30.07.2020 |

ILSI: Die versteckte Lobby der Lebensmittel- und Gentechnikkonzerne

Lobby Lobbyismus Gentechnik Lobbyismus (Foto: Gerd Altmann / AllSilhouettes.com / pixelio)

Das International Life Sciences Institute (ILSI) präsentiert sich gerne als gemeinnützige Organisation, die sich für die öffentliche Gesundheit engagiert. In Wirklichkeit ist sie eine der effektivsten Lobbyorganisationen der Ernährungsindustrie und der Gentechnikkonzerne. Das belegen einmal mehr zwei kürzlich erschienene Arbeiten.

Politikwissenschaftler aus Cambridge und Mailand hatten Akten ausgewertet, die von der Organisation U.S. Right to Know bereitgestellt worden waren. Diese hatte 2015 bis 2018 fünf Anfragen nach dem Freedom of Information Act gestellt und 15.000 Seiten Akten erhalten, die den Austausch von ILSI mit vier Universitäten dokumentierten: Texas A&M, University of Illinois, University of Colorado and North Carolina State University.
Die Wissenschaftler entdeckten in den ausgewerteten E-Mails ein Aktivitätsmuster. ILSI versuche „die Glaubwürdigkeit von Wissenschaftlern und Akademikern auszunutzen, um die Positionen der Industrie zu stärken und von der Industrie erarbeitete Inhalte in Sitzungen, Zeitschriften und anderen Aktivitäten unterzubringen“. Beispielhaft beschreibt die Studie, wie ein Professor aus Illinois und ein hochrangiger Monsanto-Manager sich darüber verständigten, dass die Industriemitarbeiter zwar Inhalte für Studien liefern und diese gegenlesen können, aber nicht als Co-Autoren aufgeführt werden sollten. Denn das würde die Glaubwürdigkeit der Publikationen gefährden. Allein 2012 spendete Monsanto laut der Studie 500.000 US-Dollar an ILSI. Ein Jahr später standen auch Bayer, BASF und Syngenta mit jeweils über 100.000 US-Dollar auf der Unterstützerliste.

Die Wissenschaftler kamen auch zu dem Ergebnis, ILSI habe aktiv versucht, unerwünschte Positionen an den Rand zu drängen. Sie schlossen daraus, dass diese „unzulässige Einflussnahme der Industrie durch Dritte wie ILSI“ ein verbessertes Management von Interessenkonflikten durch die Forscher erfordere. Sie verlangten, ILSI als privatwirtschaftliche Einrichtung und nicht als unabhängige, wissenschaftliche Non-Profit-Organisation einzuordnen.
Diese Forderung erheben europäische Lobby-Beobachter wie Corporate Europe Observatory (CEO) seit Jahren. CEO hatte bereits 2011 veröffentlicht, dass fünf der von der EU-Lebensmittelbehörde EFSA berufenen Gentechnik-Experten enge Verbindungen zu ILSI hatten. Noch stärker war damals der Einfluss von ILSI in dem für Pestizidbewertung zuständigen EFSA-Gremium.

Die US-Organisation Corporate Accountability hat für einen Bericht zusammengetragen, wie ILSI die amtlichen Ernährungsempfehlungen in den USA (Dietary Guidelines for Americans) beeinflusst. Diese Empfehlungen werden alle fünf Jahre von einem vom US-Kongress eingesetztes Experten-Gremium überarbeitet. Bereits seit dem Jahr 2000 habe die Mehrheit dieser Experten enge Verbindungen zu ILSI, heißt es in dem Bericht. Aktuell hätten 15 der 20 Gremiumsmitglieder direkte Verbindungen zur Industrie oder seien von Gruppen nominiert worden, die von der Industrie unterstützt werden. Der Bericht stellt diese Mitglieder vor und beschreibt, welche Rolle sie bei der laufenden Überarbeitung der Empfehlungen für die Jahre 2020-2025 spielen. Auch die Rolle, die ILSI bei der Erarbeitung von Ernährungsempfehlungen in Südamerika und Indien spielt, wird beleuchtet.

ILSI wurde 1978 von einem früheren Vizepräsidenten von Coca-Cola gegründet. Mehrfach leiteten hochrangige Mitarbeiter des Konzerns die Organisation. Die Gelder kamen sowohl von Lebensmittel- als auch von Gentechnikkonzernen, deren Interessen das ILSI ebenfalls offensiv vertritt. Anfang des Jahres beendete Nestlé stillschweigend seine Mitgliedschaft bei ILSI. Auch Süßigkeitenhersteller Mars hat die Organisation verlassen. [lf]

27.07.2020 |

Schutz vor neuer Gentechnik: Verbände kritisieren untätige Ministerin

EUGH Sitzungssaal des EuGH (Foto: Gerichtshof der Europäischen Union)

Vor zwei Jahren hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden: Auch neue gentechnische Verfahren sind Gentechnik. Die Stellungnahmen zum Jubiläum zeigen, dass die politische Auseinandersetzung in die heiße Phase geht. Denn spätestens im nächsten Frühjahr muss die Kommission Farbe bekennen, welche Konsequenzen sie aus dem Urteil zieht.

