25.05.2018 |

Bayer will Monsanto "in Kürze" übernehmen

Protestaktion von Inkota vor der Bayer-Hauptversammlung Foto: Fritz Schadow / INKOTA-netzwerk Protestaktion von Inkota vor der Bayer-Hauptversammlung Foto: Fritz Schadow / INKOTA-netzwerk

Dem Bayer-Konzern fehlen weiterhin behördliche Genehmigungen, um den Saatgutgiganten Monsanto übernehmen zu können. Das musste Bayer-Chef Baumann heute bei der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft in Bonn einräumen. Bekommt er die weltweit 30 erforderlichen Freigaben nicht bis 14. Juni zusammen, könnte der umstrittene 62,5 Milliarden Dollar-Deal noch wesentlich teurer werden oder ganz scheitern.
Denn wie das Manager-Magazin berichtet, kann Monsanto vom Vertrag zurücktreten, wenn die Übernahme bis dahin nicht weltweit genehmigt ist. In diesem Fall müsste Bayer eine Entschädigung von zwei Milliarden US-Dollar zahlen. Und wenn der amerikanische Saatguthersteller sich entscheiden würde nachzuverhandeln, rechnen Experten damit, dass der Kaufpreis steigt.
Doch der Vorstandsvorsitzende von Bayer scheint zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, die Übernahme von Monsanto in Kürze abschließen zu können“, versicherte Werner Baumann den Aktionären. Man habe „fast alle entscheidenden Freigaben erhalten“. Nach Medienberichten fehlt noch die wichtige Zustimmung aus den USA. Dabei hatte es vor Wochen schon geheißen, Bayer sei sich mit dem US-Justizministerium einig geworden.
Aber auch wenn Bayer Monsanto vor dem 14.6. kaufen kann, wird es teurer als geplant: Baumann korrigierte die erwarteten Einsparungen durch Synergieeffekte von 1,5 auf 1,2 Milliarden US-Dollar nach unten. Außerdem müssen die Leverkusener nach dem Willen der Kartellbehörden Unternehmensteile im Wert von fast acht Milliarden Euro an den Konkurrenten BASF veräußern.
Verbände und Aktivisten weltweit nutzen die Zeit, um gegen die größte Firmenübernahme der Nachkriegsgeschichte zu Felde zu ziehen: Schon vor einer Woche hatten Tausende beim „Marsch gegen Monsanto“ in zahlreichen Ländern gegen den dann größten Agrarchemiekonzern der Welt protestiert. Und auch vor der Bayer-Hauptversammlung postierten sich heute wieder Bauern-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, um ihrer Kritik Gehör zu verschaffen: „Die Marktkonzentration im Agrarsektor bedroht die bäuerliche Landwirtschaft und die Ernährungssouveränität“, kritisierte etwa die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Der Megakonzern werde nach der Fusion noch mehr Patente auf Pflanzen anstreben; so werde die Saatgutvielfalt verloren gehen. „Statt Gentechnik durch die Hintertür fordern wir die Stärkung des Vorsorgeprinzips und Wahlfreiheit für Züchter, Bauern und Verbraucher“, so Annemarie Volling von der AbL.
Das „Wir haben es satt!“-Bündnis wandte sich gegen die Selbstdarstellung des Chemieriesen, man wolle etwas gegen den Hunger in der Welt tun: „Bayer ist kein Wohltätigkeitsverein, sondern ein Konzern, der mit unserem Essen Milliardengewinne generieren will“, kritisierte Christian Rollmann. „Den 800 Millionen Menschen, die weltweit an Hunger leiden, ist durch die Zerstörung von bäuerlichen Strukturen und regionalen Saatgutmärkten nicht geholfen.“
Auch das Entwicklungsnetzwerk Inkota wies auf die fatalen Folgen des Konzentrationsprozesses in der Agrarindustrie vor allem für ärmere Länder hin: Die Saatgutpreise steigen, die Abhängigkeit von Spritzmitteln wächst, Kleinbauern weltweit überschulden sich. Daher fordert Inkota die Bundesregierung auf, gegen eine mögliche Fusion von Bayer und Monsanto vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen.
Für den grünen Bundestagsabgeordneten Harald Ebner steht Baysanto nicht für Innovation, sondern für die altbekannten Übel wie Pestizide, Gentechnik und Klagen gegen Umweltgesetze. Er fordert eine Agrarwende, um die Landwirtschaft „enkeltauglich“ zu machen. [vef]

23.05.2018 |

Indisches Gericht: Gentech-Saatgut kann nicht patentiert werden

Baumwolle Indien Foto: Jeremy Evans Thomas / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0-+-

Das oberste Gericht der indischen Hauptstadt New Delhi hat entschieden, dass in Indien gentechnisch veränderte Pflanzen wie Bt-Baumwolle nicht patentiert werden können. Der Gentechnikkonzern Monsanto hat dagegen Berufung eingelegt.

