08.02.2018 |

Schweinepest soll Genome Editing zu mehr Akzeptanz verhelfen

Schwein Foto: pixelio.de / Karin Wobig

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) nähert sich Deutschland und macht den hiesigen Schweinemästern Angst. Durch Genome Editing resistent gemachte Schweine könnten der Viruserkrankung den Schrecken nehmen, argumentieren Gentechnik-Befürworter. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die angebliche Lösung keine ist.

Die Schweinepest ist zwar für Menschen ungefährlich, für Schweine jedoch endet sie tödlich. Weil es keine Impfung und keine Medizin dagegen gibt, muss bei einem befallenen Schwein vorsorglich der ganze Bestand getötet werden. Gleichzeitig treten strenge Seuchenregelungen in Kraft, die die Vermarktung von Schweinefleisch massiv behindern. In den letzten zehn Jahren hat sich die ASP über Russland und das Baltikum bis nach Tschechien und Polen ausgebreitet. Das Friedrich-Löffler-Institut des Bundes schätzt das Risiko, dass der Erreger auch in Deutschland auftaucht, als hoch ein.

Afrikanische Warzenschweine sind, anders als die hiesigen Wildschweine, gegenüber der ASP resistent. Sie tragen zwar das Virus in sich, werden davon aber nicht krank. Verantwortlich dafür soll die Ausprägung eines bestimmten Gens sein, das Reaktionen des Immunsystems von Schweinen steuert. Wissenschaftler des schottischen Roslin Institute haben bereits 2015 dieses sogenannte RELA-Gen bei Hausschweinen mit Methoden des Genome Editing so umgeändert, dass es dem RELA-Gen des Warzenschweins entspricht. Laut einem Bericht des Deutschlandfunks verfügt das Institut derzeit über zehn Gentech-Schweine im Alter von zwei Monaten, die gegen ASP resistent sein sollen. Um zu überprüfen, ob dies tatsächlich zutrifft, wollen die Roslin-Wisenschaftler diese Tiere im Sommer mit dem ASP-Erreger infizieren. Auch wenn der Versuch erfolgreich sein sollte, dürfte die weitere Entwicklung dieser Gentech-Schweine noch Jahre dauern. Danach müssten sie in der EU erst noch nach Gentechnikrecht zugelassen werden. Schon zeitlich liegt diese Lösung also noch in weiter Ferne.

Auf ein grundlegendes Problem dieser Gentech-Resistenz hat das Institut Testbiotech bereits vor zwei Jahren in einer Studie für die Grünen im Bundestag hingewiesen: Sollten sich die resistenten Tiere mit dem Virus infizieren, würden die Mäster das nicht bemerken, weil die Tiere ja nicht krank werden. Unerkannt könnten sie das Virus an andere Schweine weitergeben. „In der Folge könnte sich die Seuche wesentlich schneller ausbreiten und dann Betriebe mit gentechnikfreier Produktion besonders betreffen“, heißt es in der Studie. Und weiter: „Somit könnte der Einsatz gentechnisch veränderter Tiere zur einzigen Option für Schweinehalter werden. Gentechnikfreie Schweinehaltung müsste dann möglicherweise sogar verboten werden.“ Zudem bestehe die Gefahr, dass die Viren sich an die genetische Veränderung anpassen und damit die Resistenz durchbrechen. [lf]

07.02.2018 |

Große Koalition für Vorsicht bei CRISPR-Cas

Aktion des Naturschutzbund Deutschland zu den GroKo-Verhandlungen. Foto: NABU/Volker Gehrmann  Aktion des Naturschutzbund Deutschland zu den GroKo-Verhandlungen. Foto: NABU/Volker Gehrmann

