14.03.2018 |

Gericht: EU-Kommission muss Soja-Zulassung überprüfen

Soja Schrot Öl Sojabohnen, -Schrot und -Öl. Hier auf dem Foto aus den USA, also zu 90% Gentechnik (Foto: United Soybean Board / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Im April 2015 hat die Europäische Kommission drei gentechnisch veränderte Sojabohnen als Lebens- und Futtermittel in der EU zugelassen. Jetzt muss sie diese Entscheidung auf Antrag des gentechnikkritischen Vereins Testbiotech nochmal überprüfen. Dazu wurde sie heute vom Gericht der Europäischen Union in Luxemburg verpflichtet. Nach dem Urteil können Verbände eine solche Überprüfung auch dann beantragen, wenn es um Risiken für die Gesundheit geht.
Das hatte die EU-Kommission zunächst bestritten. Die sogenannte Aarhus-Verordnung ermögliche es Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zwar, sich an Entscheidungsverfahren in Umweltangelegenheiten zu beteiligen. Das umfasse jedoch keine Einwände gegen gentechnisch veränderte Pflanzen (GVO), die die menschliche Gesundheit beträfen, argumentierte die EU-Kommission. Daher hatte sie den Einspruch von Testbiotech abgelehnt. Daraufhin zog die NGO vor Gericht.
Die Richter erklärten die Ablehnung der EU-Kommission heute für nichtig. Sie argumentierten, gentechnisch veränderte Pflanzen gehörten zur natürlichen Umwelt, da sie auf dem Feld wachsen. Deshalb fielen Vorschriften, welche die Risiken von GVO für Mensch und Umwelt regelten, ebenfalls in den Umweltbereich. Das gelte auch dann, wenn die GVO nicht innerhalb der EU angebaut würden.
Testbiotech wendet sich gegen die Zulassung von Sojabohnen der Firmen Pioneer und Monsanto, bei denen die Zusammensetzung der Ölsäuren gentechnisch verändert wurde. Nach Ansicht des Vereins wurden ihre Gesundheitsrisiken nicht ausreichend untersucht. „Die jetzige Entscheidung stellt einen Etappensieg dar, der das Vorsorgeprinzip in der EU stärkt“, sagt Christoph Then von Testbiotech.
Testbiotech hat am EU-Gericht zwei weitere Klagen gegen Importzulassungen von Gentechnik-Soja eingereicht. In einem Fall wurden Sojabohnen von dem US-Konzern Monsanto gentechnisch so verändert, dass sie Insektengifte produzieren. Hier besteht unter anderem die Gefahr, dass die Insektengifte allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe von Sojabohnen verstärken (C-82/17 P). Im anderen Fall wurden Sojabohnen von der Firma Bayer gegen die Anwendung von gleich mehreren Herbiziden resistent gemacht. Die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken wurden aber nicht überprüft, kritisiert Testbiotech (T-173/17). Mit den Urteilen wird im Lauf des Jahres gerechnet. [vef]

14.03.2018 |

Brasilianische Behörde kann Gene Drives ohne Zulassungsverfahren freigeben

Moskito Mücke Anopheles Auch bei Anopheles-Mücken wurden Gene Drives gentechnisch eingebaut (Foto: James Gathany - CDC phil.cdc.gov/PHIL_Images/09262002/00008/A.gambiae.1354.p_lores.jpg)

Die brasilianische Biosicherheitskommission CTNBio kann den Einsatz von Gene Drives in freier Natur zulassen, wenn sie es möchte. Sie hat Mitte Januar eine Bekanntmachung veröffentlicht und sich darin selbst ermächtigt, neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas und Gene Drives von den Regelungen des brasilianischen Gentechnikrechts auszunehmen. Dagegen protestieren Bauern- und Umweltorganisationen.

Gene Drives sind Manipulationen am Erbgut, durch die eine bestimmte, vorher gentechnisch eingebaute Eigenschaft, in Pflanzen oder Tieren dominant vererbt wird und sich dadurch besonders schnell in einer Population ausbreitet. Sie werden bisher nur im Labor erprobt, insbesondere bei Stechmücken, die gefährliche Krankheiten übertragen. CTN Bio hatte bereits 2014 die kommerzielle Freisetzung von gentechnisch veränderten (gv) Moskitos erlaubt, um natürliche Bestände zu dezimieren, deren Tiere Dengue-Fieber übertragen. Mit einem eingebauten Gene Drive, so hofft wohl die Kommision, könnten die gv-Moskitos effektiver wirken.