Das Urteil des Delhi High Court wurde in der indischen Presse einhellig als massiver Schlag gegen Monsanto und andere Gentechnik-Konzerne gewertet. Die Saatgut-Aktivistin Vandana Shiva bezeichnete die Entscheidung als „Sieg für die Saatgutfreiheit“. Gentechnik-Befürworter warnten, dass Indien damit den Anschluss an die biotechnologische Entwicklung verliere. Noch ist das Urteil allerdings nicht rechtskräftig. Der High Court hatte wegen der Bedeutung des Falls ausdrücklich die Berufung beim obersten indischen Gericht, dem Supreme Court, zugelassen. Dieser wird Mitte Juli die Parteien anhören, hat es aber abgelehnt, die Entscheidung des High Courts bis dahin auszusetzen. Im Moment sind die Patente damit außer Kraft gesetzt.

Worum geht es in dem Fall: Das indische Patentgesetz regelt in seinem Artikel 3, dass Pflanzen und Tiere nicht patentiert werden können. Dies gilt auch für Saatgut, einzelne Sorten und Arten sowie die wesentlichen biologischen Prozesse bei der Züchtung und Vermehrung. Erlaubt sind Patente lediglich für gentechnisch veränderte Mikroorganismen. Bei Bt-Pflanzen wird den Pflanzen Erbgut eines Bodenbakteriums eingebaut, damit sie dessen Bt-Toxine herstellen und sich damit gegen Schädlinge wehren können. Mit Verweis auf das Bodenbakterium hatte Monsanto ein indisches Patent für seine Bt-Baumwolle bekommen und verlangte deshalb von indischen Saatgutfirmen Lizenzgebühren, wenn sie die Bt-Technologie nutzten, um eigenes Saatgut für Bt-Baumwolle herzustellen. Einer dieser Lizenznehmer verweigerte die Gebührenzahlung und zweifelte die Rechtmäßigkeit des Patents an, worauf hin es zum Prozess kam und der High Court dem Lizenznehmer Recht gab. Aus Sicht der Richter ist der entscheidende Vorgang der biologische Prozess der Vermehrung, ohne den es kein Saatgut gebe und das geänderte Erbgut nutzlos sei. Und dieser Prozess dürfe nicht patentiert werden.

Das Gericht argumentierte auch, Monsanto könne seine Bt-Pflanzen offiziell als eigene Sorte registrieren lassen und dann – vergleichbar dem deutschen Sortenschutzgesetz – Lizenzgebühren verlangen. Allerdings erlaubt das indische Sortenrecht Züchtern und Landwirten, mit dem Saatgut weiter zu züchten und eigene Sorten zu entwickeln. Mit einem Patent könnte Monsanto das verbieten. [lf]

17.05.2018 |

Glyphosat-Studie: Spritzmittel verändern Darmflora

Campact übergibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (re.) 450.000 Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (https://bit.ly/2k4ovMU; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/) Campact übergibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (re.) 450.000 Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (https://bit.ly/2k4ovMU; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Glyphosathaltige Herbizide verändern bereits in minimalen Dosen bei jungen Ratten biologische Parameter, die mit geschlechtlicher Entwicklung und genetischen Schädigungen verbunden sind. Zudem beeinflussen sie die Darmflora. Das sind erste Ergebnisse einer unabhängigen, crowd-finanzierten Langzeitstudie.

Begonnen hat diese Studie das auf Krebsforschung spezialisierte italienische Ramazzini-Institut zusammen mit Partnern in Italien, den USA und China. Sie vergleichen dabei die Wirkungen von purem Glyphosat und dem glyphosathaltigen Herbizid Roundup auf Ratten. Die Tiere bekommen den Wirkstoff in einer Menge verabreicht, die von der US-Umweltbehörde EPA als sicher für den Menschen bezeichnet wird: 1,75 Milligramm Glyphosat je Kilogramm Körpergewicht.
Die ersten, jetzt veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass sowohl Glyphosat als auch Roundup selbst in diesen kleinen Mengen die Darmflora der Versuchstiere schon deutlich verändert hatten, noch bevor sie die Pubertät erreichten. Welche gesundheitlichen Auswirkungen dies haben könne, müsse weiter erforscht werden, schreiben die Wissenschaftler.
Verändert haben sich nach Angaben des Ramazzini-Instituts auch biologische Parameter, die mit der geschlechtlichen Entwicklung der Tiere in Zusammenhang stehen, insbesondere bei weiblichen Ratten. Zudem sei bei jungen Tieren bei entsprechenden Tests eine signifikante Zunahme sogenannter Mikrokerne beobachtet worden. Dies gilt als Hinweis auf eine verstärkte Schädigung des Erbguts. Die Aufsätze mit den Daten dieser Untersuchungen seien bei Fachzeitschriften eingereicht und würden bald veröffentlicht, schreibt das Institut.

