18.01.2021 |

Indien erlaubt Import wichtiger Agrarrohstoffe nur gentechnikfrei

Soja Schrot Export Import Brasilien Brasilianisches Soja für Tierfutter; Foto: Roosewelt Pinheiro/Abr [http://bit.ly/1UNaYle, creativecommons.org/licenses/by/3.0/br/deed.en], via Wikimedia Commons

Die indische Lebensmittelbehörde FSSAI hat vorgeschrieben, dass Importeure für 24 wichtige Agrarrohstoffe nachweisen müssen, dass sie gentechnikfrei sind. Die Regelung sollte zum Jahreswechsel in Kraft treten; das wurde jedoch kurzfristig um zwei Monate verschoben. Hinter den Kulissen drängen vor allem die USA darauf, das Verbot zu kippen.

Die ursprüngliche Anordnung hatte die FSSAI am 21. August 2020 veröffentlicht. Darin hieß es, jede Lieferung solle von einem Gentechnikfrei-Zertifikat begleitet sein, das „die zuständige nationale Behörde des Exportlandes“ auszustellen habe. Der Anhang listete 24 Rohstoffe auf, darunter Weizen, Kartoffeln, Mais, Sojabohnen, Raps, Zuckerrüben, Luzerne, Reis und Leinsaat. In einem Interview im indischen Financial Express erklärte der Geschäftsführer der FSSAI, Pawan Kumar Agarwal, dass es derzeit in Indien ein „regulatorisches Vakuum“ gebe, da die Zulassung und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel nicht geregelt sei.

Nun ist es nicht so, dass es in Indien bisher keine Regelungen für den Import von gentechnisch veränderten Lebensmitteln gegeben hätte. Die Kompetenz hierfür lag, wie der Financial Express erläuterte, bei der Behörde GEAC im Umweltministerium. Im August 2017 entschied jedoch der Oberste Gerichtshof, dass es die Aufgabe der FSSAI sei, die gesundheitlichen Risiken gentechnisch veränderter Lebensmittel zu bewerten und diese zuzulassen. Der Gerichtshof beauftragte die Lebensmittelbehörde, dem Parlament entsprechende Gesetzesvorschläge vorzulegen. Daran arbeite seine Behörde und sie werde eine verpflichtende Kennzeichnung für gentechnisch veränderte Lebensmittel vorschlagen, sagte Agarwal im Interview. Bis dahin soll die Verordnung der FSSAI „sicherstellen, dass nur gentechnikfreie Nahrungsmittelpflanzen nach Indien importiert werden, bis die Vorschriften für gentechnisch veränderte Lebensmittel abgeschlossen sind.“

Um diese Vorgaben umzusetzen, müsse das FSSAI allerdings umfassende Tests durchführen, die Hilfe aufmerksamer Bürger in Anspruch nehmen und auf Beschwerden im Zusammenhang mit vermuteten gentechnischen Verunreinigungen reagieren, mahnte Kavitha Kuruganti von der Alliance for Sustainable & Holistic Agriculture in der Zeitung The Hindu. „Es ist bemerkenswert, dass die FSSAI diese Entscheidung trotz des Drucks von starken Lobbygruppen getroffen hat“, zitierte die Zeitung den Landwirtschaftsexperte Devinder Sharma. Dieser beziehe sich auf die Kampagne eines indisch-amerikanischen Wirtschaftsverbandes, der die Regierung gedrängt habe, fünf Prozent transgene Bestandteile in Agrarrohstoffen zuzulassen, erläuterte The Hindu.

Die Zeitung berichtete auch, dass sich die USA, Brasilien, Australien und einige andere Länder bei der Welthandelsorganisation WTO beschwert hätten. Die indische Regelung würde eine „unangemessene Belastung“ für exportierende Länder darstellen und den Eindruck erwecken, gentechnisch veränderte Lebensmittel seien weniger sicher als herkömmliche. Die FSSAI werde alle erhaltenen Kommentare überprüfen und auf bilateralem Weg eine für beide Seiten akzeptable Lösung finden, zitierte The Hindu einen indischen Diplomaten. Bereits davor hatte das FSSAI klargestellt, dass die Anordnung nicht für verarbeitete Lebensmittel gelte, sondern nur für Lebensmittelrohstoffe. Tierfutter war von vornherein nicht in der Anordnung enthalten. Allerdings hätte Indien nicht dargelegt, wie es feststelle, für welchen Verwendungszweck ein Agrarimport gedacht sei, zitierte The Hindu aus der Beschwerde der USA.

Innenpolitisch bekommt die FSSAI Druck, die Regelungen noch zu verschärfen. Swadeshi Jagran Manch, eine einflussreiche Vorfeldorganisation der regierenden Hindu-Partei BJP, forderte die FSSAI in einem Schreiben auf, auch für verarbeitete Lebensmittel beim Import ein Gentechnikfrei-Zertifikat zu verlangen. Zudem solle FSSAI die noch von der GEAC erteilten Importgenehmigungen für Öl aus gentechnisch verändertem Raps und Soja widerrufen. [lf]

12.01.2021 |

Mexiko verbietet Gentech-Mais und Glyphosat bis 2024

Mais  Foto: CCO Mais Foto: CCO

Der mexikanische Präsident López Obrador hat einen Erlass verkündet, nach dem die Anwendung glyphosathaltiger Pestizide in den nächsten drei Jahren auslaufen soll. Zudem sollen alle Genehmigungen, gentechnisch veränderten Mais anzubauen oder als Lebensmittel zu verwenden, widerrufen werden. Das Dekret soll bis 31. Januar 2024 vollständig vollzogen sein.