UPDATE +++ Eine mögliche große Koalition will den Gentechnik-Anbau bundesweit einheitlich verbieten. Das steht im Koalitionsvertrag, den CDU, CSU und SPD heute beschlossen haben. Die „neuen molekularbiologischen Züchtungstechnologien“ wie CRISPR-Cas sollen so geregelt werden, dass das Vorsorgeprinzip und die Wahlfreiheit der Verbraucher gewährleistet werden. Ob die SPD tatsächlich in die Koalition eintritt, werden bis 2. März ihre Mitglieder entscheiden. Bei der CDU wird sich am 26. Februar ein Parteitag mit der Frage befassen.
„Wir halten an der Saatgutreinheit fest“, heißt es im Koalitionsvertrag weiter. Gemeint ist, dass das Saatgut, das in Deutschland ausgebracht wird, frei von gentechnisch veränderten Bestandteilen sein soll. Und: „Patente auf Pflanzen und Tiere lehnen wir ab. Ebenso das Klonen von Tieren zur Lebensmittelerzeugung.“
Bis Mitte der Legislaturperiode will die Koalition eine Ackerbaustrategie vorlegen. Darin will sie unter anderem festlegen, wie Pflanzengifte umwelt- und naturverträglich angewendet werden sollen. „Wir werden mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden“, so der Plan. „Wir werden die Forschung verstärken, um die Bandbreite innovativer und vorhandener Pflanzenschutzmittel – auch im ökologischen Landbau – zu erweitern.“
Die europäischen und nationalen Zulassungsverfahren für Pestizide sollen transparenter werden. Und schließlich soll ein Innovationsprogramm für digital-mechanische Methoden - etwa zur Unkrautbekämpfung und Bodenlockerung - dazu beitragen, den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzengiften wirksam zu reduzieren. Ziel all dieser Bemühungen ist es, vor allem Insekten und Bienen besser zu schützen, um die biologische Vielfalt zu erhalten.
Da das Agrarministerium der CDU zugeschlagen wurde, wird der aktuelle Ressortchef Christian Schmidt (CSU) der neuen Regierung wohl nicht mehr angehören. Als künftige Ministerin ist nach Medienberichten die rheinland-pfälzische CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner im Gespräch. Ihr Sprecher bezeichnete das am Nachmittag allerdings als Spekulation. Auch die Kanzlerin betonte, zunächst müssten die Parteigremien entscheiden. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) könnte ihr Ressort dem Vernehmen nach behalten. Ob sie sich bei den Themen Gentechnik und Pestizide mit dem CDU-Agrarressort so streiten wird wie in der CSU-geführten Vergangenheit, muss sich zeigen.
„Union und SPD haben den alarmierenden Zustand unserer Natur offensichtlich erkannt,“ lobte der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbund Deutschland, Leif Miller. „Die versprochenen Schutzmaßnahmen geben Anlass zur Hoffnung. Der Glyphosat-Ausstieg droht allerdings auf die lange Bank geschoben zu werden, weil ein konkretes Datum fehlt.“ Kritisch sieht der Nabu-Chef, dass Pestizide nach den Koalitionsplänen künftig sogar noch schneller zugelassen werden sollen - ohne ihre Auswirkungen auf die Artenvielfalt ausreichend zu prüfen. Auch der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft forderte, nicht nur Glyphosat zu verbieten, sondern generell weniger Pestizide einzusetzen. [vef]

05.02.2018 |

Baysanto: Erst die Hälfte der Behörden hat zugestimmt

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)  EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)

Die Bayer AG hat der Europäischen Kommission vergangenen Freitag „umfangreiche Zusagen“ unterbreitet, damit sie dem Erwerb des amerikanischen Saatgutriesen Monsanto zustimmt. „Wir sind zuversichtlich, damit die Bedenken der Europäischen Kommission vollständig ausräumen zu können“, schrieb ein Bayer-Sprecher dem Infodienst Gentechnik. Die Kommission hat ihre Entscheidung, ob sie die Übernahme wettbewerbsrechtlich genehmigt, unterdessen auf 5. April verschoben.
Anfang Januar hatte die New York Post berichtet, der Pharma- und Chemiekonzern Bayer mit Sitz in Leverkusen habe begonnen, US-amerikanische Unternehmensteile zu veräußern. So werde ein Hersteller von Saatgut für Gemüse sowie ein Agrar-Softwarespezialist zum Kauf angeboten. Schon im Oktober 2017 hatte Bayer mit BASF vereinbart, große Teile des Geschäfts mit Feldfrucht-Saatgut wie Raps, Soja und Baumwolle an den Konkurrenten abzugeben.
Zu diesem Paket gehört auch die LibertyLink-Technologie, mit der Pflanzen gegen das Herbizid Glufosinat resistent gemacht werden können, sowie das passenden Spritzmittel Liberty. Der Kaufpreis dafür beträgt – inklusive der dazugehörigen Forschungseinrichtungen - 5,9 Milliarden Euro. Der Jahresumsatz dieses Geschäfts lag nach Angaben Bayers 2016 bei 1,3 Milliarden Euro. Im Vertrag mit Monsanto wurde laut Handelsblatt vereinbart, im Zuge der Übernahme Geschäftsbereiche mit einem Umsatz von bis zu 1,6 Milliarden Euro zu veräußern.
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verlangt diese Verkäufe, um sicherzustellen, dass es auf den Märkten von Saatgut und Spritzmitteln weiter Wettbewerb geben wird, auch wenn die Bayer AG nach der Übernahme von Monsanto der weltgrößte Anbieter sein wird. Vestagers Ziel ist, dass Landwirte beim Kauf von Saatgut und Unkrautvernichtern die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern behalten und die Preise bezahlbar bleiben. Deshalb muss Bayer etwa die Sparte Liberty abgeben, wenn es mit Monsanto das Geschäft mit dem weltweit meistverbreiteten, glyphosathaltigen Unkrautvernichter RoundUp nebst passendem Saatgut erwerben will. Ob sich dieser Erwerb angesichts von Klagewellen und RoundUp-resistenten Unkräutern am Ende wirklich auszahlt, wird sich erst noch zeigen müssen.
Aber es gibt noch einen Bereich, der Bayer Geld in die Kassen schwemmen könnte: Systeme zur Digitalisierung der Landwirtschaft. Monsanto hat schon fortschrittliche Apps entwickelt, die steuern, wann, wo und in welcher Menge Wasser und Pestizide auf die Felder gebracht werden. Doch auch damit ließe sich eine Monopolstellung zementieren. Dann nämlich, wenn die Apps nur mit den konzerneigenen Produkten funktionieren. Viel Arbeit für die Wettbewerbshüter, die zum Entsetzen von Bayer-Chef Werner Baumann bereits vier Millionen Seiten Unterlagen zum Prüfen angefordert haben.
Von weltweit etwa 30 Behörden, welche die Übernahme genehmigen müssen, hat das nach Angaben des Bayer-Sprechers erst die Hälfte getan. Die wichtigen Kartellwächter in Europa, den USA und Brasilien prüfen noch. In den USA soll es nach Informationen der New York Post schon positive Signale aus dem zuständigen Department of Justice geben. Die brasilianische Behörde hat die Frist laut Handelsblatt von ursprünglich 20. Dezember auf 20. März verlängert. Auch in Europa wurde die Prüffrist von Ende 2017 jetzt schon viermal verlängert.
Dem Kaufpreis hat die Verzögerung gut getan: Da Monsanto offenbar Schulden abgebaut hat, ist er laut Handelsblatt von 66 auf 63,5 Milliarden US-Dollar gesunken. Trotzdem birgt der Zeitfaktor auch ein Risiko: Gibt es bis Mitte Juni noch kein Signal der Behörden, könnte Monsanto nach dem Bericht aus dem Fusionsprojekt aussteigen. Und dann müsste Bayer laut Vertrag zwei Milliarden Ausfallprämie an die Amerikaner zahlen. [vef]

