25.10.2017 |

Glyphosat: keine Mehrheit für Einsatz ab 2018

Herbizid Glyphosat Herbizide Acker Herbizide werden versprüht (Foto: Courtesy of Syngenta)

UPDATE +++ Da sich nicht die nötige Mehrheit für einen weiteren Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat abzeichnete, vertagten die EU-Mitgliedsländer heute in Brüssel ihre Abstimmung dazu auf den 9. November. Das Europäische Parlament hatte sich gestern dafür ausgesprochen, Glyphosat ab 2022 endgültig zu verbieten. Die EU-Kommission hat ihren Vorschlag, das Herbizid für zehn Jahre zu erlauben, jetzt ebenfalls auf fünf Jahre verkürzt.
Denn auch eine Zulassung für sieben Jahre fand bei einem Meinungsbild im zuständigen Brüsseler Ausschuss keine qualifizierte Mehrheit. Wie aus dem Protokoll hervorgeht, waren nur 13 EU-Mitgliedsländer dafür, sieben waren dagegen. Acht hätten sich bei einer Abstimmung enthalten, einige davon weil sie von ihren Regierungen noch nicht autorisiert waren, sich zu dem erst am Tag vor der Sitzung geäußerten Vorschlag zu positionieren.
Klarer war die Front der Befürworter beim Meinungsbild zum ursprünglichen Zehn-Jahres-Vorschlag: Dafür äußerten sich 16-EU-Länder, darunter Polen, Holland und Spanien. Eine qualifizierte Mehrheit unter den 28 EU-Mitgliedern wäre jedoch erst erreicht, wenn die 16 Staaten auch 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentierten.
Glyphosat für drei Jahre erlauben wollen 12 Länder, sieben sind dagegen, neun bezogen keine Stellung. Über diesen Zeitraum wird aktuell auch zwischen Bundesagrar- und Bundesumweltministerium verhandelt. Deutschland musste sich nach dem Koalitionsvertrag der geschäftsführenden Bundesregierung bislang enthalten, weil die beiden Ministerien uneins sind.
Die Details einer Verlängerung - wird die Zulassung mit Auflagen erteilt, läuft sie anschließend aus - blieben bei der Brüsseler Sitzung offen. Die EU-Kommission will jetzt über die Statements der Länder nachdenken. Sie werde weiter nach einem Kompromiss mit einer möglichst breiten Zustimmung unter den 28 EU-Mitgliedern suchen, sagte eine Sprecherin nach der Ausschusssitzung. Glyphosat ist derzeit nur bis 15.12.2017 zugelassen.
Der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz, der niedersächsische Ressortchef Christian Meyer, bezeichnete die vertagte Abstimmung gegenüber der Deutschen Presse-Agentur als einen „Kniefall vor der Chemielobby“. Dabei kritisierte der Grüne die „unrühmliche Rolle“ der Bundesregierung. Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner will in einer möglichen Jamaika-Koalition einen schnellen Glyphosat-Ausstieg besiegeln. Dafür werde man sich bei den Koalitionsgesprächen mit CDU und FDP einsetzen.
Unterdessen schloss sich die SPD-Bundestagsfraktion der Forderung des Europäischen Parlaments an, Glyphosat ab 2022 zu verbieten. In einem nationalen Ausstiegsplan müsse verstärkt auf Forschung für alternative Bewirtschaftungsmethoden und ökologisch verträglichere Pflanzenschutzmittel gesetzt werden, verlangten die SPD-Parlamentarier.
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) forderte die EU-Kommission ebenfalls auf, sich an der rechtlich nicht bindenden Entscheidung des Europäischen Parlaments zu orientieren. Ab 2018 sollte das Breitbandherbizid im Haus- und Kleingartenbereich sowie im öffentlichen Grün verboten werden. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller verwies auf eine repräsentative Umfrage, wonach 74 Prozent der Deutschen dafür sind, Glyphosat sofort zu verbieten.
Für einen sofortigen Einsatzstopp plädierte auch der Vorsitzende des Bund für Umwelt- und Naturschutz, Hubert Weiger, nachdem die EU-Kommission in fünf Anläufen keine Mehrheit für eine weitere Zulassung organisieren konnte. Dabei solle sie sich nicht von Klagedrohungen des Herstellers Monsanto schrecken lassen, der „einmal mehr das Bild eines skrupellosen, von Profitgier getriebenen Agrarkonzerns“ abgebe. „Jedes weitere Jahr Glyphosat ist eines zu viel“, so der Referent für Agrarpolitik im Umweltinstitut München, Karl Bär. „Die Zerstörung der Artenvielfalt, die Gefahren für unsere Gesundheit und das korrumpierte Zulassungsverfahren sind nicht akzeptabel.“ [vef]