In Brasilien haben Bauern- und Umweltorganisationen gegen das Vorgehen von CTNBio protestiert. Ihrer Meinung nach begünstigt die Kommission mit der Bekanntmachung internationale Konzerne, die ihre neuen gentechnisch veränderten Pflanzen dadurch ohne Regulierung und Zulassung auf den Markt bringen könnten. Die Organisationen warnen in einer gemeinamen Resolution auch vor den ökologischen Risiken, die mit einer Freisetzung von Organismen mit Gene Drive verbunden seien. João Pedro Stédile von der Landlosenbewegung MST bezeichnet die Entscheidung von CTNBio als illegal. Sie würde die Freisetzung neuen gentechnisch veränderten Saatguts und lebender Organismen erlauben, ohne die geringste Risikoabschätzung und Kontrolle. „Wir werden diesem Anschlag nicht tatenlos zusehen, sondern gegen diese Bekanntmachung kämpfen“ sagte João Pedro Stédile der kanadischen Umweltorganisation ETC Group. Diese zitierte auch einen früheren Mitarbeiter des brasilianischen Ministeriums für ländliche Entwicklung, der das Vorgehen der Kommission kritisiert. CTNBio habe nicht die Autorität und auch kein Mandat dafür. Deren Entscheidung habe massive Auswirkungen auf Landwirte, Verbraucher und Brasiliens Artenvielfalt. „Aber sie wurde getroffen, ohne die Zivilgesellschaft und die Betroffenen anzuhören.“

Über Gene Drives in der Umwelt und ihre Risiken diskutieren auch die Vertragsstaaten der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD). Die ETC Group zitierte dazu Marciano Toledo vom brasilianischen Kleinbauernverband MTA. Er wertete das Vorgehen von CTNBio als Versuch, diese Diskussion zu beeinflussen und ein Moratorium für Gene Drives zu verhindern, das zahlreiche Umwelt- und Bauernorganisationen fordern. [lf]

08.03.2018 |

Wenn Gentech-Futter verlorengeht: Behörde kritisiert Überwachungslücke

Raps Schweiz Basel Greenpeace machte 2012 auf Gentechnik-Raps am Rheinhafen in Basel aufmerksam (Foto: Patrik Tschudin / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Handelsübliches Vogelfutter kann mit keimfähigem, gentechnisch verändertem (gv) Raps verunreinigt sein. Fallen die Körner auf die Erde, können daraus Rapspflanzen wachsen. Das hat das Bundesamt für Umwelt in der Schweiz nachgewiesen und die gefundenen gv-Pflanzen beseitigt. Obwohl vom Gesetz vorgeschrieben, gibt es ein ähnlich effektives Monitoring in Deutschland nicht. Dabei hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Pläne dafür längst in der Schublade.
EU-weit dürfen zwar mehrere gv-Rapssorten als Lebens- und Futtermittel importiert werden, gepflanzt werden dürfen sie aber nicht. Auch gentechnikfreie Rapslieferungen können mit gv-Raps verunreinigt sein. Rapssamen sind sehr klein und bleiben lange keimfähig. Die Gefahr, dass gv-Rapssamen beim Transport verloren gehen ist groß. Ebenso groß ist das Risiko, dass aus verlorenen Samen gv-Pflanzen wachsen und ihre Eigenschaften an wildwachsenden Raps oder die verwandten Rübsen weitergeben. In Japan wurden bereits 2005 am Rande der großen Seehäfen und der wichtigsten Transportrouten gv-Rapspflanzen nachgewiesen. Erste Funde in der Schweiz folgten 2008, woraufhin die Eidgenossen ein amtliches Monitoring etablierten. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) untersucht seither regelmäßig, ob sich Gentech-Raps in der Umgebung von Silos, Ölmühlen, Rangierbahnhöfen, Umschlagplätzen und entlang von Eisenbahnlinien ausbreitet. Allein 2015 kontrollierte das Amt 3918 Pflanzen an 57 Standorten und fand 15 genmanipulierte Rapspflanzen, die vernichtet wurden.
In diesem Winter untersuchte das BAFU 30 Proben handelsüblichen Vogelfutters. In 24 davon fand das Labor transgene Rapssamen, in elf sogar mehrere Sorten. Die Verunreinigungen hätten mehrheitlich bei höchstens 0,5 Prozent gelegen, die transgenen Raps-Linien seien in der Europäischen Union als Tierfutter zugelassen, schrieb die Behörde. Parallel dazu ließ sie untersuchen, ob sich die gentechnisch veränderten Rapssamen aus Vogelfuttermischungen in der Natur ausbreiten können. Dafür wurden noch einmal 37 Vogelfuttermischungen untersucht, von denen acht gentechnisch veränderte Rapssamen enthielten. Von diesen waren 0,4 bis 21 Prozent keimfähig. Daraufhin suchte das BAFU in der Umgebung von 41 Vogelfütterungsstellen nach gentechnisch veränderten Rapspflanzen und wurde an zwei Standorten fündig. „Diese Untersuchungen bestätigen somit das Risiko eines Eintrags von gentechnisch veränderten Rapssamen aus Vogelfuttermischungen in die Umwelt“, schrieb das BAFU und kündigte an, künftig Vogelfutter aus dem Handel regelmäßig kontrollieren zu wollen. Auf Anfrage teilte die Behörde mit, man gehe davon aus, dass auch in Deutschland solches oder ähnliches Vogelfutter vertrieben werde. Die Importeure seien wahrscheinlich teilweise dieselben.
Ein vergleichbares Monitoring wie in der Schweiz existiert in Deutschland nicht. Dabei schreibt das EU-Gentechnikrecht vor, dass der Import und die Verarbeitung von gv-Pflanzen von einem Monitoring der Umweltwirkungen begleitet werden müssen. In Deutschland beschränkt sich das darauf, dass die Gentechnik-Konzerne für ihr jeweiliges Saatgut einen jährlichen Bericht abliefern, den das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht. Diese Berichte zeigen, dass weder die Saatgutkonzerne noch die Verarbeiter des Rapses, die sie für ihre Berichte befragen, aktiv nach entkommenem gv-Raps in der Nähe von Transportwegen oder Verarbeitungsanlagen suchen. Denn das zuständige BVL hat es nie verlangt. „Eine routinemäßige Beobachtung der Umweltwirkungen von gv-Raps, wie es die Gesetzgebung vorsieht, findet derzeit nicht statt“, heißt es auf der Webseite des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die Behörde wurde deshalb aktiv und legte 2016 ein Konzept für ein Monitoring von gv-Raps vor. Bei der Erprobung des Konzepts zogen die beteiligten Wissenschaftler 136 Proben in der Umgebung von Transportwegen und Verarbeitungsanlagen entlang der Rheinschiene. „Die meisten Rapsvorkommen wurden an öffentlich zugängigen Straßenrändern und an Gleiskörpern gesichtet und beprobt. Betriebsgelände wurden von der Untersuchung ausgenommen“, heißt es im Bericht. Als transgen erwies sich eine Probe aus dem Neusser Rheinhafen. Umgesetzt wurde das 2016 vorgestellte Konzept bisher noch nicht. Das BfN halte die bisher praktizierten Monitoring-Maßnahmen bei gentechnisch veränderten Organismen, die in die Europäische Union importiert und dort verarbeitet werden, für nicht ausreichend, sagt Beate Jessel, die Präsidentin des BfN, und fügt hinzu: „Das hohe Verwilderungspotenzial von Raps und wiederholte Funde von transgenem Raps entlang von Transportwegen im europäischen und außereuropäischen Ausland erfordern erhöhte Aufmerksamkeit.“ [lf]