31.01.2018 |

Naturschutzamt: schnelles Aus für Glyphosat in Deutschland

Feld Die GAP muss Biodiversität fördern (Foto: CC0, KRiemer)

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat sich in die politische Diskussion um glyphosathaltige Spritzmittel eingeschaltet und empfiehlt, ihre Anwendung in Deutschland so schnell wie möglich zu beenden. Wenn Behörden über die Zulassung von Pflanzengiften entschieden, müssten sie auch die negativen Wirkungen auf die biologische Vielfalt berücksichtigen, heißt es in einem Positionspapier. Auch im Gentechnikrecht sollten die zur Gentech-Pflanze passenden Pestizide stets mitgeprüft werden.
Zu den „Mindestanforderungen“ des nationalen Naturschutzes zähle auch, die Kombinationswirkung verschiedener Wirk- und Zusatzstoffe in den Spritzmitteln zu prüfen, so das BfN. Bis zu ihrem endgültigen Verbot sollte der Einsatz glyphosathaltiger Pflanzengifte maximal beschränkt und Auflagen erteilt werden. So sollten Betriebe nur Glyphosat versprühen dürfen, wenn sie zugleich eine ökologische Ausgleichsfläche ohne Herbizideinsatz bereitstellten, fordert die Behörde. In Natur- und Wasserschutzgebieten müsse der Einsatz des Totalherbizids schnellstmöglich verboten werden. Außerdem regt das BfN eine Abgabe auf Spritzmittel an.
Wissenschaftliche Studien belegten, dass glyphosathaltige Pflanzengifte den Insektenschwund in Deutschland weiter verstärken können, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. „Deshalb ist es unumgänglich, die biologische Vielfalt insbesondere in der Agrarlandschaft deutlich besser als bislang vor solchen Auswirkungen zu schützen“, so die Behördenleiterin.
Die giftigen Spritzmittel bedrohten unmittelbar vor allem Ackerwildkrautarten und Amphibien, heißt es in der Presseinformation. Gravierender seien jedoch ihre indirekten Auswirkungen auf die Nahrungskette: Gibt es keine Blumen und Gräser mehr an den Ackerflächen, finden blütenbesuchende und auf Wildkräuter spezialisierte Insekten keine Nahrung mehr. Verändern sich die Nahrungs- oder Lebensraumbedingungen von Insekten und Regenwürmern, finden Vögel und Kleinsäuger nicht mehr genug zu fressen. Solche Nahrungsnetzeffekte zeigen laut BfN auch Studien in Nord- und Südamerika, wo Pflanzen, die mittels Gentechnik gegen Glyphosat resistent gemacht wurden, großflächig angebaut werden. Dementsprechend üppig werden dort dann auch glyphosathaltige Pflanzengifte versprüht.
Nachdem die EU-Kommission im Dezember den Einsatz des Wirkstoffs Glyphosat in Europa für weitere fünf Jahre erlaubt hatte, müssen nun die zuständigen nationalen Behörden darüber entscheiden, welche Spritzmittel auf Glyphosatbasis weiter erlaubt werden sollen. Zuständig ist das Bundesamt für Lebensmittel- und Verbraucherschutz, das dem Agrarminister (derzeit CSU) untersteht. Es muss allerdings Einvernehmen mit dem Umweltbundesamt erzielen, das wie das BfN zum Geschäftsbereich der Bundesumweltministerin (derzeit SPD) gehört. Um die Streitigkeiten der Vergangenheit zu vermeiden, muss sich nun die künftige Regierungskoalition auf eine gemeinsame Linie verständigen. Auch der Bundesrat wird sich am Freitag mit einem Antrag aus Bremen und Thüringen befassen, den Glyphosateinsatz in Deutschland zu reduzieren. [vef]