19.10.2017 |

EU-Abgeordnete: Glyphosat ab 2020 verbieten

EU Parlament Abstimmung Foto: © European Union 2014 - European Parliament (http://bit.ly/280xukQ, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (EP) fordert, das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ab Ende 2020 endgültig zu verbieten. Das Bundesagrarministerium sondiert aktuell bei den KollegInnen vom Umweltressort, ob man sich auf eine vorübergehende Verlängerung der Zulassung für zwei bis drei Jahre verständigen kann, bestätigte eine Sprecherin des Umweltministeriums dem Infodienst auf Anfrage. Kommenden Mittwoch sollen die EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel darüber abstimmen, ob und wie lange Glyphosat weiter versprüht werden darf.
Bislang fehlte in der EU eine qualifizierte Mehrheit zu dieser Frage, unter anderem weil Deutschland sich enthalten hatte. Wie eine Sprecherin betonte, bleibe es bei der Position von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), dass ein Kompromiss nur unter strengen artenschutzrechtlichen Auflagen denkbar sei. Diese seien bisher nicht angeboten worden. Es sieht derzeit also nicht danach aus, dass Deutschland kommende Woche für einen weiteren Einsatz von Glyphosat stimmen wird. Denn auch die Grünen, mit denen die CDU aktuell Koalitionsverhandlungen führt, wollen Glyphosat verbieten.
Wie berichtet haben sich Österreich und Italien ebenfalls klar gegen das Herbizid positioniert. Aus Frankreich kommen unterschiedliche Töne: Während Premierminister Emmanuel Macron eine Verlängerung von fünf bis sieben Jahren für denkbar hält, hat der französische Umweltminister Nicolas Hulot angekündigt, Glyphosat innerhalb der nächsten fünf Jahre verbieten zu wollen. Um die Entscheidung abzusichern, wolle Hulot gemeinsam mit der Gesundheitsministerin unabhängige Studien in Auftrag geben, schrieb die französische Zeitung Libération. Denn die französischen Bauernverbände laufen bereits Sturm gegen ein mögliches Verbot.
Sollten die EU-Mitgliedsländer bis 15.12. keine Mehrheit finden, würde die Zulassung für Glyphosat dann wohl auslaufen. Denn die EU-Kommission hat bereits mehrfach versichert, dass sie diese nicht in eigener Verantwortung verlängern will. Und das Votum des Umweltausschusses des EP und das des Parlaments selbst, das kommenden Dienstag über den Vorschlag des Ausschusses abstimmen will, hat rechtlich keine bindende Wirkung. Es kann nur den politischen Druck auf die RegierungsvertreterInnen der EU-Mitgliedsstaaten erhöhen. Bauerngewerkschaften verschiedener Länder wie Glyphosathersteller haben Klage für den Fall angekündigt, dass Glyphosat verboten wird.
Vertreterinnen der Zivilgesellschaft haben die Bundesregierung erneut aufgefordert, den Einsatz des Herbizids nicht weiter zu erlauben. "Solange nicht völlig geklärt ist, dass Glyphosat keine negativen Folgen für Mensch und Umwelt hat, darf es nicht zugelassen werden", verlangte etwa der Chef des katholischen Hilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sowie die Aurelia Stiftung forderten angesichts eines dramatischen Rückgangs der Insekten in einem Bienenaktionsplan ein Verbot von Glyphosat.
Unterdessen hat das Schweizer Label IP-Suisse angekündigt, dass seine Produzenten vom kommenden Jahr an beim Anbau von Getreide auf Glyphosat verzichten sollen. Wie die Zeitung „Schweizer Bauer“ berichtete, soll eine neue Richtlinie den Einsatz von glyphosathaltigen Herbiziden „ab der Ernte der Vorkultur bis zur Ernte der Hauptkultur“ verbieten. Wer ohne das Herbizid nicht auskommt, kann allerdings eine Sonderbewilligung beantragen. [vef]

18.10.2017 |

Wissenschaftler: neue gentechnische Verfahren streng regulieren

DNA Genom DNA-Modell der Ausstellung "Genome: The Secret of How Life Works" im Jahr 2012 (Foto: George Bush Presidential Library and Museum / flickr, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Neue gentechnische Verfahren sollten strikt nach Gentechnikrecht beurteilt und zugelassen werden, meint die Wissenschaftlervereinigung ENSSER (European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility). Die 60 Unterzeichner der Erklärung betonten, dass diese Techniken unbeabsichtigte, unvorhersehbare und potentiell negative Konsequenzen mit sich bringen können. Eine gründliche und wissenschaftlich unabhängige Risikoprüfung sei deshalb unerlässlich.

