativen Folgen für das Gemeinwohl und Verbraucher/innen, Bauern und Bäuerinnen, die Umwelt und die Ernährungssicherheit.“ Zu den Unterzeichnern gehören die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, das Gen-ethische Netzwerk sowie „Save our seeds“. [vef]

27.03.2017 |

Bald neuer Gentech-Mais auf europäischen Äckern?

Mais Syngenta In den USA bauen viele Farmer Gentechnik-Mais an (Foto: Courtesy of Syngenta)

Es wird immer wahrscheinlicher, dass nach fast 20 Jahren bald wieder gentechnisch veränderter (GVO) Mais in Europa zum Anbau zugelassen wird. Wie erwartet gab es heute auch im EU-Berufungsausschuss keine Mehrheit für oder gegen ein Verbot. Der Gentechnikexperte der Grünen im Bundestag, Harald Ebner, geht davon aus, dass die Europäische Kommission die drei Maislinien nun bald durchwinken wird.
Die EU-Kommission hatte drei GVO-Maissorten zum Anbau in der EU vorgeschlagen: MON 810 (Wiederzulassung), Bt 11 und 1507 (Erstzulassung). Das Zulassungsverfahren für die Maislinie 1507 läuft bereits seit mehr als zehn Jahren. Weil so lange geprüft wurde, hatten die Hersteller DuPont Pioneer und Dow Agrosciences bereits erfolgreich Untätigkeitsklage beim Europäischen Gerichtshof erhoben. Deshalb steht die EU-Kommission jetzt unter Handlungsdruck. In einer Sitzung im Februar war allerdings darauf hingewiesen worden, Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker könne den Vorschlag, die drei Maissorten zuzulassen, jederzeit wieder zurückziehen.
Im Lauf des Zulassungsverfahrens müssen die EU-Mitgliedsstaaten beteiligt werden. Diese haben nun auch im zweiten Gremium, dem Berufungsausschuss, keine qualifizierte Mehrheit für oder gegen den Anbau des GVO-Maises erzielt. Dafür wären nach Angaben einer Kommissionssprecherin mindestens 16 von 28 Mitgliedsstaaten nötig gewesen, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren müssen. Nach Informationen von Friends of the Earth Europe haben 14 EU-Mitglieder gegen die Wiederzulassung von MON810 gestimmt und damit zwei mehr als im Januar. Sie repräsentieren gut 30 Prozent der EU-Bevölkerung. Bei den Maissorten Bt 11 und 1507 waren sogar 16 Mitglieder (plus 3) für ein Verbot. Sie vertreten aber nur 47 Prozent der EU-Bevölkerung. Die Bundesregierung hat sich den Angaben zufolge wie bei der ersten Abstimmung im Januar enthalten, denn die große Koalition ist sich uneins.
„Deutschland hat sich mit einer Enthaltung um ein klares Nein gedrückt, obwohl die gentechnikfreie Produktion boomt“, kritisierte der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Löwenstein. „Der Anbau von Gentechnik-Pflanzen kostet alle, die ihn nicht wollen, viel Geld.“
„Kommissionspräsident Juncker muss jetzt Farbe bekennen, ob er die weitgehende Gentechnik-Freiheit auf den Äckern in der EU erhalten will oder nicht“, sagte die Gentechnikexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Heike Moldenhauer. Der in der Vergangenheit bereits zugelassene Genmais Mon 810 ist in 17 EU-Ländern verboten – darunter Deutschland. Er werde auf weniger als einem Prozent der EU-Ackerfläche angebaut - hauptsächlich in Spanien.
Alle drei Maislinien produzieren ein Insektengift. Außerdem sind sie resistent gegen das Totalherbizid Glufosinat des Chemiekonzerns Bayer. Moldenhauer warf Agrarminister Christian Schmidt (CSU) daher vor, mit seiner Enthaltung in Brüssel vor den Firmen Bayer-Monsanto zu kuschen.
Ohne klares Votum stimmte der Ausschuss auch über die Frage ab, ob eine Reihe von Gentech-Maissorten des Herstellers Syngenta für die Verwendung in Futter- und Lebensmitteln zugelassen werden sollen. Es geht um die Sorten Bt11 × 59122 × MIR604 × 1507 × GA21 und ihre Kombinationen. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hatte sich vergangene Woche bereits dagegen ausgesprochen. Sein Votum hat allerdings rechtlich keine Wirkung. Auch hier muss jetzt die EU-Kommission entscheiden. [vef]