Finanziert hat das Ramazzini-Institut diese ersten Untersuchungen durch eine Crowdfunding-Kampagne unter seinen italienischen Unterstützern. Es weist darauf hin, dass die auf drei Monate angelegten Versuche lediglich die Kindheit und die Pubertät der Tiere abdeckten. Bereits dabei habe sich gezeigt, dass sich Glyphosat langfristig im Körper der Tiere anreichere. Den jetzt gefundenen Hinweisen wollen die Forscher deshalb in einer Langzeitstudie über das gesamte Lebensalter der Tiere nachgehen. Um die dafür veranschlagten Kosten von fünf Millionen Euro zu decken, haben sie eine neue Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Unterdessen hat die Bürgerbewegung Campact der Bundesumweltministerin heute 450.000 Unterschriften gegen den Unkrautvernichter Glyphosat überreicht. Svenja Schulze (SPD) wiederholte ihre Absicht, „den grundsätzlichen Glyphosat-Ausstieg in dieser Legislaturperiode zügig anzugehen“. [lf/vef]

16.05.2018 |

Wissenschaftler: kein Mückenschwund durch Gentech-Moskitos

Moskito Aedes aegypti Die Ägyptische Tigermücke (Foto: James Gathany, US Department of Health and Human Services / wikipedia, gemeinfrei)

Hunderttausende gentechnisch veränderter Tigermücken wurden in den vergangenen Jahren auf den Kaiman-Inseln ausgesetzt, damit die Insekten sich selbst ausrotten. Sie könnten die Population um 90 Prozent reduzieren, behauptete Hersteller Oxitec mehrfach. Die britische Organisation GeneWatch legte jetzt interne Behördenmails vor, wonach die Zahl der stechenden Mückenweibchen sogar stieg.
Zu diesem Ergebnis seien Wissenschaftler der staatlichen Mückenkontrollbehörde MRCU gekommen, heißt es in dem Bericht, den GeneWatch jetzt vorstellte. Dass die Gesamtzahl ägyptischer Tigermücken (Aedes aegypti) signifikant gesunken sei, belegten die vorliegenden Zahlen nicht, heißt es in einer Mail eines MRCU-Mitarbeiters. Die Behauptung der Hersteller, die Zahl der Tigermücken könne mithilfe der Gentech-Verwandten um bis zu 90 Prozent reduziert und die Population damit nahezu ausgerottet werden, sei übertrieben gewesen. Die Firma Oxitec, eine Ausgründung der Oxford University, verändert die Gene der männlichen Tigermücken so, dass der Nachwuchs bereits im Larvenstadium stirbt.
Der Bericht von GeneWatch zeigt außerdem, dass anders als von den Organisatoren behauptet, auch Zehntausende weiblicher Tigermücken freigesetzt worden sein könnten. Nach Stichprobenzählungen bezweifelt ein MRCU-Wissenschaftler, dass Oxitecs Technik ausreichend ausgereift ist, um die weiblichen Mücken bei der Zucht in riesigen Brutschränken auszusortieren. Der Bevölkerung war versichert worden, man lasse nur männliche Tigermücken fliegen, die nicht stechen und damit auch keine Krankheiten übertragen können. Weibliche Tigermücken sind Hauptüberträger des gefährlichen Dengue-Fiebers und des Zika-Virus, weshalb sie auch Gelbfiebermücken genannt werden.
Gesundheitsministerium und die Mückenkontrollbehörde MRCU bestätigten dem Portal Caymannewsservice nach eigenen Angaben die Recherchen. Sie wollen sich demnächst offiziell dazu äußern. Die Organisation GeneWatch hatte sich unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz Einblick in den Email-Verkehr der MRCU erstritten. GeneWatch zitiert Mails, wonach der Jahresbericht der MRCU zum Mückenversuch teilweise von Oxitec verfasst worden sei. Dort sei zu lesen, die Population von Aedes aegyptii im Versuchsgebiet West Bay sei um 60 Prozent verringert worden. Ein MRCU-Mitarbeiter warnte davor, den Ruf der MRCU mit solchen Behauptungen aufs Spiel zu setzen.
Auch für das Gesundheitsministerium von Malaysia, wo Oxitec 2010 versuchsweise Gentech-Mücken freiließ, ist die Methode laut GeneWatch wenig praktikabel und zudem teuer. Die malaysische Regierung habe mit Gesamtkosten von fast 26 Millionen Dollar gerechnet, um die Gentech-Mücken in vier ausgewählten Staaten freisetzen zu können, heißt es in dem Bericht. In Panama waren 2014 rund 300.000 gv-Tigermücken zum Gesamtpreis von 620.000 Dollar freigesetzt worden. Folgeprojekte im Millionenhöhe wollte die Regierung dort nicht mehr finanzieren.
Zwar behauptete Oxitec auch in Panama, die Zahl der Tigermücken sei im Testgebiet um 90 Prozent reduziert worden. GeneWatch vermisst hier allerdings ebenfalls ausreichende Daten, die das belegen. Oxitec zähle meist nur die Larven und nicht die erwachsenen Mücken, kritisiert die Organisation. Außerdem habe sich die Befürchtung vieler Naturschützer bestätigt, dass verwandte Arten sofort in die entstehende Lücke drängen: Im Testgebiet stieg plötzlich die Zahl asiatischer Tigermücken (Aedes albopictus).
Auch auf den Kaimans hat man sich vom ursprünglichen Plan verabschiedet, das bislang begrenzte Pilotprojekt auf die größte der drei Karibik-Inseln auszuweiten. Anfang des Jahres hieß es, die Kosten von acht Millionen Dollar seien zu hoch. GeneWatch vermutet den wahren Grund jetzt im mangelnden Erfolg der Aktion. Die Mückenkontrollbehörde MRCU macht sich unterdessen Gedanken über Alternativen. [vef]