06.03.2018 |

Baysanto: EU-Bürger dagegen, Kommission dafür?

Baysanto-Protest Nicht nur Bauern stellen sich gegen die Monsanto-Übernahme durch Bayer. Unterstützung bekommen sie nun auch von den TeilnehmerInnen des deutschen Kirchentags.

Die Mehrheit der Menschen in der EU lehnt eine Fusion der beiden Saatgut- und Pestizidkonzerne Bayer und Monsanto ab. Das ergab eine Umfrage des Instituts YouGov für den Umweltverband Friends of the Earth Europe (FoE) in mehreren EU-Staaten. Von den 2040 befragten Deutschen hatten 53 Prozent „große“ bis „sehr schwerwiegende Bedenken“, gegen den Zusammenschluss.

Die Mehrheit der Befragten befürchte negative Auswirkungen auf die Umwelt, die Saatgutwahl und die Menge von chemischen Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln in der Landwirtschaft, sagte Silvia Bender, Abteilungsleiterin Biodiversität beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): "Die Umfrageergebnisse bestätigen uns in unserer Forderung an die EU-Kommission, die Übernahme zu stoppen."

Auch in den anderen untersuchten EU-Staaten Frankreich, Spanien, Dänemark und Großbritannien war die Ablehnung der Fusion groß. Insgesamt äußerten 47 Prozent der Befragten starke Bedenken, während nur elf Prozent in dem Zusammenschluss ein positives Potential sahen. Der geplante Zusammenschluss habe „sehr wenig öffentliche Unterstützung“ fasste FoE-Campaigner Adrian Bebb die Ergebnisse zusammen.

Bis 5. April will die EU-Kommission mitteilen, ob sie der Übernahme von Monsanto durch Bayer zustimmt. Zuletzt meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider, dass die Kommission kurz davor stehe, gegen Auflagen grünes Licht zu geben. Bereits im Oktober 2017 hatte Bayer erklärt, für 5,9 Milliarden Euro Teile des Geschäfts mit Saatgut und dem Herbizid Liberty (Wirkstoff Glufosinat) an den Mitbewerber BASF zu verkaufen. Nun soll Bayer nach Angaben des Handelsblatts den Behörden auch den Verkauf seines restlichen Saatgutgeschäfts angeboten haben. „Zudem habe der Konzern signalisiert, Konkurrenten Zugang zur IT-Plattform für die digitale Landwirtschaft zu geben, über die Landwirte ihre Produktion steuern können“, schreibt das Handelsblatt mit Verweis auf „Industriekreise“. Die Zeitung spekuliert, dass sich die US-Kartellbehörden bereits mit den europäischen Kollegen abgesprochen haben und die Fusion ebenso freigeben könnten.