26.01.2018 |

Studie weist Schwermetalle in glyphosathaltigen Pestiziden nach

RoundUp Monsanto (Foto: Mike Mozart, http://bit.ly/2yIfwuQ, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/) RoundUp Monsanto (Foto: Mike Mozart, bit.ly/2yIfwuQ, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Der französische Wissenschaftler Gilles-Eric Séralini hat in elf glyphosathaltigen Pestiziden Schwermetalle wie Arsen, Kobalt, Nickel und Blei nachgewiesen. Außerdem zeigte seine Studie, die jüngst in der Zeitschrift „Toxicology Reports“ veröffentlicht wurde, dass Glyphosat erst in der Mischung mit Zusatzstoffen seine giftige Wirkung entfalten kann.

Für die Studie verglichen Séralini und sein Team reines Glyphosat, drei verschiedene glyphosathaltige Pestizide sowie einen wichtigen Zusatzstoff. Diese Polyoxyethylenamine (POEA) sorgen in den Pestiziden dafür, dass der Wirkstoff Glyphosat ins Innere der Blätter eindringen kann.
In einem ersten Versuch besprühten die Forscher einzelne Tomatenstauden jeweils mit einer der verschiedenen Flüssigkeiten in der landwirtschaftsüblichen einprozentigen Verdünnung. Erstaunlicherweise wuchsen die Pflanzen, die mit einer reinen Glyphosatlösung besprüht wurden, munter weiter. Das liegt daran, dass Glyphosat stark wasserlöslich ist. Es bleibt an der Oberfläche des Blattes und tropft ab oder trocknet ein. Um seine Wirkung zu entfalten, muss es mit Tensiden wie POEA vermischt werden, die es durch die Schutzschicht der Blätter ins Innere transportieren. Dementsprechend ließen die drei glyphosathaltigen Pestizide mit POEA die Tomatenpflanzen welken. Noch zerstörerischer wirkte das in der Praxis nur als Zusatzstoff verwendete POEA alleine.
Auch bei Toxizitätsversuchen mit menschlichen Zellen zeigte Glyphosat alleine die geringste Wirkung. Fertige Pestizide und der POEA-Zusatz waren deutlich giftiger, wobei die Wirkung laut Studie vor allem auf die Zusatzstoffe zurückging.
Die Messung der hormonellen Aktivität ergab ein entsprechendes Resultat: Am wenigsten stark reagierte Glyphosat, dann kamen die Pestizide und die stärkste hormonelle Wirkung hatten die Zusatzstoffe. Damit zeigt die Studie, dass zelltoxische und hormonelle Wirkungen glyphosathaltiger Pestizide im Wesentlichen auf deren Zusatzstoffe zurückzuführen sind.

Überraschend, da nicht auf der Zutatenliste ausgewiesen, waren die Verunreinigungen mit den Schwermetallen Arsen, Kobalt, Chrom, Nickel und Blei in den glyphosathaltigen Pestiziden. Die Werte betrugen bis zu mehreren Hundert Mikrogramm je Kilogramm. Auch andere Pestizide ohne Glyphosat als Wirkstoff wiesen solche Verunreinigungen mit Schwermetallen auf. Die Glyphosat-Herbizide seien jedoch am stärksten belastet gewesen, heißt es in der Studie. Die Frage ist allerdings, wie bedenklich diese Schwermetallkonzentrationen sind, wenn sie stark verdünnt als Pestizid auf den Acker ausgebracht werden. Der Hinweis, dass die gefundenen Konzentrationen etwa bei Arsen weit über den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung liegen, hilft in dem Zusammenhang wenig. Ein Anhaltspunkt könnten vielleicht eher die maximalen Schwermetallgehalte im Biokompost sein, der tonnenweise auf Äcker ausgebracht wird. Sie liegen für Blei bei 100 Milligramm je Kilogramm, also etwa um den Faktor 1000 höher als die von Séralini gefundene Belastung in Pestiziden.