23.03.2017 |

Göttinger Wissenschaftler arbeitet mit gentechnisch veränderten Fliegen

Mittelmeerfruchtfliege Insekten Mittelmeerfruchtfliege (Foto: Scott Bauer / United States Department of Agriculture, public domain (Wiki Commons))

Ein Biologe an der Universität Göttingen hat Experimente mit gentechnisch veränderten Fliegen durchgeführt - in einem Labor, das nicht die vorgeschriebenen Sicherheitsstandards erfüllte. Das teilten die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), das Gen-ethische Netzwerk (GeN) und Testbiotech mit. Sie wollen nun von der niedersächsischen Landesregierung wissen, wer die Versuche genehmigt hat, welche Insektenart verwendet wurde und ob die Versuche wirklich eingestellt wurden.

Aufmerksam auf den Fall wurden die drei Organisationen durch ein Interview in der Fachzeitschrift Laborjournal. Darin berichtete der Entwicklungsbiologe Ernst Wimmer über eine bisher noch nicht veröffentlichte Forschungsarbeit. Er hatte dafür Insekten mit Hilfe der Gentechnik-Schere CRISPR-Cas gentechnisch so verändert, dass sich ihre Eigenschaften besonders schnell innerhalb der Art ausbreiten können. Experten sprechen von einem sogenannten Gene Drive. Damit wurden die Insekten so manipuliert, dass bei der Fortpflanzung keine männlichen Nachkommen mehr entstehen und die Population dadurch zusammenbricht. Mit ihren Experimenten wollten die Forscher in Göttingen herausfinden, wie zuverlässig sich dieser Mechanismus vererben lässt. Dabei stellten sie fest, dass sich bei nachfolgenden Generationen jeweils an der Stelle im Erbgut, wo der Gene Drive eingebaut wurde, ungewollte Mutationen häuften. Dadurch wurde der Gene Drive immer unzuverlässiger, und nach einigen Generationen brachten die Tiere auch wieder fruchtbare Weibchen zu Welt. Die Fliegen wurden quasi resistent.

„Die Versuche zeigen, dass Eingriffe in das Erbgut mit neuen Gentechnik-Verfahren wie CRISPR-Cas nicht so vorhersagbar sind, wie von interessierter Seite immer behauptet wird“, sagte Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Sie warnte, dass Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung betroffen seien, wenn derart veränderte gentechnische Fliegen aus dem Labor entkämen. Aus diesem Grund hat die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) festgelegt, dass Versuche mit Gene-Drive-Populationen nur noch in Laboren der Sicherheitsstufe 2 stattfinden sollen. Weil er über ein solches Labor nicht verfüge, habe er die Versuche abgebrochen und die Fliegenstämme in ein S2-Labor zur Aufbewahrung gegeben, sagte Wimmer in dem Interview.

Gentechnisch veränderte Insekten werden immer wieder als Mittel gegen Pflanzenschädlinge oder Krankheiten übertragende Mücken angepriesen. Während in Süd- und Mittelamerika solche Tiere bereits freigesetzt wurden, konnten in Europa Freisetzungsversuche bisher verhindert werden. [lf]

22.03.2017 |

Monsanto und Glyphosat: Akten belegen Einfluss auf Umweltbehörde

Mon Monsanto banner (Photo: Donna Cleveland/Flickr)

Ein maßgeblicher Mitarbeiter in der Pestizid-Abteilung der US-Umweltbehörde EPA stand fest auf der Seite von Monsanto. Das belegen interne Mails des Konzerns, die ein Gericht in Kalifornien für die Öffentlichkeit freigab. In dem Prozess in San Francisco wird über die Klagen von 55 Menschen verhandelt, die selbst an Lymphdrüsenkrebs erkrankten oder Angehörige durch diesen Krebs verloren haben. Sie führen die Erkrankung auf die Anwendung von Glyphosat zurück und werfen Monsanto vor, das Risiko verschwiegen zu haben.