„Die geplanten Abspaltungen und Zugeständnisse von Bayer reichen nicht aus, um einen wirksamen Wettbewerb sicher zu stellen“, kommentiert Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) diese Informationen. Nach der Fusion würde Bayer-Monsanto 31 Prozent des Saatgutmarktes und 27 Prozent des Pestizidmarktes beherrschen sowie ein Viertel der in diesem Bereich erteilten Patente besitzen. Diese Marktbeherrschung hätte fatale Auswirkungen auf den Preis-, Produkt-, Innovations- und Forschungswettbewerb und auf die Sortenauswahl und Vielfalt, schreibt die AbL.

Besondere Sorge bereitet dem Verband, dass Bayer-Monsanto auch die Digitalisierung der Landwirtschaft dominieren würde. Beide Konzerne hätten in den letzten Jahren erheblich in den Kauf von Dienstleistern, Roboterentwicklung, Analytik- und Optimierungstools investiert und seien Partnerschaften mit großen Landmaschinenhändlern eingegangen. „Bayer-Monsanto würde aufgrund ihres erheblichen Technologie- und Investitionsvorsprungs die Digitalisierung der Landwirtschaft beherrschen“, warnt Schulz. Die AbL ruft deshalb die EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager auf, die Fusion zu stoppen: „Zeigen Sie Mut und setzen Sie sich für einen echten und fairen Wettbewerb ein – statt für die Gewinn-Interessen der Konzerne.“ [lf]

04.03.2018 |

Gutachten: auch Gentech-Pflanzen aus neuen Verfahren brauchen Zulassung

Gericht EU Foto: Gerichtshof der Europäischen Union

Der Umweltrechtsexperte Professor Ludwig Krämer ist der Ansicht, dass für die neuen Gentechnik-Verfahren wie CRISPR-Cas das europäische Gentechnikrecht gelten muss. Zu diesem Ergebnis kommt der ehemalige EU-Beamte in einem Gutachten für den gentechnikkritischen Verein Testbiotech, das diese Woche veröffentlicht wurde. Krämer widerspricht damit der Auffassung des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof (EuGH).

In dem Prozess vor dem EuGH geht es vor allem darum, für welche Verfahren der Genveränderung die sogenannte Freisetzungsrichtlinie (2001/18) der EU gilt. Sie regelt, unter welchen Voraussetzungen gentechnisch veränderte Organismen (GVO) angebaut oder auf den Markt gebracht werden dürfen. Der EuGH wird möglicherweise im Frühsommer entscheiden, ob die Freisetzungsrichtlinie auch für neue gentechnische Verfahren wie CRISPR-Cas oder die oligonukleotidgesteuerte Mutagenese gilt. Wenn ja müsste der Anbau entsprechend veränderter Pflanzen in der EU genehmigt und die Produkte gekennzeichnet werden.

Gutachter Krämer bejaht dies. Seiner Ansicht nach sind Züchtungsverfahren nur dann von der Gentechnikregulierung ausgenommen, wenn diese bereits bei Inkrafttreten der EU-Richtlinie „seit langem als sicher“ angesehen wurden. Bei den neuen Gentechnik-Verfahren, bei denen etwa die Gen-Schere CRISPR/Cas zum Einsatz kommt, ist das aber nicht der Fall. Der Generalanwalt beim EuGH, Michal Bobek, hatte dagegen im Januar die Ansicht vertreten, die Ausnahmeregelung für Mutagenese in der Freisetzungsrichtlinie umfasse auch technische Verfahren, die erst entwickelt wurden, nachdem die Freisetzungsrichtlinie 2001 in Kraft getreten war.

Auch das Vorsorgeprinzip interpretieren Krämer und Bobek unterschiedlich. Nach Ansicht Krämers muss der Gesetzgeber mögliche Risiken neuer Gentechnik-Verfahren schon untersuchen, wenn unsicher ist, ob es welche gibt. Krämer begründet dies mit der Entstehungsgeschichte der Freisetzungsrichtlinie. Bobek dagegen verlangt wissenschaftlich begründete Hinweise, dass es Risiken geben könnte.

Falls der europäische Gerichtshof der Meinung des Generalanwaltes folgt, könnten sich in der EU erhebliche Lücken in der Gentechnikregulierung ergeben, befürchtet Testbiotech. In diesem Fall wäre es unerlässlich, dass die Politik aktiv wird, um beispielsweise unkontrollierte Importe oder Freisetzungen zu verhindern, so der Verein. [vef]

26.02.2018 |

Monsanto verklagt Avaaz: Netzwerk soll interne Daten herausgeben

Justiz Gericht Gesetz Schild am Eingang eines Gerichts in Newcastle (Foto: smlp.co.uk / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Das Oberste Gericht des US-Staates New York hat auf Antrag des Chemiekonzerns Monsanto angeordnet, dass das Kampagnen-Netzwerk Avaaz sämtliche internen Daten über seine Glyphosatkampagne dem Konzern übergeben muss. Avaaz hat dagegen Berufung eingelegt und sammelt Spenden, um in den juristischen Kampf gegen Monsanto zu ziehen.