Aus Sicht der gentechnikkritischen zivilgesellschaftlichen Organisationen ist die EuGH-Entscheidung nach wie vor ein Meilenstein. „Denn nur so gelten auch für mit neuen gentechnischen Verfahren hergestellte Organismen Vorgaben zur Risikoprüfung, Kennzeichnung, Zulassung und Transparenz“, erläuterte Daniela Wannemacher, Gentechnik-Expertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das Gericht habe klar gemacht, „dass Organismen, die mit der Genschere CRIPR/Cas verändert wurden, eine potenzielle Gefahr für Umwelt und Verbraucher*innen darstellen, solange diese nicht risikogeprüft und zugelassen werden“, ergänzte die Aurelia-Stiftung.

Für die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) verwies deren Gentechnik-Expertin Annemarie Volling darauf, dass in Europa bis auf einige Regionen in Spanien keine Gentechnik-Pflanzen angebaut würden. „Das ist ein großer wirtschaftlicher Vorteil für europäische Bäuerinnen und Bauern, weil sie das anbauen und vermarkten können, was Verbraucher*innen mehrheitlich wollen - und was der europäische, asiatische und zunehmend auch der US-Markt verlangt: gentechnikfreie Ware!“, argumentierte Volling.
Auch der Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG) betonte die wirtschaftliche Bedeutung des Ohne-Gentechnik-Sektors, sieht ihn aber in Gefahr: „Zwei Jahre nach dem EuGH-Richterspruch brauchen wir vor allem endlich zuverlässige Nachweisverfahren für neue Gentechnik-Verfahren und deren konsequente Anwendung“, sagte VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting.
Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) warf Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor, die Umsetzung des Urteils weiter auf die lange Bank zu schieben. „Durch ihr Nichtstun gefährdet Julia Klöckner Wirtschaft und Bürger. Genmanipulierte Pflanzen könnten Europas Landwirtinnen, Lebensmittelhersteller oder Kundinnen einfach untergejubelt werden“, sagte Löwenstein.
Dass diese Gefahr real ist, machte Pia Voelker vom Gen-ethischen Netzwerk deutlich. In den USA werde der genomeditierte herbizidresistente Raps Falco des US-Unternehmens Cibus „seit 2015 dereguliert angebaut und könnte unbemerkt den Weg in europäische Versorgungsketten finden“, sagte Voelker.

23 Verbände der Agrar- und Lebensmittelindustrie hingegen forderten in einer gemeinsamen Erklärung die „Rechtsgrundlage für die Anwendung neuer Züchtungstechniken“ anzupassen. Sie begründeten die damit beabsichtigte Deregulierung neuer gentechnischer Verfahren vor allem mit deren Potential, „Ernteausfälle infolge des Klimawandels zu minimieren, indem sie Nutzpflanzen schneller widerstandsfähig gegen Wetterextreme und Schädlinge machen“. Außerdem müssten „die Bestimmungen zu agrarischen Rohstoffen verschiedener Weltregionen miteinander kompatibel sein, damit die internationalen Handelsströme weiterhin funktionieren und die Versorgungsmärkte sowie Arbeitsplätze nicht gefährdet werden.“
Bei der Umsetzung ihrer Pläne können Agrar- und Lebensmittelindustrie auf Ministerin Klöckner zählen. Diese erklärte in einem Beitrag für den Tagesspiegel, sie wolle „mehr Gentechnik wagen“ und begründete dies damit, dass Züchtungsprozesse massiv beschleunigt werden könnten.
Seit Jahren werde behauptet, mit Hilfe von neuen gentechnischen Verfahren wie Crispr/Cas ließen sich Pflanzen entwickeln, die mit Trockenheit zurechtkommen oder mit neuen Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge ausgestattet seien, entgegnete Eva Gelinsky von der IG Saatgut. „Ob trockentolerante Crispr-Pflanzen jemals Marktreife erlangen und sich auch im Anbau bewähren werden, ist fraglich“, sagte Gelinsky. „Denn die gewünschten Eigenschaften beruhen in vielen Fällen nicht auf einzelnen DNA-Abschnitten, sondern gehen aus einem komplexen Zusammenspiel vieler Gene, der Umwelt der Pflanzen und unterschiedlicher Steuerungsmechanismen hervor.“ Bisher seien konventionelle Züchter erfolgreicher darin, Pflanzen mit derart komplexen Eigenschaften zu erzeugen. [lf]

23.07.2020 |

Glyphosatklage: Bayer verliert in der Berufung

Justiz Gericht Gesetz Schild am Eingang eines Gerichts in Newcastle (Foto: smlp.co.uk / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Im ersten großen Glyphosat-Musterprozess hat die Bayer-Tochter Monsanto nun auch die Berufung verloren. Zwar reduzierte der Richter den in der ersten Instanz verhängten Schadenersatz. Doch er bestätigte: Glyphosat ist krebserregend und Monsanto hat das verschwiegen.