Séralini schließt aus seinen Ergebnissen, dass es nicht ausreiche, nur Langzeitstudien mit dem Wirkstoff Glyphosat zu erstellen. Es müsse auch das Risiko getestet werden, das bei längerer Anwendung der Zusatzstoffe für Menschen und Umwelt bestehe. Das sei bisher nicht der Fall. Der Wissenschaftler fordert, den Einsatz glyphosatbasierter Spritzmittel ganz zu verbieten, oder zumindest die Schwermetalle mit zu deklarieren.

All das sollte die deutschen Behörden interessieren, die bald darüber entscheiden müssen, ob sie glyphosathaltige Spritzmittel in Deutschland weiter zulassen. Die Bundesländer Thüringen und Bremen haben bereits kundgetan, dass sie solche Spritzmittel im Haus- und Kleingartenbereich, an öffentlichen Verkehrsmitteln sowie in öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten und bei der Vorerntebehandlung verbieten wollen. Ihren entsprechenden Antrag hatten sie am 15. Dezember 2017 im Bundesrat vorgestellt. Thüringen möchte, dass der Bundesrat am Freitag, dem 2. Februar, über den Antrag abstimmt. Im Dezember hatte die EU-Kommission den Einsatz des Wirkstoffs Glyphosat in Europa für weitere fünf Jahre erlaubt. [lf/vef]

22.01.2018 |

EU-Kommission erlaubt die Einfuhr dreifach resistenter Sojabohnen

Soja Megafusionen im Agrarsektor befördern die industrielle Landwirtschaft (Foto: CC0)

Die EU-Kommission hat sechs gentechnisch veränderten Pflanzen die Zulassung für den Import als Lebens- und Futtermittel erteilt. Darunter finden sich auch zwei umstrittene dreifach herbizidresistente Soja-Linien, die nach Meinung von Kritikern nur unzureichend auf Gesundheitsgefahren untersucht wurden.

Dabei handelt es sich um Sojabohnen der Konzerne Bayer und DowDuPont. Die Bayer-Soja mit der Bezeichnung FG72 × A5547-127 ist nicht nur gegen Glyphosat, sondern auch gegen die Spritzmittel Glufosinat und Isoxaflutol resistent. Die Sorte DAS-44406-6 von DowDuPont übersteht Duschen mit Glyphosat, Glufosinat und 2-4-D. All diese Herbide sind gefährlich für Mensch und Umwelt. Der von Bayer entwickelte Wirkstoff Glufosinat ist giftig und kann menschliche Embryonen schädigen. Deshalb läuft seine Zulassung in der EU im Juli 2018 endgültig aus. Doch in andere Länder verkauft Bayer das Gift weiterhin. Beim Bayer-Herbizid Isoxaflutol hegt selbst die europäische Lebensmittelbehörde EFSA den Verdacht einer krebserregenden Wirkung. 2,4-D soll Geburtsschäden und Erbgutveränderungen verursachen sowie hormonell wirksam sein. 2015 haben es die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft.

Die Organisation Testbiotech wirft den Konzernen Dow und Bayer vor, Daten für die Risikoprüfung dieser gentechnisch veränderten Soja-Linien manipuliert zu haben. Dabei bezieht sich Testbiotech auf Studien, die von den Firmen im Rahmen der EU-Zulassungsprüfung vorgelegt wurden. Demnach hätte Dow bei Fütterungsversuchen mit Ratten eine spezielle Probe der Gentechnik-Soja verwendet, die mit wesentlich weniger Spitzmittel behandelt wurde, als es in der Praxis der Fall sei. Die Firma Bayer habe beim Versuchsanbau ihrer Soja nur einen Bruchteil der tatsächlich üblichen Spitzmittelmengen eingesetzt. „In den vorliegenden Dokumenten kann man das Muster einer gezielten Manipulation der Zulassungsverfahren erkennen“, sagt Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then: „Das wirft den Verdacht auf, dass die Konzerne die Absicht haben, die tatsächlichen gesundheitlichen Auswirkungen des Verzehrs dieser Soja zu verschleiern.“ Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hätte laut Then diese Daten nicht akzeptieren dürfen. Die EU-Kommission bezieht sich in ihrer Zulassungsmitteilung ausdrücklich auf die positiven Stellungnahmen der EFSA zu den Gentech-Pflanzen.