Den Glyphosat-Ausstieg hatte das mexikanische Umweltministerium bereits im Sommer 2020 angekündigt. Mit dem nun veröffentlichten Erlass wird der Ausstieg offizielle Regierungspolitik. Er verbietet der öffentlichen Hand in Mexiko, glyphosathaltige Pestizide zu kaufen oder einzusetzen und verpflichtet Behörden dazu, sich in ihrem Bereich für Alternativen einzusetzen. Eigens erwähnt werden dabei neben dem Umwelt- auch das Landwirtschaftsministerium und der Nationale Rat für Wissenschaft und Technologie. Er soll den zuständigen Behörden jedes Jahr empfehlen, wieviel Glyphosat noch importiert werden darf. Parallel dazu sollen bis spätestens Mitte 2023 die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, Glyphosat bis 31. Januar 2024 komplett zu verbieten.

Bis zu diesem Datum will die Regierung sich auch von gentechnisch verändertem (gv) Mais verabschieden. Das Dekret weist die zuständigen Behörden nicht nur an, Genehmigungen für Anbau und Verzehr von gv-Mais zu widerrufen und keine neuen zu erteilen. Es verbietet auch seinen Import. Diese Maßnahmen sollen die Ernährung der Bevölkerung sichern, den einheimischen Mais, den biokulturellen Reichtum, die bäuerlichen Gemeinschaften und die Gesundheit des mexikanischen Volkes schützen, heißt es im Text. Mexiko gilt als Ursprungsland der Maispflanze mit einer großen Vielfalt an traditionellen Maissorten.

Zur Begründung seines Erlasses beruft sich der Präsident auf das Vorsorgeprinzip sowie die UN-Konvention über die biologische Vielfalt und das dazugehörige Protokoll von Cartagena über die biologische Sicherheit. Er stellt den Ausstieg als Teil seiner Landwirtschaftspolitik dar, die „dem Ziel der Selbstversorgung und Ernährungssouveränität“ dienen soll. Dazu wolle die Regierung eine „nachhaltige und kulturell angepasste landwirtschaftliche Produktion anstreben“ und „agroökologische Praktiken und Betriebsmittel einsetzen, die für die menschliche Gesundheit, die biokulturelle Vielfalt des Landes und die Umwelt sicher sind“.

Dieses Bekenntnis ließ die Bio-Bauern im Land jubeln. „Es ist ein großer Sieg“, zitierte die Agentur Reuters Homero Blas, den Vorsitzenden des Verbandes der mexikanischen Bio-Erzeuger. Die Sprecherin des Bauernverbandes, Laura Tamayo, hingegen beklagte gegenüber der Agentur, dass der Ausstieg die mexikanischen Bauern im Vergleich zu den Konkurrenten benachteilige - etwa gegenüber den Maisbauern in den USA. Auch sei der Import von gv-Mais unverzichtbar für viele Produkte der Lebensmittelkette. Reuters merkte an, dass Tamayo auch eine regionale Unternehmensleiterin des Bayer-Konzerns sei, zu dem der Glyphosathersteller Monsanto gehört. [lf]

21.12.2020 |

Gentechnik-Lachs mutiert zum Landtier

Aquabounty Lachs Fisch AquAdvantage Gentechnisch veränderter Lachs (Foto: ©Aquabounty)

Zu Weihnachten 2020 hat er es nicht mehr auf die Teller der US-Bürger geschafft, der gentechnisch veränderte AquAdvantage-Lachs von AquaBounty. Doch im kommenden Jahr will das Unternehmen durchstarten und die erste Lachs-Ernte seiner US-Farm vermarkten. Dass es im November zusammen mit der US-Zulassungsbehörde FDA vor Gericht unterlag, stört dabei nicht. Denn der Gentech-Lachs wächst auf dem Land heran.

Anfang November entschied ein Bundesgericht in Kalifornien, dass die Food and Drug Administration (FDA), als sie 2015 den AquAdvantage-Lachs zuließ, gegen wesentliche US-Umweltgesetze verstoßen habe. Das Gericht verurteilte die Behörde dazu, gründlich abzuschätzen, welche Folgen es hat, wenn der schnell wachsende, übergroße Gentech-Lachs entkommt und sich mit wildlebenden Tieren paart. Die Argumentation der FDA, sie sei für Umweltgutachten nicht zuständig, wischte der aus den Glyphosat-Prozessen bekannte US-Bundesrichter Vince Chhabria vom Tisch.

Eingereicht hatte die Klage eine Koalition aus Umweltschützern und Fischern, angeführt vom Center for Food Safety (CFS) und Earthjustice. „Gentechnisch veränderte Tiere schaffen neuartige Risiken und die Regulierungsbehörden müssen diese rigoros mit Hilfe von solider Wissenschaft analysieren und nicht den Kopf in den Sand stecken, wie es die Beamten hier getan haben“, kommentierte CFS-Rechtsvorstand George Kimbrell.