Der unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankte Platzwart Dewayne Johnson war das erste Glyphosat-Opfer, das vor Gericht Recht bekam. Zu 289 Millionen US-Dollar Schadenersatz verurteilte eine Jury in San Fancisco im August 2018 die Bayer-Tochter Monsanto. Später reduzierte die Richterin die Strafzahlung auf 78 Millionen Dollar. Dennoch legte Monsanto Berufung ein.

Darüber hat nun der California Court of Appeal entschieden. Das Gericht reduzierte die Strafe aus formalen Gründen noch einmal auf 20,5 Millionen Dollar (17,9 Millionen Euro). Die Summe setzt sich zu gleichen Teilen zusammen aus dem Schadenersatz, der Dewayne Johnson zugesprochen wird, und einer Strafzahlung. Denn auch das Berufungsgericht sah es als erwiesen an, dass das Pestizid Roundup die Krebserkrankung Johnsons verursacht hat und dass Monsanto die Krebsgefahr absichtlich verschwieg.

„Unserer Ansicht nach hat Johnson zahlreiche und auch belastbare Beweise dafür vorgelegt, dass Glyphosat zusammen mit den anderen Inhaltsstoffen in Roundup seinen Krebs verursacht hat“, stellte das Gericht fest. Es sah auch „substanzielle Beweise dafür, dass Monsanto vorsätzlich und bewusst ohne Rücksicht auf die Sicherheit anderer handelte“. Aufgrund dieser Beweise hätten die Geschworenen in der ersten Instanz zurecht „böswillige Absicht“ auf Seiten Monsantos festgestellt und damit die Strafzahlung begründet.

Für Bayer ist die Entscheidung eine herbe Niederlage. Der Konzern hatte darauf gebaut, dass eine nur aus Berufsrichtern zusammengesetzte Beschwerdekammer anders urteilen würde als eine aus juristischen Laien bestehende Geschworenen-Jury. Bayer bezeichnete die Entscheidung wegen der gekürzten Zahlung als „Schritt in die richtige Richtung“; der Konzern wiederholte, dass es sich bei Roundup um ein sicheres Produkt handele und kündigte an, Rechtsmittel zu prüfen. Die Klage von Dewayne Johnson und zwei weitere Musterprozesse, bei denen Bayer Berufung einlegte, sind nicht in dem Vergleich enthalten, den der Konzern Ende Juni vorstellte.

„Im Grundsatz hat das Berufungsurteil die Sachlage bestätigt: Glyphosat ist gesundheitsschädlich und für das Krebsleiden des Klägers verantwortlich", kommentierte der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner das Urteil in der Süddeutschen Zeitung. [lf]

20.07.2020 |

Bund beauftragt Studie zu Nachweisverfahren für genomeditierte Pflanzen

Cibus Raps Unterschriften Zahlreiche Bürger fordern: neue Gentechnik-Verfahren wie den von Cibus mittels Genome Editing hergestellten Raps nicht durchwinken.

Fast zwei Jahre nach dem wegweisenden Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur neuen Gentechnik hat das Bundeslandwirtschaftsministerium nun eine erste Studie ausgeschrieben. Sie soll zeigen, inwieweit es machbar ist, genomeditierte Pflanzen und ihre Produkte rechtssicher zu identifizieren. Ergebnisse sollen bis Ende August 2022 vorliegen.

Das Ministerium „benötigt externe Entscheidungshilfe“, schreibt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in der Ausschreibung. Es geht um die Frage, wie sich nachweisen lässt, ob das Genom einer Pflanze mit einem neuen gentechnischen Verfahren wie Crispr/Cas verändert wurde. Die Behörden brauchen solche Nachweisverfahren, um kontrollieren zu können, ob entsprechend veränderte Pflanzen unbeabsichtigt und/oder widerrechtlich auf den deutschen Markt gelangen. Deshalb hat die BLE eine „Machbarkeitsstudie zu Nachweis- und Identifizierungsverfahren für genomeditierte Pflanzen und pflanzliche Produkte“ ausgeschrieben. Interessierte öffentliche Forschungseinrichtungen konnten bis 15. Juni ihre Projektskizzen einreichen. Nach Angaben der BLE wurden zwei Skizzen eingereicht, „die sich derzeit noch im Bewertungsverfahren befinden. Das Vorhaben wurde noch nicht vergeben“, schrieb die BLE.