Nicht berücksichtigt hingegen hat die Kommission die Stellungnahme des Europäischen Parlaments vom Oktober 2017. Das hatte sich mit großer Mehrheit gegen eine Zulassung der beiden Soja-Linien ausgesprochen. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA habe nicht überprüft, welche Folgen die Rückstände aus einer kombinierten Anwendung dieser Herbizide auf den Menschen hätten, kritisierten die Europaabgeordneten in ihrer Resolution. Deshalb könne der Einsatz dieser Sojabohnen als Lebens- und Futtermittel nicht als sicher gelten. Auch eine Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten, die 61 Prozent der Bevölkerung der EU repräsentieren, hatte einer Zulassung widersprochen. Allerdings war diese Mehrheit nicht groß genug, um die Anträge endgültig abzulehnen, so dass die Kommission das letzte Wort hatte – und gegen den Mehrheitswillen die Einfuhr der mehrfach herbizidresistenten Soja-Linien erlaubte. [lf]

18.01.2018 |

Europäischer Generalanwalt: Wann ist Mutagenese Gentechnik?

Gericht EU Foto: Gerichtshof der Europäischen Union

Der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) hat sich zu der Frage geäußert, unter welchen Voraussetzungen ein durch Mutagenese gewonnener Organismus rechtlich als gentechnisch verändert eingestuft werden kann. Anlass ist eine Klage von neun französischen Verbänden dagegen, dass diese Technik in Frankreich bislang nicht als Gentechnik gewertet wird. Das französische Gericht hat den EuGH unter anderem gefragt, ob durch Mutagenese entstandene Pflanzen wie Mais unter die Europäische Freisetzungsrichtlinie fallen.
„Der EuGH-Generalanwalt hat heute immerhin klargestellt, dass auch Produkte neuer Gentechnik-Verfahren nicht generell von der europäischen Gentechnik-Regulierung ausgenommen sind“, sagte der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling. „Das Argument der Industrie, die neuen Verfahren seien keine Gentechnik, weil bei ihnen kein fremdes Erbgut eingesetzt werde, wird in der heutigen Stellungnahme klar widerlegt.“ Sein Bundestagskollege Harald Ebner verwies allerdings darauf, dass noch weitere wissenschaftliche und rechtliche Klarstellungen nötig seien, um sicherzustellen, dass wirklich alle neuen Gentechnikverfahren als Gentechnik gelten – und somit einer Risikoprüfung und Kennzeichnungspflicht unterliegen.
„Als Rückschlag für die Umwelt- und Saatgut-Verbände“, bewertete die Umweltorganisation „Global 2000“ die Entscheidung, die sie auch anders interpretiert: „Die Einschätzung, dass neue genverändernde Techniken nicht unter die Gentechnik-Richtlinie der EU fallen, widerspricht dem Vorsorgeprinzip der EU“, heißt es in einer Presseinformation. „BäuerInnen und KonsumentInnen in der EU zählen jetzt auf den Europäischen Gerichtshof, damit dieser die heute veröffentlichte Einschätzung verwirft und sicherstellt, dass Gentechnik 2.0-Saatgut ausreichend kontrolliert wird“, so Mute Schimpf, Gentechnik-Campaignerin von Friends of the Earth Europe.
Bereits im März 2015 hatten Verbände wie die französische Bauerngewerkschaft Confédération Paysanne oder „Die Freunde der Erde“ ihre Klage beim französischen Gericht Conseil d‘État eingereicht. Sie wenden sich gegen einen Artikel des französischen Umweltgesetzes, wonach Organismen, die durch Mutagenese gewonnen wurden, nicht als gentechnisch verändert (GVO) gelten. Da diese französische Rechtsnorm die europäische Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG umsetzen soll, baten die französischen Richter die Kollegen beim EuGH um Hilfe bei der Interpretation. Der EuGH wird nach Auskunft eines Sprechers in den nächsten vier oder fünf Monaten entscheiden. In der Vergangenheit hat das Gericht sich in vielen Fällen an der Meinung des Generalanwalts orientiert. [vef]

18.01.2018 |

Europäisches Patentamt lehnt Beschwerde Syngentas ab

Protest vor dem Europäischen Patentamt in München Protest vor dem Europäischen Patentamt in München (Foto: Falk Heller)