AquaBounty-Vorständin Sylvia A. Wulf erklärte, diese Entscheidung habe keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb. Dies hat einen einfachen Grund: Es gibt derzeit keinen Gentech-Lachs, der in Gehegen im Ozean heranwächst. Das Unternehmen hat seine Strategie schon vor Jahren geändert. Auf Prince Edward Island in Kanada, wo einst der Lachs gezüchtet werden sollte, produziert das Unternehmen nur noch die gentechnisch veränderten Lachs-Eier – an Land. Aufgezogen und gemästet werden die Lachse in Zuchtbecken im US-Staat Indiana, Hunderte Meilen von der nächsten Küste entfernt. Im November 2019 hatte die FDA den Import der Eier erlaubt, nun sind die Lachse herangewachsen und AquaBounty will die Ernte einfahren. Die Kapazität der Zucht in Indiana liegt bei 1.200 Tonnen. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, in Kentucky eine Lachsfarm mit 10.000 Tonnen Kapazität bauen zu wollen, die 2023 in Betrieb gehen soll. Sylvia A. Wulf geht davon aus, dass ihr Lachs demnächst auf den US-Markt kommt: „Dieser Fall hat die Zulassung der FDA hinsichtlich der Gesundheit und Sicherheit unseres AquAdvantage-Lachses nicht in Frage gestellt.“ Der Lachs ist bisher das einzige gentechnisch veränderte Tier, das in den USA zum Verzehr zugelassen ist. Auch in Kanada darf der Fisch auf den Teller. Dort vermarktete AquaBounty erste Produktionen aus einer Testfarm in Panama – ohne Kennzeichnung. In den USA muss der Lachs, wenn er in die Geschäfte kommt, als Bioengineered Food gekennzeichnet werden.

Tatsächlich betrifft das Urteil AquaBounty dann, wenn das Unternehmen seine Lachs-Eier an andere Lachsfarmen verkaufen will, die ihre Tiere in Gehegen im Meer mästen. Denn je mehr Farmen auf eine solche Idee kämen, desto höher werde das Risiko, argumentierte Richter Chhabria in seinem Urteil. Die nationalen Umweltgesetze verlangten ausdrücklich, dass die FDA eine solche Entwicklung in ihrer Risikoabschätzung von Anfang an berücksichtigen müsse. [lf]

17.12.2020 |

EU-Parlament lehnt Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen mit Rekordmehrheit ab

Wie wird das europäische Parlament neue Gentechnik-Verfahren bewerten? (Foto: CCO, Pixabay) Wie wird das europäische Parlament neue Gentechnik-Verfahren bewerten? (Foto: CCO, Pixabay)

Die Europa-Abgeordneten haben die Kommission mit großer Mehrheit aufgefordert, fünf gentechnisch veränderten Pflanzen die beantragte Zulassung als Futter- und Lebensmittel zu verweigern. Die EU-Kommission wird die fünf Beschlüsse voraussichtlich ignorieren und die Zulassung erteilen. So wie in 43 Fällen davor. Doch wenn es im nächsten Jahr um die Frage geht, ob das EU-Gentechnikrecht zugunsten neuer Verfahren wie CRISPR/Cas geändert werden soll, dann zählt das Votum der Abgeordneten und kann nicht übergangen werden.

Deshalb werde genauer als sonst beobachtet, wie die Abstimmung ausgehe, schrieb das Magazin Politico im Vorfeld. Der Ausgang war deutlich: Von den 696 Abgeordneten lehnten je nach Gentechpflanze 472 bis 490 eine Zulassung ab. Weitere 22 bis 30 enthielten sich. Den gentechnikfreundlichen Kurs der EU-Kommission stützten 184 bis 194 Abgeordnete, das entspricht rund 27 Prozent. Im Mai 2020 lehnten 477 Abgeordnete die Zulassung der Gentech-Soja MON 87708 × MON 89788 × A5547-127 ab. Das sei bisher die höchste Zahl gewesen, schrieben damals einige Parlamentarier in einem Brief an Kommission-Vizepräsident Frans Timmermans. Sie wurde diesmal noch übertroffen, was sich vorsichtig als zunehmender Widerstand gegen die Agro-Gentechnik interpretieren lässt.

Zu denjenigen, die diese Abstimung genau beobachtet haben, dürfte das Bauernnetzwerk Via Campesina gehören. Es berichtete letzte Woche darüber, wie in Italien, Frankreich und auf EU-Ebene „eine kleine, aber mächtige Minderheit von Lobbygruppen der Saatgut- und Agrarindustrie“ darauf dränge, das Gentechnikrecht zu deregulieren. So würden im Landwirtschaftsausschuss des italienischen Parlaments derzeit vier Dekrete kursieren, die darauf abzielen, die Einführung neuer gentechnischer Verfahren in Italien zu genehmigen. In Frankreich missachte die Regierung bewusst eine Entscheidung des obersten Gerichtshofes. Dieser hatte im Februar 2020 die Regierung angewiesen, innerhalb von sechs Monaten ein nationales Gesetz zu erlassen, um das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Neuen Gentechnik vom Juli 2018 umzusetzen.
Via Campesina berichtet auch, drei Europa-Abgeordnete aus verschiedenen Fraktionen hätten gemeinsam an Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides geschrieben, „um sie davon zu überzeugen, das Vorsorgeprinzip und die Folgenabschätzung zu ignorieren, die die EU-Entscheidungen zum Thema GVO bisher geleitet haben“.