Avaaz ist ein weltweit tätiges Netzwerk von Online-Aktivisten, dem mehr als 46 Millionen Menschen angehören. Sie wenden sich regelmäßig in Petitionen gegen soziale und ökologische Missstände. Avaaz war auch eine der maßgeblichen Organisationen, die dagegen protestierten, dass der Herbizidwirkstoff Glyphosat in der EU wieder zugelassen wird. Das Gericht ordnete an, Avaaz müsse gegenüber dem Konzern sämtliche Aufzeichnungen offenlegen, die auf Monsanto oder Glyphosat Bezug nehmen. Darunter wären laut Avaaz auch die E-Mail-Adressen von mehr als vier Millionen Menschen, die Petitionen zu Glyphosat unterschrieben hätten. Der Konzern begründete sein Anliegen gegenüber dem Gericht damit, dass diese Unterlagen notwendig wären, um sich in einem anderen Verfahren verteidigen zu können. In San Francisco klagen Hunderte Krebsopfer auf Entschädigung, die Monsantos Glyphosat für ihre Krankheit verantwortlich machen. Im Zuge dieses Prozesses hatte Monsanto zahlreiche interne Akten veröffentlichen müssen, die deutlich machten, wie der Konzern Wissenschaftler und Behörden beeinflusste.

Avaaz Vize-Chefin Emma Ruby-Sachs wertete das Vorgehen des Konzerns als Reaktion darauf, dass Avaaz dessen Pläne in Europa und Argentinien durchkreuzt habe. Monsanto sei bekannt dafür, massiv gegen Kritiker vorzugehen. „Aber dieses Mal haben sie sich eine Bewegung mit fast 50 Millionen Menschen ausgesucht, die nicht klein beigeben werden.“ Doch alleine der juristische Kampf gegen den Konzern wird Avaaz Zeit und Geld kosten, die nicht mehr für Kampagnenarbeit genutzt werden können. Der jährliche Etat des Netzwerks liegt bei etwa 14 Millionen Euro.

„Sollte Monsanto mit seiner Forderung gegen den vergleichsweise kleinen Verband Avaaz durchkommen, könnte das weitreichende Folgen auch für andere Organisationen haben, die sich mit Konzernen anlegen“, schreibt die taz. Auch von Greenpeace und anderen Umweltorganisationen könnte Monsanto dann interne Informationen verlangen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, was Monsanto mit solchen Informationen alles anstellen könnte. Allein die Pflicht, die Daten zu liefern, würde die Arbeit der betroffenenen Organisationen monatelang blockieren. „Tausende Personalstunden und Hunderttausende Dollar“ würde es kosten, die verlangten Dokumente zusammenzustellen, sagte Avaaz der britischen Zeitung The Guardian. Und wer würde noch bei einer Organisation unterschreiben oder sich engagieren, wenn er befürchten müsste, dass die Daten an die bekämpften Konzerne gingen? „Unsere Mitglieder schreiben uns, dass sie davor Angst haben“, sagte Emma Ruby-Sachs dem Guardian: „Es hängt jetzt eine bedrohlich dunkle Wolke über unserer Organisation.“

Avaaz hat einen Spendenaufruf gestartet, um die Kosten des Verfahrens tragen zu können. Und die Organisatoren machen sich und ihren Mitgliedern Mut gegen die „starken Geschütze“, die der „50 Milliarden Dollar schwere Megakonzern“ da auffährt: „Die Avaaz-Gemeinschaft vereint die Kraft von Millionen von Menschen und unsere Mitglieder haben einfach keine Angst.“ [lf]

22.02.2018 |

EU-Aus für Glufosinat bis 2019?

Pestizid Pestizide Acker Spritzmittel Traktor Gift Glyphosat: vom Acker auf den Teller (Foto: Dieter Schütz / pixelio)