14.05.2018 |

Glyphosat: Die Mischung macht das Gift

RoundUp Monsanto (Foto: Mike Mozart, http://bit.ly/2yIfwuQ, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/) RoundUp Monsanto (Foto: Mike Mozart, bit.ly/2yIfwuQ, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Gebrauchsfertige Pestizidmischungen mit Glyphosat sind für menschliche Zellen weitaus giftiger als Glyphosat als isolierter Wirkstoff. Das zeigen Forschungsergebnisse des US-Gesundheitsministeriums.

Das National Toxicology Programm (NTP) des US-Gesundheitsministeriums vergleicht derzeit die Wirkungen von Glyphosat als isolierter Substanz mit Pestizidmischungen, die neben Glyphosat auch Chemikalien enthalten, die dafür sorgen, dass sich der Wirkstoff gut auf der Blattoberfäche verteilt und in das Blatt einzieht. Erste Ergebnisse dieser Untersuchungen hat die Organisation U.S. Right to Know veröffentlicht. Die NTP-Forscher hatten verschiedene menschliche Zell-Linien mit Glyphosat alleine und als Vergleich dazu mit fertigen Pestizidmischungen wie Roundup behandelt. Dabei zeigte sich, dass die Pestizidmischungen weitaus mehr oxidativen Stress in den Zellen auslösten und sogar Zellen abtöteten, während Glyphosat alleine kaum Effekte auslöste. Die Mischungen seien bis zu 1000-fach potenter gewesen, heißt es in der Untersuchung. Diese ersten Ergebnisse belegten allerdings nicht, dass die Mischungen Krebs oder andere Krankheiten verursachen würden, schränkte Mike DeVito, der Leiter des NTP-Fotschungsprogramms, gegenüber der britischen Tageszeitung "The Guardian" ein. Um das festzustellen, seien weitere Untersuchungen notwendig.

Erschwert werden diese dadurch, dass der amerikanische Hersteller Monsanto die genaue Zusammensetzung seiner Pestizide nicht offenlegt. „Wir kennen die Rezepturen nicht, das sind Geschäftsgeheimnisse“, erklärte DeVito dem Guardian. Eine ebenfalls von US Right to Know veröffentlichte Zusammenfassung eines Treffens von Mitarbeitern der US-Umweltbehörde EPA und Monsanto im Frühjahr 2016 legt nahe, dass auch die Behörde keine Daten über Monsantos Pestizidmischungen hat. Man sei an jeglichen Informationen interessiert, die Monsanto über Unterschiede zwischen Wirkstoff und Pestizidmischung habe, heißt es darin.
The Guardian wirft die Frage auf, ob Monsanto selbst jemals die Giftigkeit der fertigen Mischungen untersucht hat und verweist auf interne Monsanto-Emails aus den Jahren 2003 und 2010. In ihnen schrieben Mitarbeiter des Konzerns, dass fertige Pestizide nicht auf ihre krebserzeugende Wirkung hin überprüft worden seien.

Die Ergebnisse des NTP könnten auch Folgen für die Neuzulassung glyphosathaltiger Pestizide in Deutschland haben. Nachdem die EU den Wirkstoff Gyphosat für weitere fünf Jahre zugelassen hat, muss nun das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) entscheiden, ob es 36 glyphosathaltige Spritzmittel in der Bundesrepublik neu zulässt. Das BVL selbst schreibt, dass ein Antragsteller mit dem Zulassungsantrag für ein Pflanzenschutzmittel alle Einzelheiten der Rezeptur mitteilen müsse. Bei der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels werde auch geprüft, ob Beistoffe wie Lösungsmittel, Emulgatoren, Trägerstoffe, Farbstoffe oder Treibgase bedenklich hinsichtlich der Gesundheit oder Umwelt seien. „Grundlage für die Bewertung sind zunächst die vorhandenen Daten und Informationen“. Weiterhin müssten bestimmte toxikologische und ökotoxikologische Studien mit dem Pflanzenschutzmittel durchgeführt werden. „Wenn Fragen offen bleiben, können die Behörden auch gezielt bestimmte Studien mit einzelnen Beistoffen verlangen.“ Bereits Anfang des Jahres hatte eine französische Studie gezeigt, dass glyphosathaltige Pestizide giftiger auf Zellen wirkten als Glyphosat alleine. [lf]