Der in den Unterlagen genannte Mitarbeiter heißt Jess Rowland und arbeitete bis zu seinem Ruhestand im April 2016 in der für Pestizide zuständigen Abteilung der EPA. Dort leitete er einen Ausschuss, der die Frage bearbeitete, ob der von Monsanto entwickelte Wirkstoff Glyphosat Krebs auslösen kann. Letzten September veröffentlichte die EPA das Gutachten des Ausschusses und verneinte die Frage. Glyphosat sei nicht krebserregend, lautete das Fazit der Behörde.

Die Gerichtsakten zeigen, wie Rowland Monsanto versprach, eine Glyphosat-Untersuchung des US-Gesundheitsministeriums zu sabotieren. Sie wurde dann auch tatsächlich aufgegeben. Rowland informierte den Konzern frühzeitig davon, dass die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO Glyphosat als vermutlich krebserregend einstufen würde. Als die IARC ihren Bericht im März 2015 veröffentlichte, wusste Monsanto seit Monaten Bescheid und hatte die Gegenpropaganda bereits vorbereitet. Zu den Mitteln des Konzerns gehörte es auch, Wissenschaftler für Studien zu bezahlen, die die Sicherheit von Glyphosat belegen sollten. In den veröffentlichen Mails diskutieren Monsanto-Manager, wie man einen Wissenschaftler ersetzen könnte, der dabei Skrupel bekommen hatte. In einer anderen Mail schlägt ein Monsanto-Manager vor, Wissenschaftler dafür zu bezahlen, dass sie Monsanto-Studien als eigene Arbeiten ausgeben und veröffentlichen, so wie das früher auch schon gemacht worden sei.

Angesichts solcher Einflußnahmen verwundert es nicht, dass das EPA-Gutachten Glyphosat vom Krebsverdacht freisprach. Doch inzwischen haben selbst hochrangige EPA-Experten Zweifel bekommen. Der wissenschaftliche Beirat, der die Pestizidarbeit der Behörde begutachtete, kam zu dem Schluss, dass bei der Glyphosatbewertung die zuständige EPA-Abteilung ihre eigenen Richtlinien nicht eingehalten habe. Ein Teil des Beirats war der Auffassung, dass anhand der vorliegenden Studien Glyphosat sehr wohl als vermutlich krebserregend eingestuft werden sollte. Die französische Zeitung Le Monde berichtete, dass bereits im Dezember 2015 die EPA-Abteilung für Forschung und Entwicklung die Arbeit der Pestizid-Abteilung zum Thema Glyphosat intern kritisiert hatte.

Monsanto wies auf Nachfrage von US-Medien sämtliche Vorwürfe zurück und betonte seine Seriösität. [lf]

17.03.2017 |

Aufruf gegen Patente auf Bier gestartet

Patentfreies Bier (miffyhase, Stärkung auf der Promenade, http://bit.ly/2gk5sOM, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/) Patentfreies Bier (miffyhase, Stärkung auf der Promenade, bit.ly/2gk5sOM, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/)