Was die beiden interessierten Forschungseinrichtungen tun sollen, steht relativ ausführlich in der Bekanntmachung. Als erstes müssen sie sich selber ihr Forschungsmaterial besorgen: „Ausgangspunkt für das Entscheidungshilfevorhaben ist vorliegendes Referenzmaterial einer genomeditierten markt-relevanten Pflanze (als Schüttgut gehandelte Getreide oder Leguminosen) und deren Elternlinie sowie die vorherige genaue Information über die Genomeditierung. Der Zuwendungsempfänger hat diese Referenzmaterialien sowie die Information über die Genomeditierung zur Verfügung zu stellen.“

Die einzige genomeditierte und für die EU derzeit markt-relevante Pflanze ist der herbizidresistente Raps Falco des US-Unternehmens Cibus. Er wird jetzt schon in Kanada und den USA dereguliert angebaut und könnte unbemerkt in die Versorgungsketten gelangen. Die Sojabohne des US-Unternehmens Calyxt mit veränderter Fettsäurezusammensetzung wird dagegen nach Firmenangaben im Vertragsanbau ausgebracht, getrennt geerntet und verarbeitet. Das Risiko, dass solche Bohnen versehentlich in konventionelle Sojalieferungen nach Europa geraten, ist deshalb geringer. Bei beiden Pflanzen könnten deutsche oder europäische Behörden es derzeit aber nicht feststellen, falls ihre Samen eine Lieferung von Raps- oder Sojasaatgut verunreinigten.

Das Problem für die deutschen Behörden ist, dass sie US-Unternehmen nicht verpflichten können, ihnen den „Bauplan“ ihrer gentechnischen Entwicklungen herauszugeben. Den bräuchten sie aber nach aktuellem Stand der Wissenschaft, um ein Nachweisverfahren dafür zu entwickeln. Und freiwillig geben Unternehmen eher selten Einblick in die Errungenschaften ihrer Forschung. Daher kann sich auch für die ausgeschriebene Machbarkeitsstudie nur bewerben, wer gentechnisch veränderte Pflanzen nebst „Bauplan“ mitbringt. In Frage kommen etwa deutsche Labore in öffentlicher Hand, die derzeit gefördert vom Bund daran arbeiten, Gerste, Weizen, Raps und Mais mit Gen-Scheren zu verändern. Sie hätten das notwendige Ausgangsmaterial, anhand dessen sie Nachweisverfahren entwickeln könnten, die für eine Zulassung der Pflanzen nach europäischem Recht notwendig sind.

Dazu müssen sie laut Ausschreibung das gesamte Genom sequenzieren und Abweichungen im Erbgut feststellen, die nicht durch natürliche Mutation sondern durch den Eingriff entstanden sind. In der zweiten Phase soll dann aus diesen Abweichungen ein rechtssicheres Nachweis- und Identifizierungsverfahren entwickelt werden. Gelänge dies, wäre ein Argument von Kritikern des EuGH-Urteils widerlegt, dass ein solcher Nachweis technisch gar nicht möglich sei. Noch nicht gelöst wäre vermutlich das Problem, an den Bauplan des Cibus-Raps zu kommen. Hier hätte die EU-Kommission erst in einem offiziellen Zulassungsverfahren eine Handhabe, genaue Angaben zum gentechnischen Eingriff zu verlangen. [lf]

16.07.2020 |

Zum Patent angemeldet: Gentech-Bakterien sollen Bienen manipulieren

Biene Honig-, Wildbienen und Hummeln sind für die Landwirtschaft extrem wichtig (Foto: Mark Strobl / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

US-Forscher haben Bakterien gentechnisch verändert, die im Darm von Bienen und Hummeln leben. Die Mikroorganismen sollen molekulare Botenstoffe produzieren, die sich über den Darm im Körper der Bienen verteilen und in deren Genregulation eingreifen. Dadurch würden die Insekten quasi indirekt gentechnisch verändert. Die Aurelia Stiftung hat eine Petition gestartet, um Bienen vor der Gentechnik zu schützen.

Die Wissenschaftler der Universität von Texas haben ihr Verfahren zum Patent angemeldet. Es soll dazu eingesetzt werden, Parasiten der Bienen wie die Varroa-Milbe zu bekämpfen. Eine weitere mögliche Anwendung zielt laut der Patentschrift darauf ab, den Abbau von Pestiziden im Körper der Bienen zu beschleunigen und sie dadurch widerstandsfähiger gegen die Gifte zu machen. Auch könnte mit dem neuen Gentechnik-Verfahren das Verhalten der Bestäuber beeinflusst werden. Der Patentanspruch umfasse nicht nur die Bakterien, sondern auch die Bienen sowie alle anderen Insekten, in deren Darm die Gentechnik-Bakterien zu finden seien, schreibt das Institut Testbiotech. Die Technik wurde unter experimentellen Laborbedingungen bereits an Bienen getestet, die Ergebnisse im Januar dieses Jahres publiziert.