ENSSER veröffentlichte die Stellungnahme parallel zu einer Konferenz der Europäischen Union zu diesem Thema. „Es geht nicht darum, diese Techniken zu verbieten“, erklärte ENSSER-Vorstandsmitglied Ricarda Steinbrecher auf dieser Tagung. „Wir brauchen jedoch eine Regulierung und Risikobewertung, da diese Techniken noch sehr neu und nicht ausreichend erforscht sind.“ Die Behauptung der Befürworter, die neuen Techniken seien präzise und würden nur die beabsichtigten und erwünschten Effekte hervorrufen, sei ungerechtfertigt, heißt es in der ENSSER-Erklärung. Veröffentlichte Studien zeigten, dass es regelmäßig zu unerwarteten und unerwünschten Nebenwirkungen käme. Der Vorschlag, die neuen Verfahren aus dem Gentechnikrecht herauszunehmen, würde das EU-Zulassungsverfahren zerstören, das auf dem Vorsorgeprinzip beruht, warnte ENSSER.
Auch aus Sicht der EU-Gruppe des Biodachverbandes IFOAM gibt es weder rechtliche noch wissenschaftliche Gründe, diese Techniken von der Regulierung auszuschliessen. Eine Deregulierung hingegen würde die Gentechnikfreiheit des Biolandbaus und der gesamten gentechnikfreien Landwirtschaft gefährden, sagte Jan Plagge, Vize-Präsident von IFOAM-EU. „Die Europäische Union sollte garantieren, dass kein durch die neuen Techniken hergestelltes Produkt vermarktet wird, bevor Nachweismethoden verfügbar sind.“

Die Schweizer Allianz Gentechnikfrei (SAG) berichtete, andere Teilnehmer der Konferenz hätten argumentiert, dass es nötig sei, die Verbraucher über die Sicherheit dieser Techniken zu informieren und ihr Vertrauen zu gewinnen. Von den neuen Techniken würde keine Gefahr für die Konsumenten ausgehen, da diese sehr präzise und zielgerichtet seien. Nur eine Anwendung der Techniken garantiere die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Land- und Lebensmittelwirtschaft „Wir haben eine Innovationskrise in Europa und bisher keinen Weg gefunden, um Innovation in die Regulierung zu integrieren“, zitierte die SAG John Bell, Direktor für Bioökonomie bei der EU-Kommission.

Auch für die Mehrheit der Konferenzteilnehmer war klar, dass die neuen gentechnischen Verfahren für die EU-Landwirtschaft in der Zukunft eine Rolle spielen sollten. Doch diese Meinung des Publikums, das zu einem Großteil aus Vertretern der industriellen Agrarwirtschaft und Politikern bestand, sei nicht repräsentativ für die Auffassung der Bevölkerung, sagte Camilla Udsen, leitende politische Beraterin beim Dänischen Verbraucherverband. Bei den Konsumentinnen und Konsumenten sei ein großes Misstrauen gegenüber den neuen gentechnischen Verfahren spürbar. Sie verwies auf eine Empfehlung des Transatlantischen Verbraucherdialogs, ein Forum US-amerikanischer und EU-Verbraucherorganisationen. Es fordert ebenfalls, dass Produkte, die mit Hilfe dieser Verfahren hergestellt wurden, als gentechnisch veränderte Organismen reguliert sowie verbindlich gekennzeichnet werden müssten. [lf]

16.10.2017 |

Verunreinigter Mais kostet Syngenta 1,2 Milliarden Euro

Syngenta Syngenta ist einer der größten Saatgut- und Pestizidhersteller der Welt (Foto: Courtesy of Syngenta)

Der Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta hat sich mit klagenden US-Landwirten auf einen Vergleich geeinigt und soll dafür nach Medienberichten gut 1,2 Milliarden Euro zahlen. Der Streit mit Schätzungen zufolge bis zu 400.000 US-Bauern schwelt seit 2013. Damals hatten chinesische Behörden 1,45 Millionen Tonnen US-Mais zurückgewiesen, weil er mit dem in China noch nicht zugelassenen Gentech-Mais Viptera von Syngenta verunreinigt war.

In einem ersten Prozess verurteilte ein Gericht in Kansas Syngenta diesen Sommer dazu, 7.300 klagenden Landwirten 195 Millionen Euro Schadensersatz zu zahlen. Die Landwirte warfen Syngenta vor, sie über die Verhandlungssituation mit China getäuscht zu haben. Syngenta habe den GV-Mais 2011 mit der Ankündigung auf den US-Markt gebracht, eine Importgenehmigung durch China stehe unmittelbar bevor. China habe den Import jedoch erst drei Jahre später erlaubt. Dadurch sei ihnen China als Wachstumsmarkt weggebrochen, klagten die Landwirte. Gleichzeitig seien die Maispreise deutlich gesunken, was sie ebenfalls Syngenta anlasteten.