Vergangenen Sommer hatte das Europäische Patentamt (EPA) klargestellt, dass Pflanzen und Tiere, die mit biologischen Verfahren gezüchtet wurden, nicht patentiert werden können. Der Verbund „Keine Patente auf Saatgut!“ wirft dem EPA vor, 2017 trotzdem 25 solcher Patente erteilt zu haben. Die Schweizer Firma Syngenta hingegen hat vergeblich versucht, die Beschränkung wieder zu kippen.
Dazu hatte der Konzern im August 2017 eine Beschwerde beim EPA eingereicht, die gestern von einer Beschwerdekammer der Behörde aus formalen Gründen abgelehnt wurde. Christoph Then von „Keine Patente auf Saatgut!“ rechnet allerdings damit, dass die Industrie den Widerstand gegen die Beschränkung nicht aufgeben wird – obgleich sie aus seiner Sicht „oft wirkungslos“ ist. 25 Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen wie Salat, Zwiebeln, Tomaten, Kartoffeln oder Gurken seien trotz der Präzisierung vom Sommer 2017 erteilt worden, kritisiert der Experte. „Zudem gibt es auch keine klare Trennung zwischen den nicht patentierbaren Zuchtverfahren und den Methoden der Gentechnik“, erklärt Then. „Wenn Pflanzen oder Tiere mit bestimmten Züchtungsmerkmalen patentiert werden, dann erstreckt sich das Patent auf alle Pflanzen und Tiere mit diesen Merkmalen unabhängig davon, ob diese mit Hilfe von Gentechnik verändert wurden, aus konventioneller Züchtung stammen oder natürlicherweise vorkommen.“
Der Dachverband der Bauernverbände in der EU, der auch viele Züchter vertritt, hatte sich daher gemeinsam mit Biodachverbänden und „Keine Patente auf Saatgut!“ im Dezember mit einem Brief an die Europäische Kommission gewandt: „Diese Situation ist für Landwirte, Züchter und Verbraucher inakzeptabel, da so der Zugang zu genetischer Vielfalt behindert wird, die für weitere Innovationen notwendig ist“, kritisierten die Verbandsvertreter. „Die Interessen der Bürger Europas werden komplett missachtet.“ Und „Keine Patente auf Saatgut!“ ergänzt: „In Zukunft werden Landwirte, Gemüseanbauer oder Züchter, die keine Verträge mit den Patentinhabern unterzeichnen, keinen Zugang zu patentiertem Saatgut haben – weder für den Anbau noch für die Vermehrung oder weitere Züchtung. Die Politik muss tätig werden, um die großen Konzerne daran zu hindern, die Grundlagen unserer Ernährung noch weiter zu monopolisieren.“
Anlass der Beschwerde von Syngenta war die Ablehnung eines Patentantrages des Unternehmens auf konventionell gezüchteten Mais mit höherer Kornausbeute. Anhand von DNA Marker-Sequenzen sollten Maispflanzen mit Erbanlagen ausgewählt werden, die bei einer Kreuzung einen höheren Ertrag garantieren. Dem EPA war die Beschreibung aber zu ungenau. Denn nach Artikel 84 des Europäischen Patentübereinkommens muss ein Patentanspruch so klar und deutlich definiert sein, dass ein Fachmann erkennen kann, was beansprucht wird. Das war nach Ansicht der Beschwerdekammer hier nicht der Fall. Deshalb lehnte die Kammer die Beschwerde Syngentas ab. [vef]

16.01.2018 |

71 Prozent der Bio-Lebensmittel ohne Pestizid-Rückstände

Labor Studie Tests Foto: 123dan321 / freeimages

Fast zwei Drittel von 20.000 Lebensmittelproben, die im Jahr 2016 von deutschen Behörden untersucht wurden, enthielten Rückstände von Pflanzengiften. Davon seien allerdings nur in 2,6 Prozent mehr Pestizide gefunden worden als zulässig, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gestern mit. Bei den Erzeugnissen aus ökologischem Anbau waren in 71 Prozent keine Pestizid-Rückstände nachweisbar.
Besonders bei exotischen Obst- und Gemüsesorten wie Wasserspinat (Mukunuwenna), Okra, Granatäpfel, Guave oder Passionsfrüchte wurden mit zehn bis 50 Prozent häufig Pestizidrückstände beanstandet, berichtete das BVL. Von den europäischen Produkten waren tiefgekühlte Johannisbeeren (6 % Beanstandungen), wilde Pilze (5,5%) und frische Kräuter (3,7%) am meisten belastet. Besonders häufig verzehrte Sorten wie Kartoffeln, Karotten oder Äpfel waren kaum auffällig. Dabei werde eine Probe, deren Rückstandshöchstgehalt überschritten ist, dann nicht beanstandet, wenn Messunsicherheiten bestehen, erläuterte die Behörde.
Die Tester untersuchten insgesamt 830 Pestizidwirkstoffe. Dabei wurden 136 Wirkstoffe oberhalb der geltenden Höchstgrenze nachgewiesen. In insgesamt 7.420 Proben (38 %) wiesen die Labore gleich mehrere Pflanzengifte nach. Besonders auffällig waren das Fungizid Fosetyl, Quecksilber, das Insektizid Acetamiprid und Kupfer. Kupfer ist ein in der EU zugelassener Futtermittelzusatzstoff, der sich in der Tierleber anreichert und auch dort nachgewiesen wurde. Das Insektizid Acetamiprid, von dem maximal 0,05 mg/kg zugelassen sind, wurde ausschließlich in Honig nachgewiesen. Bei Quecksilber, das sich vor allem in Pilzen fand, sind höchstens 0,01 mg/kg erlaubt. Elf von 4.058 Proben enthielten mehr Glyphosat als erlaubt. Davon waren sechs Honig-Proben (fünf aus Deutschland), viermal Buchweizen und einmal Hirsekörner.
Bio-Lebensmittel wurden wie in den Vorjahren besonders intensiv kontrolliert. Etwa jede zehnte Untersuchung entfiel auf dieses Marktsegment, dessen Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt unter fünf Prozent liegt. 71 Prozent der kontrollierten Biowaren enthielten keine quantifizierbaren Rückstände. Bei konventionell hergestellter Ware waren dies nur 38,7 Prozent. Auch der Anteil der Produkte, die Rückstandsgrenzen überschreiten, war bei Bio-Lebensmitteln mit einem Prozent geringer als bei konventionell erzeugter Ware (2,6 Prozent). Warum sich in Biolebensmitteln überhaupt Pestizidrückstände finden, erklärt Friedhelm von Mering vom Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft: „Die Ökobetriebe wirtschaften ja nicht einem Glashaus. Es kann immer wieder zu Abdrift von konventionell bewirtschafteten Flächen kommen.“ [vef]