Falls Bienen mit diesen Bakterien freigesetzt würden, sei nicht auszuschließen, dass sich diese auch auf andere Bienenvölker oder wilde Verwandte wie Hummeln übertragen, warnt die Aurelia Stiftung. Die zusätzlichen Gene könnten sich auch auf andere Bakterienarten übertragen. Das bringe unkalkulierbare Risiken für die Umwelt mit sich. „Da Bakterien außerordentlich schnell mutieren, lässt sich auch nicht ausschließen, dass diese Bakterien die Wirkungen auf andere Tiere und den Menschen übertragen“, sagt der Bienenforscher Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin und warnt: „Welche Auswirkungen damit verbunden sein können, ist nicht vorherzusehen.“

Bernd Rodekohr, Projektleiter bei der Aurelia Stiftung, hält den Ansatz, Bienen mit gentechnischen Methoden widerstandsfähig gegen Pestizide zu machen, für grundlegend falsch: „Nicht die Biene muss verändert werden, sondern unser Verhalten muss sich ändern. Statt pestizidresistenter Bienen brauchen wir endlich eine echte Agrarwende mit vielfältiger, nachhaltiger, bäuerlicher Landwirtschaft ohne Ackergifte.“

Mit ihrer neuen Informations- und Petitionskampagne www.biene-gentechnik.de möchte die Aurelia Stiftung einen Beitrag dazu leisten, Bienen und das komplexe Ökosystem vor irreversiblen Schäden durch neue Gentechnik zu schützen. Die Petition fordert die Bundesregierung auf, neue gentechnische Verfahren nicht zu deregulieren und das Vorsorgeprinzip der EU umzusetzen. Demnach „darf nichts freigesetzt werden, was nicht zurückgeholt werden kann“, heißt es in der Petition, die auf der Webseite unterschrieben werden kann. [lf]

14.07.2020 |

Bayer zieht Vergleichsvorschlag für künftige Glyphosat-Klagen zurück

Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ Bayer Crop Science Division Office Headquarters, Foto: Tony Webster, https://bit.ly/2YtecDN, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Der US-Richter Vince Chhabria hat Einwände gegen den Vergleichsvorschlag erhoben, mit dem die Bayer AG und mehrere Anwaltskanzleien potentielle zukünftige Klagen gegen Glyphosat regeln wollten. Daraufhin zog Bayer diesen Teil des Vergleichs zurück; der Aktienkurs brach um mehr als sechs Prozent ein.

Der Ende Juni von Bayer verkündete Vergleich mit den Anwälten der Glyphosat-Kläger in den USA hat zwei Teile. Der erste betrifft die bereits vor Gericht anhängigen Klagen mehrerer Kanzleien und die bei diesen Kanzleien eingegangenen Klagen, die noch nicht von Gerichten zugelassen wurden. Diese Einigung, die den größten Teil der Vergleichssumme von fast zehn Milliarden Euro ausmacht, steht nicht zur Debatte.

Bayer hatte aber auch mit mehreren Anwaltskanzleien, die bisher in Glyphosatprozessen nicht in Erscheinung getreten waren, ausgehandelt, wie mit potentiellen, künftigen Klagen umzugehen sei. Für deren Beilegung sind 1,1 Milliarden Euro vorgesehen. Sie sollen allerdings nur ausgezahlt werden, wenn ein fünfköpfiges Expertengremium bestätigt, dass Glyphosat tatsächlich Lymphdrüsenkrebs verursachen kann. Dessen Entscheidung soll in vier Jahren fallen. Sie wäre bindend für alle Glyphosatnutzer, die künftig an Lymphdrüsenkrebs erkranken und dafür Bayer zur Verantwortung ziehen wollen. Dieser Teil des Vergleichs braucht jedoch die Zustimmung des für die Glyphosat-Klagen zuständigen US-Bundesrichters Vince Chhabria.

Chhabria zweifelt die Rechtmäßigkeit einer solchen Lösung an, bei der statt Richtern und Geschworenen Wissenschaftler entscheiden würden. Er sei skeptisch, ob der vorgeschlagene Vergleich korrekt und fair sei und tendiere vorerst dazu, den Antrag abzulehnen, sagte Chhabria der New York Times. Für den 24. Juli hat der Richter eine Anhörung zu dem Vergleich angesetzt. Bayer erklärte, der Konzern stehe weiter „zu einer Lösung, die sowohl die aktuellen Rechtsstreitigkeiten zu sinnvollen Bedingungen beilegt als auch eine tragfähige Lösung enthält, um mögliche künftige Verfahren zu adressieren und beizulegen“. Da solche Vergleiche komplex seien, könnte es „im Verlauf einige Anpassungen erfordern“. Das Handelsblatt erwartet deshalb, dass Bayer auf das Expertengremium verzichten und einen neuen Vorschlag vorlegen wird.