Da noch zahlreiche ähnliche Verfahren ausstanden, zog Syngenta aus diesem Urteil offensichtlich Konsequenzen. Der nun abgeschlossene Vergleich soll nach Angaben der Agentur Bloomberg sämtliche Ansprüche US-amerikanischer Landwirte abdecken. Deren Zahl schätzt das Unternehmen auf 350.000 bis 400.000. Die Luzerner Zeitung schrieb unter Berufung auf die Research-Agentur Sustainalytics sogar von 440.000 amerikanischen Klägern, die Schadenersatzansprüche von mehr als fünf Milliarden Dollar stellten. Ob sie alle sich auf diesen Vergleich einlassen werden, sei offen. Es könnten auch Landwirte in der Hoffnung auf eine höhere Entschädigung weiter klagen. Unberührt von dem Vergleich sind die Klagen großer Agrarhändler wie Cargill sowie kanadischer Landwirte. Die Luzerner Zeitung gibt die in diesen Fällen verlangten Summen mit 110 Millionen und 250 Millionen Euro an.

All diese Zahlungen reißen ein großes Loch in die Kassen des Konzerns. Dessen Jahresgewinn lag 2016 bei einer Milliarde Euro. Für juristische Streitigkeiten seien nur knapp 100 Millionen Euro zurückgelegt, rechnete die Luzerner Zeitung vor und spielt auf die gerade erst abgeschlossene Syngenta-Übernahme an: „Der ohnehin schon sehr sportliche Preis von 43 Milliarden Dollar, den Chemchina für die Schweizer Chemiefirma auf den Tisch legte, könnte sich als Folge der Altlast also weiter erhöhen“, prognostizierte das Blatt. Dabei steht der nächste Ärger schon ins Haus. Die Maissorte Enogen des Konzerns Syngenta - für die Ethanol-Herstellung gentechnisch verändert - wurde in diesem Frühjahr erstmals auch in Speisemais nachgewiesen. Auch dieser Verunreinigungsfall könnte den Konzern Milliarden kosten. [lf]

12.10.2017 |

Glyphosat: EU-Abgeordnete fordern Untersuchungsausschuss

Herbizide Glyphosat Pestizide allgemein Herbizide (Foto: Chafer Machinery / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

UPDATE +++ Erkranken Menschen durch den Unkrautvernichter Glyphosat nun häufiger an Krebs oder nicht? Um klarer zu sehen, hatte das Europäische Parlament (EP) gestern Experten zu einer Anhörung unter dem Titel „Die Monsanto Papiere und Glyphosat“ nach Brüssel eingeladen. Dabei blieben offenbar so viele Fragen unbeantwortet, dass sozialistische und grüne Abgeordnete einen Untersuchungsausschuss zum Thema einsetzen wollen. Auch die österreichische Umweltorganisation „Global 2000“ hält das für dringender denn je.
Die Anhörung habe gezeigt, „dass wir zu Recht seit längerem daran zweifeln, dass bei der Unbedenklichkeitsprüfung für Glyphosat alles mit rechten Dingen zugegangen ist“, so der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling. Damit der Einfluss des Herstellers Monsanto auf die positive Klassifizierung des Wirkstoffs Glyphosat genauer untersucht werden kann, unterstützen die Grünen im EP die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses.
„Es wird immer offenkundiger, dass der klaffende Widerspruch zwischen der Krebseinstufung der WHO und dem Persilschein der EU auf Manipulation und wissenschaftliches Fehlverhalten zurückzuführen ist“, konstatierte auch Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000. Zuvor hatte der Chef der Pestizid-Abteilung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erneut versichert, Glyphosat sei nicht krebserregend. Basis dieser Einschätzung seien Hundertausende Seiten an Dokumentation, die 24 betroffene Unternehmen hätten liefern müssen, berichtete der österreichische Standard. Auch habe die EFSA selbst 1500 Studien zur Toxizität von Glyphosat durchgeführt, zitierte das Blatt José Tarazona.
Die Toxikologin Kate Guyton von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC bezeichnete die industriefinanzierten Studien dagegen als wenig aussagekräftig. "Bei finanziellen Interessen fehlt oft die Objektivität", so Guyton laut Wallstreet-online. Die IARC habe ausreichend Beweise gefunden, dass Glyphosat bei Tieren Krebs auslösen könne und vermutlich auch bei Menschen. Auch Christopher Portier von der Maastricht University kritisierte die Entwarnung der EU-Behörden: Sie hätten nicht alle Forschungsergebnisse und damit alle gefundenen Tumore berücksichtigt. Daher könne die Bewertung keinen Bestand haben, so der Krebsforscher.
Zwei wesentliche Akteure entzogen sich der Befragung durch die Abgeordneten: der Hersteller Monsanto und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Wie berichtet wird der Behörde vorgeworfen, ihre Gesundheitsbewertung des Unkrautvernichters in wichtigen Teilen aus Gutachten der Hersteller abgeschrieben zu haben. Diese Bewertung wiederum war Grundlage für die Entwarnung der EFSA. Die Europäische Kommission hatte auf dieser Basis vorgeschlagen, die Zulassung für Glyphosat um zehn Jahre zu verlängern. Am 15. Dezember läuft diese Zulassung aus. Die Frage ist, ob sich die EU-Mitgliedsstaaten bis dahin einig werden.
Der nächste geplante Abstimmungstermin wurde soeben auf den 25. Oktober verschoben. Wie aus gut informierten Kreisen verlautete, hatten bei der vorigen Sitzung am 5. Oktober 13 von 28 EU-Mitgliedern den Vorschlag der EU-Kommission unterstützt, den Einsatz von Glyphosat für weitere zehn Jahre zu erlauben. Vier EU-Länder haben sich schon klar dagegen ausgesprochen, darunter Frankreich und Österreich. Viele scheinen aber noch unentschlossen, wie das Protokoll der Ausschusssitzung vom 5. Oktober zeigt.
Gespannt wartet man jetzt auf die nächste deutsche Regierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zwar im Wahlkampf klar pro Glyphosat positioniert. Aber die Grünen, mit denen sie jetzt koalieren will, sind dagegen. Und werden dabei offenbar auch im schwarzen Lager unterstützt: "Als Landwirt möchte ich sagen, dass wir auf unserem Betrieb kein Glyphosat einsetzen und dafür auch keine Notwendigkeit besteht", versicherte der CSU-Abgeordnete Albert Deß bei der Anhörung in Brüssel. Für den grünen niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel besteht jetzt eine „reale Chance, dieses Teufelszeug endlich aus der europäischen Landwirtschaft zu verbannen. Wenn die Berliner Vertreter nicht zustimmen“, zitierte ihn die Neue Osnabrücker Zeitung, „ist die Zulassung voraussichtlich vom Tisch.“ [vef]