UPDATE +++ Nachdem der Wirkstoff Glyphosat in der Europäischen Union erneut bis 2022 zugelassen wurde, müssen jetzt EU-weit etwa 600 bis 700 glyphosathaltige Unkrautvernichter neu genehmigt werden. Das schätzt die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat nach einem Bericht von topagrar online. Unterdessen läuft die EU-Zulassung für das Herbizid Glufosinat zum 31. Juli wohl endgültig aus.
Wie dem offiziellen EU-Register zu entnehmen ist, hat der Hersteller Bayer seinen Antrag an die EU-Kommission, Glufosinat über den 31.7.2018 hinaus zuzulassen, am 20.12.2017 zurückgezogen. Das war genau fünf Tage, nachdem die EU-Kommission Glyphosat für weitere fünf Jahre grünes Licht gegeben hatte. Damit dürfen in der EU nach Artikel 32 der Verordnung 1107/2009 spätestens ab dem 1.8.2019 keine Spritzmittel mehr eingesetzt werden, die Glufosinat enthalten. Solche Spritzmittel, die aktuell in 20 EU-Ländern zugelassen sind, wurden stets als möglicher Ersatz für den Fall gehandelt, dass Glyphosat nicht weiter erlaubt wird. In Deutschland sind schon jetzt keine Pflanzengifte mehr zugelassen, die Glufosinat enthalten.
Ein Sprecher des Bayer-Konzerns begründete die Entscheidung, den bereits im Jahr 2014 gestellten Antrag auf erneute Zulassung seines Wirkstoffs Glufosinat-Ammonium zurückzuziehen, mit „anhaltenden regulatorischen Unwägbarkeiten innerhalb der EU“. Hintergrund ist vermutlich die europaweite Diskussion um die Risiken von Pestiziden. Außerdem hatte die französische Umweltbehörde Anses dem Bayer-Konzern nach einem Bericht des Handelsblatts im Oktober 2017 überraschend die Zulassung für den glufosinat-basierten Unkrautvernichter Basta F1 entzogen. Ob Spitzmittel national eingesetzt werden dürfen, entscheiden in der EU die Mitgliedsstaaten selbst.
Auf die Frage, was es für den geplanten Verkauf des weltweiten Glufosinat-Ammonium-Geschäfts an BASF bedeutet, dass Bayer den Zulassungsantrag in der EU zurückgezogen hat, antwortete der Sprecher: „Die Entscheidung steht in keinem Zusammenhang mit der Vereinbarung mit BASF über den geplanten Verkauf von bestimmten Bereichen des Crop-Science-Geschäfts.“ Bayer will das Glufosinat-Ammonium-Geschäft nebst passendem gentechnisch verändertem Saatgut (LibertyLink) für mehr als sechs Milliarden Euro an den Konkurrenten BASF verkaufen, sobald sie den US-Saatgutgiganten Monsanto übernehmen dürfen. Dass BASF in diesem Fall selbst bei der EU-Kommission beantragen wird, Glufosinat weiter zuzulassen, halten Experten für unwahrscheinlich, da das Totalherbizid als fortpflanzungsschädigend eingestuft ist. Und sogenannte reprotoxische Wirkstoffe können laut Verordnung nicht genehmigt werden.
Was man bei Glufosinat in Deutschland schon geschafft hat, steht bei Glyphosat noch bevor. Beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beantragten bis Fristende am 16. März acht Hersteller, 24 glyphosathaltige Spritzmittel in der BRD neu zuzulassen. Weitere zwölf Herbizide, die über 2018 hinaus zugelassen sind, werden von Amts wegen überprüft, teilte das BVL auf Anfrage mit. Dabei müssen bereits die neuen Zulassungsbedingungen, also Risiken für Landwirbeltiere, Nichtziel-Pflanzen und Biodiversität, beachtet werden.
Und während die Hersteller nach eigenen Angaben bereits am nächsten Verlängerungsantrag für Glyphosat in der EU arbeiten, hat die Politik den Ausstieg ins Auge gefasst. „So schnell wie möglich“ sollen solche Spritzmittel vom deutschen Markt verschwinden, heißt es im neuen Koalitionsvertrag. Die Grünen wollen heute im Bundestag schon mal darüber diskutieren, wie das am besten gehen könnte. In ihrem Antrag fordern sie, den Pestizideinsatz in Deutschland in den nächsten vier Jahren um 40 Prozent zu senken. Außerdem soll es mehr Flächen geben, auf denen Pestizide gar nicht eingesetzt werden dürfen, um Menschen und Umwelt zu schützen. Der Pestizideinsatz, seine Folgen und Alternativen sollen besser erforscht werden.
Schließlich soll das Zulassungsverfahren für Pflanzengifte auf EU-Ebene nach dem Willen der Grünen transparenter werden und gesundheitliche wie ökonomische Risiken stärker einbeziehen. Das EU-Parlament hat zu diesem Zweck einen Sonderausschuss beschlossen, der im März seine Arbeit aufnehmen wird. Neun Monate lang wollen die 30 Ausschussmitglieder vor allem die sogenannten „Monsanto Papers“ und das EU-Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel unter die Lupe nehmen. Dabei soll auch die Rolle der EU-Kommission untersucht werden. Unerwartete Vorschusslorbeeren verteilte das Bundesinstitut für Risikobewertung: „Der neue Sonderausschuss verstärkt den Eindruck, dass beim Thema Pestizid-Genehmigung das EU-Parlament ein wirksamer politischer Impulsgeber werden kann.“ Die Parlamentarier hatten 2017 einen Glyphosat-Ausstieg bis zum Jahr 2022 empfohlen. [vef]

Am 22.3. ergänzt: Angaben des BVL zu Glyphosat-Spritzmittelanträgen in der BRD

20.02.2018 |

USA: Neue Gentechnikverfahren kommen ohne Tests auf den Acker

Labor DNA Forschung Ein DNA-Forschungslabor des US-Energieministeriums (Foto: Lawrence Berkeley Nat"l Lab - Roy Kaltschmidt, DNA Analyzers at the Joint Genome Institute, bit.ly/1tvPZ15, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

In den USA dürfen immer mehr Pflanzen, die mit Genome Editing manipuliert wurden, ohne Zulassung als gentechnisch veränderter Organismus (GVO) vermarktet werden. Der Entwickler einer Pflanze muss lediglich der zuständigen Behörde APHIS im US-Landwirtschaftsministerium darlegen, mit welchem Verfahren er welche Änderungen im Erbgut hervorgerufen hat.