Für die Organisation U.S. Right to Know steht nach einer Analyse der ausführlichen Einwände von Richter Chhabria fest, dass dieser den Plänen Bayers für zukünftige Klagen seine Zustimmung verweigern wird. Damit bliebe für den Konzern das Risiko, dass Glyphosat-Nutzer, die künftig an Lymphdrüsenkrebs erkranken, vor Gericht ziehen könnten – und damit Glyphosat-Klagen den Konzern noch über Jahrzehnte begleiten. [lf]

09.07.2020 |

Unkrautforscher finden erste glyphosatresistente Gräser in Deutschland

Palmer Unkraut USA Super Weeds Superunkraut in den USA (Foto: Delaware Agriculture/flickr; Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Der jahrzehntelange Einsatz glyphosathaltiger Herbizide auf deutschen Äckern und Obstplantagen zeigt Wirkung: Unkrautforscher haben die ersten glyphosatresistenten Pflanzen gefunden. Auch gegen andere Herbizide werden immer mehr Pflanzen in Deutschland immun.

Anfang März trafen sich in Braunschweig die deutschen Unkrautforscher zu ihrer jährlichen 'Arbeitsbesprechung über Fragen der Unkrautbiologie und –bekämpfung'. Ein Themenschwerpunkt des Treffens waren Herbizidresistenzen. Zwei Vertreter von Landesanstalten aus Rheinland-Pfalz und Bayern berichteten dort über die „erste Glyphosat-Resistenz in Deutschland“. Untersucht hatten sie Deutsches Weidelgras aus einem Obstbaubetrieb in Rheinhessen. Dessen Betreiber hatte unter seinen Bäumen seit 2003 das Weidelgras mit Glyphosat bekämpft. 2017 seien drei Glyphosat-Behandlungen erforderlich gewesen, um eine akzeptable Wirkung auf das Weidelgras zu erzielen, heißt es in dem Behördenbericht. Danach hatte sich der Landwirt an die amtlichen Unkrautforscher gewandt, die in aufwändigen Versuche nachwiesen, dass dieses Gras tatsächlich resistent war – übrigens nicht nur gegen Glyphosat, sondern in geringerem Maße auch gegen den Wirkstoff Pyroxsulam.

Die beiden staatlichen Unkrautforscher berichteten auch von einer „Minderwirkung von Glyphosat“ bei einer Population des Mäuseschwanz-Federschwingels, ein Süßgras, das von einem Winzer in Rheinhessen gemeldet wurde. Aufgrund ihrer Versuche sprachen sie von einem „begründeten Verdacht auf eine nachlassende Sensitivität bzw. beginnende Resistenz gegenüber Glyphosat in der untersuchten Population“ und kündigten weitere Untersuchungen an.

Forscher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichteten auf der Tagung, „dass die Wirksamkeit von Glyphosat bei bestimmten Populationen von Alopecurus myosuroides reduziert ist“. Alopecurus myosuroides ist der Ackerfuchsschwanz, eine Gräserart, die als Unkraut vor allem in Wintergetreide berüchtigt ist. Die Forscher hatten sechs Populationen des Unkrauts aus verschiedenen Regionen Niedersachsens im Gewächshaus angebaut und mit unterschiedlichen Dosierungen von Glyphosat behandelt. Drei Wochen nach der Behandlung hatten „einzelne Individuen aus vier Populationen“ hohe Glyphosatmengen „ohne jeglichen sichtbaren Schaden“ überstanden und wuchsen weiter. Bei niedrigeren Herbizidmengen trieben nach sechs Wochen einzelne Pflanzen aus den vier Populationen neu aus. „Die in dieser Studie gemachten Beobachtungen deuten darauf hin, dass die getesteten Populationen ein Potenzial zur Resistenzentwicklung haben könnten“, formulierten die Forscher vorsichtig. Denn ihr Ergebnis hat große Relevanz für konventionelle Ackerbauern. Der Ackerfuchsschwanz und andere Gräser haben in vielen Regionen Deutschlands bereits Resistenzen gegen zwei wichtige Gruppen von Herbizidwirkstoffen entwickelt und Glyphosat gilt bei Landwirten, die unter diesen resistenten Gräsern leiden, als letzte Hoffnung. Deshalb argumentieren auch viele von ihnen gegen ein Verbot von Glyphosat. Die Ergebnisse der Unkrautforscher jedoch zeigen, dass auch Glyphosat keine dauerhafte Lösung darstellt. [lf]

07.07.2020 |

Eine weitere Studie zeigt: Crispr/Cas ist nicht sicher

Reis China Noch ohne Gentechnik: Reisanbau in China (Foto: Eric / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Wissenschaftler aus China und Australien haben das Erbgut von Reissorten mit der Gen-Schere Crispr/Cas bearbeitet. Ihre Versuche führten zu zahlreichen unbeabsichtigten Änderungen in der DNA, die auch weitervererbt wurden. Ihr Fazit: So schnell wird das nichts mit Crispr-Pflanzen auf dem Feld.