11.10.2017 |

Aktion FOODPrint: Ein Zeichen setzen gegen neue Gentechnik-Verfahren

Der Naturkosthersteller Rapunzel hat – unterstützt von zahlreichen Unternehmen und Verbänden der Branche – die Aktion FOODPrint ins Leben gerufen. Sie weist auf die Risiken neuer gentechnischer Verfahren hin, fordert deren Regulierung durch das Gentechnikrecht – und hinterlässt Spuren.

Die Idee hinter FOODPrint: Menschen, die für Saatgutvielfalt und eine gentechnikfreie Welt eintreten wollen, können dafür ein Zeichen setzen - mit ihrem Fußabdruck. „Das geht ganz einfach: Schuh runter, die Fußsohle in hautfreundliche Kindermalfarbe tauchen und damit auf eine der großen Stoffbahnen einen Fußabdruck hinterlassen!“ So beschreibt Rapunzel die Aktion, die am 9. und 10. September auf dem Eine Welt Festival des Herstellers Premiere hatte. Über 1.000 Fußabdrücke kamen dort zusammen. Auf den beiden regionalen Biofachhandelsmessen BioSüd und BioNord, die jetzt im Herbst in Augsburg und Hannover stattfanden bzw. noch anstehen, sammelt Rapunzel weiter Fußabdrücke. „Wer seine Fußsohle nicht in Farbe tauchen möchte, kann auch einfach mit Stiften die Füße umranden und sich so kreativ beteiligen“, heißt es auf der FOODPrint-Webseite. Neben den Stoffbahnen gibt es auch Unterschriftenlisten, auf denen man diese Forderungen – vorerst bis Ende des Jahres - auf herkömmliche Art unterstützen kann.

Unterfüttert ist der kreative Akt mit einem Positionspapier, das die Teilnehmer der Aktion mit ihrem Fußabdruck quasi unterschreiben. „Gerste, Raps, Mais, Soja, Champignon und Kartoffeln gehören zu den Kulturen, die bereits mit Verfahren der Neuen GenTechnik (NGT) - auch Genome Editing genannt - verändert werden“, heißt es darin. Erste Feldversuche seien am Laufen und für 2021 wären erste Produkte angekündigt. Da alle diese Techniken direkt ins Genom eingreifen, seien sie „als Gentechnik-Verfahren einzustufen und entsprechend zu regulieren“, lautet die wichtigste Forderung. Die daraus entstehenden Produkte müssten eindeutig gekennzeichnet und rückverfolgbar sein. Weiter fordern die Unterzeichner, das Verursacherprinzip umzusetzen und die Mehrkosten für getrennte Warenströme und Analysen den Gentechnik-Anwendern aufzubürden. Die gentechnikfreie und ökologische Züchtung soll gefördert werden und mindesten soviel Geld erhalten wie die vom Staat finanzierte Risikoforschung.