10.05.2018 |

USA: Geplante Gentechnik-Kennzeichnung stößt auf Kritik

USA Kennzeichnung Protest Labelling Demo für Gentechnik-Kennzeichnung in Connecticut 2013 (Foto: CT Senate Democrats / flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hat einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, wie künftig in den USA gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden sollen. Verbraucherorganisationen kritisierten die Vorlage, weil die Informationen nicht auf der Verpackung stehen müssen, sondern hinter einem QR-Code versteckt werden können.

Bereits im Sommer 2016 hatte der US-Kongress beschlossen, dass es eine US-einheitliche Gentechnik-Kennzeichnung geben soll. Dabei sollten die Lebensmittelhersteller zwischen drei Möglichkeiten wählen können, um ihre Gentechnikzutaten zu deklarieren: Sie schreiben sie direkt auf die Verpackung; sie verweisen für mehr Informationen auf eine Telefonnummer oder eine Internetseite; oder sie drucken einen sogenannten QR-Code auf die Verpackung. Mit dessen Hilfe könnten Smartphone-Nutzer zu entsprechenden Informationen im Netz gelangen. Der Kongress beauftragte das USDA damit, bis Ende Juli 2018 die Detailregelungen vorzulegen. Dies hat die Behörde jetzt getan. Nach einer 60-tägigen Frist für öffentliche Kommentare will sie dann die endgültige Regelung verabschieden.

Die Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS) kritisierte die Kennzeichnung über QR-Codes. Gerade Menschen in ländlichen Gebieten, alte Menschen und solche mit wenig Einkommen verfügten oft nicht über Smartphones und die notwendigen Breitbandverbindungen, um die Informationen hinter den QR-Codes abrufen zu können. 100 Millionen US-Amerikaner würden so von der Information über Gentechnik-Zutaten ausgeschlossen. Dies habe das USDA selbst in einer Studie bestätigt. „Das USDA sollte Textangaben auf der Verpackung oder die Verwendung von Symbolen als einzige faire und effektive Möglichkeit der Kennzeichnung vorschreiben“, sagte CFS-Geschäftsführer Andrew Kimbrell.

Er kritisierte auch, dass das USDA die seit 30 Jahren eingeführten Bezeichnungen ‚gentechnisch verändert’ oder GVO (gentechnisch veränderter Organismus) nicht verwenden wolle und statt dessen den Begriff ‚biotechnologisch’ (bioengineered) oder die Abkürzung ‚BE’ vorschreiben wolle. Das verwirre die Verbraucher und führe sie in die Irre, sagte Kimbrell. Offen lässt der USDA-Vorschlag laut CFS, ob auch stark verarbeitete Lebensmittel wie Öl aus Gentech-Soja oder Zucker aus Gentech-Zuckerrüben gekennzeichnet werden sollen. Auch beim Umgang mit Zutaten aus Genome Editing will das USDA erst die Kommentare abwarten, bevor es sich endgültig festlegt. Das CFS hat deshalb dazu aufgerufen, die Kommentierungsphase dazu zu nutzen, eine seriöse Kennzeichnung zu verlangen. [lf]

07.05.2018 |

Warnung vor Mega-Schädling: Der Baumwollkapselbohrer wird immer resistenter

Baumwolle Texas Baumwolle, hier in Texas, also fast sicher Gentechnik (Foto: Jay Phagan / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Die Baumwollfarmer in Texas und anderen Bundesstaaten im Süden der USA könnten in diesem Jahr große Probleme mit dem Baumwollkapselbohrer bekommen, warnt Insektenforscher David Kern von der texanischen A&M-Universität. Denn der Nachtfalter mit seinen gefräßigen Raupen wird zunehmend immun gegen die Gifte der gentechnisch veränderten (gv-) Baumwollpflanzen.