15.01.2018 |

Union und SPD: Gentechnikanbau und Glyphosat verbieten

Bundestag Foto: Simone Knorr

UPDATE +++ Union und SPD haben sich darauf verständigt, den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in einer neuen Regierungskoalition bundeseinheitlich zu verbieten. So steht es in einem programmatischen Papier der potentiellen Koalitionspartner, das am Freitag zum Abschluss der Sondierungsverhandlungen veröffentlicht wurde. Auch der Unkrautvernichter Glyphosat soll sukzessive untersagt werden.
„Wir werden mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränken, mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden“, heißt es in dem Papier vom 12. Januar. „Dazu werden wir gemeinsam Alternativen im Rahmen einer Ackerbaustrategie entwickeln und unter anderem umwelt- und naturverträgliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln regeln.“ Die an der Zulassung von Pflanzengiften beteiligten Behörden bekämen zusätzliches Personal, damit sie zügig arbeiten könnten. Auf nationaler wie auf EU-Ebene sollten solche Verfahren transparenter gemacht werden.
„Wir werden ein Gentechnikanbau-Verbot bundesweit einheitlich regeln“, kündigen die Parteien an und beziehen sich auf die sogenannte Opt-Out-Regelung der Europäischen Union (EU). Danach kann ein Land den Anbau einer gentechnisch veränderten Pflanze auf dem eigenen Territorium selbst dann verbieten, wenn sie in der EU zugelassen ist. Diese europarechtliche Option muss noch in deutsches Recht übertragen werden. Die SPD-Fraktion hatte dazu vergangenen November bereits einen Entwurf des Bundesrates zum Gentechnikgesetz aus dem Jahr 2015 in den Bundestag eingebracht. Er wurde an den zuständigen Ausschuss überwiesen.
Die Partner einer möglichen großen Koalition wollen auch daran festhalten, dass das Saatgut gentechnisch nicht verändert sein darf. Und: „Patente auf Pflanzen und Tiere lehnen wir ab.“ Ob die SPD dann tatsächlich Koalitionsverhandlungen mit der Union aufnehmen wird, wird am 21. Januar ein Parteitag entscheiden.
Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte die Pläne als „erste Schritte in die richtige Richtung“. „Um das Insektensterben zu stoppen und die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft nicht noch weiter zu gefährden, muss die nächste Bundesregierung ein Komplettverbot von Glyphosat und Neonikotinoiden auf den Weg bringen und ein ambitioniertes Programm zur generellen Reduzierung des Pestizideinsatzes auflegen", forderte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Ein Gentechnikgesetz muss flächendeckende Anbauverbote rechtssicher ermöglichen und darf nicht zu einem Gentech-Flickenteppich in Deutschland führen."
Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßte das bundesweite Gentechnik-Anbauverbot sowie die Suche nach Alternativen zu Glyphosat im Rahmen einer systematischen Minderungs- und Ackerbaustrategie. Es komme jetzt allerdings darauf an, wie die Pläne konkret ausgestaltet werden, hieß es in einer Pressemitteilung.
Der Anbauverband Bioland forderte die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass neue gentechnische Verfahren wie CRISPR-CAS tatsächlich als Gentechnik eingestuft werden. Es müsse verhindert werden, dass so gewonnene Organismen unkontrolliert auf den deutschen Markt gelangten. Dieses Thema kommt im Sondierungspapier gar nicht vor.
Auch der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner verlangte, solche Verfahren als Gentechnik zu regeln. Außerdem erinnerte er die Große Koalition an ihr altes Ziel, die Kennzeichnungspflicht für Gentechniklebensmittel in der EU auszuweiten. Für Glyphosat forderte er ein konkretes Ausstiegsdatum. Die im Dezember von der EU-Kommission für fünf Jahre erteilte Zulassung des Pflanzengifts müsse endgültig die letzte sein, so Ebner. [vef]

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