Die Forderungen zusammen mit den Stoffbahnen und Unterschriften will Rapunzel-Geschäftsführer Joseph Wilhelm zusammen mit den bunten Stoffbahnen dem Landwirtschaftsminister der noch zu bildenden neuen Bundesregierung persönlich überreichen. Er bekäme damit auch den Fußtritt eines noch amtierenden Ministers. Denn auf dem Festival unterzeichnete Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) mit seinem Fuß das Positionspapier. [lf]

10.10.2017 |

Wisssenschaftler: „Ben und Jerry‘s“-Eiscreme enthält Glyphosat

Eis Vanille Foto: ario_ / Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0

Wissenschaftler haben Spuren des Unkrautvernichters Glyphosat in Speiseeisproben aus Deutschland und drei weiteren EU-Ländern gefunden. Sie lägen zwar unter den zulässigen Grenzwerten, stellten aber trotzdem ein Gesundheitsrisiko dar, sagte der Forscher Gilles-Eric Séralini am Dienstag in Brüssel. Der Eiscreme-Hersteller „Ben und Jerry‘s“, der zum Unilever-Konzern gehört, hat nach einem Bericht des britischen Guardian unterdessen angekündigt, bis spätestens 2020 keine Zutaten mehr zu verwenden, die Glyphosat enthalten. Schon im kommenden Jahr will er auf dem US-Markt eine Bio-Eislinie einführen.
Nach einem Bericht des Branchendienstes Proplanta waren in 13 von 14 Eisproben von „Ben und Jerry‘s“, die in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden gekauft worden waren, Glyphosat-Spuren gefunden worden. Die Konzentration von bis zu 1,23 Nanogramm pro Milliliter sei zwar niedriger als die offiziellen Grenzwerte, doch diese seien überholt, sagte Séralini. Bei regelmäßigem Verzehr hätten auch zehnmal niedrigere Glyphosatwerte in Versuchen ernste Leber- und Nierenerkrankungen ausgelöst, so der Forscher.
Laut Michael Antoniou, einem Wissenschaftler, der am Londoner Kings College zu den gesundheitlichen Folgen von Glyphosat geforscht hat, müssten sich Eltern jedoch keine Sorgen machen: Seiner Ansicht nach müsste ein 35 kg schweres Kind über mehrere Jahre täglich 114 ml „Ben & Jerry’s“-Eiscreme essen, um einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt zu sein, schreibt der Guardian.
Eine Sprecherin des Eisherstellers zeigte sich wenig überrascht über die gefunden Werte: „Glyphosat ist eines der meistverbreiteten Herbizide in der Landwirtschaft und ist überall, selbst im Regenwasser“, zitierte sie der Guardian. Sie sprach sich für eine Abschaffung von Glyphosat aus. Der Eiscreme-Hersteller verwendet nach eigenen Angaben keine gentechnisch veränderten Zutaten. Verbraucherschützer vermuteten, dass das Glyphosat über die Milch ins Eis gelangt sein könnte.
Um die gesundheitlichen Risiken von Glyphosat geht es auch an diesem Mittwoch, dem 11.10. ab 9.30 Uhr bei einer öffentlichen Experten-Anhörung im Europäischen Parlament unter dem Titel „Die Monsanto-Papers und Glyphosat". [vef]

09.10.2017 |

Gutachten bestätigt: Glyphosat-Bewertung ist ein Plagiat

Eine europäische Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (http://bit.ly/2qxs1RO) Eine europäische Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen Glyphosat. Foto: Jakob Huber/Campact (http://bit.ly/2qxs1RO)

Der Bewertungsbericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zur weiteren Zulassung des Herbizids Glyphosat erfüllt in wesentlichen Teilen die „Kriterien eines Textplagiats“. Zu diesem Ergebnis kam der Plagiatprüfer Stefan Weber in einem Sachverständigengutachten. Dazu hatte er drei ausgewählte Kapitel des BfR-Berichts zu den gesundheitlichen Risiken von Glyphosat mit entsprechenden Passagen aus dem Zulassungsantrag der Glyphosat-Hersteller verglichen.

„Über zahlreiche Seiten hinweg wurden Textpassagen praktisch wörtlich übernommen“, erklärte Plagiatsgutachter Weber. „Die systematische Unterlassung von Quellenangaben und das gezielte Entfernen von Hinweisen auf die tatsächlichen Verfasser der Texte lässt sich nur als bewusste Verschleierung ihrer Herkunft deuten.“ Es sei offensichtlich, dass das BfR keine eigenständige Bewertung der zitierten Studien vorgenommen habe. Der Gutachter wies darauf hin, dass das BfR sich in seinen Leitlinien zu den Grundsätzen der guten wissenschaftlichen Praxis bekenne. Nach diesen sei ein Plagiat ein klarer Ausdruck wissenschaftlichen Fehlverhaltens. In Auftrag gegeben hatte das Gutachten die österreichische Umweltorganisation Global 2000. Der Österreicher Stefan Weber gilt als Experte in der deutschsprachigen Plagiatsforschung. Er hat in den letzten Jahren mehr als 800 wissenschaftliche Arbeiten untersucht und einhundert davon als Plagiate entlarvt. Die drei von ihm überprüften Kapitel des BfR-Berichts befassten sich mit der Bewertung veröffentlichter Studien über die krebserregende, erbgutschädigende und fortpflanzungsschädigende Wirkung von Glyphosat.