Die Forscher der Universitäten Shanghai und Adelaide hatten bei mehreren Hochleistungssorten von Reis ein Gen bearbeitet, das die Wuchshöhe reguliert. Sie beobachteten, wie sich die gewünschte Eigenschaft in den nachfolgenden vier Generationen vererbte und suchten mit einer eigens entwickelten Methode das Erbgut der Pflanzen nach unerwünschten Effekten ab. Dabei fanden sie sowohl am Ort des Eingriffs als auch an entfernteren Stellen des Erbguts kleine und größere unbeabsichtigte Änderungen in der DNA. Sie konnten auch zeigen, dass diese weitervererbt wurden. Zudem ergab sich, dass die erwünschte Änderung – kürzere Halmlängen – je nach Reissorte in den folgenden Generationen unterschiedlich ausgeprägt war. Die Erträge waren meist geringer als bei den unveränderten Pflanzen.

Das Fazit der Wissenschaftler: Crispr/Cas sei bei Reis möglicherweise nicht so präzise wie erwartet. Es müsse „eine frühe und genaue molekulare Charakterisierung und ein Screening über Generationen hinweg durchgeführt werden, bevor das Crispr/Cas9-System vom Labor auf das Feld übertragen werden kann“. Anders gesagt: Es wird Jahre dauern, bevor eine neu entwickelte Crispr-Pflanze im Labor soweit überprüft ist, dass sie in ersten Feldversuchen angebaut werden kann. Und erst dann kann sich zeigen, ob eine im Labor bestätigte Eigenschaft sich auch in der realen Umwelt entsprechend entwickelt.

Für den Londoner Molekulargenetiker Michael Antoniou belegt die Studie, dass bei Eingriffen mit Crispr/Cas die Wahrscheinlichkeit unvorhersehbarer Veränderungen von Genfunktionen sehr real sei. Dies könne zu einer veränderten Biochemie in genveränderten Nahrungspflanzen und dadurch zu Gesundheitsrisiken wie Toxizität und Allergenität führen, warnte Antoniou auf dem Portal GMWatch.

Für VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting ist diese Studie ein weiterer Hinweis darauf, dass die neuen gentechnischen Verfahren Risiken bergen können. Die politisch Verantwortlichen im Bund und in der EU sollten diese wissenschaftlichen Nachweise zur Kenntnis nehmen, mahnt Hissting: „Crispr/Cas ist eben keine Low-Risk-Technologie, die man einfach deregulieren kann.“ Im Blick hat Hissting dabei auch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA. Deren Gentechnik-Experten erarbeiten im Auftrag der EU-Kommission gerade ein Konzept für die Risikoabschätzung neuer gentechnischer Verfahren. Das Institut Testbiotech hat den Entwurf der EFSA bewertet und kam zu der Einschätzung, „dass der veröffentlichte Entwurf erhebliche Mängel aufweist, weil er zahlreiche relevante Publikationen und wissenschaftliche Erkenntnisse außer Acht lässt“.[lf]

02.07.2020 |

EU-Kommission soll Gene Drives einen Riegel vorschieben

Moskito Mücke Anopheles Auch bei Anopheles-Mücken wurden Gene Drives gentechnisch eingebaut (Foto: James Gathany - CDC phil.cdc.gov/PHIL_Images/09262002/00008/A.gambiae.1354.p_lores.jpg)

Umwelt-, Agrar- und Entwicklungsorganisationen aus ganz Europa haben die EU-Kommission aufgefordert, die Freisetzung von Gene Drive Organismen in der EU und international zu ächten. Zudem soll sich die Kommission auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz der UN-Biodiversitätskonvention für ein globales Moratorium stark machen.

Mit Gene Drives lassen sich Gen-Scheren wie Crispr/Cas im Erbgut eines Tieres oder einer Pflanze verankern. Dadurch wiederholt sich die gentechnische Veränderung in der nächsten Generation automatisch und kann sich binnen kurzer Zeit in ganzen Populationen ausbreiten. Organismen mit Gene Drive (GDO) könnten dazu verwendet werden, Stechmücken, Ernteschädlinge oder invasive Arten auszurotten.

„Die von Gene Drive Organismen ausgehenden Umwelt- und Gesundheitsrisiken sind nicht ansatzweise erforscht“, sagt Mareike Imken, Initiatorin der europäischen Kampagne Stop Gene Drives. Es sei unmöglich, die Effekte von GDO in der Natur vorherzusagen, sie einzugrenzen oder die freigesetzten Organismen zurückzuholen. „Schon wenige Gene Drive Organismen, die aus dem Labor entkommen, können eine unkontrollierbare gentechnische Kettenreaktion auslösen“, warnt Imken.

Das Schreiben der 78 Organisationen ist nicht die einzige Warnung an die EU-Kommission. Im April veröffentlichte das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt GeneTip seine Ergebnisse. Das Fazit: GDO seien dafür gemacht, in der Umwelt zu überdauern und sich über lange Zeiträume auszubreiten. Dadurch erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit von unvorhersehbaren Interaktionen im Ökosystem. Zudem sei zu erwarten, dass sich in den nachfolgenden Generationen unerwartete Eigenschaften ausbilden.