Die Mitarbeiter von Kyriakides sollen bis April 2021 eine von den Mitgliedsstaaten geforderte Studie zum Status der neuen Gentechniken im Lichte des EuGH-Urteils vorlegen. Der Termin gilt als Startsignal für die Debatte um eine mögliche Änderung des EU-Gentechnikrechts. Darauf arbeiten die Lobbyisten der Agrarindustrie in Brüssel schon lange hin. Wie erfolgreich sie dabei vorgehen, haben die Lobbywächter von Corporate Europe Observatory an einem anderen Beispiel aufgezeigt: der im November von EU-Parlament und Mitgliedsstaaten beschlossenen Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. [lf]

15.12.2020 |

Glyphosat: 27 Spritzmittel zugelassen

RoundUp Monsanto (Foto: Mike Mozart, http://bit.ly/2yIfwuQ, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/) RoundUp Monsanto (Foto: Mike Mozart, bit.ly/2yIfwuQ, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) verlängerte die auslaufenden Zulassungen für 14 glyphosathaltige Spritzmittel um ein weiteres Jahr, weil es die Anträge dafür noch nicht abschließend bearbeitet hat. Wie die Behörde am Freitag mitteilte, hat sie weitere sieben solcher Spritzmittel fachlich geprüft und die Zulassung daraufhin bis zum 15. Dezember 2023 verlängert.
Die erneuerten Zulassungen enden entsprechend der gesetzlichen Vorgabe ein Jahr nach dem Ende der Genehmigung von Glyphosat, schrieb das BVL in seiner Presseinformation. Über sechs Verlängerungsanträge für Pflanzengifte mit dem umstrittenen Totalherbizid soll noch bis zum Jahresende entschieden werden. Drei der insgesamt 30 Anträge wurden von den Herstellern zurückgezogen, so dass die Zulassungen heute ausliefen. Die Restbestände dürfen noch sechs Monate lang verkauft werden.
Im Dezember 2017 hatte die Europäische Kommission trotz massiver Kritik von Umweltverbänden, Zivilgesellschaft und auch politischer Kreise den Wirkstoff Glyphosat für weitere fünf Jahre – also bis 15.12.2022 - genehmigt. Daraufhin mussten die Hersteller der auf dem Markt befindlichen Spritzmittel bis 15.3.2018 beantragen, ihre Zulassung zu verlängern. Dabei sind die Mitgliedsländer der europäischen Union für die Pflanzengifte zuständig, die in ihrem jeweiligen Land verkauft werden sollen. Dass das BVL 14 solcher Anträge seit der Ende 2017 noch nicht abschließend bearbeiten konnte, liegt nach Angaben der Behörde daran, dass die Zuarbeit der für diese Mittel zuständigen Mitgliedsstaaten fehlt. Denn da die Spritzmittel oft europaweit verkauft werden, haben es sich die Mitgliedsstaaten untereinander aufgeteilt, die Mittel auf ihre Risiken zu prüfen und zu bewerten. Und für die fraglichen Mittel seien andere Staaten zuständig, die ihre Ergebnisse noch nicht geliefert hätten. „Alle Anträge, bei denen Deutschland die Rolle des berichterstattenden Mitgliedstaates hatte, werden bis zum Jahresende abschließend geprüft sein“, betonte das BVL. [vef]

11.12.2020 |

Gentech-Leinsamen: Zehn Tonnen Saatgut verunreinigt?

Leinsamenbrötchen   Foto: Pixabay Leinsamenbrötchen Foto: Pixabay

Der Fall der gentechnisch verunreinigten Leinsamen-Ernte eines Bio-Landwirts aus Baden-Württemberg hat eine europäische Dimension. Wie der Informationsdienst Gentechnik aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, stammte das Saatgut des süddeutschen Landwirts aus einer Saatgutpartie von fast zehn Tonnen, die in Tschechien produziert worden war. Sie war bereits 2018 nach Deutschland und Irland verkauft worden.

Den Angaben zufolge wurde die Leinsaat, die vermutlich schon mit dem herbizidresistenten Gentechnik-Leinsamen FP 967/Triffid verunreinigt war, in den Jahren 2012 bis 2017 in Tschechien hergestellt. 2018 wurden knapp 6.000 Kilogramm an ein Unternehmen in Deutschland und fast 4.000 Kilogramm an ein irisches Unternehmen verkauft. Das Saatgut stammte aus konventioneller Landwirtschaft. Der baden-württembergische Biobauer verwendete es mit einer gültigen Ausnahmegenehmigung. Einen Beweis, dass dieses Saatgut bereits verunreinigt war, gibt es dem Vernehmen nach nicht, da von der Ursprungspartie bislang keine Restbestände mehr gefunden werden konnten, die man hätte testen können.