„Wer abschreibt und sich dabei erwischen lässt, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem“, kommentierte der Toxikologe und Vorstand des Pestizid Aktions-Netzwerks PAN Germany, Peter Clausing. „Verschärft wird dieses Problem, wenn es sich beim Abschreibenden um eine Behörde handelt, die das Gesundheitsrisiko für 500 Millionen Europäer zu bewerten hatte.“
Das BfR wies das Plagiatsgutachten als „haltlose Vorwürfe“ zurück und verteidigte sein Vorgehen: Textteile „aus Studienbeschreibungen und öffentlich zugänglicher Literatur, die von den Antragstellern als Teil der gesetzlich geforderten Dossiers eingereicht werden müssen“ zu übernehmen sei eine „allgemeine, national und international übliche und anerkannte Vorgehensweise, die nicht nur bei Pflanzenschutzmitteln sondern auch bei Arzneimitteln, Bioziden und Chemikalien etabliert ist.“ Auf den eigentlichen Plagiats-Vorwurf, die übernommenen Textteile nicht kenntlich gemacht und teilweise sogar verschleiert zu haben, ging das BfR nicht ein.

„Durch das Gutachten von Stefan Weber ist jetzt unzweifelhaft belegt: Die Behörden haben ihren amtlichen Glyphosat-Persilschein zu großen Teilen einfach von Monsanto kopiert“, sagte Harald Ebner, Agrarexperte der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen. Eine Glyphosat-Neuzulassung dürfe es auf Basis dieser Plagiats-Risikobewertung nicht mehr geben. Ebner forderte die EU-Kommission auf, ihren Zulassungs-Vorschlag selbst einzukassieren. Ansonsten müssten „die EU-Staaten sie durch ein deutliches 'Nein' zum Zulassungsvorschlag dazu zwingen.“

Dazu könnte es noch kommen. Nach Agenturmeldungen haben die EU-Mitgliedsstaaten letzten Donnerstag im zuständigen Ausschuss die Abstimmung über die Wiederzulassung von Glyphosat verschoben. Demnach sperren sich insbesondere Frankreich, Österreich, Luxemburg und Italien gegen die geplante weitere Zulassung von Glyphosat für zehn Jahre. Deutschland habe sich bisher nicht festgelegt. Die EU-Kommission soll den Druck in der Sitzung erhöht haben. Sie behauptete, dass die EU sich bei einer Nichtverlängerung der Zulassung gegenüber den Herstellern schadenersatzpflichtig machen könnte. Die nächste planmäßige Ausschusssitzung ist für den 23. Oktober vorgesehen. [lf]

05.10.2017 |

Europaparlament lehnt dreifach-resistente Gentech-Soja ab

Soja Gentechnik-Soja wächst auf 91 Millionen Hektar weltweit (Foto: CC0)

Das Plenum des Europäischen Parlaments hat sich gestern gegen die Zulassung von zwei Sorten dreifach-resistenter Gentech-Soja ausgesprochen. Nach Angaben des Abgeordneten Bart Staes von der Fraktion Grüne/EFA forderten 458 Abgeordnete die EU-Kommission auf, die von ihr geplante Importzulassung zurückzuziehen und endlich das Zulassungsverfahren zu überarbeiten. Bei 193 Gegenstimmen und 36 Enthaltungen sprachen sich damit mehr als zwei Drittel der Abgeordneten für die Resolution aus – die allerdings keine bindende Wirkung für die Kommission hat. Um den öffentlichen Druck auf die Kommission zu verstärken, hat die Organisation Testbiotech einen Erklärvideo ins Netz gestellt, verbunden mit einer Mail-Aktion an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis.

Es geht um zwei Sojasorten der Konzerne Bayer und DowDuPont. Sie wurden gentechnisch so verändert, dass sie nicht nur die Behandlung mit dem Unkrautvernichter Glyphosat überleben. Die Bayer-Soja mit der Bezeichnung FG72 × A5547-127 ist zudem gegen die Spritzmittel Glufosinat und Isoxaflutol resistent. Die Sorte DAS-44406-6 von DowDuPont übersteht Duschen mit Glufosinat und 2-4-D. All diese Herbide sind gefährlich für Mensch und Umwelt: 2,4-D soll Geburtsschäden und Erbgutveränderungen verursachen sowie hormonell wirksam sein. 2015 haben es die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. Der von Bayer entwickelte Wirkstoff Glufosinat ist giftig und kann menschliche Embryos schädigen. Deshalb läuft seine Zulassung in der EU im Juli 2018 endgültig aus. Doch in andere Länder verkauft Bayer das Gift weiterhin. Beim Bayer-Herbizid Isoxaflutol hegt selbst die europäische Lebensmittelbehörde EFSA den Verdacht einer krebserregenden Wirkung.