59 solcher Anfragen sind inzwischen bei der Behörde eingegangen. Die meisten Anfragen der vergangenen zwei, drei Jahre betrafen Pflanzen, die mit Genome Editing verändert wurden, also neuen Methoden der Genveränderung wie Crispr/Cas. APHIS entscheidet nach Aktenlage binnen Wochen darüber, ob die Pflanze eine Zulassung braucht oder nicht. In den wenigsten Fällen bestand die Behörde auf einer Zulassung nach dem US-Gentechnikrecht.

Das US-Unternehmen Calyxt will noch in diesem Jahr eine Sojabohne auf den Markt bringen, deren Fett mehr Ölsäure enthält. Das Unternehmen entwickelt auch Mehltau-resistenten Weizen, verschiedene Kartoffeln sowie Luzerne, die APHIS ebenfalls von der Zulassung freigestellt hat. Freigaben für editierte gv-Pflanzen erhielten auch andere Unternehmen: Der Agrarkonzern DuPont für einen Mais mit veränderter Stärkzusammensetzung, das Unternehmen Yield10 Bioscience für veränderte Leindotter-Sorten, die höhere Erträge liefern sollen. Langsam wachsende Gräser, trockentolerante Sojabohnen oder Zuchtpilze, die beim Anschneiden nicht braun werden, sind weitere unregulierte Pflanzen, die in naher Zukunft auf den Markt kommen sollen.

„CRISPR-editierte Pflanzen erreichen in Rekordzeit den Markt“, schrieb im Januar die Fachzeitschrift Nature Biotechnology und zitierte den Geschäftsführer von Yield10: „Wäre unser Leindotter als gentechnisch verändert eingestuft worden, hätte das Zulassungsverfahren mindestens sechs Jahre gedauert und 30 bis 50 Millionen Dollar gekostet.“ So hätte sein Unternehmen nur zwei Jahre gebraucht, um die Anfrage vorzubereiten und bereits nach zwei Monaten hätte das Ministerium geantwortet. Der Nachteil aus Sicht der Verbraucher: All diese gen-editierten Pflanzen wurden nicht auf mögliche gesundheitliche Folgen überprüft. Die Verbraucher können ihnen auch nicht ausweichen, da sie nicht gekennzeichnet werden müssen und es keine geeigneten Nachweismöglichkeiten gibt.

„Die USA verdrängen die Risiken der Gentechnik weitgehend. Das erinnert an den Umgang der derzeitigen US-Regierung mit dem Klimawandel“, kommentiert Christoph Then von Testbiotech die Entwicklung. Betroffen davon können mittelfristig auch Verbraucher in der EU sein, wenn gen-editierte Pflanzen unerkannterweise in die EU importiert werden. „Die EU muss jetzt klarmachen, dass sie auf Nachweisverfahren und Risikoprüfung besteht, egal ob es sich um neue oder alte Gentechnik handelt“, fordert deshalb Christoph Then. Gentechnik-Befürworter hingegen versuchen, auch in der EU ähnlich lasche Zulassungsregeln wie in den USA zu erreichen – und malen Schreckgespenste von Handelskriegen an die Wand, sollte die EU das Genome Editing dem Gentechnikrecht unterstellen: „Die einzige Lösung wäre, den Agrarhandel mit den USA in bestimmten Sektoren vollständig einzustellen“, schreibt die Pro-Gentechnik-Plattform Transgen. [lf]

15.02.2018 |

Glyphosat-Alternative aus der Distel?

Disteln Silybum. Foto: Olds Wolfram (http://bit.ly/2syinU7; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/) Disteln Silybum. Foto: Olds Wolfram (http://bit.ly/2syinU7; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Ein Unkraut, das Unkräuter vernichtet? Eine italienische Chemikerin weckt Hoffnung, dass die Distel zur Alternative für Glyphosat werden könnte. Catia Bastioli ist es gelungen, aus der Säure der stacheligen Pflanze ein Herbizid zu gewinnen.
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, war es eher Zufall: Bastioli, deren Firma Novamont für Biokunststoffe bekannt ist, hatte aus Disteln Öl hergestellt. Dabei fiel Pelargonsäure an, die in Deutschland bereits in Unkrautvernichtungsmitteln für den Gartengebrauch enthalten ist. Die Säure trägt den Namen der Pelargonie, landläufig auch Geranie genannt, weil sie in ihren Blättern enthalten ist. Die sardische Firma Matrica, an der Novamont zu 50 Prozent beteiligt ist, entwickelte daraus ein Herbizid für den großflächigen Freilandeinsatz.
Ganz begeistert hatte Bastioli der „Süddeutschen“ offenbar von den Vorteilen der Disteln berichtet. Sie sind mehrjährig, genügsam, schützen mit ihren tiefen Wurzeln vor Bodenerosion und benötigen kein Wasser. Deshalb bot es sich an, sie auf den kargen Böden Sardiniens in großem Stil anzubauen. Matrica kooperiert dabei mit dem örtlichen Bauernverband, um Anbau- und Erntemethoden der Distel zu verbessern. „Das fördert die Aufgeschlossenheit für Innovationen", zitiert die Zeitung die preisgekrönte Forscherin.
Zusammen mit einem führenden Unternehmen der petrochemischen Industrie hat sie im Norden Sardiniens eine stillgelegte Erdölraffinerie zur Produktionsanlage für Biorohstoffe umgerüstet. Die Produkte der Firma Matrica werden bei der Herstellung von Bioplastik, Bio-Schmierstoffen, Kosmetik und Reinigungsmitteln verwendet. In der Anlage könnten laut Bericht jetzt jährlich 30 000 Tonnen des neuen Bio-Herbizids produziert werden. Für den Einsatz auf Kartoffel-Äckern, im Wein- und Obstanbau und auf öffentlichen Grünflächen in Frankreich, Italien und Österreich soll es bereits zugelassen sein.
Die Pelargonsäure, die auch aus Raps gewonnen werden kann, wirkt auf die Blätter einer Pflanze. Die Fettsäure zerstört die Zellstruktur der benetzten Pflanzenteile. So welken sie innerhalb weniger Stunden. Bastioli weist daraufhin, dass man damit auch Hartweizen-Pflanzen kurz vor der Ernte gut trocknen kann. Im Pasta-Land Italien ein entscheidender Vorteil. Glyphosat darf dort zu diesem Zweck nämlich nicht verwendet werden. [vef]