Die deutschen Behörden hatten den Verunreinigungsfall am 26. November an die EU-Kommission gemeldet. Die deutsche Öffentlichkeit wurde vom baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium am 8. Dezember informiert. Auf Nachfragen des Infodienst Gentechnik teilte das Agrarministerium am 10. Dezember lediglich mit: „Wir haben die vorliegenden Infos umgehend veröffentlicht und die offenen Punkte werden derzeit erhoben.“ Angaben dazu, wieviele Landwirte das verunreinigte Saatgut in welchen Bundesländern ausgebracht haben und wieviel von der Ernte in den Handel oder die Lebensmittelproduktion gelangte, gibt es bislang nicht – weder vom koordinierenden Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit noch von einzelnen Länderministerien.
Die knapp sechs Tonnen Leinsaat, die 2018 nach Deutschland geliefert worden waren, reichen für etwa 150 Hektar Anbaufläche mit einer Ernte von mehr als 2.000 Tonnen. Eine Sprecherin der EU-Kommission teilte auf Anfrage mit, die zuständigen Behörden der betroffenen Mitgliedsstaaten seien dabei, die Verkäufe der verunreinigten Saatgut-Charge nachzuverfolgen. In der europäischen Union ist es weder erlaubt, den gentechnisch veränderten Leinsamen anzubauen, noch ihn als Lebens- oder Futtermittel zu verwenden.

Der Gentech-Leinsamen FP 967/Triffid wurde in den 1980-er Jahren entwickelt, nach offiziellen Angaben aber nie kommerziell angebaut, schrieb das Agrarministerium Baden-Württemberg in seiner Presseinfo vom 8.12.. Aktuell soll er nach Behördenangaben in den USA, Kanada und Kolumbien noch als Lebens- und/oder Futtermittel zugelassen sein. Wie berichtet hatten ihn baden-württembergische Behörden bereits 2009 in importiertem Leinsamen aus Kanada nachgewiesen. Dem Vernehmen nach gibt es bislang keine konkreten Hinweise, dass der aktuelle Verunreinigungsfall mit dem damaligen in Verbindung steht. Vor elf Jahren war der kanadische FP 967-Leinsamen in 28 Ländern weltweit gefunden worden, unter anderem in Backwaren.

Auch diesmal ist jedenfalls aus Baden-Württemberg bekannt, dass ein kleiner Teil der verunreinigten Leinsamen zu Backwaren verarbeitet und verzehrt wurde. Eine Gesundheitsgefahr bestehe nicht, hieß es von Behördenseite. Nicht verarbeitete Bestände seien sowohl in Deutschland als auch in Irland beschlagnahmt worden und würden vernichtet. Es ist nicht das erste Mal, dass Triffid seit 2009 wieder in Europa auftauchte. Wie das europäische Schnellwarnsystem für Lebens-und Futtermittel RASFF ausweist, fanden die slowakischen Behörden im Mai 2019 Erbgut von FP 967/Triffid in einer Partie Leinsamen aus der Ukraine. Sie wiesen die verunreinigte Lieferung bereits an der Grenze zurück. [lf/vef]

09.12.2020 |

Gentechnik-Zombie im Leinsamen: Triffid ist wieder da

Leinsaat auf Teller Nicht zugelassener Gentechnik-Leinsamen ist 2009 in Müsli und Brötchen gefunden worden.

In der Leinsamen-Ernte eines baden-württembergischen Landwirts fanden die Behörden eine gentechnische Verunreinigung. Es handelt sich um den Gentechnik-Leinsamen FP 967, auch Triffid genannt. Er war zuletzt 2009 aufgetaucht und sorgte damals für Rückrufaktionen in insgesamt 28 Ländern. Ähnliches könnte auch jetzt passieren. Denn vermutlich war die Verunreinigung schon im Saatgut.

Die baden-württembergischen Behörden hatten in einer zufällig gezogenen Stichprobe Bio-Leinsamen gentechnisch veränderte Anteile von FP 967 unter 0,1 Prozent festgestellt. Da der herbizidtolerante gv-Leinsamen in der Europäischen Union als Futter- und Lebensmittel nicht zugelassen ist, gilt die Nulltoleranz: Die gesamte Ernte von acht Tonnen wurde sichergestellt, amtlich gesperrt und soll unschädlich beseitigt werden. Lediglich ein Prozent der Ernte sei bereits zur Backwarenherstellung geliefert worden, teilte das baden-württembergische Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit. Die festgestellten Mengen von gv-Leinsamen seien für die menschliche Gesundheit unbedenklich. Angaben über die betroffenen Bäcker machte das Ministerium nicht. In der von zahlreichen Medien übernommenen Meldung der Nachrichtenagentur dpa heißt es missverständlicherweise, es seien acht Tonnen gentechnisch veränderter Leinsamen entdeckt worden.

„Die für Saatgut zuständigen Behörden überprüfen die Lieferwege des eingesetzten Saatguts, um festzustellen, ob eventuell weitere landwirtschaftliche Betriebe unbeabsichtigt dieses verunreinigte Leinsamen-Saatgut im Land angebaut haben“, schrieb die Behörde noch. Sie habe das zuständige Bundesministerium und die übrigen Bundesländer informiert. Der Bund habe die EU-Kommission und die übrigen EU-Mitgliedstaaten informiert, damit die Herkunft und eventuelle weitere Lieferwege des fraglichen Leinsamens überprüft werden könnten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit teilte mit, man unterstütze Baden-Württemberg „im Rahmen seiner koordinierenden Aufgaben bei der Aufklärung des Falls. Die Ermittlungen hierzu dauern noch an“.