Die in den USA angebaute gv-Baumwolle produziert Bt-Toxine, das sind Insektengifte, die die Raupen der Falter töten. Bt steht für Bacillus thuringiensis, der diese Gifte produziert. Die erste Generation dieser Baumwoll-Pflanzen, etwa Bollguard I von Monsanto, beschränkte sich auf ein Toxin, Cry1Ac genannt. Da immer mehr Kapselbohrer dagegen resistent wurden, brachten Monsanto und die Mitbewerber neue Pflanzen auf den Markt, die zusätzlich Cry 2 – Toxine produzierten. Insektenforscher Kern stellte nun fest, dass die von ihm untersuchten Populationen des Schädlings in den südlichen Bundesstaaten fast alle gegen das Bt-Toxin Cry1Ac resistent waren. „70 bis 75 Prozent dieser Populationen zeigen auch eine Resistenz gegenüber den Cry2 Toxinen”, sagte Kern dem Magazin Cotton Grower. Ebenso von Resistenzen betroffen seien Pflanzen mit den Toxinen Cry1Ac and Cry1F. Laut Kern ist die einzige noch wirksame Variante derzeit das Bt-Toxin Vip3A, das ebenfalls von Monsanto entwickelt und in die neueste Generation von Gentech-Baumwolle (Bollguard III) eingebaut wurde. Doch sei dieses Toxin in gv-Baumwolle weniger effektiv als im gv-Mais. Der Insektenforscher empfiehlt den Landwirten deshalb zu beobachten, ob sich der Schädling in den Feldern breit macht und ihn dann mit Pestiziden zu bekämpfen.

Wissenschaftler der australischen Risikobewertungsbehörde CSIRO warnen, dass auf die Landwirte in den USA (und anderswo) noch eine weit größere Bedrohung zukommen könnte. Denn der in Amerika heimische Kapselbohrer (Helicoverpa zea) kann sich mit der nahe verwandten und in Europa und Asien vorkommenden Baumwollkapsel-Eule (Helicoverpa armigera) paaren. Erste Hybride mit dem Erbgut beider Arten haben die Wissenschaftler in Brasilien gefunden. Helicoverpa armigera sei berüchtigt dafür, dass sie sehr schnell Resistenzen entwickle und diese auch weitergebe. Zudem könne sie weitaus mehr Pflanzenarten schädigen als der Kapselbohrer, heißt es in der Studie der Australier. Wenn sich diese Hybriden als eigene Art etablieren, würde dieser Mega-Schädling eine Bedrohung der Ernten in Amerika und darüber hinaus bedeuten. Zwei Drittel der US-Ernte könnten betroffen sein, warnte CSIRO.

Meldungen über Bt-resistente Schädlinge gibt es seit inzwischen zehn Jahren: Sie betreffen nicht nur den Baumwollkapselbohrer, sondern auch andere Arten wie den Baumwollkapselwurm, den Heerwurm oder den Maiswurzelbohrer. Schon vor zwei Jahren verkündeten deshalb Wissenschaftler der Texas A&M Universität das Ende der gentechnisch veränderten Bt-Pflanzen. „Cry-Toxine hatte ihre Berechtigung und sie werden noch eine ganze Weile angewendet werden, aber die Ära der Cry-Toxine scheint dem Ende zuzugehen.“ [lf]

30.04.2018 |

EU-Kommission genehmigt BASF-Bayer-Deal mit Auflagen

Mnst Bayer-Monsanto (Foto: Friends of the Earth Europe, bit.ly/3CC-BY-NC-SA20, bit.ly/foee8)

Die Europäische Kommission hat die Übernahme von Teilen des Saatgut- und Pestizidgeschäfts von Bayer durch BASF unter Auflagen genehmigt. Der Verkauf war eine der Bedingungen für die Zustimmung der Kommission zur Fusion von Monsanto und Bayer.

Laut Mitteilung der EU-Kommission darf BASF das gesamte Gemüsesamen-Geschäft von Bayer übernehmen, sowie das Geschäft mit Saatgut für großflächigen Anbau, einschließlich der weltweiten Forschung und Entwicklung. Ebenfalls im Paket enthalten ist die Produktion ds Herbizids Glufosinat, ein Teil der Saatgutbehandlung sowie der Produktbereich digitale Landwirtschaft.

„Da BASF derzeit weder Saatgut noch Totalherbizide vertreibt und erst seit Kurzem in geringem Umfang in der digitalen Landwirtschaft tätig ist, hatte die Kommission für weite Teile der Übernahme keine Wettbewerbsbedenken“, heißt es in der Mitteilung der Kommission. Als Auflage verfügte die Kommission, dass BASF ein Forschungsprogramm für Totalherbizide und das im Entwicklungsstadium befindliche Nematizid Trunemco zur Saatgutbehandlung veräußern muss. Prüfen will die Kommission noch, „ob BASF in der Lage ist und einen Anreiz hat, die erworbenen Vermögenswerte und Produkte weiterzuführen und zu entwickeln, sodass BASF Bayer als aktiven Wettbewerber auf dem Markt ersetzen kann.“ Insgesamt soll BASF für die von Bayer übernommenen Unternehmensteile neben den bereits bekannten 5,9 Milliarden Euro weitere 1,7 Milliarden Euro bezahlen, meldete die Frankfurter Allgemeine.

