04.12.2018 |

Tonnenweise Tierfutter mit antibiotikaresistenten Gentech-Bakterien verfüttert

Kühe Futter Futtermittel Stall Gentechnik-Futter? Nicht bei diesen Bio-Kühen, bei denen in industriellen Ställen aber schon (©BLE, Bonn / Foto: Thomas Stephan)

Hunderttausende Tonnen Viehfutter in der Europäischen Union wurden mit gentechnisch veränderten Bakterien kontaminiert, die resistent sind gegen Antibiotika. Sie stammen aus einem in China hergestellten und inzwischen verbotenen Vitaminzusatz für Futtermittel. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte, dass Behörden und EU-Kommission schon seit Jahren Bescheid wussten und zögerlich handelten.

Futtermischungen für Schweine, Hühner und Rinder enthalten auch Mineralstoffe und Vitamine, darunter Vitamin B2 (Riboflavin). Dieses Vitamin wird meist mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt, etwa dem Bacillus subtilis. Üblicherweise sind die aufgereinigten Vitamine frei von Rückständen des Bakteriums. Doch Anfang Oktober 2018 meldeten die belgischen Behörden im EU-Warnsystem RASFF, dass sie ein „nicht zugelassenes gentechnisch verändertes Bakterium (Bacillus subtilis) in Vitamin B2 (Futtermittel) aus den Niederlanden“ gefunden hätten.

Nach Informationen von Foodwatch seien „in diesem Jahr mindestens acht Tonnen des mit gentechnisch veränderten Bakterien belasteten und damit illegalen Vitamin-B2-Präparats aus China über den niederländischen Futtermittelhersteller Trouw Nutrition nach Europa gelangt“. Damit könnten „Hunderttausende Tonnen Tierfutter“ produziert worden sein, schrieb Foodwatch. Die Behörden in den betroffenen EU-Staaten würden derzeit stillschweigend die Bestände der belasteten Futtermittel zurückrufen.

Der Fall hat eine lange Vorgeschichte. Der chinesische Hersteller hatte bereits 2010 die EU-Zulassung für seinen Riboflavin-Futterzusatz beantragt. In der Folge wies das Labor eines Mitgliedsstaates nach, dass Proben des Zusatzstoffes mit gentechnisch veränderten Bakterien aus der Herstellung verunreinigt waren. Diese Bakterien wiesen mehrere Antibiotika-Resistenzen auf. 2014 fanden dann deutsche und britische Behörden schon einmal gentechnisch-veränderten Bacillus subtilis in Vitamin B2 Granulat aus China, das für Futtermittel gedacht war. Doch erst im September 2018 entzog die EU-Kommission dem chinesischen Zusatzstoff die Zulassung, nachdem die EU-Lebensmittelbehörde EFSA im März 2018 festgestellt hatte, dass der Vitaminzusatz ein Risiko für Tiere, Verbraucher und die Umwelt darstelle.

„Es ist erschütternd, wie die EU-Kommission nicht nur die gesundheitlichen Risiken gentechnisch veränderter Organismen ignoriert, sondern auch die völlig unnötige Verbreitung von Antibiotikaresistenzen durch illegale Futter-Zusatzstoffe jahrelang billigend in Kauf nimmt“, sagte Matthias Wolfschmidt, Kampagnendirektor von Foodwatch. „EU und Landwirtschaftsministerium haben die Gesundheit der Verbraucher wissentlich missachtet“, kritisierte Renate Künast, ernährungspolitische Sprecherin der Bundestags-Grünen, gegenüber dem Magazin Spiegel. Für Christoph Then, Geschäftsführer von Testbiotech, zeigt der Fall, „dass die EU-Kommission mit den Risiken gentechnisch veränderter Organismen zu nachlässig umgeht. Diese Bakterien hatten die Möglichkeit, sich über Jahre in den Tierställen auszubreiten und ihre Resistenzen an andere, gesundheitsgefährdende Keime weiterzugeben.“ [lf]

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