Der Gentech-Leinsamen FP 967/Triffid wurde in den 80-er Jahren entwickelt, war lediglich von 1996 bis 2001 in Kanada zugelassen, wurde aber kaum angebaut. Überraschend wiesen ihn baden-württembergische Behörden 2009 als Verunreinigung in kanadischem Leinsamen nach. Die weiteren Nachforschungen führten damals zu zahlreichen Rückrufen in der ganzen EU. Der Markt für kanadischen Leinsamen brach zusammen; der Schaden für die kanadischen Landwirte betrug nach Angaben kanadischer Verbände über 740 Millionen Euro. Von 2010 bis heute hätten die baden-württembergischen Behörden mehrere Hundert Proben Leinsamen untersucht, schrieb das Ministerium. Immer ohne Befund. Untersucht wurden aber nur Lebensmittel. Leinsamen zur Aussaat wurden zuletzt 2014 analysiert, und auch damals nur eine einzige Probe, wie die Statistik der Bundesländer zeigt. [lf]

08.12.2020 |

Nationale Glyphosatverbote kommen kaum voran

Campact übergibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (re.) 450.000 Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (https://bit.ly/2k4ovMU; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/) Campact übergibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (re.) 450.000 Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (https://bit.ly/2k4ovMU; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Frankreich, Österreich, Deutschland: In allen drei Ländern hatten die Regierungen versprochen, den Einsatz von Glyphosat zu verbieten oder zumindest stark zu verringern. Passiert ist allerdings herzlich wenig. In der Schweiz dagegen hat sich die verkaufte Glyphosatmenge in den letzten fünf Jahren um 60 Prozent reduziert. Doch ganz aussteigen will die Regierung noch nicht.

Der Bundesrat – so heißt in der Schweiz die Bundesregierung – hat einen Bericht zum Stand des Glyphosatausstiegs vorgelegt. Als wesentlichen Grund für den bisherigen Rückgang nennt er ein Förderprogramm, das Landwirte unterstützt, die ganz auf Herbizide verzichten oder deren Einsatz stark verringern. Die Förderung soll den erhöhten Aufwand ausgleichen, der entsteht, wenn das Unkraut mit dem Traktor gehackt statt totgespritzt wird.
Für den Bericht haben Agrarexperten mit 20 repräsentativ ausgewählten Betrieben die Bereiche im Ackerbau identifiziert, in denen sich das noch verwendete Glyphosat rasch durch Maßnahmen ersetzen lässt, die wirtschaftlich und ökologisch verträglich sind. Schwer zu ersetzen sei es im pfluglosen Ackerbau auf erosionsgefährdeten Standorten. Hier müssten noch Alternativen erforscht und entwickelt werden, heißt es in dem Bericht. Der Bundesrat sieht seinen Pestizidaktionsplan und die darin vorgesehenen Maßnahmen bestätigt. Zu langsam voran geht es zahlreichen Verbänden, die deshalb die Volksinitiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“ gestartet haben. Sie sieht einen kompletten Pestizidausstieg innerhalb von zehn Jahren vor, über den in der ersten Hälfte 2021 abgestimmt werden soll.

Das österreichische Parlament, der Nationalrat, hatte im Sommer 2019 das erste nationale Glyphosatverbot in der EU beschlossen – und dabei vergessen, vorher den Entwurf des Gesetzes der EU zur Notifizierung vorzulegen. Der Nationalrat übermittelte daraufhin einen neuen Entwurf, den die EU-Kommission im August 2020 kommentierte. Sie hält das nationale Verbot für nicht vereinbar mit dem EU-Recht. Während die Österreichische Volkspartei (ÖVP) und der Bauernverband dies als Untersagung werteten, argumentierten die Glyphosatgegner, dass es sich bei dem Schreiben der Kommission um eine kritische Bemerkung, nicht aber um eine rechtlich relevante Stellungnahme handle. Einwände gab es auch von der Tschechischen Republik. Nachdem die Stillhaltefrist im Notifizierungsverfahren Mitte November auslief, forderten Greenpeace Österreich und die Umweltorganisation Global 2000 Parlament und Regierung auf, das Verbot umzusetzen. Doch die regierende ÖVP weigert sich, aktiv zu werden und das ÖVP-geführte Landwirtschaftsminsiterium boykottierte sogar einen Runden Tisch des Umweltministeriums, das von den mitregierenden Grünen geleitet wird.

Auch in Deutschland blockieren sich die beiden Ministerien. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtete, dass sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei Kanzleramtschef Helge Braun über „eigenmächtige Vorstöße des Umweltministeriums in Sachen Insektenschutz“ beschwert habe. Dabei geht es um einen Gesetzentwurf, den Umweltministerin Svenja Schulze gerne noch im Dezember durchs Kabinett gebracht hätte. Das Umweltministerium warf umgekeht Klöckner in einem internen Vermerk vor, sie verhindere „jedweden Fortschritt beim gesetzlichen Insektenschutz und bei der Beschränkung von schädlichen Pflanzenschutzmitteln". Laut SZ teilte das Landwirtschaftsministerium mit, das Glyphosat-Verbot werde gerade „erarbeitet“. Allerdings brauche es dann noch eine Folgenabschätzung. Damit wird es immer wahrscheinlicher, dass es in dieser Legislaturperiode kein Gesetz mehr geben wird, das Insekten schützt und den Glyphosateinsatz einschränkt.