Mehr als 30 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) fordern von der Politik wirksame Verbote, um Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung zu verhindern. Das teilte das Bündnis „Keine Patente auf Saatgut!“ mit. Nach Angaben des Europäischen Patentamtes (EPA) liegen aktuell 320 solcher Patentanträge oder Einspruchsverfahren auf Eis. Es wird erwartet, dass der Verwaltungsrat des EPA bis zum Sommer über das weitere Vorgehen entscheiden wird.
Konkret wendet sich der Protest der NGOs gegen drei Patente für die Brauereikonzerne Carlsberg und Heineken, die 2016 vom EPA erteilt wurden (EP2384110, EP2373154 und EP2575433). Sie erstrecken sich auf Gerste aus konventioneller Züchtung und deren Verwendung durch die Brauereien sowie das damit produzierte Bier. Diese Patente beruhen nach Ansicht der NGOs auf zufälligen Mutationen im Erbgut der Pflanzen. Carlsberg entgegnete, das besonders energiesparende Brauverfahren sei geschützt.
Sowohl die EU-Kommission als auch die Regierungen der EU-Staaten hatten jüngst klargestellt, dass Pflanzen und Tiere aus konventioneller Zucht nicht patentiert werden dürfen. Der Verwaltungsrat des EPA, in dem unter anderen die EU-Mitgliedsstaaten sitzen, berät nun, ob Pflanzen und Tiere, die mit „im wesentlichen biologischen Verfahren“ gezüchtet wurden, künftig keine Patente mehr erhalten dürfen. Die Details der Regelung sind dem Vernehmen nach noch umstritten. So hatte das EPA jüngst darüber informiert, dass die Bierpatente seiner Ansicht nach nicht unter diese Ausnahme fallen.
Die NGOs fordern daher, dass die EU-Mitgliedsstaaten dafür sorgen, die bestehenden Schlupflöcher schnellstmöglich zu schließen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) müsse sich im Verwaltungsrat des EPA für lückenlose Verbote einsetzen. Die NGOs werfen dem EPA vor, aus wirtschaftlichen Interessen in der Vergangenheit immer wieder versucht zu haben, die Patentverbote durch juristische Tricks auszuhebeln. [vef]

15.03.2017 |

Europäische Chemikalien-Agentur: Glyphosat nicht krebserregend

Herbizide Glyphosat Pestizide allgemein Herbizide (Foto: Chafer Machinery / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

UPDATE +++ Die vorliegenden wissenschaftlichen Belege reichen nach Ansicht der europäischen Chemikalien-Agentur ECHA nicht aus, um den Pestizidwirkstoff Glyphosat als krebserregend, mutagen oder schädlich für die Fortpflanzung zu klassifizieren. Diese Entscheidung ihres Ausschusses für Risikobeurteilung (Risk Assessment Committee, RAC) gab die Agentur heute bekannt. Umweltschützer fordern, die Zulassung für Glyphosat zum Jahresende auslaufen zu lassen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verwies darauf, dass die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation IARC Glyphosat weiterhin als „krebserregend beim Menschen“ einstufe. Auch ein kalifornisches Gericht entschied jüngst, dass der US-Bundesstaat glyphosathaltige Produkte auf seine Krebs-Warnliste setzen darf. Die deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hatte der ECHA empfohlen, vor Schäden für Organe, Augen und Wasserorganismen zu warnen. Einer BUND-Studie zufolge hatten 70 Prozent der im Jahr 2013 in Deutschland getesteten und 44 Prozent der europaweit untersuchten Personen Glyphosat im Urin.

Angesichts der gravierenden Bedenken hinsichtlich Umwelt und menschlicher Gesundheit forderte die BUND-Pestizidexpertin Heike Moldenhauer daher, die Zulassung für Glyphosat nicht weiter zu verlängern. Die Entscheidung der ECHA sei kein Freibrief für eine Neuzulassung, meinte auch der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Er kritisierte, dass die Prüfbehörden nur den reinen Wirkstoff Glyphosat betrachteten. „Glyphosat wird aber ausschließlich in einem potenziell viel giftigeren Gemisch mit Beistoffen verkauft und angewendet – und dieses Gemisch wird überhaupt nicht geprüft“, so Ebner.

Der RAC hob hervor, er habe lediglich auf der Grundlage der so genannten CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) die Gefahreneigenschaften von Chemikalien zu bewerten und festzulegen, mit welchen Gefahrenhinweisen sie zu kennzeichnen sind. Für Glyphosat waren das bisher die Warnhinweise H318 „Verursacht schwere Augenschäden“ und H 411 „Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung“. Dabei soll es nach Ansicht der RAC-Experten bleiben. Sie machten deutlich, dass sie nicht das Gesundheitsrisiko für Menschen untersucht hätten, die Glyphosat anwenden oder aufnehmen. Das sei die Aufgabe der zuständigen Gremien, wenn sie die Zulassung von Glyphosat erneuern wollen.