Inzwischen haben auch die russischen Kartellbehörden der Bayer-Monsanto-Fusion zugestimmt – ebenfalls mit Auflagen, So muss Bayer ein Forschungszentrum im Land bauen und bestimmte Technologien mit russischen Agrarunternehmen teilen. Die Genehmigung der US-Kartellbehörde lässt weiter auf sich warten. Allerdings meldete das Wall Street Journal bereits vor drei Wochen, dass die beiden Unternehmen und das US-Justizministerium eine grundsätzliche Einigung erzielt hätten. [lf]

27.04.2018 |

EU-Kommission wird drei bienenschädliche Insektengifte verbieten

Biene Fleißige Biene im Anflug (Foto: autan/Flickr.com)

UPDATE +++ Die Europäische Kommission wird zum Jahresende drei bienengiftige Insektizidwirkstoffe im Freiland verbieten, teilte eine Sprecherin heute mit. Zuvor hatten die EU-Mitgliedsstaaten mehrheitlich dafür votiert, darunter Deutschland. Ein breites Verbändebündnis und die Grünen fordern, sämtliche sogenannte Neonikotinoide aus der Umwelt zu verbannen.
Die EU-Kommission will den Einsatz der Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam der Klasse der Neonikotinoide im Freiland komplett untersagen. In Gewächshäusern bleiben sie zugelassen, die dort behandelten Pflanzen dürfen aber später nicht im Freien ausgepflanzt werden, informierte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Die Regelung soll laut EU-Kommission Ende des Jahres in Kraft treten. Danach müssen die Mitgliedsstaaten die Zulassungen von Insektengiften mit diesen Wirkstoffen innerhalb von drei Monaten widerrufen oder entsprechend den neuen Vorgaben ändern. In Deutschland betrifft das laut BVL 14 Pflanzenschutzmittel, mit neun davon wird Zucker- und Futterrübensaatgut behandelt.
Experten zufolge können die drei Neonikotinoide Bienen bereits bei einer niedrigen Dosierung lähmen, töten oder Lernvermögen und Orientierungsfähigkeit beeinträchtigen. „Sie schädigen auch Bodenlebewesen wie Regenwürmer, Ameisen und Springschwänze“, so BUND-Pestizidexpertin Corinna Hölzel. Schon 2013 hatte die Europäische Union ihren Einsatz deshalb eingeschränkt. Nach Informationen des grünen Bundestagsabgeordneten Harald Ebner hat das jedoch nicht dazu geführt, dass weniger Neonikotinoide eingesetzt wurden. Ende Februar 2018 legte die EU-Lebensmittelbehörde EFSA eine neue Bewertung vor, die bestätigte, dass die drei Neonics für Honigbienen, Hummeln und Wildbienen gefährlich sind.
Leif Miller, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) wies darauf hin, dass derzeit EU-weit noch vier weitere Neonikotinoide zugelassen sind, sowie mehrere ähnlich wirkende Insektizide. Umwelt- und Bienenschützer befürchten nun, dass die Landwirte verstärkt auf die verbliebenen Neonikotinoide ausweichen werden, vor allem das häufig verwendete Thiacloprid. Imkermeister Thomas Radetzki von der Aurelia-Stiftung warnt: "Auch wenn Thiacloprid die Bienen nicht direkt tötet, sind die Störungen im Nervensystem für ihr Überleben genauso gefährlich wie bei den Neonikotinoiden, die jetzt verboten werden sollen."
Ein breites Bündnis von mehr als 40 Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbänden fordert daher die gesamte Wirkstoffgruppe EU-weit zu verbieten. Alternativ könnte die Bundesregierung die Neonikotinoide wie Frankreich national verbieten, heißt es in einem Forderungspapier zum Aktionsplan Insektenschutz, das gestern vorgelegt wurde. Ähnlich sieht das der grüne Abgeordnete Harald Ebner: „Wenn Agrarministerin Julia Klöckner ihre Ankündigungen ernst meint, müssen auch alle anderen Neonikotinoide schleunigst vom Markt. Die Zulassung neuer Gifte mit gleicher Wirkungsweise muss gestoppt werden.“ Nur alte Gifte durch ähnliche neue, genauso gefährliche Stoffe zu ersetzten, wäre Etikettenschwindel, kritisiert der Pestizid-Experte. Ferner müsse die Bundesregierung Importe von Saatgut stoppen, das mit nicht zugelassenen Neonikotinoiden behandelt sei.
Doch die Bundeslandwirtschaftsministerin möchte erst einmal den Erfolg feiern: "Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen“, sagte Julia Klöckner (CDU). Sie seien wichtig für die Landwirtschaft. Über die Forderung, sämtliche Neonikotinoide zu verbieten, wolle sie nur auf «wissenschaftlicher Grundlage» diskutieren, sagte Klöckner im Bayerischen Rundfunk. Man brauche auch "Erntesicherheit, Nahrungsmittelsicherheit. Und dazu brauchen wir auch die Bekämpfung von Schädlingen." [vef]

25.04.2018 |

Gentech-Pflanzen nach Europa importieren? Auch neue GroKo enthält sich

KWS Zuckerrübe Mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben verzeichnet KWS in den USA bereits hohe Umsätze (Foto: KWS)