In Frankreich räumte Präsident Emmanuel Macron in einem Interview ein, es sei ihm nicht gelungen, Glyphosat zu verbieten. Er hatte im November 2017 angekündigt, das Herbizid spätestens in drei Jahren zu verbieten und sprach nun von einem „kollektiven“ Scheitern. Allerdings hat es die französische Genehmigungsbehörde Anses untersagt, Glyphosat in bestimmten Kulturen wie Wein- und Obstbau einzusetzen sowie die erlaubten Mengen reduziert.

Es gibt übrigens inzwischen ein erstes EU-Mitglied, das Glyphosat verboten hat. In Luxemburg wies die Regierung die Zulassungsbehörde an, allen glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmitteln die Marktzulassung zu entziehen. Restmengen dürfen noch bis Jahresende aufgebraucht werden. Viele Landwirte, die demonstrieren könnten, gibt es in dem Kleinstaat allerdings nicht. [lf]

01.12.2020 |

Hornlos durch Crispr/Cas? Kein Kalb überlebt Zuchtversuch

Kalb Gibt es noch: ein ganz normales Kalb (Foto: A. Beck)

Wissenschaftler des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts arbeiten daran, mit Hilfe der neuartigen Gentechnikmethode Crispr/Cas hornlose Milchkühe zu erzeugen. Bei den Tierversuchen wurde zwar ein hornloses Kalb geboren. Doch es starb noch am gleichen Tag.

In der Fachzeitschrift Scientific Reports berichteten die Wissenschaftler über ihre Arbeit. Sie hatten Hautzellen bei einem Zuchtbullen des Holstein-Friesian-Milchvieh entnommen und mit Hilfe der Gentechnikmethode Crispr/Cas12a eine DNA-Sequenz des hornlosen Angus-Rindes (Fleischrasse) eingefügt. Die manipulierten Zellkerne überführten die Wissenschaftler in Eizellen und erzeugten so 70 Klone. Davon entwickelten sich neun zu Embryonen, die Leihmutterkühen eingepflanzt wurden. Drei der Embryonen starben direkt in der Gebärmutter. Bei vier Kühen kam es, während sie trächtig waren, zu erheblichen Komplikationen. Sie verloren ihre Kälber. Ein weiteres Kalb töteten die Forscher zu Versuchszwecken vor der Geburt. Nur ein Kalb kam per Kaiserschnitt lebend auf die Welt, starb aber noch am selben Tag an mehrfachen Organmissbildungen. Finanziert hat diese Arbeit der Förderverein Bioökonomieforschung e. V., ein Zusammenschluss von Unternehmen und Verbänden in der Tierzucht und Besamung.

Das Institut für Technologiefolgenabschätzung Testbiotech kritisierte, dass die Ursache für die schweren gesundheitlichen Schäden nicht genauer untersucht wurde. Zumal die Forscher selbst annahmen, dass das Klonverfahren einen wesentlichen Anteil am negativen Ausgang der Versuche hatte. Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) monierte, dass die Wissenschaftler keine Ganzgenom-Sequenzierung des Kalbs vorgenommen haben um zu ermitteln, wie es zu diesen ungewollten Ergebnissen gekommen ist. Da mit dem Friedrich-Loeffler-Institut eine staatliche Behörde beteiligt gewesen sei, hätte man das erwarten können, so die AbL. Nach Ansicht von Testbiotech sind derartige Versuche aus der Perspektive des Tierschutzes äußerst problematisch, weil Tieren – oft ohne vernünftigen Grund – Leiden und Schmerzen zugefügt würden. „Die Beteiligung von MitarbeiterInnen eines staatlichen Forschungsinstituts wirft zudem Fragen nach der Rolle der Behörde und auch nach der Verantwortung des Bundesministeriums für Landwirtschaft auf“, schrieb Testbiotech.

Hörner bei Rindern erhöhen aus Sicht der Landwirte das Verletzungsrisiko für sie selbst und für andere Rinder. Sie gelten deshalb als Sicherheitsrisiko und sind nicht erwünscht. Hornlosigkeit kommt natürlicherweise bei Fleischrassen wie dem Angus-Rind vor, selten jedoch bei Milchkühen. Dennoch existieren für die meisten Milchviehrassen inzwischen hornlose Zuchtlinien und die Zuchtverbände arbeiten daran, dass sich die natürliche Hornlosigkeit weiter ausbreitet. Denn die Alternative für die meisten Milcherzeuger besteht derzeit darin, ihren Kälbern die Hornanlagen im Alter von wenigen Wochen ohne Betäubung auszubrennen. Lediglich der Bio-Verband Demeter schreibt Hörner bei Rindern vor. [lf/vef]

26.11.2020 |

Crispr&Co: EU-Lebensmittelbehörde EFSA sieht keine besonderen Risiken

EFSA Das Hauptgebäude der EFSA in Parma (Foto: Lucio Rossi / EFSA)