Die Stellungnahme des RAC geht nun an die Europäische Kommission. Diese wird gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten im Lauf des Jahres entscheiden, ob Glyphosat weiter zugelassen wird. Bestätigt fühlen kann sich durch die RAC-Stellungnahme die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA. Sie hält es für unwahrscheinlich, dass Glyphosat zu mehr Krebserkrankungen führt. Mehrere Nichtregierungsorganisationen hatten dagegen angezweifelt, ob die ECHA unabhängig entschieden habe. In einem offenen Brief hatten sie dem Vorsitzenden und zwei Experten des RAC Nähe zur Industrie und damit Interessenkonflikte vorgeworfen. Die ECHA wies dies zurück.

Eine Europäische Bürgerinitiative hat jetzt begonnen, mindestens eine Millionen Unterschriften für ein Glyphosatverbot in der EU zu sammeln. Die beteiligten Organisationen wollen damit den Druck auf die EU-Kommission erhöhen, das Herbizid endgültig aus dem Verkehr zu ziehen. [lf/vef]

13.03.2017 |

Gentechnik gegen den Hunger? Für die FAO kein Thema

FAO Plenary of the CFS (Photo: FAO/Giuseppe Carotenuto)

Immer wieder behaupten die großen Saatgutkonzerne, dass ihre gentechnisch veränderten Pflanzen notwendig seien, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Die Welternährungsorganisation FAO sieht das anders. In ihrem neuen Bericht zur Zukunft der Ernährung hat sie der Agro-Gentechnik nur einen einzigen Absatz gewidmet.
Der Report „The Future of Food and Agriculture” beschreibt 15 Trends und zehn Herausforderungen für die weltweite Ernährungssicherheit. Der Druck auf die vorhandenen natürlichen Ressourcen, die zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit und die Auswirkungen des Klimawandels gefährden aus Sicht der FAO das Ziel, den Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden. Zwar sei es in den letzten 30 Jahren durch eine wachsende Produktion von Lebensmittel gelungen, den Hunger einzudämmen. Doch sei dies mit erheblichen Umweltschäden verbunden gewesen. „Ressourcenintensive landwirtschaftliche Systeme mit hohem Input haben massive Waldzerstörungen, Wasserknappheit, Bodenverarmung und ein hohes Niveau an klimaschädlichen Emissionen verursacht“, schreibt die FAO. Nachhaltig sei diese Art der Intensivlandwirtschaft nicht. Notwendig seien statt dessen innovative Ansätze wie die Agrarökologie oder Agro-Forst-Systeme, die die natürlich Ressourcen schützen und dennoch produktiv sind.
Die Agro-Gentechnik kommt in dem 180-seitigen Bericht der FAO nur in einem Absatz im Kapitel Produktivität und Innovationen (Seite 53) vor. Die FAO beschränkt sich dabei auf die Feststellung, dass die Debatte um die Agro-Gentechnik die Erfolge anderer biotechnologischer Methoden überschattet habe. Dabei bezieht sie sich nicht auf neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas, sondern erwähnt als Beispiele für Erfolge die nur im Reagenzglas mögliche Kreuzung von afrikanischem und asiatischem Reis in den 90er Jahren (Nerica, New Rice for Africa) oder die Entwicklung mehrjähriger Reispflanzen in China.
Saatgutkonzerne argumentieren auch gerne, dass sie Pflanzen entwickeln, die Dürre gut vertragen und deshalb angesichts des Klimawandels besonders wichtig seien. Der FAO-Bericht erwähnt solche dürretoleranten gv-Pflanzen mit keinem Wort. Er betont statt dessen, dass die Landwirtschaft selbst ihren Ausstoß an Treibhausgasen und ihren Verbrauch an fossiler Energie drastisch verringern müsse. Entscheidend sei, den Kleinbauern nachhaltige Anbaumethoden zu vermitteln. Begleitende Programme müssten ferner die Situation der Bauern verbessern, etwa durch eine bessere Infrastruktur, soziale Absicherung und den Zugang zu Informationen. [lf]

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