12.02.2018 |

Ärger für Monsanto: Konzerne kämpfen um den US-Markt für Gentech-Soja

Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; http://bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/) Sojapflanzen mit Dicamba-Schäden — Soybeans showing the cupped leaves which are a symptom of dicamba injury. (Photo: U of A System Division of Agriculture; bit.ly/2isaTx4; https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Der Markt für gentechnisch verändertes (GVO) Sojasaatgut in den USA gerät in Bewegung. Die bisherige Vormachtstellung von Monsanto ist gefährdet. Um seine Position zu verteidigen, hat der Konzern auf das Herbizid Dicamba gesetzt – und sich damit zusätzlichen Ärger eingehandelt.

Die US-Farmer geben jedes Jahr mehrere Milliarden Euro für GVO-Sojasaatgut und die dazu passenden Herbizide aus. Fast 20 Jahre hinweg war dieser Markt fest in den Händen Monsantos. Doch nun sei eine „Schlacht der Bohnen“ ausgebrochen, titelte die Nachrichtenagentur Reuters. Der Grund dafür: Weil die meisten Soja-Farmer Monsantos RoundupReady-Soja mit ihrer Resistenz gegen das Herbizid Glyphosat angebaut hatten, wurde das Unkraut ebenfalls gegen Glyphosat resistent. Deshalb entwickelten neben Monsanto auch andere Konzerne Sojabohnen, die zusätzlich zu Glyphosat auch gegen andere Pestizide resistent sind.

Die Bohne Enlist E3 von Dow Dupont verträgt Duschen von Glyphosat, Glufosinat und 2-4-D. 2,4-D soll Geburtsschäden und Erbgutveränderungen verursachen sowie hormonell wirksam sein. 2015 haben es die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. BASF setzt auf die LibertyLink-Linien, die sie von Bayer übernehmen, wenn der Monsanto-Deal perfekt ist. Sie sind gegen Glufosinat resistent. Der von Bayer entwickelte Wirkstoff ist giftig und kann menschliche Embryos schädigen. In der Europäischen Union ist er nur noch bis 31. Juli 2018 zugelassen. Im Rest der Welt darf Glufosinat auch darüberhinaus noch versprüht werden.

Monsantos neue Bohnen sind resistent gegen Dicamba. Der 1967 erstmals zugelassene Wirkstoff wird in Studien mit erhöhten Krebsraten unter Landwirten und Geburtsschäden bei ihren Söhnen in Verbindung gebracht. Außerdem ist Dicamba sehr leicht flüchtig und kann kilometerweit verfrachtet werden. Genau das passierte im vergangenen Jahr, als US-Landwirte erstmals in großem Stil Monsantos Dicamba-resistente Xtend-Sojabohnen anbauten. Das Spritzmittel waberte über die Felder der Nachbarn und schädigte deren Pflanzen, auf insgesamt 1,5 Millionen Hektar. In einem großen Prozess gegen Monsanto und andere Dicamba-Hersteller verlangen betroffenen Landwirte Schadensersatz. Der US-Bundesstaat Arkansas hat den Einsatz von Dicamba in diesem Jahr bereits verboten, andere Bundesstaaten überlegen noch, meldete das Agrarnetzwerk Harvest Public Media. Die US-Umweltbehörde EPA verpflichtete alle Landwirte, die Dicamba einsetzen wollen, zu einer Fortbildung – die von Monsanto kostenlos angeboten wird.

Laut Reuters ist unklar, welches Soja-Saatgut US-Landwirte in diesem Jahr ausbringen werden. Die Nachrichtenagentur zitiert Saatguthändler, die sich vorsichtshalber mit verschiedenen Bohnen eindecken sowie Landwirte, die auf Monsantos Dicamba-Bohnen setzen – damit ihre Ernte in diesem Jahr keinen Schaden leidet. [lf]

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