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA ist der Ansicht, dass die Risiken neuer gentechnischer Verfahren wie Crispr/Cas nach den geltenden Regeln bewertet werden können. Das antwortete die EFSA vorgestern auf eine Frage der EU-Kommission. Verändere man die DNA von Pflanzen mit solchen Techniken, gehe von diesen keine größere Gefahr aus als bei herkömmlicher Pflanzenzucht oder anderen gentechnischen Verfahren. Eine Einschätzung, der zahlreiche Wissenschaftler widersprechen.
Mit neuen gentechnischen Verfahren lässt sich vielfältig ins Erbgut von Pflanzen eingreifen. Für die Risikobetrachtung unterscheiden Experten drei Kategorien. Bei SDN-1 (site directed nuclease 1) zerschneidet das Cas-Enzym den Doppelstrang der DNA an einer bestimmten Stelle. Repariert sich die DNA anschließend selbst, verändern sich ungezielt einzelne Basen. Mit SDN-2-Verfahren werden gezielt kleinere Gensequenzen entfernt, ausgetauscht oder neu eingebracht. SDN-3 bezeichnet Verfahren, mit denen umfangreichere, neue Gensequenzen in einen Organismus eingebracht werden.
Die EFSA-Experten haben sich mit SDN-1, SDN-2 und der Oligonukleotid-gerichteten Mutagenese (ODM) befasst, die wie SDN-2 kleinere Gensequenzen ins Erbgut einschleusen kann. Diese drei neuen gentechnischen Verfahren sind derzeit die am häufigsten eingesetzten bei Pflanzen. Die EFSA-Stellungnahme erwähnt zwar unerwünschte Auswirkungen auf das Erbgut, die damit einhergehen können. Doch aus Sicht der Experten sind sie nicht riskanter als konventionelle Pflanzenzucht oder andere gentechnische Verfahren. Deshalb könnten für diese drei neuen Techniken die bestehenden Leitlinien der EFSA für die Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen angewandt werden. Womöglich seien sogar weniger Daten erforderlich, um die Risiken zu bewerten, weil keine neue DNA eingebracht werde.
Bereits im Frühjahr hatten die EFSA-Experten ihre Position öffentlich zur Diskussion gestellt. Von den Lobbyverbänden der Agro-Gentechnik kam damals Lob und Zustimmung. Kritische Stellungnahmen schickten neben anderen das norwegische Zentrum für Biosicherheit GenØk, die Wissenschaftlervereinigung ENSSER, das österreichische Umweltbundesamt und Testbiotech. Sie bemängelten, dass die EFSA die Wirkkraft der neuen Verfahren unterschätze. Mit ihnen könnten Pflanzen tiefgreifend verändert werden, ohne zusätzliche Gene einzufügen. Mögliche unerwünschte Nebeneffekte würden zu generalisierend abgehandelt. Auch könnten die Effekte der neuen Gentechnik kaum mit denen der konventionellen Züchtung verglichen werden, wie das die EFSA-Experten täten.
Die endgültige Fassung der EFSA-Stellungnahme hat diese Einwände weitgehend ignoriert. „Wissenschaftliche Publikationen, die während der Konsultation eingereicht wurden und zu anderen Ergebnissen als die EFSA kommen, werden in der Stellungnahme nicht erwähnt“, schreibt Testbiotech. Unklar bleibe auch, welche Anwendung der neuen gentechnischen Verfahren die EFSA der Gentechnik zuordne und welche der „synthetischen Biologie“. Zu deren Risiken hat sich die EFSA nach Informationen von Testbiotech ebenfalls geäußert, bisher aber noch nicht öffentlich. Insgesamt sei die Stellungnahme „aus Sicht des Schutzes von Gesundheit und Umwelt irreführend und unzureichend.“ Sie soll in eine Studie der EU-Kommission zur neuen Gentechnik einfließen, die sie im Frühjahr 2021 veröffentlichen will. [lf]

Gehe zu Seite: ... 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ...

*** Unterstützen Sie unsere Arbeit ***

Alle Informationen auf dieser Seite sind für Sie kostenlos, kosten aber trotzdem etwas. Unterstützen Sie den Infodienst - damit es auch weiterhin kritische Informationen zum Thema Gentechnik für alle gibt!
 Spenden-Infos hier

Newsletter bestellen

Schule und Gentechnik

Unterrichtsportal zum Thema Agro-Gentechnik: Einführung, Arbeitsblätter, Videos und mehr...

Eine Lehrerin hält ein Schild mit der Aufschrift Lehrer. Hier gibt es Informationen und Material zur Gentechnik für den Unterricht.
Ein Schüler hält ein Schild mit der Aufschrift Schüler. Hier gibt es Informationen, ein Quiz, Videos und mehr zum Thema Gentechnik für Schülerinnen und Schüler.

Infodienst-Material

Postkarten zum Thema Gentechnik. Ein Mädchen nascht von einer Torte und sagt Gutes Essen braucht keine Gentechnik.
Ein Landwirt hält Maiskolben im Arm und sagt Gen-Mais schmeckt mir nicht.

Hier bekommen Sie kostenloses Infomaterial zum Thema: Flyer, Postkarten, Newsletter, Newsticker...
 Bestellung

Nachrichten