Trotz dieser bekannten Gefahren habe die europäische Lebensmittelbehörde EFSA nicht überprüft, welche Folgen die Rückstände aus einer kombinierten Anwendung dieser Herbizide auf den Menschen hätten, kritisierten die Europaabgeordneten in ihrer Resolution. Deshalb könne der Einsatz dieser Sojabohnen als Lebens- und Futtermittel nicht als sicher gelten. Bereits im September hatten die EU-Mitgliedsstaaten über die geplante Zulassung abgestimmt, aber keine qualifizierte Mehrheit dagegen erreicht, so dass nun die Kommission am Zuge ist. Die EP-Abgeordneten machten noch einmal darauf aufmerksam, dass sich in beiden Fällen lediglich elf bzw. zwölf Mitgliedstaaten, die 39 % der Bevölkerung repräsentierten, für eine Zulassung ausgesprochen hätten. Dennoch die Einfuhr zu erlauben, sei ein Verstoß gegen die Demokratie, hielten sie der Kommission vor. [lf]

04.10.2017 |

USA: Gentechnisch veränderte Äpfel kommen auf den Markt

Apfel Apfelschnitten Gentechnik soll Äpfel länger frisch aussehen lassen (Foto: birgitH / pixelio)

In den USA werden in diesem Herbst erstmals größere Mengen gentechnisch veränderter Äpfel in Supermärkten angeboten. Das Unternehmen Okanagan Specialty Fruits (OSF) hat im Magazin America Fruit mitgeteilt, dass es rund 9.000 Tonnen seiner ‚Arctic Apples’ ernten werde. Sie wurden gentechnisch so verändert, dass ihr Fruchtfleisch nach dem Aufschneiden nicht braun wird.

Um das zu erreichen, wurden die Pflanzen so programmiert, dass sie veränderte Botenstoffe (RNA) produzieren. Diese neue Boten-RNA schaltet das für die Produktion des Enzyms Polyphenoloxidase verantwortliche Gen ab. Damit fehlt den Äpfeln das Enzym, das für das Braunwerden verantwortlich ist. Die Verbraucherorganisation Center for Food Safety befürchtet, dass sich die geänderte RNA auch auf andere Gene auswirken und so zu unerwünschten Nebeneffekten führen könnte. Zudem sei für die Verbraucher nicht mehr sichtbar, ob vorab aufgeschnittenes Obst noch frisch oder schon verdorben sei. Im schlimmsten Fall könnten sie sich eine Lebensmittelvergiftung zuziehen.

Das US-Landwirtschaftsministerium hatte Anfang 2015 den Anbau der Gentech-Äpfel erlaubt und in der Folge auch drei Sorten für den Verzehr freigegeben. Es sind Arctic Apple-Varianten der Sorten Golden Delicios, Granny Smith und Fuji. Auf 80 Hektar im US-Staat Washington hatte OSF seine erste Plantage angelegt. Einzelne Testverkäufe gab es bereits im letzten Winter, nun steht mit 9.000 Tonnen die erste größere Ernte an. OSF-Geschäftsführer Neal Carter kündigte im Gespräch mit America Fruit an, er wolle die Erntemenge in den kommenden Jahren verdoppeln, „bis wir genügend Volumen haben, um die internationale Nachfrage großer Handelsketten und Verarbeiter zu befriedigen.“ Nach dem US-Markt will OSF Kanada beliefern und Carter schloss auch nicht aus, bei der EU eine Zulassung für seine Äpfel zu beantragen. Parallel will er nach Anbauflächen auf der Südhalbkugel suchen, um das ganze Jahr über lieferfähig zu sein.

Doch in den USA und Kanada stößt der immerfrische Gentech-Apfel auch auf Protest. Regionale Apfelerzeuger und der Verband der US-Apfelindustrie, die U.S. Apple Association, hatten bereits 2015 gegen die Zulassung protestiert. Sie bangen um den Ruf ihrer Äpfel und befürchten, dass ihre Plantagen kontaminiert werden könnten. Die Fastfood-Ketten Mc Donalds und Wendy’s hatten nach Verbraucherprotesten mitgeteilt, auf Arctic Apple zu verzichten. Der Babykosthersteller Gerber versicherte, das bei ihm keine Gentech-Äpfel in die Gläser kämen. Seit den ersten Testverkäufen im letzten Winter verlangen Verbraucherorganisationen von Supermarktketten, Arctic Apples zu boykottieren. Gekennzeichnet werden müssen die Äpfel nicht. Doch OSF will sie aktiv als immerfrische Arctic Apple vermarkten, so dass sie zumindest für aufgeklärte Verbraucher als Genfood erkennbar sind. Gut erkennbar wird auch eine weitere gentechnisch veränderte Frucht sein, die bald in den USA auf den Markt kommen soll. Die Fruchtkonzerne Delmonte und Dole bieten eine rosa Ananas an, die derzeit auf Plantagen auf Hawaii und Costa Rica heranwächst. Auch sie wurde mittels synthetischer RNA-Botenstoffe hergestellt. Den Früchten fehlt ein Enzym, dass den roten Farbstoff Lycopen in gelbes Betacarotin umwandelt. [lf]

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