Im März wiesen die Umwelt- und Naturschutzbehörden mehrerer EU-Staaten auf die vielen ungeklärten Risiken hin und forderten eine umfassende Technologiefolgenabschätzung. Vor einer Freisetzung müssten Methoden entwickelt und eingeführt werden, um das Risiko abschätzen und mögliche Umweltauswirkungen überwachen zu können. Anfang des Jahres hatte das Europäische Parlament ein globales Moratorium für die Freisetzung von Gene Drives gefordert.

Die EU-Kommission dagegen hält sich bisher bedeckt. Sie lässt die Lebensmittelbehörde EFSA gerade ein Konzept für die Risikobewertung von Gene Drives am Beispiel von Moskitos erarbeiten. Denn hier gibt es – unterstützt von der Gates-Stiftung – bereits konkrete Freisetzungspläne in Westafrika. Das Institut Testbiotech kritisierte, dass die EFSA in ihrem Entwurf das Vorsorgeprinzip außer Acht lasse. Würde es angewandt, müsste eine Freisetzung von GDO untersagt werden, wenn sie sich räumlich und zeitlich nicht kontrollieren lässt. [lf]

29.06.2020 |

Europaabgeordnete beschweren sich über Missachtung des Parlaments

EU Parlament Abstimmung Foto: © European Union 2014 - European Parliament (http://bit.ly/280xukQ, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

42 mal hat die EU-Kommission ablehnende Stellungnahmen des Europäischen Parlaments zu Gentechnik-Zulassungen ignoriert. Jetzt steht der 43. Fall an und 50 Europa-Parlamentarier haben deshalb an EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans geschrieben. Sie fordern, den aus ihrer Sicht undemokratischen Entscheidungsmodus zu ändern und den Green Deal nicht durch ein ‚Weiter so’ bei der Agro-Gentechnik zu gefährden.

Gentechnisch veränderte Pflanzen werden für den Import als Futter- und Lebensmittel in die EU derzeit so zugelassen: Im eigentlich zuständigen Ausschuss der Mitgliedsstaaten fehlt die für die Zulassung notwendige qualifizierte Mehrheit. In diesem Fall fällt das Entscheidungsrecht an die Kommission und diese hat bisher immer die Zulassung erteilt. Das Europäische Parlament hat in bisher 42 Fällen eigene Stellungnahmen verabschiedet und jedes Mal die Kommission aufgefordert, die Gentech-Pflanze nicht zuzulassen. Damit hat das Parlament den Willen der EU-Bürger formuliert, die seit 25 Jahren Gentechnik im Essen mit deutlicher Mehrheit ablehnen. Doch auf die Zulassung haben Parlamentsbeschlüsse keinen Einfluss.
„Diesem Entscheidungprozess fehlt die demokratische Legitimität“ haben 50 Europaabgeordnete aus verschiedenen Fraktionen an Frans Timmermans geschrieben, der als Vizepräsident der EU-Kommission für die Umsetzung des im Dezember 2019 vorgestellten Green Deals verantwortlich ist. Die im Herbst 2019 neu angetretene EU-Kommission muss jetzt zum ersten Mal über eine Zulassung entscheiden. Es geht um die Sojabohne MON 87708 × MON 89788 × A5547-127, die gegen drei Herbizide resistent gemacht wurde. Das Parlament hatte die Zulassung am 14. Mai abgelehnt, „mit der höchsten Zustimmung, die ein solcher Antrag je erreicht hat“, heißt es in dem Schreiben. Gleichzeitig hätten im zuständigen Ausschuss nur zehn Mitgliedsstaaten, die 37 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, für eine Zulassung gestimmt. „Wir bitten Sie dringend, die Zulassung wie vom Parlament verlangt, zu verweigern. Das Recht dazu hat die Kommission“, schreiben die Abgeordneten.
Sie argumentieren auch mit den Gesundheitsrisiken der Herbizide Glyphosat, Glufosinat und Dicamba, gegen die die Gentech-Bohne resistent sei und die deshalb verstärkt eingesetzt würden. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA habe die Risiken eines Rückstandscocktails aus diesen drei Wirkstoffen nicht betrachtet.
Der Sojaanbau in Südamerika sei die wesentliche Ursache dafür, dass die Wälder Amazoniens, des Cerrado und Gran Chaco abgeholzt würden, schreiben die Abgeordneten weiter. Die Entwaldung gefährde die Artenvielfalt und heize den Klimawandel an. Würde die Kommission die Zulassung dieser neuen Gentech-Sojabohne ablehnen, sei dies ein deutliches Zeichen dafür, dass die Versprechen des Green Deal nicht nur leere Worte seien. Die EU-Kommission wollte zu dem Schreiben keine Stellung beziehen. Sie werde den Brief und die aufgeworfenen Fragen direkt und auf formellem Weg beantworten, teilte deren Pressestelle mit. [lf]

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