UPDATE +++ Die Verwunderung währte nur kurz: Deutschland hat dafür gestimmt, Zucker aus einer gentechnisch veränderten Zuckerrübe weiter für den Import in die Europäische Union zuzulassen? Sollten die alten Fronten zwischen CDU-geführtem Agrar- und SPD-Umweltministerium beim Thema Gentechnik in der neuen Koalition gefallen sein? Irrtum. Beim Gentech-Mais waren sie am Montag wieder da: Die Bundesregierung hat sich wie gewohnt enthalten.
Doch der Reihe nach: Bereits im März war im zuständigen Ausschuss in Brüssel darüber abgestimmt worden, ob Zucker oder Melasse aus der Gentech-Zuckerrübe H7-1 für weitere zehn Jahre nach Europa importiert werden dürfen. Wie damals hat die Bundesregierung auch heute im Berufungsausschuss dafür gestimmt, bestätigte eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums. Begründung: Es würden nur Produkte aus der Zuckerrübe importiert, keine lebenden Pflanzenteile. Auswirkungen auf die Umwelt in Deutschland und in der EU seien nicht zu erwarten, erklärte die Sprecherin. So kam es zur ungewohnten Einigkeit mit dem Agrarministerium unter Julia Klöckner (CDU), das laut NDR darauf verwies, dass auch die EFSA keine Bedenken gegen die Rübenprodukte habe. Und wenn beide Ministerien einig sind, stimmt Deutschland in Brüssel für die Zulassung.
Das Umweltministerium verwies allerdings darauf, dass es sich hier um einen Sonderfall handele. „Diese Wiederzulassung ist keine Erlaubnis zum Anbau oder Import lebender Pflanzenteile der gentechnisch veränderten Zuckerrübe“, betonte die Sprecherin. „Dem hätte Deutschland nicht zugestimmt.“ Ihr Ministerium und die neue Ministerin Svenja Schulze (SPD) blieben bei allen umweltrelevanten Zulassungsfragen von Gentech-Pflanzen, etwa wenn es um vermehrungsfähiges Material gehe, bei der bisherigen ablehnenden Haltung.
Am Abstimmungsergebnis in Brüssel hat die deutsche Einigkeit nichts geändert: In beiden Ausschüssen kam weder für noch gegen den Import der Rübenprodukte die erforderliche qualifizierte Mehrheit zustande, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission auf Anfrage mit. Nun wird die EU-Kommission sie voraussichtlich selbst für weitere zehn Jahre zulassen. Sehr zum Ärger des grünen Europa-Abgeordneten Martin Häusling, der es einen Skandal findet, dass rund 150 solcher gv-Produkte auf dem europäischen Markt regelmäßig stillschweigend verlängert werden.
Die KWS Saat SE, welche die glyphosatresistente Zuckerrübe H7-1 zusammen mit Monsanto entwickelt hat, beruft sich auf die Risikoeinschätzung der EFSA: Es gebe keine neuen Erkenntnisse, die auf Gefahren durch die Rüben-Produkte hinwiesen. Mithilfe des Agrobacterium tumefaciens wird die Wirkung des Pflanzengifts Glyphosat auf die Zuckerrübe durchbrochen. Da kristalliner Zucker keine Gene mehr enthalte, sei der Zucker aus der H7-1 von anderen Sorten nicht zu unterscheiden, sagte ein KWS-Sprecher.
Der amerikanische Markt, wo fast ausschließlich KWS-Rüben angebaut werden, sieht das offenbar anders. Wie das Portal transgen.de berichtete, wollen immer mehr große Lebensmittelunternehmen keinen Zucker aus gentechnisch veränderten Rüben mehr verarbeiten. Sie reagieren damit auf die wachsende Nachfrage nach gentechnikfreien Produkten. Firmen wie Hershey, Danone, Del Monte oder Ben and Jerry’s gingen dazu über, nur noch Zucker aus Zuckerrohr für ihre Produkte zu verwenden, schrieb transgen.
Doch zurück nach Europa: Diesen Montag ging es im zuständigen Ausschuss in Brüssel wieder um gentechnisch veränderte Pflanzen, diesmal allerdings auch um den Import der Pflanzen selbst. Abgestimmt wurde über verschiedene Maissorten mit mehreren Genveränderungen, die zu unterschiedlichen Resistenzen führen. Das Agrarministerium war für deren Import, das Umweltministerium dagegen. Und Deutschland musste sich – wie aus vielen Jahren großer Koalition gewohnt – der Stimme enthalten. Auch mit der Maiszulassung wird sich, mangels erforderlicher Mehrheit, der Berufungsausschuss befassen müssen und – wer würde sich darüber noch wundern - am Ende vermutlich die EU-Kommission. Also alles wie gehabt, in Deutschland und Europa. [vef]

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